08.02.2016

Der richtige Zeitpunkt: Wann verkaufe ich mein Startup?

Gründen, wachsen, verkaufen, reich werden: davon träumen viele Unternehmer. Nach außen dringen bei erfolgreichen Startup-Verkäufen vor allem die Geldberge, die dabei bewegt werden. Im Hintergrund geht es um richtiges Timing, freundschaftliche Kontakte und gute Nerven.
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Die Verkauf an einen großen Fisch ist eine heikle Phase für jedes Startup. makc76 - Fotolia.com

Felix Krause ist erst 21 Jahre alt, als er sein Startup fastlane an Twitter verkauft und dem Konzern ins Silicon Valley folgt. Der Sport-Riese Adidas bewertet Runtastic mit 220 Millionen €, als er das österreichische Startup im Vorjahr übernimmt. Beim Verkauf seines Biotech-Startups Haplogen Genomics an britische Investoren im Vorjahr kassiert der Österreicher Georg Casari fast acht Millionen €.

Erfolgsgeschichten wie diese sorgen für Euphorie, und doch geht dabei oft unter, wie weit der Weg zu einem erfolgreichen Startup-Verkauf ist. Der Brutkasten hat sich angesehen, worauf es ankommt, wenn Google & Co anklopfen.

Das richtige Timing

Wer einen Verkauf anstrebt, sollte sich nicht von seinem persönlichen Zeitplan, sondern vielmehr vom Erfolg des Unternehmens leiten lassen. „Die beste Zeit, dein Startup zu verkaufen, ist die, in der du viele Optionen hast“, sagt etwa der amerikanische Tech-Unternehmer Justin Kan. Viele Gründer würden vor allem dann an einen Ausstieg denken, wenn es nicht rund läuft und das Startup an Schwung verliert – dies sei aber auch der denkbar ungünstigste Zeitpunkt für einen Verkauf. Ziel müsse es sein, so viele Bieter wie möglich zu finden, um die eigene Verhandlungsposition zu stärken. Ein Startup, das bereits profitabel wirtschaftet, kann es sich gegebenenfalls auch leisten, ein Angebot abzulehnen und auf ein besseres zu warten.

Das setzt in den meisten Fällen bereits eine gewisse Reife voraus: Microsofts M&A-Chef Yair Snir verweist so auch darauf, dass für den Softwarekonzern normalerweise nur Startups für eine Übernahme in Frage kommen, die bereits die zweite Finanzierungsrunde hinter sich haben und mindestens 15 bis 20 Mitarbeiter beschäftigen.

+++ Auch interessant: Hansi Hansmann über Team, Pitch und Scheitern in Österreich +++

Auf sich aufmerksam machen

Startups, die schon frühzeitig – und sei die Idee noch so jung – auf sich aufmerksam machen, erhöhen die Chancen, von größeren Playern entdeckt zu werden. „Wir raten kleinen Unternehmen dazu, vom ersten Tag an Updates an potenzielle Käufer zu schicken, damit sie das mögliche Übernahme-Ziel bereits kennen, wenn die Zeit für einen Verkauf reif ist“, schreibt Berater Murray Newlands bei Forbes.

Der Unternehmer Somrat Niyogi geht überhaupt so weit, mögliche Käufer von Anfang an mit der gleichen Priorität wie mögliche Kunden zu behandeln – schließlich gehe es vor allem um gute Beziehungen und Sympathie, wenn der Verkauf ansteht, oder sogar drängt. „Ein Käufer will mit dir abhängen. Wenn sie die Wahl haben, wird es jemand sein, den sie mögen“, sagte Niyogi zu Techcrunch. Deshalb müsse man bereits Beziehungen zu möglichen Interessenten aufbauen bevor überhaupt der Gedanke an einen Verkauf aufkommt – in weiser Voraussicht.

Natürlich kann man sich auch finden lassen, wie etwa das Fitness-Startup Runtastic: „Wir waren nicht aktiv auf der Suche nach Partnern“, sagte Gründer Florian Gschwandtner nach dem Verkauf an Adidas zum WirtschaftsBlatt. Nichtsdestotrotz habe man laufend Anfragen bekommen.

+++ Zum Thema: Runtastic läuft nun mit Adidas +++

Eine Frage der Bewertung

Wenn auch nicht die einzige, so ist die Frage nach dem „richtigen“ Preis doch eine entscheidende in jedem Verkaufsprozess. Sie wird häufig mit der Zuhilfenahme mehr oder weniger komplexer Berechnungsmethoden beantwortet, etwa indem der heutige Wert zukünftiger Gewinne berechnet wird. Der liegt laut Justin Kan bei vielen Tech-Startups aber bei null, da es gut möglich ist, dass das Unternehmen zu diesem Zeitpunkt noch gar keine Einnahmen, geschweige denn Gewinne, generieren kann. Er spricht daher von einem „strategischen“ Wert für den Käufer, der davon abhängt, wie gut das Startup in die kurz- oder langfristige Strategie des Käufers passt. Das bedeute natürlich, dass es keinen „richtigen Preis“ gebe, so Kan: „Es gibt einzig den Preis, den du verhandeln kannst“.

