23.12.2020

Startup-Szene: Ein positiver Rückblick 2020 & Ausblick 2021

Das Jahr 2020 hat viele Menschen auf eine harte Probe gestellt. Doch es gab auch einige positive Entwicklungen. Nach diesen haben wir Player des heimischen Startup-Ökosystems gefragt.
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Player aus der Startup-Szene befragt: (vlnr.) Bernhard Lehner, Oliver Holle, Lisa Fassl, Ali Mahlodji, Paul Klanschek
Player aus der Startup-Szene befragt: (vlnr.) Bernhard Lehner, Oliver Holle, Lisa Fassl, Ali Mahlodji, Paul Klanschek | (c) startup300/Speedinvest/Ruiz Cruz/Christoph Steinbauer/der brutkasten

Es ist Krise. Zeitweise sind wir 2020 aus den negativen Schlagzeilen nicht mehr hinausgekommen. Doch letztlich war nicht alles schlecht in diesem fordernden Jahr. Gerade die Startup-Szene hat in mehrerlei Hinsicht gezeigt, was sie aus sich herausholen kann. Sei es durch umfassende Hilfsbereitschaft oder auch dadurch, eine Gelegenheit beim Schopf zu packen und durchzustarten. Das drückt sich auch darin aus, dass dieses Jahr zum Rekordjahr bei Investments wurde.

Startup-Szene befragt: Positiver Blick auf 2020/2021

Bei unserer Befragung zum Rückblick 2020 und Ausblick 2021 haben wir unterschiedliche Player der Startup-Szene explizit nach positiven Entwicklungen im Krisenjahr, und danach, was sie für kommendes Jahr optimistisch stimmt, gefragt.


Oliver Holle, CEO Speedinvest

2020 war für den Großteil des Speedinvest-Portfolios ein sehr erfolgreiches Jahr. Absurderweise floss mehr Geld in unser Portfolio als je zuvor, trotz oder wegen Covid.

Die beschleunigte digitale Disruption, der Shift von institutionellem Kapital in Richtung VC sowie die zunehmende Professionalisierung des Ökosystems lassen mich auch – spezifisch für unser Business – positiv in die Zukunft blicken. Das ist, naturgemäß, nur ein kleiner Teil unserer Gesellschaft, das ist auch klar.

Lisa Fassl, CEO FemaleFounders

Startups sind dieses Jahr in der Politik angekommen. Unterstützungen wie der Covid-Hilfsfonds oder auch der Runway Fonds zeigen, dass wir Gehör finden und mittlerweile so etabliert und relevant sind, dass es hier verhältnismäßig schnelle und umfassende Hilfe gab (auch wenn natürlich immer mehr geht, und wir noch weit davon entfernt sind, uns wirklich als relevanter Startup-Standort bezeichnen zu dürfen). Egal wie man zu Politik und ihren Entscheidungsträger*innen steht, ohne passende Rahmenbedingungen wird sich das Ökosystem nicht weiterentwickeln können. Eines meiner Learnings 2020: Unternehmer*in sein bedeutet, politisch aktiv zu sein und auch hier mitzugestalten – sonst ändert sich nichts.

Was mich für 2021 optimistisch stimmt: Wir haben wirklich gute unternehmerische Menschen in diesem Land, die Dinge bewegen und against all odds Unternehmen aufbauen und Tag für Tag für ihre Ideen und Überzeugungen kämpfen. Die Krise hat gezeigt und wird weiter zeigen, wer die Zukunft in diesem Land gestaltet. Wenn wir diese Leute – und da gehören Startup-Gründer*innen eindeutig dazu – machen lassen und sie dabei unterstützen, kann eigentlich nicht viel schief gehen.

Markus Raunig, CEO AustrianStartups

Viele Gründer und Startups haben bemerkenswert schnell auf die ernste Lage im Frühjahr reagiert und proaktiv Lösungen entwickelt, die dabei helfen, die Krise zu bewältigen – vom digitalen Symptom-Checker bis hin zur Online Lernplattform für Homeschooling. Besonders bei Hack the Crisis haben wir alle live miterlebt, wie der Startup Spirit auch über die Grenzen der Startup-Szene hinweg Menschen inspiriert hat, selbst mit anzupacken und Corona gemeinsam mit den unterschiedlichsten Lösungsansätzen entgegenzutreten.

