25.01.2022

Investitionen in Klimatechnologien haben sich weltweit verdreifacht – dennoch Stagnation im Early-Stage & Seed-Bereich

Das Beratungsunternehmen PwC veröffentlichte seinen jüngsten State of Climate Tech Report. Das Ergebnis: Risikokapitalgeber und Private Equity-Firmen investieren massiv in Klimatechnologien, dennoch stagniert die Zahl der Finanzierungen im Seed- und Early Stage-Bereich.
/artikel/state-of-climate-tech-jaenner-2022
PwC
Agatha Kalandra Partnerin und Head of Management Consulting & ESG und Thomas Steinbauer Partner und Net Zero Leader bei PwC Österreich | (c) PwC Österreich

Die weltweiten Investitionen in Klimatechnologien haben sich im Vorjahresvergleich verdreifacht. Zu diesem Schluss kommt der jüngste State of Climate Tech Report von PwC. Im zweiten Halbjahr 2020 und im ersten Halbjahr 2021 erreichten Investitionen ein Volumen von 87,5 Milliarden US-Dollar, wobei der Großteil (60 Mrd. USD) im ersten Halbjahr 2021 mobilisiert wurde. Dies entspricht einem Anstieg von 210 Prozent gegenüber den 28 Milliarden US-Dollar, die in den zwölf Monaten zuvor aufgebracht wurden.

State of Climate Tech Report übt Kritik

Trotz des Anstiegs kritisieren die Studienautor:innen des State of Climate Tech Report, dass die Investitionen allerdings nicht ausreichen und zudem Kapital in ineffiziente Klimalösungen fließen. Dazu heißt es: „Die Top 5 der wirksamsten Technologien, die mehr als 80 Prozent des Emissionseinsparungspotenzials bis 2050 ausmachen, erhielten im Zeitraum von 2013 bis zum ersten Halbjahr 2021 nur 25 Prozent der Klimatechnologie-Investitionen.“

 „Unsere Untersuchungen zeigen jedoch, dass Investitionen noch besser gelenkt werden könnten, um Anreize für jene Technologien zu schaffen, die das größte Einsparungspotenzial bei CO2 haben“, so Thomas Steinbauer, Partner und Net Zero Leader bei PwC Österreich.

Coronakrise als Hemmschuh

Nach einem Anstieg der Investitionen in Klimatechnologien zwischen 2013 und 2018 stagnierten diese bis 2020 aufgrund makroökonomischer Trends sowie der Corona-Pandemie. Im ersten Halbjahr 2021 erholten sich die Investitionen laut PwC jedoch deutlich, da ESG-Faktoren in der Privatwirtschaft stärker in den Mittelpunkt rückten und neue Vorschriften eingeführt wurden. Stichwort: EU-Taxonomie.


Podcast-Tipp zur EU-Taxonomie

https://open.spotify.com/episode/2JAzAhf0Cki7kHem6JA0Id

Stagnation im Seed- und Early-Stage Bereich

Investitionen in Klimatechnologien werden derzeit von einer Handvoll Lösungen dominiert, so die Expert:innen von PwC. Diese haben jedoch nicht unbedingt die größten Auswirkungen auf die Emissionsreduktion. Batteriebetriebene Elektrofahrzeuge machen beispielsweise nur drei Prozent des gesamten Einsparpotenzials bis 2050 aus, erhielten aber 60 Prozent der gesamten Finanzmittel zwischen 2013 und dem ersten Halbjahr 2021. 

Nennenswert ist laut PwC auch, dass trotz wachsender Gesamtinvestitionen die Zahl der Seed- und Early Stage-Finanzierungen für Klimatechnologie-Startups seit 2018 stagniert. Dies spiegelt zum Teil die Reife von Klimatechnologien als Anlageklasse wider, verdeutlicht aber auch die Notwendigkeit, vermehrt in Startups zu investieren.

USA führend bei Investitionen

Die USA sind führend bei Investitionen in Klimatechnologien und ziehen fast 65 Prozent der Risikokapital-Investitionen an (56,6 Mrd. USD vom zweiten Halbjahr 2020 bis zum ersten Halbjahr 2021). In China wurden im gleichen Zeitraum schätzungsweise neun Milliarden US-Dollar in Klimatechnologien investiert, in Europa insgesamt 18,3 Milliarden US-Dollar. Die Investitionen sind getrieben vom sprunghaften Anstieg im Mobilitäts- und Verkehrssektor (plus 494 Prozent im zweiten Halbjahr 2020 und ersten Halbjahr 2021 im Vergleich zu den vorherigen zwölf Monaten).

