02.05.2025
SNACK

Steirisches Food-Startup Chellas bei deutschem Supermarkt-Riesen gelistet

Das Founder-Ehepaar Maia Kobakhizde-Löffler und Stefan Löffler hat es mit Chellas geschafft, in deutschen Rewe-Märkten gelistet zu werden - bislang ohne Fremdfinanzierung.
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Gründerin Maia Kobakhidze-Löffler mit ihrem Produkt im Einzelhandel
Gründerin Maia Kobakhidze-Löffler mit ihrem Produkt im Einzelhandel (c) Maia Kobakhidze-Löffler

Inspiriert von einer traditionellen Süßigkeit aus ihrer georgischen Heimat hatte Gründerin Maia Kobakhizde-Löffler die Idee: Ein Produkt, das in der Rezeptur ähnlich ist wie das Original, auf den österreichischen Markt zu bringen: Chellas. Gemeinsam mit ihrem Ehemann Stefan Löffler hat die Gründerin ein veganes sowie laktose- und glutenfreies Produkt aus Früchten und Nüssen auf den Markt gebracht, wie brutkasten damals berichtete. Der gesunde Snack wird in Handarbeit hergestellt – daran hat sich bis heute nichts geändert – aber mittlerweile sind die Chellas nicht mehr nur in österreichischen Märkten zu finden, sondern auch in Deutschland.

Expansion nach Deutschland

Das Unternehmen Chellas ist nach wie vor zu 100 Prozent eigenfinanziert – Stefan Löffler erzählt gegenüber brutkasten, wie sie es ohne Investoren geschafft haben, nach Deutschland zu expandieren: „Wir mussten Mitte 2023 unsere Verpackung ändern, weil sie nicht den Vorstellungen der Supermärkte entsprochen hat. Mit der Umstellung auf die neue Verpackung haben wir deutsche Supermärkte angeschrieben und sind dann dort gelistet worden“, erzählt Löffler. Es sei nicht mehr viel Aufwand nötig gewesen, denn; „Nur die Verpackung ist neu, nicht das Produkt“, so Löffler. Jetzt läuft ein Testverkauf in 150 Testsupermärkten. Die Produkte sind in den REWE Supermärkten in den Regionen West, Südwest, Mitte und Dortmund gelistet. Ab Januar sind die Chellas sogar in Berlin bei der REWE „Voll Pflanzlich“-Linie vertreten. Um diese Märkte zu beliefern, mussten die Gründer:innen nicht neu produzieren, sondern konnten die Produkte ausliefern, die sie bereits lagernd hatten.

Produktion soll weiterhin selbst gemacht werden

Der Jahresumsatz bisher liegt bei ungefähr 100.000 Euro – und das Untenehmen will weiterhin unabhängig bleiben: „Wir wollen so lange es geht, alleine bleiben und organisch wachsen“, so Löffler. Im Moment sei jedenfalls keinesfalls geplant, Investoren an Bord zu holen, „aber wenn der Probeverkauf in Deutschland entsprechend läuft, müssen wir weiterschauen – aber darum kümmern wir uns, wenn es so weit ist“, so der Gründer.

Auch was die Produktion angeht, wollen die Gründer vorerst alleine bleiben: „Bis jetzt schaffen wir die Produktion der Chellas gut zu zweit. Sollten die Verkaufszahlen enorm steigen, müssen wir schauen, wie wir da weitermachen“, sagt Löffler. Das Gründerteam produziert die gesamte Ware selbst – auch verpackt werden die Fruchtschnitten von den beiden selbst.

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Die re:Marc 2026 fand im Museum of Ethnography Budapest statt | (c) egressyorsifoto
Die re:Marc 2026 fand im Museum of Ethnography Budapest statt | (c) egressyorsifoto

„Ihr pitcht nicht um euer eigenes Überleben, ihr pitcht um unser Überleben als Gesellschaft.“ Mit diesen Worten richtet sich Uli Grabenwarter vom European Investment Fund in seiner Keynote bei der Konferenz re:Marc an das Publikum. Er bringt damit eine Kernbotschaft des Events auf den Punkt: Kreative Lösungen für marginalisierte Gruppen müssen in das Zentrum der Wirtschaft rücken.

Ein grenzüberschreitendes Ökosystem

Die re:Marc ist der Höhepunkt des „Marc Impact Programme“, einer gemeinsamen Initiative von ERSTE Stiftung, ERSTE Social Finance Holding, IFUA Nonprofit Partner und SIMPACT. Die Partner riefen dieses internationale Programm ins Leben, um wirkungsorientierte Unternehmen zu unterstützen. Radován Jelasity, CEO der Erste Bank Hungary, vergleicht in seiner Eröffnungs-Keynote die Kernidee mit jener der Erste Bank selbst und gibt den Teilnehmer:innen mit: „Glaub an dich, denn am Ende gewinnt immer das Gute!“