Derzeit deutet vieles darauf hin, dass wir 2021 eine wirkungsfähige Impfung haben werden, die innerhalb von wenigen Monaten entwickelt wurde. Ich glaube, man kann nicht überbetonen, was das für eine unglaubliche Leistung ist – für mich gefühlt das erste Mal seit Langem, dass wir als Menschheit gemeinsam wieder einen echten Moonshot hinbekommen haben. Ich hoffe, dass dadurch der Glaube an Technologie & Forschung wieder gestärkt wird und wir mit der gleichen geballten Energie auch andere große Probleme unserer Zeit anpacken – von der Klimakrise bis hin zur zunehmenden gesellschaftlichen Polarisierung.

Bernhard Lehner, Vorstand startup300 AG

So komisch es klingt, aber unter dem Strich hat das Seuchenjahr 2020 die Startup-Szene eher gepusht – wenn natürlich auch einzelne Startups auch unter die Corona-Räder gekommen sind. Warum ich positiv auf das Jahr zurückblicke? Es ist, auch getriggert durch den Covid-19-Hilfsfonds, viel privates Kapital geflossen. Viele Startups in meinem Portfolio haben enorm profitiert, FinTech und Education natürlich, aber auch B2B-Marktplätze zum Beispiel. Erfreulich ist, dass wir mit startup300 acht Investments machen konnten. Ganz generell hat das Thema „digitale Geschäftsmodelle“ einen ganz anderen Stellenwert bekommen, weil viele die höhere Resilienz von digitalen Workflows und Geschäftsmodellen begriffen haben. Man ist in „der Szene“ – wie immer man die jetzt auch genau definiert – eher zusammengerutscht. Ich sehe ganz neue Kooperations- und Zusammenarbeitsmöglichkeiten.

Und natürlich gibt es Dinge, die mich für 2021 optimistisch stimmen! Im März wird es warm, der Impfstoff wird greifen und es wird eine unglaubliche Lebensfreude, trotz aller wirtschaftlichen Herausforderungen, auf uns zukommen. Die Renaissance folgte der Pest, und so wird es auch nächstes Jahr sein. Mehr Optimismus, mehr Dynamik, mehr Mut, mehr Zukunftsfreude. Damit verbunden könnte es sein, dass wir, ähnlich wie nach der Finanzkrise 2009, eine Gründerwelle haben werden, was ich gut fände in einem Land, in dem Entrepreneurship so wenig ausgeprägt ist. Die Startups, die schon 2020 eher profitiert haben, werden weiter pushen – das wird ein super Jahr, in dem wir auch sicher viele spannende Investment-Opportunities sehen und gemeinsam mit unseren Startups wachsen können.

Selma Prodanovic, Gründerin 1MillionStartups

Meine drei Highlights 2020: Erstens, obwohl am Anfang der Krise völlig unbegründete und panikmachende „Prognosen“ publiziert wurden, wurde 2020 das beste Funding-Jahr in Österreich! Zweitens, gerade in der Krise hat sich gezeigt, wie wichtig die AAIA ist: von Anfang an unterstützend für die Startup-Szene im Einsatz, aber auch mit großem Engagement im Startup-Komitee sowie bei konkreten Hilfen wie dem Covid-Startup-Hilfsfonds oder mit Classics wie dem „Standard Termsheet„. Drittens, eine wunderbare Entwicklung in Richtung mehr Nachhaltigkeit und Regionalität im Sinne der SDGs wurde durch die Krise gestärkt.