Bis zum Abschluss eines Deal – also spätestens wenn der vereinbarte Verkaufspreis auf dem Konto eingelangt ist – kann es Monate dauern. In den meisten Fällen werden von beiden Seiten Anwälte damit beauftragt, die rechtlichen Details zu klären. Für Kan ist dies die schwierigste Phase, schließlich müsse man sein Startup preisgeben, auch gegenüber manchem Konkurrenten, während es bis zum letzten Moment nicht ausgeschlossen ist, dass der Deal platzt.

Das Ende, oder ein neuer Anfang

Für viele Unternehmer bedeutet ein Verkauf keineswegs die endgültige Trennung von ihrem „Baby“ – nämlich dann nicht, wenn sie als Manager auch nach der Übernahme an Bord bleiben. Das war etwa bei Runtastic der Fall, wo Mitarbeiter und Firmensitz erhalten geblieben sind. „Zahlreiche Türen weltweit stehen uns nun offen. Wir sind begeistert über die neuen Möglichkeiten, die der Deal mit sich bringt“, sagte Gründer Gschwandtner dazu.

Die Erfahrung, von einem Milliarden-Konzern geschluckt zu werden, kann aber auch deutlich negativer ausfallen. „Als Startup darfst du schnell, unordentlich und nicht-perfekt sein. In einem großen, börsennotierten Konzern ist das nicht der Fall“, sagt die US-Unternehmerin Nellie Akalp in einem Beitrag auf Mashable. Auch wenn es sich oft lohne, weiter an einem Startup festzuhalten: Jeder Gründe müsse damit rechnen, dass der unternehmerische Geist nach einer Übernahme durch einen großen Player eingeschränkt wird.

Insgesamt ist jeder Verkauf eine Mammutaufgabe für Startups – die oft unterschätzt wird, so Kan: „Gründer, die den Prozess hinter sich haben, sagen, dass es zehnmal so anstrengend ist wie Fundraising. Nehme einen Verkaufsprozess niemals auf die leichte Schulter.“

+++ Zum Weiterlesen: „Mein Herz sagt nein, mein Kopf ja“: Wieso verkauften die 6Wunderkinder an Microsoft? +++

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Der US-Drohnenspezialist Red Cat Holdings (NASDAQ: RCAT) will die Steyr Motors AG übernehmen. Wie Red Cat am Montag mitteilte, legt das US-Unternehmen ein freiwilliges öffentliches Übernahmeangebot für sämtliche Aktien vor. Der Angebotspreis soll 39 Euro je Aktie in bar betragen, ein Aufschlag von 28,9 Prozent auf den Schlusskurs vom 16. Oktober. Steyr Motors zählt zu Europas führenden Herstellern von Hochleistungsmotoren für Defense-Spezialfahrzeuge und maritime Anwendungen sowie von Hilfsaggregaten für Kampfpanzer und Lokomotiven. Red Cat bietet Drohnen- und Robotiklösungen für Verteidigung und nationale Sicherheit an, darunter auch unbemannte Wasserfahrzeuge.

Ganz neu ist die Annäherung nicht: Beide Unternehmen hatten bereits unverbindliche Gespräche geführt, die im Juli 2026 beendet wurden. Nun wurden sie laut Aussendung wieder aufgenommen und haben zu einem vollständig finanzierten Barangebot geführt.

B&C und Cassutti dienen an

Die Ankeraktionärin B&C Holding Österreich GmbH hat sich unwiderruflich verpflichtet, ihre rund 15 Prozent am Grundkapital anzudienen. Auch CEO Julian Cassutti will seine eigenen Steyr-Aktien im Rahmen des Angebots andienen. Der Vollzug setzt voraus, dass Red Cat zum Ende der Annahmefrist mindestens 50 Prozent plus eine Aktie hält; zudem sind behördliche Genehmigungen in Österreich, Italien, Australien und dem Vereinigten Königreich erforderlich. Die Annahmefrist soll am 18. Dezember 2026 um 17:00 Uhr MEZ enden.

Red Cat will Steyr Motors laut Aussendung als österreichisches Kompetenzzentrum erhalten und ausbauen. Die Belegschaft soll bleiben, Fertigung sowie Forschung und Entwicklung verbleiben am Standort. „Wir sehen Österreich als zentral für die Zukunft des Unternehmens”, erklärt Red-Cat-CEO Jeff Thompson. Cassutti, der 2022 als CEO eingestiegen war und unter dem 2024 der Börsengang an der Frankfurter Wertpapierbörse erfolgte, spricht vom nächsten Kapitel der Unternehmensentwicklung: „Zugleich steht Red Cat uneingeschränkt hinter unserem Standort und unseren Mitarbeitenden.” Der Aufsichtsrat um den Vorsitzenden Rolf Wirtz beurteilt die Transaktion vorbehaltlich der Prüfung der Angebotsunterlage positiv.

Einordnung: Viel Absicht, wenig Garantie

Mit Steyr Motors würde ein Zulieferer für Kampfpanzer, Militärfahrzeuge und Marineanwendungen in den Besitz eines US-Unternehmens übergehen, Behörden in vier Ländern müssen zustimmen. Das Standortbekenntnis ist in der Aussendung als Absicht formuliert, eine vertragliche Garantie nennt sie nicht; das mittelfristige Potenzial von Steyr als europäischer Ankerpunkt will Red Cat erst „prüfen”. Und mit den rund 15 Prozent der B&C ist die Schwelle von 50 Prozent noch nicht erreicht. Bis Mitte Dezember bleibt der Ausgang offen.

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