19.02.2025
ÖKOSYSTEM

Startups Upper Austria: „Silohafte Communities helfen nicht“

Startups Upper Austria feiert Ende Februar sein zweijähriges Bestehen. Im Rahmen dessen blickt Vorstandsvorsitzender Mathias Fink auf die Anfänge, gibt einen Ausblick in den Status Quo und plädiert für mehr Zusammenarbeit in Oberösterreich.
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Startups Upper Austria
© Startups Upper Austria - Mathias Fink von Startups Upper Austria.

Es war der Exit von Runtastic im Jahr 2015, der besonders in Oberösterreich für eine Aufbruchsstimmung in der Startup-Szene gesorgt hat. Jene war damals im nördlichen Bundesland sehr aktiv, wie sich Mathias Fink, Vorstandsvorsitzender Startups Upper Austria, noch erinnert. Er selbst betrat die Startup-Welt vor rund acht Jahren und erlebte eine emsige Community, aus der er einiges mitgenommen hat. Doch dann kam die Pandemie.

Startups Upper Austria als Anlaufstelle

„Über die Corona-Zeit ist die Community etwas eingeschlafen, es gab kaum Events und die Vernetzung litt auch daran“, sagt er. Mit Ende 2022 war dann Austrian Startups auf Fink zugekommen und hat ihn gefragt, ob er denn nicht die Zuständigkeit für Startups in Oberösterreich übernehmen wolle.

Fink war sofort Feuer und Flamme für seine neue Aufgabe, hatte bereits davor Events organisiert, wusste aber, dass das Ganze einen Rahmen bräuchte. Er belebte die Community wieder und schuf eine lokale Anlaufstelle für Gründer:innen. Das war die Geburt von Startups Upper Austria.

„Ich habe ein Team zusammengestellt und gemeinsam haben wir Strukturen geschaffen und den Fokus stark auf die Mitgliederzahl gelegt“, erklärt Fink. Innerhalb des ersten Jahres konnte man 100 Interessierte für sich gewinnen und damit ein Fundament schaffen. Man erweiterte schließlich den Vorstand und rief neue Event-Formate ins Leben. Darunter eine Möglichkeit für einen „niederschwelligen Austausch“, quasi einen Stammtisch ohne Programm, wo Gründer:innen vorbehaltlos über ihre Projekte sprechen können.

„Ganze Bandbreite einer Startup-Journey abdecken“

„Für Informationsaustausch und Weiterbildung organisieren wir zudem Meetups zu aktuellen und für die Community relevanten Themen, die vor den Stammtischen stattfinden“, erklärt Fink. „Und für Personen gedacht sind, die konkreten Input suchen.“ Des Weiteren entwickelte man “Kamingespräche” für erfahrene Founder:innen und Podiumsdiskussionen mit Speakern, die größere Themen wie Finanzierung oder Internationalisierung bei zielgerichteten Veranstaltungen in den Fokus rücken.

„Damit decken wir die ganze Bandbreite der Startup-Journey ab“, so Fink weiter. „Von der Ideenphase bis zum Scaleup. Eine Community lebt vom Austausch. Wichtig ist, dass unsere erfahrenen Gründer als Mentoren dabei sind. Und etwas zurückgeben können.“

Nun, da man zwei wird und in die Zukunft blickt, möchte man künftig den eigenen Scaleups und erfolgreichen Startups noch mehr Mehrwert bieten. „Eine Expansion etwa ist nicht immer leicht. Wenn man aber die richtige Ansprechperson hat, die sich etwa mit Marktregulatorik auskennt, mit der Produkt-Thematik und der Konkurrenz, Wissen zum Zugang für Förderungen bieten kann, Multiplikatoren finden, dann hilft das alles extrem in der Wachstumsphase. Es spart Zeit und Fehler“, sagt Fink, der in diesem Sinne die Kooperation mit der Außenwirtschaft Österreich hervorhebt. „Unseren Startups ist nicht immer bewusst, was alles möglich ist.“

Das brauchen Startups

Genau jene Startups brauchen Zugang zu Investoren-Netzwerken, Marken-Experten oder Standort-Agenturen in Zielländern, weiß Fink. Deshalb hat Startups Upper Austria bereits Kontakte zu internationalen Communities aufgebaut und sogar eine Agentur von zwei ehemaligen Gründern als Partner, die zwei Exits hinter sich haben und nun den Fokus auf Support setzen. Aktuell ist der Verein aus Oberösterreich in Deutschland und den USA aktiv, UK werde der nächste Schritt sein. Auch Indien soll künftig eines der Zielländer werden, um den asiatischen Markt abzudecken -inklusive Austauschprogramm oder Online-Veranstaltungen.

Startups Upper Austria versteht sich dahingehend allgemein als Vermittler zwischen Startup-Organisationen bzw. als ehrenamtlicher Verein, der von Gründer:innen für Gründer:innen gegründet wurde. Sowie unabhängig von politischen Interessen agieren und für Startups zur Wirtschaft auftreten kann. „Zudem sind wir ein ‚Safe Space‘, den man aufsuchen kann, wenn es einem schlecht geht“, betont Fink.