Was mich für 2021 optimistisch stimmt: Sustainability wird noch wichtiger und einige Überraschungen, was Female Empowerment und Funding angeht, kommen auf uns zu. Als neu-gewählte Vize-Präsidentin der European Business Angels Network, hoffe ich unsere Rolle in Europa zu stärken und uns neue Chancen zu eröffnen. Ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass wir eine besondere „österreichische Lösung“ erfinden werden. Wir sind Experten dafür, zwei Gegenseitige Konzepte zusammenzubringen. Mit diesem Ansatz haben wir die Chance, eigene, einmalige Wege zu entwickeln um die Welt mit und durch Entrepreneurship besser zu machen.

Berthold Baurek-Karlic, CEO Venionaire Capital

Eine positive Entwicklung für die Startup-Szene war sicherlich, dass Digitalisierung und Innovation einen höheren Stellenwert bekommen haben. Die Krise war und ist ein Motor für Digitalisierung – der auch von einzelnen Startups gut genutzt werden konnte, auch wenn übermächtige Tech-Giganten aus den USA heimischen Softwareanbietern hier sicherlich den Wettbewerb sehr hart gemacht haben. Lokal einkaufen – insbesondere Tech Made in Austria – wird nun auch Dank Kambis & WKÖ (Anm. neuer Head of Startup Services) aktiv vorangetrieben.

Positiv stimmt mich, dass es wirksame Impfstoffe gibt und zumindest gegen Mitte oder Ende 2021 schrittweise Normalität einkehren kann. Die Politik hat bei allen Höhen und Tiefen der Krise zuletzt nun auch wieder stark signalisiert, dass man auf den Innovationsmotor Startups nicht vergessen wird. Ich bin in diesem Zusammenhang optimistisch, dass wir auch eine Chance auf die Neuauflage des Covid-Hilfsfonds haben – jede Stimme aus der Community zählt hier weiterhin.

Ali Mahlodji, Keynote-Speaker

Florian Gschwandtner, Investor

Es hat dieses Jahr einige sehr gute Investmentrunden gegeben, etwa von Bitpanda und Adverity. Und auch sonst gab es eine sehr gute Entwicklung in der Startup-Szene. Speedinvest hat neue Fonds gestartet und auch von anderen kam einiges dazu – es tut sich einfach was in der Szene. Und da und dort wird es auch professioneller und besser – ich sage bewusst „da und dort“. Natürlich gab es auch ein paar negative Entwicklungen, aber ohne die geht es nicht.

Was stimmt mich für 2021 optimistisch? Eigentlich alles! Denn eine Krise bietet immer auch viele Chancen und wenn sie vorbei geht, kann es noch schneller bergauf gehen. Durch Covid wurde die Digitalisierung gepusht und viele Dinge werden dadurch schneller gehen.

Paul Klanschek, CEO Bitpanda

2020 war das wahrscheinlich härteste Jahr für die Startup-Szene in Österreich. Es gab wenige Gewinner und viele stark Benachteiligte. Wir hatten mit dem „Full-remote-working“ auch zu kämpfen, sind aber gut dabei weggekommen, da unser operatives Business dieses Jahr massiv gewachsen ist. Viele Bekannte von mir hatten massive Umsatzeinbrüche und durch die Covid-Maßnahmen oft auch gar keine Chance, ihr Business zu betreiben. Man hat grundsätzlich gesehen, dass auf Startups geschaut wird, aber die Förderungsmaßnahmen standen in keinem Verhältnis zu den Einschränkungen. Da ist noch viel Luft nach oben. Doch um etwas positives zu nennen: Durch die Maßnahmen wurde die gesamte Industrie „Blitz-technologisiert“, was langfristig tolle und nachhaltige Auswirkungen haben wird.

2021 wird ein hartes Jahr, die gesamten Wirtschaftlichen Auswirkungen werden erst schön langsam eintreffen. Ich bin optimistisch, dass hier weiter eine starke Wirtschaftsförderpolitik durchgezogen wird. Wenn Österreich hier gut reagiert, können wir uns einen Wettbewerbsvorteil als Standort herausarbeiten.

