03.12.2020

StartupNOW: Das bringt die neue Startup-Initiative der WKÖ

Neben dem neuen Head of Startup Services stellte die Wirtschaftskammer heute auch ihre neue Initiative StartupNOW vor.
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Der neue Head of Startup Services der WKÖ Kambis Kohansal Vajargah soll die Agenda der Initiative StartupNOW umsetzen
(c) Carployee: Der neue Head of Startup Services der WKÖ Kambis Kohansal Vajargah soll die Agenda der Initiative StartupNOW umsetzen

Im Hintergrund habe der heute präsentierte „Head of Startup Services“ Kambis Kohansal Vajargah bereits einige Monate daran gearbeitet. Heute wurde sie nun gemeinsam mit ihm vorgestellt: StartupNOW, die neue Startup-Initiative der Wirtschaftskammer (WKÖ).

Umgesetzt wird diese im Rahmen einer neu geschaffenen Organisationseinheit für Startups in der Abteilung Zielgruppenmanagement der WKÖ. Auf Basis einer Market-Studie zur Stimmungslage bei den Startups wurden vier Maßnahmen und drei Forderungen definiert.

Studie als Basis für StartupNOW: So geht es der Szene

Doch zunächst zur Studie. Für diese wurden fast 1600 Personen befragt, die laut WKO-Definition heimischen Startups zuzurechnen sind. Gut zwei Drittel davon gaben etwa an, das sie von der Covid-Krise stark oder sehr stark betroffen sind – das ist deutlich über dem Wert für heimische Unternehmen im Allgemeinen, der unter 50 Prozent liegt. Die drei drängendsten Corona-bedingten Probleme mit je rund 50 Prozent Zustimmung unter den Befragten sind demnach „vermehrte Schwierigkeiten bei Finanzierung bzw. bei der Suche nach Investoren“, „fehlende Möglichkeit, das Unternehmen bzw. die Produkte bei Kunden oder Messen vorstellen zu können“ und „verringerte Marktnachfrage, also Stornierung von bestehenden Aufträgen bzw. Rückgang von Bestellungen sowie verringerte Nachfrage nach Dienstleistungen“.

In Sachen Optimismus übertreffen die Startups dagegen den Rest der heimischen Unternehmen. Knapp mehr als die Hälfte der Befragten blickt positiv auf die kommenden ein bis zwei Monate (37 Prozent bei allen Unternehmen), weitere 20 Prozent neutral. In Hinblick auf die kommenden ein bis zwei Jahre sind überhaupt 76 Prozent optimistisch. Das drückt sich auch in den Plänen von 75 Prozent der Befragten aus, in den nächsten sechs bis zwölf Monaten neue Mitarbeiter aufzunehmen.

Allerdings haben nur 37 Prozent der Befragten den Eindruck, dass Startups in der Coronakrise ausreichend berücksichtigt werden. Sie haben auch klare Vorstellungen, was zu tun ist. Ganze 61 Prozent der Befragten sprechen sich für eine Aufstockung des Covid-Startup-Hilfsfonds aus. 52 Prozent wollen, dass auslaufende rückzahlbare Darlehen von AWS und FFG wegen der Coronakrise erst 24 Monate später getilgt werden müssen. Ebenfalls wichtig sind den Befragten die Verlängerung der Investitionsprämie bis Ende 2021 (44 Prozent), die Umsetzung des Runway-Fonds (36 Prozent) und die Weiterentwicklung des Insolvenzrechts (25 Prozent).

Als Starthilfe nach Corona wünschen sich die Befragten mit höchster Priorität eine Senkung der Lohnnebenkosten (65 Prozent) gefolgt von einem Beteiligungsfreibetrag von mindestens 100.000 Euro (48 Prozent). Ebenfalls hoch im Kurs stehen hier verbesserte Anreize für privates Risikokapital durch Einführung der Verlustverrechnungsmöglichkeit bei Einkünften aus Kapitalvermögen, ein flexibleres Modell zur Mitarbeiterbeteiligung, eine Erhöhung des Förderbudgets, ein Vorziehen der Steuerreform und mehr direkte Aufträge durch die öffentliche Hand an Startups.

Vier Maßnahmen und drei Forderungen

All diesen Problemen, Sichtweisen und Anregungen soll die Initiative StartupNOW unter Federführung von Kohansal Vajargah zunächst mit den erwähnten vier Maßnahmen und drei Forderungen an die Politik begegnen.

