21.02.2023

Startup-Rat: Warum Automatisierung und neue Rollen von CFOs wichtiger werden

Das Schlagwort für Gründer:innen in Krisenzeiten ist Kosteneinsparung. Oder nachhaltiges Wirtschaften, wie es andere nennen. Einen Weg, wie das gelingen kann, erklärt Thomas Inhelder von Yokoy.
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(c) Yokoy - Thomas Inhelder von Yokoy.

Finanzierungskrise, Downturns, Personalnotstand – viele Startups haben derzeit aufgrund diverser Umstände und womöglichem Übereifer mit Problemen zu kämpfen. Das Wachstum stagniert nicht nur, es bricht weg und kehrt sich um, Kapital fehlt plötzlich. Für viele Gründer:innen und Expert:innen der Szene gibt es aus dieser Misere heraus zwar so viele Wege, wie Medusa Zöpfe hat, aber besonders eine Lösung sticht in den letzten Monaten stärker hervor als andere. Sie ist auch die erste Reaktion, die strauchelnden Startups, beinahe wie ein Reflex, empfohlen wird: Kosteneinsparung durch Automatisierung.

Automatisierung für wertvermehrendes Arbeiten

Einer der Verfechter davon ist Thomas Inhelder, CFO von Yokoy, der sich um die Automatisierung der Finanzbranche kümmert. In seinen Augen sollte alles, was standardisierbar ist, auch automatisiert werden.

„Damit alle Mitarbeitenden bzw. Finanzmitarbeitenden mehr wertvermehrende Arbeiten erledigen können“, präzisiert er. „Die Zeiten, in denen ich alle Aufgaben in den ‚Osten‘ outsource, sind vorbei. Das ist keine langfristige Lösung.“

Um auf der Ausgabenseite alles zu standardisieren – Belege, Transaktionen – brauche es die richtige Infrastruktur. Danach müsse man die Prozesse hinterfragen und prüfen, welche einfach zu digitalisieren sind.

Erst für größere Startups rentabel

„Automatisierung macht insbesondere für mittelgroße und große Scaleups Sinn, wo auch entsprechend manuelle Arbeit anfällt und die Mitarbeitenden sich dann dank der Automatisierung auf produktivere Aufgaben fokussieren können.“, so der CFO.

Sobald eine Automatisierungsstruktur in einem Unternehmen etabliert wurde, sei es nicht mehr nötig, jede einzelne Rechnung zu belegen. Man könne infolge Thresholds definieren und bestimmen, welche Fehlermeldungen man bekomme bzw. welche Ausreißer gemeldet werden. „Ich kann sagen, ich möchte sämtliche Sales-bezogene Ausgaben sehen, oder alles was Marketing tut“, erklärt Inhelder.

Automatisierung und die Rolle des CFOs

Für den Co-Founder von Yokoy hat sich bei dieser Thematik besonders die Rolle des CFOs geändert und werde künftig noch mehr Wandel erfahren. Er sagt: „Die Finanzabteilung als ganzes soll sich nicht mehr auf das transaktionale Business, sondern sich dank künstlicher Intelligenz vermehrt auch auf Analysen fokussieren können.“

Damit deutet Inhelder an, dass sich der Chief Financial Officer als „reiner Buchhalter“ verabschiedet hat und näher am „Business“ dran ist – eine Art „Berater“ mit riesen Impact auf die ganze Unternehmung. Einer, der Digitalisierungsprozess mitunter auch antreibt.

„Heutzutage geht es vor allem darum, wie ein Unternehmen gegenüber jungen Mitarbeitenden dasteht. Die Generation um die 20 bis 25 erwartet eine ‚Durchdigitalisierung‘. Da geht es um ‚Basics‘. Und jeder muss mithelfen.“

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easyvegan Pixelrunner FireStart P4 Therapeutics - Insolvenzen
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5.139 Unternehmen mussten laut aktueller Hochrechnung des Kreditschutzverbands KSV1870 in den ersten drei Quartalen 2026 in Österreich Insolvenz anmelden. Das entspricht einem Plus von 0,4 Prozent zum gleichen Zeitraum im Vorjahr. Nach Jahren des deutlichen Anstiegs bedeutet das eine Stagnation auf hohem Niveau. Diese erwartet der Verband auch für das gesamte Jahr. Die Passiva sind wegen einer etwas geringeren Zahl an Großinsolvenzen in den ersten drei Quartalen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um rund sieben Prozent auf etwa sechs Milliarden Euro gesunken. Bei den Branchen – Handel vor Baugewerbe und Gastronomie – gab es „wenig Bewegung“.

