10.12.2021

Für jeden etwas dabei: Weihnachtsgeschenke österreichischer Startups

Wer noch Weihnachtsgeschenke für Freunde und Familie sucht, kann dabei auch heimische Startups unterstützen. Hier eine kleine Auswahl spannender Produkte.
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wunschbox Startup-Weihnachtsgeschenke 2021
(c) Adobe Stock - imynzul

Nicht wenige Menschen sind „schwer zu beschenken“. Kein Wunder: Die meisten haben schon alle für sie erschwinglichen Produkte, die sie haben wollen. Diese sind ja schließlich stets nur ein paar Klicks entfernt. Was aber, wenn die zu beschenkenden von etwas noch nicht wissen, dass sie es haben wollen, weil sie es noch nicht kennen? Hier kommen Startups ins Spiel. Sie haben innovative Produkte, die noch nicht jeder kennt, die aber vielleicht ganz genau das richtige für Familienmitglieder und Freunde sind. Hier haben wir eine Auswahl potenzieller Weihnachtsgeschenke von österreichischen Startups zusammengestellt, die der brutkasten-Redaktion dieses Jahr aufgefallen sind – ganz ohne Vollständigkeitsanspruch.


1. Günstige Startup-Weihnachtsgeschenke

Will man viele Menschen beschenken, will und kann man oft nicht allzu viel Geld pro Geschenk ausgeben. Glücklicherweise gibt es eine ganze Reihe von kleinen aber feinen Produkten heimischer Startups, die sich als Weihnachtsgeschenke eignen. Hier ein paar Beispiele:

Badala: Abenteuer im Karton

Wir machen den Start unserer Weihnachtsgeschenke-Liste mit einer Kleinigkeit für die ganz Kleinen. Nicht nur Katzen spielen gerne in und mit Kartons. Damit diese auch für Kinder längere Zeit spannend bleiben, bietet das Wiener Startup Badala Sticker-Sets, mit denen aus der Schachtel schnell eine Rakete, ein Backrohr oder ein Rennwagen wird.

Preis: Sticker-Sets für €8 und €15 (es gibt auch größere Pakete)

Badala
(c) badala

Pferdeapfel: Ein Kack-Geschenk für den grünen Daumen

Eine etwas andere Art von Geschenk, bietet das Startup Pferdeapfel: Dabei handelt es sich um Bio-Dünger aus Pferdemist. Den Dünger in Pellets-Form gibt es in drei verschiedenen Ausführungen: geruchsneutral bzw. mit zugesetztem Lavendel-Duft für Zimmerpflanzen und vermengt mit Brennnessel-Dünger für den Garten. Über Gärtnereien und den Fachhandel bietet Pferdeapfel verschiedene Packungsgrößen von 200 Milliliter bis zu fünf Liter an.

Preis: €4 bis €14

markta: Regionales für Gourmets

Eine ganze Reihe an möglichen Weihnachtsgeschenken bietet Markta, der Online-Shop für regionale Produkte aus Wien. Neben vom Startup zusammengestellten Paketen mit Namen wie “Genuss-Packerl” und “Naschkatzen-Packerl” gibt es etwa auch Punsch-Mischungen, diverse regionale Alkoholika und natürlich – ganz klassisch – Gutscheine zu kaufen.

Preis: ca. €10 bis ca. €50

privatec: Gimmick für Privacy-Verfechter (mit iPhone)

In der Straßenbahn, im Flugzeug oder im Zug soll das iPhone-Schutzglas privatec ab 45 Grad Blickwinkel einen Sichtschutz gegen spechtelnde Blicke bieten. Und es kommt dabei als „2-in-1 Sicht- & Bruchschutzfolie“ daher.

Preis: €18

Ainstein: Magnet-Baukasten aus Wien

Bauen in alle Richtungen: Ainstein aus Wien will mit seinen Magnetklötzen Kindern grenzenloses Konstruieren ermöglichen. Man muss beim Zusammensetzen der patentierten Bausteine auf keinerlei Richtung oder vorgegeben Muster achten, da sich die Magneten in den Bauklötzen immer und aus jeder Richtung anziehen.