Fact-Box: Die Ergebnisse des State of Climate Tech Report

1. | Zu den fünf wichtigsten Technologien, auf die mehr als 80 Prozent des künftigen Emissionsminderungspotenzials entfallen, gehören: Solarenergie, Windenergie, Technologien für Lebensmittelabfälle, Produktion von grünem Wasserstoff und alternative Lebensmittel/THG-arme Proteine. 

2. | Das durchschnittliche Volumen von Klimatechnologie-Deals hat sich im ersten Halbjahr 2021 fast vervierfacht und lag bei 96 Millionen US-Dollar, gegenüber 27 Millionen US-Dollar im Vorjahr.

3.| Investor:innen machen sich vermehrt mit Klimatechnologien als Anlageklasse vertraut. Im ersten Halbjahr 2021 waren etwa 1.600 Investor:innen aktiv. Zum Vergleich: Im ersten Halbjahr 2020 waren es weniger als 900.

4. | Der Mobilitäts- und Verkehrssektor erhält weiterhin den Löwenanteil der Finanzmittel im Klimatechnologiebereich. Besonders Elektrofahrzeuge, Mikromobilität und andere innovative Verkehrsmodelle ziehen die Aufmerksamkeit von Investor:innen auf sich. Der Sektor hat zwischen dem zweiten Halbjahr 2020 und dem ersten Halbjahr 2021 fast 58 Milliarden US-Dollar mobilisiert, was zwei Drittel der gesamten Finanzmittel für Klimatechnologien in diesem Zeitraum ausmacht.

5. | Die drei großen Bereiche Mobilität und Verkehr, Industrie, Fertigung und Ressourcenmanagement (IM&R) sowie Finanzdienstleistungen verzeichneten zwischen dem zweiten Halbjahr 2019 und dem ersten Halbjahr 2021 mit jeweils mehr als 260 Prozent das stärkste Investitionswachstum im Jahresvergleich und erreichten 58 Milliarden, 6,9 Milliarden bzw. 1,2 Milliarden US-Dollar.

Deine ungelesenen Artikel:
27.10.2026

World-Energy-Council-CEO: „Energiewende ist zu einem der am meisten missverstandenen Begriffe geworden“

Eine positive Zukunftsvision statt einer "Geschichte von Verzicht und Leiden" - wir sprachen am Rande des Verbund Venture Day 2026 mit Angela Wilkinson, CEO des World Energy Council.
/artikel/world-energy-council-ceo-energiewende-ist-zu-einem-der-am-meisten-missverstandenen-begriffe-geworden
27.10.2026

World-Energy-Council-CEO: „Energiewende ist zu einem der am meisten missverstandenen Begriffe geworden“

Eine positive Zukunftsvision statt einer "Geschichte von Verzicht und Leiden" - wir sprachen am Rande des Verbund Venture Day 2026 mit Angela Wilkinson, CEO des World Energy Council.
/artikel/world-energy-council-ceo-energiewende-ist-zu-einem-der-am-meisten-missverstandenen-begriffe-geworden
Angela Wilkinson beim Verbund Venture Day 2026 | Verbund / elephant and porcelain
Angela Wilkinson beim Verbund Venture Day 2026 | Verbund / elephant and porcelain

Wiewohl die Debatte rund um den Klimawandel in den vergangenen Jahren nachweislich leiser geworden ist, bleibt die Energiewende großes Ziel – in Österreich und Europa alleine schon wegen der brandaktuellen Frage der Souveränität. Dabei versteht man unter Energiewende keineswegs weltweit das selbe, meint Angela Wilkinson, Secretary General und CEO des World Energy Council (WEC) im Interview.

Wir trafen die Chefin der in London ansässigen Dach-Organisation, die über 3.000 Partner-Organisationen in mehr als 100 Ländern hat, beim Verbund Venture Day 2026 an der WU Wien, wo sie auch eine Keynote hielt und an einer Podiumsdiskussion teilnahm. Ihre Kernaussage: Die Menschheit brauche in der Energiewende eine positive gemeinsame Vision.


brutkasten: Was macht das World Energy Council eigentlich genau?