Nicola Filzmoser, COO Happyr Health

2020 war ein Jahr rapider Innovation, weil unter den Bedingungen der Pandemie schnell innovative Lösungen gebraucht wurden. Das hat sich für uns vor allem auch im Digital Health Bereich gezeigt. Einerseits verbesserte sich dadurch das Verständnis für die Chancen und auch Hürden von weitverbreiteter digitaler Gesundheitsversorgung, andererseits zeigte das auch die Bereitschaft und Offenheit von Nutzern gegenüber digitalen Gesundheitsservices.

Optimistisch bin ich auf jeden Fall: Es ist etwa die Aussicht darauf, unsere erste Version der App zu veröffentlichen. Oder die weitere Zusammenarbeit mit großartigen Team-Mitgliedern und Partnern, die auch digital super funktioniert. Aber vor allem, weitere Menschen kennenzulernen, unter anderem Kinder, denen wir mit unserer App helfen können und die mit uns weiterhin neue Innovationen kreieren. Bezogen auf die gesamte Digital Health Startup-Szene erwarte ich weitere Entwicklungen in der Integration von digitalen Lösungen in unsere Gesundheitssysteme, nachdem Deutschland mit dem Digital Healthcare Act einen großen Meilenstein vorgelegt hat.

Robert Kopka, Gründer Luke Roberts

2020 war für die Startup-Szene ein sehr schwieriges Jahr. In Zeiten großer Unsicherheit werden weniger Firmen gegründet und es wird weniger investiert (auch wenn es viele Investments in Portfolio-Firmen gab, um diese vor dem Untergang zu retten). Es gibt aber auch Gewinner. All diejenigen Firmen, die die Digitalisierung vorantreiben, haben einen nachhaltigen Boost erfahren. Das Home Office ist salonfähig geworden und viele Firmen haben auch realisiert, dass anstelle eines teuren Business-Trips ein virtuelles Treffen in vielen Fällen genügt. Ich erwarte hier starke Veränderungen, die über die aktuelle Krise hinaus fortbestehen werden.

Der Mensch ist ein Gewohnheitstier und nach einigen Anfangsschwierigkeiten konnten viele Branchen zu einem einigermaßen normalen Betrieb zurückkehren. Nachdem die anfängliche Panik abgeflacht ist, haben viele Menschen wieder positiver in die Zukunft geblickt und sobald die Impfungen beginnen, wird es eine Aufbruchstimmung und einen starken Nachholbedarf geben. Ich rechne mit einem guten Wirtschaftswachstum und sinkenden Arbeitslosenzahlen 2021 und davon werden sehr viele Branchen profitieren.

Alex Kirchmaier, Co-Founder Renjer

Als Innovationswissenschaftler weiß man, dass besonders einschneidende Ereignisse wie Krisen oft als Katalysator für Innovation dienen können. Ich denke, genau das hilft schlanken Startups und ihren kreativen Köpfen. Sie können sich schneller auf neue Situationen einstellen als träge Konzernstrukturen. Auf eine Art werden auf manchen Märkten also die Karten neu gemischt und neue, disruptive Innovation bekommt die Chance, antiquierte Standards abzulösen. Ein weiterer entscheidender Vorteil, den die Covid-19-Krise den Startups gebracht hat, ist die Beschleunigung der Digitalisierung. Vom Heimbüro, über den Handel bis zur Freizeitgestaltung, wurden sowohl Akzeptanz als auch Anwendung virtueller Kommunikation um Jahre in die Zukunft befördert. Das bringt uns nicht nur flexible Arbeitszeit und Arbeitsorte, sondern auch den, für Startups besonders bedeutenden, direkten Kanal zum Kunden. Das Internet selbst hat das Unternehmertum schon in den vergangenen Jahrzehnten enorm liberalisiert, doch das Jahr 2020 hat dieser Entwicklung noch einmal in eine ganz neue Dimension verholfen.