Preis: Sets zwischen 10 und 40 Euro

Weihnachtsgeschenke, Ainstein
(c) Gerry Frank – Ainstein

Impactory: Schenken für den guten Zweck

Die meisten gemeinnützigen Organisationen verkaufen vor Weihnachten Gutscheine. Das besondere am Spendengutschein des Wiener Social Startups Impactory: Beschenkte können sich aussuchen, an welche Organisationen sie den Betrag spenden wollen. Und Schenkende können sich natürlich aussuchen, welches Volumen der Gutschein haben soll – mehr geht immer.

Preis: beliebiger Betrag (Standardisierte Gutscheine ab €10)

brutkasten PRO: ein Package wie Weihnachten und Ostern zusammen

Nur ausnahmsweise ein Schnäppchen dank Weihnachts-Special ist derzeit brutkasten PRO für €24,12 statt €99,99. Darin enthalten sind Print Abos vom brutkasten-Magazin (2 mal im Jahr) und StartingUp (4 mal im Jahr), unsere brutkasten PRO Perks, Zugang zur Startup Datenbank und exklusive Newsletter.

Preis: €24,12

Jetzt bestellen:


2. Startup-Weihnachtsgeschenke bis 100 Euro

Wir kommen zur nächsten – bei Weihnachtsgeschenken vielleicht üblichsten – Preisklasse. Auch im Bereich zwischen rund 25 und 100 Euro (mit Abweichungen nach unten und oben bei einzelnen Artikeln) gibt es spannende Produkte heimischer Startups für alt und jung und unterschiedliche Interessen. Hier wieder eine kleine Auswahl:

Build & Putt: Golf für den Tisch

Golf am Couch- oder Küchentisch: Bis zu vier Personen können die Bahnen von Build & Putt aus einzelnen Holzbausteinen zusammensetzen. Im Anschluss geht es darum, wer die färbigen Kugeln (Golfbälle) mit möglichst wenigen Schlägen in das Ziel bringt. Neben einem kleinen Holz-Putter funktioniert das auch mit der eigenen Puste oder den Fingern. Erweiterungsmodule sollen zudem dafür sorgen, dass das Spiel auch noch nach längerer Zeit interessant bleibt.

Preis: Sets zwischen €15 und €140

(c) Build & Putt

Bioblo: Erstaunlich vielseitige bunte Bausteine

Bioblo aus Tull produziert bunte Spiel- und Konstruktionssteine mit einer Wabenform. Sie bestehen zu 60 Prozent aus Holzspänen, die aus der heimischen Forstwirtschaft stammen, und zu 40 Prozent aus Recyclingkunststoff und sind mit dem österreichischen Umweltzeichen ausgezeichnet. Mit den immer gleichförmigen Steinen kann man erstaunlich vielseitige bunte Bauwerke bauen.

Preis: Sets zwischen €17 und €290

Xolaro ist ein improvisierten Schattenspender. De bogenförmige Zelt-Konstruktion kann an Liegen befestigt, oder über Heringe auch im Boden fixiert werden. Sogar an Kajaks soll man Xolaro anbringen können, meint der Erfinder. Durch die offene Form könne es zu keinem Hitzestau kommen. Gleichzeitig sei Xolaro aber weit weniger anfällig für Windböen als Sonnenschirme und Sonnenmuscheln und halte einer Windgeschwindigkeit bis zu 26 km/h mühelos stand.

Xolaro: für Sonnen-empfindliche Outdoor-Freunde

Preis: Je nach Modell €50 bis €90

Xolaro: So sieht der Sonnenschutz in Aktion aus
(c) Xolaro: So sieht der Sonnenschutz in Aktion aus

TeamClimate: ein Abo für Leute, die wirklich nichts materielles wollen

Mit dem Klimaabo des Wiener Startups Team Climate kann man per monatlicher Zahlung einen oder mehrere durchschnittlichen CO2-Fußabdrücke, bzw. den individuell berechneten eigenen Footprint, über die Unterstützung von Projekten kompensieren. Das soll es jedem Menschen ermöglichen, klimaneutral zu leben. Das Klimaabo kann auch verschenkt werden.