Angela Wilkinson: Das World Energy Council wurde vor 100 Jahren am Ende des Ersten Weltkriegs gegründet. Die ursprüngliche Mission lautete: Wie verhindern wir am Ende der großen Weltreiche eine Situation, in der Nationalstaaten wegen knapper Ressourcen gegeneinander Krieg führen? Das sind die Wurzeln unserer Organisation. Seit 100 Jahren arbeiten und wachsen wir als globale Gemeinschaft – ein verteiltes Netzwerk aus Expertinnen und Experten, Entscheidungsträgern, Unternehmern und Innovatoren, die eine gemeinsame Mission teilen: mehr und bessere Energie für alle Menschen auf der Welt.

Wie kann man sich die konkrete Arbeit des WEC vorstellen?

Wir haben drei Hauptaktivitäten: Erstens erstellen wir Berichte – keine rein technischen Datenstudien wie die IEA (Anm. Internationale Energieagentur), sondern nutzen eigene Frameworks wie den „World Energy Trilemma“-Ansatz. Damit erfassen wir praktische Erfahrungen aus verschiedenen Ländern dazu, wie Regierungen Versorgungssicherheit, Leistbarkeit und Nachhaltigkeit bei der Gestaltung ihrer Energiesysteme in Einklang bringen. Wir analysieren Praxisbeispiele, um Märkte und Politiken zu verbessern.

Zweitens organisieren wir Veranstaltungen: Wir bringen unsere Gemeinschaft aus 120 Ländern zusammen. Unser nächster World Energy Congress findet vom 26. bis 29. April 2027 in Riad statt und führt über 100 Ministerinnen und Minister, mehr als 5.000 CEOs und rund 18.000 Teilnehmende zusammen. Angesichts der globalen Elektrifizierungswelle untersuchen wir, was das System zusammenhält – von Verträgen über Vertrauen, Narrative und Daten bis hin zur Infrastruktur. Wir agieren dabei technologieagnostisch.

Drittens betreiben wir Community Building: Nachhaltige Veränderungen erfordern echte Gemeinschaften. Wie hier beim Ökosystem von Verbund X schafft eine Gemeinschaft das nötige Vertrauen für konstruktive Debatten und arbeitet pragmatisch mit den vorhandenen Stärken, statt in polarisierte Diskussionen zu verfallen.

Sie haben in Ihrer Keynote gesagt, es gebe weltweit recht klare Ziele für die Energiewende, aber es fehle an einer positiven Vision. Können Sie das näher ausführen?

Energiewende ist zu einem der am meisten missverstandenen Begriffe geworden. Europäer verstehen darunter den Verzicht auf fossile Brennstoffe, Golfstaaten das Eliminieren von Treibhausgasemissionen, während man in den USA den Begriff derzeit überhaupt meidet und lieber von „Energieüberfluss“ spricht. Die Realität ist jedoch: Energie ist das Betriebssystem und das Fundament des Ökosystems unserer Zivilisation. Wir sprechen meist nur darüber, was die Zukunft nicht sein soll. Wir führen aber keine inspirierende Debatte mit den Menschen auf der Straße darüber, welche neuen Möglichkeiten ihr Leben verbessern können. Die Energiewende wird zu sehr als Geschichte von Verzicht und Leiden dargestellt.

Sie meinten in Ihrer Keynote auch, es brauche die Aktivierung noch nicht vorhandener Nachfrage…

Es geht darum, Nachfrage als aktiven Gestalter der Energiewende einzubinden, statt nur als deren Folge. Ein Beispiel: Meine 26-jährige Tochter arbeitet in der Modeindustrie und hat per se keinen Bezug zur Energie; aber Branchen wie die Bekleidungsindustrie besitzen reale Stellschrauben. Anstatt nur über Erzeugung, Übertragung und Speicherung zu sprechen und den Endverbraucher zu vernachlässigen, müssen wir in der Energiebranche vom konkreten Nutzen für das tägliche Leben der Menschen aus denken. Wenn Menschen verstehen, wie Energie ihr Leben verbessert, begreifen sie auch deren Wert. Wir brauchen eine Geschichte der Möglichkeiten aus dem Alltag heraus und keine reine Technologie-Story von oben.

Sie sagten in Bezug auf die Energiewende auch: „Moleküle werden bleiben.“ Wie lautet dazu Ihre Prognose?