Ich habe einiges geplant im nächsten Jahr. Der Start wird wohl nicht einfach werden, aber ich bin sehr optimistisch, dass sich im Laufe des Jahres – spätestens nach Überwindung der schlimmsten Krisenzeiten – auf vielen Märkten eine gewisse Euphorie einstellen wird. Auf Krisen folgt ja meist eine Wachstumsphase und mein Ziel ist es, an dieser, sowohl mit unserem Unternehmen Renjer als auch mit neuen Projekten, teilzuhaben. Was mich darüber hinaus positiv stimmt, ist die Tatsache, dass wir uns nach einem Umsatzeinbruch von etwa 80 Prozent im April durch das Erschließen neuer Kanäle auf ein solides Niveau zurück gearbeitet haben. Wenn die alten Kanäle – insbesondere Tourismus – zurückkommen, steht uns als ein beachtliches Wachstum bevor.

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Alina Nikolaou, Co-Founder, Director & Curator TEDAI Vienna
Alina Nikolaou, Co-Founder, Director & Curator TEDAI Vienna | Foto: TEDAI

„Es kommt nur selten vor, dass Vertreter:innen der weltweit führenden Frontier-Labs gleichzeitig an einem Ort zusammenkommen“, erklärt Alina Nikolaou, Co-Founder, Director & Curator der TEDAI. Mit der Ankündigung weiterer hochkarätiger Speaker:innen aus Organisationen wie Anthropic und Google DeepMind nimmt die dritte Auflage der TEDAI, die vom 28. bis 30. Oktober 2026 in der Wiener Hofburg stattfindet, nun konkrete Formen an. Rund 1.200 internationale Entscheidungsträger:innen, Pionier:innen und KI-Enthusiast:innen werden in Wien erwartet und sollen dort die Möglichkeiten, Grenzen und offenen Fragen der nächsten KI-Generation diskutieren.

Praktische Umsetzung im Vordergrund

Schon im März berichtete brutkasten über die ersten bekannten Namen im Line-up, darunter Physik-Nobelpreisträger Geoffrey Hinton und OpenClaw-Entwickler Peter Steinberger. Seither hat sich das Programm der weltweit einzigen offiziellen TED-Konferenz zu Künstlicher Intelligenz noch deutlich erweitert und wurde analog zur weiterhin rasanten KI-Entwicklung adaptiert. Während die Konferenz anfangs vor allem breite gesellschaftliche und ethische Themen im Visier hatte, rückt mit den neuesten Speaker:innen-Bestätigungen vom August die praktische Umsetzung in den Vordergrund. „Vom Modell zur Wirkung“ lautet das aktuelle Motto. Es gehe darum, „wie aus leistungsfähigen KI-Modellen verlässliche Anwendungen und KI-Agenten entstehen, die Menschen in Arbeit, Forschung und Wirtschaft konkret unterstützen“.

Zielsetzung der TEDAI im Wandel

Diese Entwicklung spiegelt sich auch in der personellen Auswahl der Veranstalter:innen wider. Erklärte Alina Nikolaou im März noch, dass im Fokus der Konferenz „die ambitioniertesten KI-Trends und Ideen unserer Zeit: konkrete Lösungen, radikale Paradigmenwechsel, augenöffnende Forschungsergebnisse und schwierige, aber dringend notwendige soziale Fragen“ stünden, so sagte Nikolaou im Juni bereits über die gewünschte Perspektivenvielfalt: „Wenn es um KI geht, entstehen die spannendsten Erkenntnisse oft nicht im Konsens, sondern dort, wo Perspektiven und Paradigmen aufeinanderprallen. Genau diese Spannungsfelder wollen wir auf der TEDAI 2026 sichtbar machen.“ Nun, mit den neuesten Ankündigungen von heute, stehe laut den Organisator:innen die Chance im Fokus, „Einblicke in Ideen zu gewinnen, an denen heute gearbeitet wird: von KI-Agenten in der Wirtschaft bis zur Zukunft der Wissensarbeit“.

Die Top-Speaker:innen

Unter den zahlreichen Neuzugängen sind einige besonders klingende Namen:

Geoffrey Hinton: Der britisch-kanadische Wissenschaftler gilt als einer der „Godfathers of AI“ und ist ein Pionier im Bereich neuronaler Netze und Deep Learning. Für seine grundlegenden Beiträge wurde er 2018 mit dem Turing Award und 2024 mit dem Nobelpreis für Physik ausgezeichnet.