Preis: € 9,21 pro Monat (durchschnittlicher CO2-Fußabdruck)

Eddi Bike: Susi Sorglos für Radfahrer:innen

Seit diesem Jahr bietet das Wiener Startup Eddi Bike das erste Fahrradabo der Bundeshauptstadt. Nutzer:innen zahlen im monatlich kündbaren Abo eine fixe Gebühr und bekommen ein Fahrrad vor die Haustür geliefert, das sie für die Dauer des Vertrags behalten können. Wartung, Reparatur und etwaigen Ersatz bei Diebstahl übernimmt das Startup – und zwar innerhalb von 48 Stunden. Das Abo gibt es auch als Geschenkgutschein zwischen einem und zwölf Monaten.

Preis: Gutscheine für €30 (ein Monat) bis €250 (12 Monate)


Größere bis ganz große Startup-Weihnachtsgeschenke

Darüber, wie viel man für Weihnachtsgeschenke ausgeben sollte, scheiden sich die Geister. Bei den Allerliebsten kann es jedenfalls schon einmal ein bisschen mehr sein. Auch in der höheren und hohen Preiskategorie zwischen Hundert und ein paar Tausend Euro gibt es spannende Produkte heimischer Startups. Hier ein paar Anregungen:

Herr Michl: Tasche für fotografische Schnellschüsse

Um den Wort „Schnappschuss“ gerecht zu werden, hat das Startup Herr Michl eine Tasche erfunden, die es ermöglicht den eigenen Fotoapparat flugs herauszuziehen. Die Kameratasche besteht aus PET-recyceltem Filz, bei der der Gurt der Tasche zugleich der Gurt der Kamera ist. Durch dieses Design soll es möglich sein, die Kamera mit nur einer flüssigen Bewegung flott aus der Tasche zu ziehen.

Preis: €100 bis €240

Fauna: Eine Brille zum Hören

Die Tochter des Grazer Mikrolautsprecher-Unternehmens USound legt mit ihrer Brille den von ihr produzierten Klang über die Geräusche der Umgebung und wahrt so die Privatsphäre des Nutzer. Dadurch werden eigenen Angaben nach Audio-Streuverluste reduziert und alleine der Träger Hören den Klang aus der Brille. Die Audio-Brille mit eingebauten MEMS-Lautsprechern kann Audio-Dateien von jedem Bluetooth-Gerät reproduzieren. Und verfügt über eine Freisprech-Funktion für Telefonate, die nur vom Träger der Audio-Brille akustisch wahrgenommen werden kann.

Preis: €200

Fauna Brille
(c) Fauna

Robo Wunderkind: Wenn Kinder Technologie Lernen

Einen Stammplatz in brutkasten-Weihnachtsgeschenke-Listen hat dieses außergewöhnliche Spielzeug. Die Bausätze samt Software von Robo Wunderkind aus Wien sollen bereits kleine Kinder spielerisch an Robotik und Programmieren heranführen.

Preis: Sets zwischen €100 und €400

easygarage: für Leute, die ihr Motorrad lieben, aber keine Garage haben

Das Startup easyGarage entiwckelt komplett verschließbare PVC-Schutzhüllen für den Winter, in der Autos, Motorräder und Oldtimer trocken und sicher gelagert werden sollen. Ein wasserfester Reißverschluss kreiert dabei eine abgeschlossene Atmosphäre – wieder verwendbare Trockenbeutel sollen im Inneren für eine niedrige relative Luftfeuchtigkeit sorgen und gegen Rost und Schimmel optimale Lagerbedingungen schaffen.

Preis: €299 (für Motorräder – Autoversion um €599 noch nicht verfügbar)

Neutos: Ein Ökosystem in der Lampe

Neutos ist ein Hybrid aus autarkem Ökosystem für Pflanzen und klassischer Standlampe. Es ist ein sich selbst versorgendes Arrangement aus lebenden Pflanzen und Mikroorganismen, in einem hermetisch versiegelten Glaskörper eingebettet. Das im Innenraum des Glaskörpers befindliche Wasser erwärmt sich, verdampft, kondensiert und regnet wieder ab. Blätter der Pflanzen sprießen, gedeihen, sterben ab, fallen zu Boden, und werden dort von den Mikroorganismen (den sogenannten Destruenten) in ihre Bestandteile zersetzt. Diese werden letztendlich über den Boden von den Pflanzen als Nährstoffe wieder aufgenommen. Analog den Wasser- und Nährstoffkreisläufen unseres blauen Planeten.