Selbst wenn wir das Ziel von 50 bis 60 Prozent Elektrifizierung bis 2050 erreichen, bleiben 40 Prozent übrig. Meine Wette gilt sauberen Molekülen – sei es durch CO2-Abscheidung, dekarbonisierte Barrels oder wasserstoffbasierte Treibstoffe. Flüssige und gasförmige Brennstoffe bieten eine Transportfähigkeit, Energiedichte, saisonale Speichermöglichkeit und Flexibilität, die Elektronen und Batterien schlicht nicht haben. Die Zukunft gehört einer Kombination aus Elektronen, Molekülen und Qubits.

Als CEO des World Energy Council haben Sie eine globale Perspektive. Welche Rolle spielen Europa und speziell Österreich in diesem globalen System?

Österreich verfügt mit Initiativen wie dem Verbund X Accelerator über ein starkes Innovations-Ökosystem. Meine Aufgabe besteht darin, solche lokalen Innovatoren auf die globale Bühne zum World Energy Congress zu bringen, damit verschiedene Regionen voneinander lernen können. Verbund X hat Gegenstücke in vielen Ländern. Bottom-up-Initiativen sind hervorragend, aber Bottom-up und Top-down müssen sich treffen, um echte Wirkung zu entfalten.

Zum Abschluss: Wie würden Sie in sehr wenigen Worten die wichtigsten Maßnahmen beschreiben, um die von ihnen skizzierte Vision umzusetzen?

In zwei Begriffen: Energy Literacy und Energy Fluency. Die meisten der neun Milliarden Menschen verstehen das Energiesystem nicht und wissen nicht, woher ihre Energie kommt. Selbst wenn ich in Europa Energieexperten frage, wie viel Energie sie verbrauchen, können es viele nicht beantworten. Wenn wir nicht einmal unseren eigenen Energieverbrauch benennen können – was verwalten wir dann überhaupt?

Toll dass du so interessiert bist!
Hinterlasse uns bitte ein Feedback über den Button am linken Bildschirmrand.
Und klicke hier um die ganze Welt von der brutkasten zu entdecken.

brutkasten Newsletter

Aktuelle Nachrichten zu Startups, den neuesten Innovationen und politischen Entscheidungen zur Digitalisierung direkt in dein Postfach. Wähle aus unserer breiten Palette an Newslettern den passenden für dich.

Montag, Mittwoch und Freitag

AI Summaries

Investitionen in Klimatechnologien haben sich weltweit verdreifacht – dennoch Stagnation im Early-Stage & Seed-Bereich

AI Kontextualisierung

Welche gesellschaftspolitischen Auswirkungen hat der Inhalt dieses Artikels?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Investitionen in Klimatechnologien haben sich weltweit verdreifacht – dennoch Stagnation im Early-Stage & Seed-Bereich

AI Kontextualisierung

Welche wirtschaftlichen Auswirkungen hat der Inhalt dieses Artikels?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Investitionen in Klimatechnologien haben sich weltweit verdreifacht – dennoch Stagnation im Early-Stage & Seed-Bereich

AI Kontextualisierung

Welche Relevanz hat der Inhalt dieses Artikels für mich als Innovationsmanager:in?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Investitionen in Klimatechnologien haben sich weltweit verdreifacht – dennoch Stagnation im Early-Stage & Seed-Bereich

AI Kontextualisierung

Welche Relevanz hat der Inhalt dieses Artikels für mich als Investor:in?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Investitionen in Klimatechnologien haben sich weltweit verdreifacht – dennoch Stagnation im Early-Stage & Seed-Bereich

AI Kontextualisierung

Welche Relevanz hat der Inhalt dieses Artikels für mich als Politiker:in?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Investitionen in Klimatechnologien haben sich weltweit verdreifacht – dennoch Stagnation im Early-Stage & Seed-Bereich

AI Kontextualisierung

Was könnte das Bigger Picture von den Inhalten dieses Artikels sein?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Investitionen in Klimatechnologien haben sich weltweit verdreifacht – dennoch Stagnation im Early-Stage & Seed-Bereich

AI Kontextualisierung

Wer sind die relevantesten Personen in diesem Artikel?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Investitionen in Klimatechnologien haben sich weltweit verdreifacht – dennoch Stagnation im Early-Stage & Seed-Bereich

AI Kontextualisierung

Wer sind die relevantesten Organisationen in diesem Artikel?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Investitionen in Klimatechnologien haben sich weltweit verdreifacht – dennoch Stagnation im Early-Stage & Seed-Bereich