Die von der WKÖ mit StartupNOW selbst umgesetzten Maßnahmen betreffen die Organisation selbst sowie die Sichtbarkeit von Startups:

  • Open Office Hours der WKÖ für Startups, wo spezifische Anliegen unmittelbar mit Kambis Kohansal Vajargah besprochen werden können
  • Eine „Spotlight-Tour“, also eine Reihe (zunächst virtueller) österreichweiter Community-Events mit Startup-Vertreterinnen und Vertretern und „Call for Ideas“ (beginnend am 11. Dezember mit einem Online-Event zu Förderungen)
  • Eine „WKO Education Initiative“, in der Gründungsberater in allen Bundesländern zu „Startup-Ambassadors“ ausgebildet werden, die spezifischer auf die Bedürfnisse von Startups eingehen können.
  • „Virtual Pitching Days“, also Meetups für Startups mit ausländischen Investoren und Corporates

Die drei Forderungen von StartupNOW spiegeln klar die in der Market-Studie erhobenen Wünsche der Startups an die Politik wider:

  • Eine Verlängerung des Covid-Startup-Hilfsfonds – konkret eine Verdoppelung des Budgettopfs (also weiter 50 Millionen Euro) und ein Bonus für Startups in den Bereichen Ökologisierung, Digitalisierung und Gesundheit/Life Science
  • Die spätere Tilgung von Förderdarlehen durch die öffentliche Hand – konkret eine Fristerstreckung für rückzahlbare Darlehen um bis zu 24 Monate
  • Mehr Ressourcen für schnellere Förderungen – konkret, um eine maximal Dauer von zehn Werktagen zwischen Zusage und Auszahlung zu erreichen
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Mitarbeiterbeteiligung - Werner Wutscher | (c) Luiza Puiu
Werner Wutscher | (c) Luiza Puiu

Transkribus ist eine KI-Plattform, die historische Handschriften automatisch erkennt. Entstanden ist sie an der Universität Innsbruck, heute ist sie als Europäische Genossenschaft organisiert und wird weltweit von Archiven und Forschenden genutzt. Ein Paradebeispiel für ein akademisches Spinoff, nur eben keines aus der Technik, sondern aus den Geisteswissenschaften. Genau solche Gründungen will ein neuer Ausgründungsrahmen künftig systematisch ermöglichen.

„SHAPE Austria“ wurde im Rahmen der ECN-Konferenz von Werner Wutscher (New Venture Scouting) und Sektionschef Elmar Pichl vom Bundesministerium für Frauen, Wissenschaft und Forschung (BMFWF) vorgestellt. SHAPE steht für Social Sciences, Humanities and the Arts for People and the Economy. Der Bericht ergänzt den Ausgründungsrahmen von 2024, der den Hochschulen erstmals einheitliche Standards für Spinoffs vorgab. „Da war der klare Fokus auf skalierbare, technologieorientierte Startups. Die Geisteswissenschaften, Sozialwissenschaften und Künste sind zu kurz gekommen“, sagt Wutscher. Das Ministerium habe den Rahmen komplettieren wollen.

27 Institutionen in der Arbeitsgruppe

Erarbeitet wurde der Bericht von November 2025 bis Juni 2026 mit einer Arbeitsgruppe aus 27 Institutionen, darunter 16 Hochschulen von der Universität Wien über das Mozarteum bis zur Kunstuniversität Linz. Dazu kamen Interviews mit 16 Einrichtungen, die bereits weiter sind, etwa dem britischen ARC Accelerator, der Erasmus University Rotterdam oder der Universität Köln.

Das Ergebnis sind elf Empfehlungen, sechs an die Leitungsebene der Hochschulen, fünf an Transferstellen und Career Center. „Um auch strategische Themen zu diskutieren, braucht man unbedingt auch die Leitungsebene, also die Rektorate für diese Diskussionen“, so Wutscher.

Andere Sprache, andere Strukturen

Der zentrale Befund: Gründungen aus diesen Disziplinen folgen einer anderen Logik. Sie entstehen selten aus einer Marktchance, sondern aus einem gesellschaftlichen Problem. Im Bericht ist von „Reluctant Founders“ die Rede, Menschen, die nicht primär ein Unternehmen aufbauen, sondern etwas verändern wollen. „Du musst sehr stark über die Wirkung reden, über den Impact reden, um die dann gut abzuholen“, sagt Wutscher. Empfohlen wird ein „Prinzip der Zweisprachigkeit“: nach innen Wirkungssprache, nach außen klassische Startup-Begriffe, damit Finanzierung und Netzwerke nicht verschlossen bleiben. Statt von Kund:innen spricht man dann von Audiences.