Peter Steinberger: Der gebürtige Österreicher sorgte mit seiner Open-Source-Anwendung OpenClaw für einen internationalen Hype. Inzwischen arbeitet er für das US-Schwergewicht OpenAI an Produkten für eine „Agent-first“-Welt, mit dem Ziel, jedem Menschen einen eigenen KI-Assistenten zur Verfügung zu stellen.

Felix Rieseberg: Er kommt neu ins Line-up und arbeitet bei Anthropic direkt an der Schnittstelle zwischen Modellen und praktischer Anwendung. Dort entwickelte er unter anderem Claude Cowork und verantwortete Engineering-Teams für Claude.ai sowie Claude Code auf dem Desktop.

Nenad Tomašev: Als Senior Staff Research Scientist bei Google DeepMind forscht er zu Multi-Agenten-Systemen, Agentic Economies sowie KI-Sicherheit. Seine Arbeit fokussiert darauf, wie komplexe KI-Agenten wirksam durch Menschen kontrolliert und an menschlichen Interessen ausgerichtet werden können.

Valeria Pettorino: Die Physikerin ist Project Scientist der Euclid-Weltraummission bei der Europäischen Weltraumorganisation ESA. Sie bringt eine astrophysikalische Perspektive ein und zeigt, wie KI-Technologie unser Verständnis des Universums, insbesondere im Bereich Kosmologie und Dunkler Energie, erweitert.

Die weiteren Speaker:innen: breites Spektrum von Kosmologie bis Plattformkritik

Um den Anspruch zu erfüllen, die „gesamte Bandbreite der KI-Debatte abbilden“ zu können, bringen die weiteren Speaker:innen höchst diverse Perspektiven nach Wien. Die wissenschaftliche und technologische Grundlagenforschung wird durch die Forscherinnen Anna Goldie und Azalia Mirhoseini, Gründerinnen von Recursive Intelligence und ehemalige Leiterinnen des AlphaChip-Projekts bei Google, beleuchtet. Mahmoud „Mido“ Assran forscht an sogenannten World Models und Self-Supervised Learning, um effiziente und sichere KI-Agenten zu ermöglichen. Gehirnaktivitäten mittels KI entschlüsselt wiederum der japanische Neurowissenschaftler Yukiyasu Kamitani, dessen Arbeit bis zur Rekonstruktion von Träumen reicht.

Demgegenüber stehen kritische Stimmen aus Medien, Ethik und Gesellschaft: Nicholas Thompson, CEO von The Atlantic, und der bekannte Autor und Aktivist Cory Doctorow ordnen die gesellschaftlichen und politischen Folgen von KI ein. Um Datenschutz und Ethik dreht sich die Arbeit von Carissa Véliz (Associate Professor in Oxford), während der Rechtswissenschaftler César Rodríguez-Garavito (NYU) zu KI-Governance und Klima- sowie indigenen Rechten forscht. Die nigerianische klinische Psychologin Kauna Ibrahim Malgwi bringt zudem ihre Forschung zu algorithmischem Trauma und mentaler Gesundheit in prekären digitalen Arbeitsbedingungen ein.

Praxisnahe Anwendungen bringen schließlich Kateryna Lopatiuk (räumliche Datenanalyse für den Wiederaufbau), Dr. Layla Hosseini-Gerami (Ignota Labs, Chief Data Science Officer für KI-gestützte Medikamentenentwicklung) und Gabriella Di Laccio (Donne, Women in Music) mit Datenanalysen zur Sichtbarkeit von Komponistinnen ein.

Neben den rund 20 TED-Talks am abschließenden Konferenztag will die TEDAI 2026 den Besucher:innen ein umfassendes „Gesamterlebnis“ bieten. Dazu gehören ein festlicher Eröffnungsball, der Wiener Tradition mit moderner Innovation verbinde, sowie der sogenannte „Discovery Day“ mit interaktiven Workshops.

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