Preis: €975

Keine Fotobeschreibung verfügbar.
(c) Neutos

Vello Bike: Ein Klappbarer Bobo-Rad-Traum

Seit 2017 will Vello Bike aus Wien mit seinen besonders leichten Klapprädern in perfekter Bobo-Ästhetik punkten. Diese gibt es in konventioneller und Elektroausführung. Für jene, denen die Räder ab 1.600 Euro (konventionell) bzw. ab 3.000 Euro (E-Bike) als Weihnachtsgeschenk preislich doch etwas zu weit gehen, gibt es im Shop des Startups noch andere Produkte, wie faltbare Fahrradhelme für 100 Euro.

Preis: Zubehör ab €20; Räder ab €1600


Noch immer nicht genug Startup-Weihnachtsgeschenke?

Dann haben wir für dieses Geschenk-Jahr einen letzten Tipp für euch: Wer noch etwas weiterstöbern will, findet auf der Seite 42things (bis vor kurzem shöpy) eine große Menge an Startup-Produkten aus Österreich und anderen europäischen Ländern.

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Die Halbwertszeit von Wissen schrumpft rasant in einer Zeit, in der Wandel schneller passiert, als Erfahrung aufgebaut wird, dreht Reverse Mentoring die klassische Lernhierarchie um. Eine Spurensuche zwischen Machtgefällen und dem Mut zum Nichtwissen.
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Mit ihrer Reverse-Mentoring-Agentur forciert Ines Hanusch Zukunftssicherheit in Wirtschaft und Politik. © brutkasten

Dieser Text ist zuerst im brutkasten-Printmagazin von August 2026 „Aufbrechen“ erschienen. Eine Download-Möglichkeit des gesamten Magazins findet sich am Ende dieses Artikels.


Wir leben in einer paradoxen Arbeitswelt: Führungskräfte werden für ihr über Jahrzehnte angesammeltes Wissen bezahlt doch exakt dieses Erfahrungswissen kann angesichts rasanter technologischer und kultureller Umbrüche zum blinden Fleck werden. Genau hier setzt eine Methodik an, die traditionelle Rollenbilder auf den Kopf stellt: Reverse Mentoring.

Ines Hanusch, Gründerin der Reverse-Mentoring-Agentur bond & grow, begleitet Unternehmen und Politik bei diesem Paradigmenwechsel. Für sie ist der Kerngedanke simpel, aber radikal: „Beim klassischen Mentoring lernt die Jüngere von der Erfahreneren. Beim Reverse Mentoring ist es umgekehrt: Die Führungskraft sitzt in der Lernenden-Position gezielt, strukturiert und vor allem nicht nebenbei.“

Kein Kaffeetratsch und keine Therapie

Doch was genau ist Reverse Mentoring in der Praxis? Hanusch wird nicht müde zu betonen, was es nicht ist: Es sei kein lockeres Kaffeegespräch, kein Coaching mit einer einzigen Zielvorgabe und schon gar keine Therapie. Auch der oft gehörte Einwand, man könne sich doch einfach mit den eigenen Kindern austauschen, greift für die Expertin ins Leere: „Mit den eigenen Kindern teile ich eine Sozialisation, ein Machtgefälle, ob ich will oder nicht.

Das Kind wird mir vieles nicht sagen, und ich werde vieles nicht hören wollen.“ Wahre Wirkung entstehe erst durch psychologische Sicherheit ohne persönliche Verstrickung eine Atmosphäre, in der ein junger Mensch kein Interesse daran hat, zu gefallen, sondern ehrlich zu sein.

Der Blick von innen: Reibung als Chance

In klassischen Organisationen verhindert die Hierarchie oft genau jenen Raum der psychologischen Sicherheit, in dem ungefiltert und ohne Angst vor Konsequenzen gesprochen werden kann. Ines Hanusch beschreibt das systematische Dilemma eindrücklich: Je weiter Führungskräfte auf der Karriereleiter nach oben klettern, desto mehr manifestiert sich die Angst vor Inkompetenz und Statusverlust. „Wenn Top-Entscheider:innen plötzlich von jemandem lernen, der dreißig Jahre jünger ist, entsteht unweigerlich intensive Emotion, Irritation und Reibung“ – doch exakt in diesen Momenten verankert sich laut Hanusch der größte Lerneffekt.