Und Ana Cretu, Director Social Impact Investment der ERSTE Stiftung, stellt klar: „Das Programm wurde designt, um von einer Gemeinschaft getragen zu werden, nicht nur von einer kleinen Gruppe von Leuten.“ Sie betont eine zentrale Überzeugung der Initiator:innen: „High-Impact-Entrepreneure sind entscheidend für resiliente Gesellschaften.“

Radován Jelasity, CEO der Erste Bank Hungary, auf der Bühne bei der re:Marc 2026 | (c) egressyorsifoto

Marc startete 2024 und begleitet Gründer:innen aus mittlerweile sechs Ländern langfristig. Radka Novotná, COO des tschechischen Social Startups Nepanikař, gibt im Gespräch mit brutkasten einen konkreten Einblick: „Das Programm hat uns die Augen geöffnet. Als NGO haben wir oft die Einstellung, mit so wenig Geld wie möglich auszukommen. Die Mentorinnen und Mentoren haben uns beigebracht, dass es in Ordnung ist, nach Geld zu fragen, weil es für einen wirklich guten Zweck ist.“

Der Pitch um den größten Impact

Das Event in Budapest bringe diese internationale Community zusammen. Zwölf Startups aus Österreich, Ungarn, Kroatien, Serbien, Rumänien und Tschechien traten dabei auch in drei Runden beim Pitch-Wettbewerb gegeneinander an. Sie zeigten eine enorme Bandbreite an Lösungen. Die Ideen reichten von Drohnen, die Samenbomben zur Wiederaufforstung abwerfen, über mobile Konzertbühnen in Lastenfahrrädern bis hin zu leistbaren Recyclingmaschinen für Plastikmüll aus dem Meer. Die Teams pitchten um Preisgelder von bis zu 20.000 Euro.

Andrew Gray von Tilia Impact Ventures (am Mikrofon) war eines der Jury-Mitglieder | (c) egressyorsifoto

Entscheidend war dabei aber nicht nur der Impact selbst, sondern auch die Frage nach einem tragfähigen und nachhaltigen Geschäftsmodell, das diesen Impact finanzieren kann. Entsprechend genau fragte die Jury nach. Jury-Mitglied Andrew Gray von Tilia Impact Ventures erklärt im brutkasten-Gespräch: „Wir sehen uns an, welche Startups den größtmöglichen Impact für so viele Menschen wie möglich erzielen. Wer wird das Preisgeld nutzen, um den tiefgreifendsten sozialen Impact in der sinnvollsten Weise zu generieren?“

Die Sieger der re:Marc 2026

Letztlich musste sich die Jury für die Gewinner der drei Hauptpreise entscheiden. Neben diesen wurden noch mehrere Zusatzpreise vergeben. Diese drei Startups überzeugten die Jury besonders:

Grand Impact Award: Nepanikař

Den „Grand Impact Award“ und damit den Hauptpreis von 20.000 Euro holte sich das tschechische Social Startup Nepanikař – zu Deutsch: “Keine Panik!” Die gleichnamige App bietet psychologische Hilfe und Suizidprävention. Sie verzeichnet täglich rund 500 Nutzer:innen und unterstützt diese auch gezielt in akuten psychischen Krisensituationen. „Wir wollen das Preisgeld nutzen, um die App mit Smartwatches und Ringen zu verbinden und so Krisen besser vorherzusagen“, schildert Radka Novotná ihre Pläne. Das Geld fließt parallel in die Übersetzung der App in vier weitere Sprachen.

Nepanikař rund um Radka Novotná (2.v.r.) holte sich den Grand Imppact Award | (c) egressyorsifoto

Innovation Champion Award: Origin BCI

Der „Innovation Champion Award“ im Wert von 15.000 Euro ging nach Rumänien an Origin BCI. Das Team rund um Gründer und CEO David-Alexandru Popescu entwickelt bionische Handprothesen, die leistbar und leicht zu warten sind. Im Interview verrät Popescu den nächsten Schritt: „Die gewonnenen 15.000 Euro werden dazu beitragen, unser finales, konformes Produkt zu bauen – mit zugelassenen Materialien und Elektronik für Medizinprodukte.“

Origin BCI rund um David-Alexandru Popescu (2.v.l.) erhielt den Innovation Champion Award | (c) egressyorsifoto

Scalable Champion Award: TalentsLounge

Den „Scalable Champion Award“ sicherte sich Anna Gawin mit der österreichischen Plattform TalentsLounge (DaVinciLab). Die Plattform befähigt Lehrkräfte, Künstliche Intelligenz und Zukunftskompetenzen zu unterrichten. Gawin hat ein klares Ziel für die 15.000 Euro Preisgeld: „Wir werden unsere Plattform ins Polnische und Ungarische übersetzen und erste Pilotprojekte mit rund 500 Schülerinnen und Schülern an polnischen und ungarischen Schulen in Wien umsetzen.“

TalentsLounge rund um Anna Gawin holte sich den Scalable Champion Award | (c) egressyorsifoto
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