Strukturell sind SHAPE-Gründungen meist günstiger und schneller als Tech-Spinoffs: kein Labor, kein Patentierungsprozess, kürzere Validierungszyklen. Dafür braucht es niederschwellige, mehrstufige Begleitung und offene Rechtsformen. Statt der GmbH kann auch ein Verein, eine Genossenschaft oder ein Hybridmodell passen. „Wenn du einen Verein gründest, um Gesundheitspolitik zu promoten, brauchst du kein Labor“, so Wutscher.

Soft IP statt Patente

Ein eigener Schwerpunkt gilt dem geistigen Eigentum. Wo keine Patente entstehen, sondern Urheberrecht, Software, Daten oder Know-how, greifen die üblichen IP-Richtlinien nicht. Der Bericht empfiehlt getrennte Regeln für Hard und Soft IP mit deutlich günstigeren Konditionen und nennt als Benchmark die University of Bristol: 20 Prozent Beteiligung bei patentbasierten Spinoffs, fünf Prozent bei „IP light“, null Prozent ohne verwertbares IP. Leitprinzip: so offen wie möglich, so geschlossen wie nötig, inklusive Creative-Commons- und Open-Source-Lizenzen.

Weil die Wirkung im Vordergrund steht, sollen Hochschulen auch nicht auf Lizenzeinnahmen hoffen, sondern Impact messen. Anlage 1 des Berichts liefert dafür beispielhafte Indikatoren, von erreichten Nutzer:innen bis zu Impact Case Studies.

Netzwerk und gemeinsames Programm

Weil die Pipelines einzelner Hochschulen klein sind, empfiehlt der Bericht ein österreichweites SHAPE-Netzwerk nach dem Vorbild des britischen Aspect Network und ein gemeinsames Frühphasenprogramm, angedockt an bestehende Strukturen wie AplusB, ECN oder die Ludwig Boltzmann Gesellschaft. New Venture Scouting koordiniert dafür ein Jahr lang Quartalstreffen der Arbeitsgruppe. Dazu kommt die Forderung, Transfer und Gründung in Berufungen und Evaluierungen anzuerkennen, im Sinne der CoARA-Initiative, die von rein publikationsbasierten Metriken abrücken will.

Die Beispiele in Anlage 2 reichen von ArtWave, einem Startup zweier Opernsängerinnen für Stressreduktion und Burnout-Prävention, über die Praxissoftware freudio für Psychotherapeut:innen bis zur Kärntner Freiwilligenplattform inmojo. „Wir haben noch sehr wenige. Deswegen haben wir den Ausgründungsrahmen um Success Stories ergänzt, damit sich die Leute das vorstellen können“, sagt Wutscher.

„Da wären wir mit vorne dabei“

Für Wutscher ist der Zeitpunkt entscheidend: Die großen Fragen rund um KI, Ethik oder Medizin bräuchten interdisziplinäre Teams. Und beim SHAPE-Thema stehe ganz Europa noch am Anfang. „Deswegen wäre das jetzt so spannend, wenn wir das jetzt starten könnten. Da wären wir mit vorne dabei.“

Bleibt der Haken: das neue Universitätsbudget. Wutscher, der auch Vorsitzender des Universitätsrats der Universität Klagenfurt ist, nennt die Kürzungen einen „massiven Dämpfer“. Die große Herausforderung sei, „dass diese Einsparungen nicht dazu führen, dass Innovation und das Neue gedrosselt werden“. Gerade bei Entrepreneurship-Aktivitäten sei die Entwicklung zuletzt nach oben gegangen: Österreichweit gebe es mittlerweile 31 Forschungs-Spinoffs, 2024 waren es noch 25.

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StartupNOW: Das bringt die neue Startup-Initiative der WKÖ

  • Im Hintergrund habe der heute präsentierte „Head of Startup Services“ Kambis Kohansal Vajargah bereits einige Monate daran gearbeitet.
  • Heute wurde sie nun gemeinsam mit ihm vorgestellt: StartupNOW, die neue Startup-Initiative der Wirtschaftskammer (WKÖ).
  • Umgesetzt wird diese im Rahmen einer neu geschaffenen Organisationseinheit für Startups in der Abteilung Zielgruppenmanagement der WKÖ.
  • Auf Basis einer Market-Studie zur Stimmungslage bei den Startups wurden vier Maßnahmen und drei Forderungen definiert.
  • Den erhobenen Problemen, Sichtweisen und Anregungen soll die Initiative StartupNOW unter Federführung von Kohansal Vajargah zunächst mit den erwähnten vier Maßnahmen und drei Forderungen an die Politik begegnen.

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