Wie sich dieser Rollentausch in der Realität anfühlt, schildert eine 21-jährige Mentorin, die im Rahmen von bond & grow Top-Entscheider:innen begleitet. Kristin Barnowsky sieht in ihrer Aufgabe eine enorme Verantwortung: Für sie bedeutet Reverse Mentoring, erfahrenen Führungskräften neue Perspektiven mit auf den Weg zu geben und dabei auch hin und wieder Reibung zu erzeugen“. Nervosität vor dem ersten Aufeinandertreffen ist keine Seltenheit, wie sie verrät. Ihr persönlicher mentaler Trick für das erste Meeting? „Ich stelle mir einfach vor, dass die Person mich bereits mag und ich sie auch. Dadurch gehe ich wesentlich natürlicher, authentischer und positiver in das Gespräch.“

Die größte Herausforderung im laufenden Prozess ist für sie das Gespür dafür, wie tief man in die Glaubenssätze des Mentees eindringen darf. Wenn auf Mentee-Seite Widerstand entsteht, stecke dahinter oft eine unbewusste Angst; etwa das Gefühl, nicht gehört oder gesehen zu werden. Es erfordere Empathie und präzises Timing, unangenehme Themen anzusprechen, ohne die Führungskraft emotional zu überfordern, erklärt die 21-Jährige.

Für wen das Konzept geeignet ist – und wann es scheitert

Die Zahlen sprechen für sich, doch Reverse Mentoring ist kein Selbstläufer. Laut Hanusch eignet es sich primär für Führungskräfte, die Nichtwissen als Startpunkt und nicht als Schwäche betrachten. In hierarchisch geprägten Unternehmen erfordere das immense Größe. „Statusverlust berührt das Selbstbild direkt, und das ist unbequem“, analysiert Hanusch. Viele Führungskräfte fürchten den Moment, in dem sie erkennen müssen, dass jemand, der viele Jahre jünger ist, über entscheidendes Know-how verfügt – sei es über moderne Arbeitskulturen, neue Konsumgewohnheiten oder schlicht den Umgang mit Unsicherheit in Krisenzeiten.

Wann also scheitert Reverse Mentoring? Die Expertin zieht eine klare Grenze: „Ich rate ab, wenn Unternehmen Reverse Mentoring als Imagemaßnahme einsetzen wollen, ohne wirkliche Bereitschaft, etwas zu verändern.“ Ohne intrinsische Motivation beider Seiten, einen geschützten Rahmen und professionelles Matching wird das Format zur reinen Simulation.

Innovation durch unbefangenes Denken

Wenn die Rahmenbedingungen jedoch stimmen, entpuppt sich Reverse Mentoring als machtvoller Innovationsmotor. In vielen Branchen sind junge Menschen näher an der Zielgruppe oder stellen diese gar selbst dar. Sie spüren kulturelle Trends früher und besitzen den Mut, Unbequemes auszusprechen. Kristin Barnowsky erlebt das regelmäßig in ihren Mentoring-Sessions, etwa wenn es um künstliche Intelligenz, Automatisierung von Workflows oder den Einsatz von Social Media geht. Doch der tiefere Wert liegt oft jenseits der Technologie: Es geht um das Hinterfragen erstarrter Prozesse. „Oft sehen die Dinge, die uns Sorgen machen, nur für uns so aus; aus einer anderen Perspektive sind sie plötzlich Chancen für innovative Veränderungen“, resümiert die Mentorin.

Letztlich profitiert nicht nur die Führungskraft auch die jungen Mentor:innen wachsen, bauen sich ein Netzwerk auf und erleben direkte Selbstwirksamkeit. Die wichtigste Frage für Ines Hanusch: „Was, wenn du von denen lernst, die bisher nicht gefragt wurden? Es tut manchmal weh, sich spiegeln zu lassen. Aber nur so entsteht Fortschritt.“ In einer Wirtschaft, die händeringend nach Fachkräften und neuen Wegen sucht, könnte die Bereitschaft, vom Nachwuchs zu lernen, bald über die Existenz von Unternehmen entscheiden. Oder wie Ines Hanusch sagt: „Wer heute keine Kultur des gegenseitigen Lernens etabliert, verliert morgen den Anschluss bei existenziellen Themen wie Mitarbeiterbindung und Innovation.“

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