Nach zwei Jahren der Arbeit im oberösterreichischen Ökosystem weiß er auch, dass vor allem Risikokapital ein generelles Thema ist und bleiben wird. Zwar seien die gängigen Förderungen in Oberösterreich „top“, wie er sagt, dennoch brauche die Szene eine stärkere Positionierung zwecks Internationalisierung und generell bei österreichischen Investoren.

Startups Upper Austria für Kooperation statt Isolationismus

„Wir haben Startups, die Cashflow-positiv sind, gebootstrapped, aber mehr Kontakte zu Kapitalgebern und Experten wäre essentiell“, so Fink weiter. Ein inniger Wunsch von ihm bleibt, Fördermöglichkeiten für Kollaborationen zwischen Industrie und Startups aufzubauen. „Unternehmen bekommen ein Pilotprojekt bewilligt und gefördert und das Startup kann dann offiziell Rechnungen stellen und Umsatz verzeichnen“, erklärt er seine Vorstellung.

Zudem plädiert er dafür, die Netzwerkkomponente auszubauen und gemeinsam Symbiosen zu nutzen. „Aktuell ist es so, dass es viele eigene Kriterien zu erfüllen gibt, dabei aber wenig über den Tellerrand geschaut wird. Jeder von uns möchte die Startup-Szene erfolgreich machen, da helfen silohafte Communities nicht.“

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Das Ohana Gründer-Trio Christian Orgler, Stephan Brunner und Kevin Snajda | (c) Ohana
Das Ohana Gründertrio Christian Orgler, Stephan Brunner und Kevin Snajda | (c) Ohana

Ohana ist eine Kinderschutz-App von Christian Orgler, Stephan Brunner und Kevin Snajda. Kurz nach der Gründung 2022 investierten die Runtastic-Gründer rund um Florian Gschwandtner mit ihrer Beteiligungsgesellschaft 8eyes einen nicht näher genannten Betrag in das Startup (brutkasten berichtete). Im Jahr darauf holte man Hansi Hansmann an Bord, welcher ein siebenstelliges Investment mitfinanzierte. 2025 folgte eine Partnerschaft mit Drei. Nun lanciert Swisscom mit Kids Security eine neue App für digitale Kindersicherheit. Die Technologie dahinter stammt vom österreichischen Unternehmen Ohana.

Ohana setzt auf Inklusion und Transparenz

Für ihre neue App Kids Security liefert und betreibt Ohana die Grundlage des neuen Angebots der größten Schweizer Telekommunikationsanbieterin. Sie soll konkret Familien bei einem sicheren und verantwortungsvollen Umgang mit Smartphone und Internet unterstützen. Die plattformübergreifende Technologie verbindet dabei technische Schutzfunktionen mit einem Ansatz, der auf Transparenz, Medienkompetenz und die aktive Einbindung von Kindern setzt.

Kids Security ermöglicht Eltern unter anderem, Bildschirmzeiten zu strukturieren, Apps und Online-Inhalte zu verwalten sowie Einblicke in die Gerätenutzung ihrer Kinder zu erhalten. Dabei setzt die Lösung nicht auf reine Kontrolle: Kinder werden aktiv eingebunden, Regeln und Einstellungen bleiben für sie nachvollziehbar und Familien werden dabei unterstützt, gemeinsam einen gesunden Umgang mit digitalen Medien zu entwickeln.

Neues Handlungsfeld für Telekommunikationsanbieter

„Telekommunikationsanbieter begleiten Familien jeden Tag in der digitalen Welt. Damit sind sie auch in einer besonderen Position, Eltern und Kinder dabei zu unterstützen, sich sicher und selbstbestimmt darin zu bewegen“, sagt Orgler, Geschäftsführer von Ohana. „Dass Swisscom digitale Kindersicherheit als Teil des eigenen Angebots aufgreift, zeigt, welche Bedeutung das Thema mittlerweile hat.“

Smartphones, Social Media und Gaming sind längst fester Bestandteil des Alltags von Kindern und Jugendlichen. Gleichzeitig stehen viele Eltern vor der Frage, wie sie ihre Kinder schützen können, ohne ihre Privatsphäre übermäßig einzuschränken, heißt es in der Presseaussendung. Für Telekommunikationsanbieter entsteht laut Ohana damit ein neues Handlungsfeld: Neben Konnektivität und Zugang zur digitalen Welt gewinnt auch die Frage an Bedeutung, wie Familien bei der sicheren Nutzung unterstützt werden können.

Ohana-Founder: „Ein Meilenstein“

„Swisscom ist für uns eine wichtige Partnerin und der Launch von Kids Security ein großer Meilenstein“, so Orgler weiter. „Digitale Kindersicherheit wird für Telekommunikationsanbieter zunehmend zu einem Thema, an dem sie nicht mehr vorbeikommen. Wer Familien Zugang zur digitalen Welt bietet, muss sich auch damit auseinandersetzen, wie Kinder diese sicher und gesund nutzen können. Swisscom geht diesen Schritt jetzt und wir sind überzeugt, dass weitere Anbieter folgen werden.“

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