01.06.2016

Neue Zielsetzung: Startups stehen auf der politischen Agenda

Lange wurde hinter vorgehaltener Hand kritisiert, dass sich die breite österreichische Politik kaum mit dem Thema Startups auseinandersetze. Initiiert durch den neuen Bundeskanzler, sollen nun aber bald weitere Schritte unternommen werden, um politische Rahmenbedingungen zu verbessern und bürokratische Hürden abzubauen.
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(c) Ivana Dzoic/lichtschalter.tv: Die Enquete soll politische Rahmenbedingungen für Startups verbessern.

Die Politik, so heißt es seit langem, müsse in Österreich bessere Rahmenbedingungen für junge Gründer schaffen. Etwas, was auch ÖVP-Staatssekretär Harald Mahrer nicht müde wird zu wiederholen. Bis vor kurzem war er einer der wenigen Politiker, die sich dem Thema „Startups“ in Österreich angenommen haben.

Nun scheint es jedoch, als könnten alle Beteiligten auf Neo-Bundeskanzler Christian Kern setzen. Der trat unter anderem am Pioneers Festival auf und versicherte, er habe die Rolle junger und innovativer Unternehmen erkannt. Als er am Dienstag die Themenkomplexe vorstellte, die seine Agenda in den kommenden Monaten bestimmen werden, ging es immer wieder um Innovation, Arbeitsmarkt, Bildungsreform und Entbürokratisierung. All das hat Startup-Bezug, das Thema ist nun quasi zur  „Chefsache“ geworden.

Startups als Haupttreiber für Innovation

Tatsächlich hat die die SPÖ am Montag eine Enquete zum Thema Startups gestartet. SPÖ-Klubobmann Andreas Schieder betonte, dass Startups eine wesentliche Voraussetzung seien, „damit unser Wirtschaftsstandort dynamisch bleibt“. Darum müsse sich die Politik zukünftig mehr um diesen Bereich kümmern. Eines ist klar: Man möchte im Vergleich zu anderen Wirtschaftsstandorten wie etwa Berlin aufholen. Der Vorsprung der deutschen Nachbarn dürfte unter anderem damit zu tun haben, dass die heimische Startup-Szene bislang ein von der Politik eher vernachlässigtes Feld war. Elisabeth Hakel, Nationalratsabgeordnete und Sprecherin für Kunst, Kultur und Creative Industries schließt sich Schieder an: „Wenn wir die Zukunft gestalten wollen, dann müssen wir Innovation zulassen.“

Redaktionstipps

Diese Erkenntnis alleine ist aber nur ein erster Schritt in Richtung politischer Startup-Unterstützung. Bleibt die Frage, welche konkreten Maßnahmen gesetzt werden müssen. Markus Breitenecker, Geschäftsführer von ProSieben, Sat1 und Puls4, erklärt, wie wichtig es sei, gesetzliche Voraussetzungenzu schaffen, damit europäische Unternehmen vor allem im Vergleich zu amerikanischen Konkurrenten nicht benachteiligt würden.

Fürs Wachstum fehlt das Geld

Brutkasten Co-Founder Lorenz Edtmayer sieht in der steuerlichen Absetzbarkeit von Investments eine Möglichkeit, jungen Unternehmern bei der Expansion zu helfen. „Österreich hat gute Förderungen für die Frühphase eines Unternehmens. Dann fehlt aber oft das Geld für weitere Expansion“, sagt er. Die Möglichkeit, private Investitionen in Startups bis 100.000 Euro über fünf Jahre verteilt von der Einkommensteuer absetzen zu können, hätte positive Folgen für die Unternehmen und daher auch auf den Arbeitsmarkt. Außerdem wäre es wesentlich, das Bildungssystem an die neuen Herausforderungen anzupassen. Denn: „Wer sich in der digitalen Welt nicht auskennt, wird sich in Zukunft schwer tun“.

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Das C-Level von Minimist: Robert Andrei Damian (CTO), Anna Greil (COO) und Stephan Hofmann (CEO). | © Minimist

Nach der Finanzierungsrunde in Höhe von rund einer Million Euro im März treibt das Wiener Kreislaufwirtschafts-Startup Minimist seine internationale Expansion voran. Nach dem Markteintritt in Großbritannien kooperiert das Unternehmen nun mit Salvos Stores, dem Einzelhandelszweig der Heilsarmee in Australien.

Salvos: 400 Filialen in Australien und Teil der Heilsarmee

Salvos Stores betreibt landesweit rund 400 Filialen und verarbeitet nach eigenen Angaben jährlich mehr als 50 Millionen Sachspenden. Als Einzelhandelszweig ist Salvos organisatorisch Teil der Heilsarmee, einer international tätigen evangelischen Freikirche mit sozialem Hilfswerk, die weltweit in Territorien und Divisionen gegliedert ist. Die Erlöse aus dem Verkauf gebrauchter Ware fließen laut Unternehmen in soziale Projekte der Organisation.

Minimists Software soll die Erfassung, die automatisierte Preisfindung und den Multi-Channel-Verkauf von Sachspenden digitalisieren. Salvos verspricht sich dadurch weniger administrativen Aufwand und kürzere Durchlaufzeiten in den Filialen. Ein Pilotprojekt sei laut Minimist erfolgreich abgeschlossen worden.

Minimist COO Anna Greil (links) vor einem der 400 Salvos Stores in Australien © Minimist

WU Ignite Ventures und Seebacher mit je 50.000 Euro

Laut Pressemitteilung investieren mit WU Ignite Ventures und dem Angel-Investor Johannes Seebacher zwei neue Geldgeber:innen in Minimist. Wie Anna Greil im Gespräch mit brutkasten präzisiert, beteiligen sich beide mit jeweils 50.000 Euro.

Insgesamt seien nach der 1-Million-Runde vom März diesen Jahres im Mai nochmals zwischen 150.000 und 200.000 Euro an zusätzlichem Kapital in das Startup geflossen; die übrigen Investor:innen dieser Nachfinanzierung wollten laut Greil nicht genannt werden.

WU-Ignite-Ventures-Co-Geschäftsführer Rudolf Dömötör begründet sein Investment in Minimist: „Re-Commerce wird oft als Nische betrachtet. Stephan, Anna und Robert beweisen mit Minimist das Gegenteil: Sie bauen die Infrastruktur für einen der wirksamsten Hebel der Kreislaufwirtschaft, und zwar in globalem Maßstab.Dass ein Wiener Team mit Salvos Stores einen der größten Charity-Retailer Australiens gewinnt, zeigt, wie ernst dieser Anspruch gemeint ist.“

Von Wien in die Welt

Minimist wurde von Stephan Hofmann und Robert Andrei Damian gegründet. 2025 stieß Anna Greil als Late-Co-Founder und COO dazu. Das Startup sicherte sich bereits mehrere Finanzierungsrunden, unter anderem von Eversports-Gründer Hanno Lippitsch. Die Produktentwicklung bleibt laut Unternehmen in Wien verankert.

CEO Stephan Hofmann sagt zur Expansion: „Wir sind im Kern ein Software-Startup und ein globales Team. Die Welt ist unser Spielfeld, und der Erfolg in Australien zeigt, dass wir durch diesen internationalen Ansatz massiv an Geschwindigkeit gewinnen. Die Skalierbarkeit unserer Technologie kennt keine Grenzen.“

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