„Kräftiger Aufschwung gegenwärtig nicht erkennbar“

Insgesamt gibt es seitens des KSV1870 weiter keine Entwarnung. Die schwache Konjunktur, die verhaltene Nachfrage und die hohen Kosten würden Betriebe weiterhin belasten, „ein kräftiger Aufschwung ist gegenwärtig nicht erkennbar“, heißt es vom Verband. „Wo Margen und finanzielle Reserven knapp sind, kann der anhaltende wirtschaftliche Druck schnell existenzbedrohend werden. Entsprechend hoch bleibt die Zahl der Betriebe, die ihre finanziellen Verpflichtungen nicht mehr erfüllen können und den Weg in die Insolvenz antreten müssen“, kommentiert Karl-Heinz Götze, Leiter KSV1870 Insolvenz.

Weiterer Zuwachs bei nicht eröffneten Fällen „alarmierend“

Mehr noch beschäftigt den Verband eine Entwicklung, die sich in den vergangenen Jahren kontinuierlich verschärft hat, und vom KSV als „besorgniserregend“ eingestuft wird: ein massiver Zuwachs bei den nicht eröffneten Fällen. So ist die Zahl der eröffneten Unternehmensinsolvenzen im dritten Quartal gegenüber dem Vorjahreszeitraum sogar um 7,2 Prozent gesunken, die Zahl der mangels Masse nicht eröffneten Verfahren dagegen um nicht weniger als 12,6 Prozent gestiegen. Konkret war es laut KSV seit Jahresbeginn bei 2.204 Fällen, also ca. 43 Prozent aller Verfahren mangels Kostendeckung nicht möglich, diese einer geordneten Abwicklung zuzuführen.

„Dass es zwischen den eröffneten und abgewiesenen Fällen mittlerweile nur noch einen zahlenmäßig geringen Unterschied gibt, ist alarmierend. Das ist ein Umstand, den die Gläubiger massiv zu spüren bekommen, da sich in diesen Fällen ihre Verluste weiter erhöhen. Das kann auch für wirtschaftlich gesunde Unternehmen mittel- und langfristig zum Problem werden“, erläutert Götze.

KSV1870 sieht Betrugsbekämpfungsgesetz „zumindest punktuell“ als Auslöser

Die Gründe für die Dynamik laut KSV: Nicht nur werde immer häufiger mit der Insolvenzanmeldung zu lange gewartet, der Verband sieht die Entwicklung auch „zumindest punktuell“ als eine Folge des im Jänner 2026 beschlossenen Betrugsbekämpfungsgesetzes. „Denn infolgedessen ist es vielfach so, dass vor der Änderung der Gesetzeslage durchsetzbare Anfechtungsansprüche nun nicht mehr geltend gemacht werden können, die Zahl der Gläubigeranträge sinkt und auch die Quoten dementsprechend für die Gläubiger zurückgehen“, heißt es vom KSV. In diesem Zusammenhang seien – „wie bereits beim Gesetzesbeschluss seitens des KSV1870 vorausgesagt“ – Folgeinsolvenzen zu befürchten.

Der KSV1870 erwartet auch für das vierte Quartal keine Entschärfung der Insolvenzdynamik und auch keine Verbesserung bei den nicht eröffneten Fällen. „Angesichts dieser Faktenlage ist es höchst an der Zeit, eine gesetzliche Basis zu schaffen, wie mit den mangels Masse abgewiesenen Fällen zukünftig umzugehen ist. Andernfalls wird sich der gesamtwirtschaftliche Schaden weiter erhöhen“, meint Götze.

Deutliches Statement zur Insolvenz-Entgelt-Fonds-Diskussion

Der Verband äußert sich zudem zur Diskussion rund um eine Finanzierungslücke beim Insolvenz-Entgelt-Fonds (IEF). „Aus Sicht des KSV1870 ist dabei ein Punkt wesentlich: Aufgrund der Tatsache, dass sich Österreichs Unternehmen seit einigen Jahren mit massiven wirtschaftlichen Herausforderungen konfrontiert sehen, ist eine automatische Anhebung der Dienstgeberbeiträge keine Option“, heißt es dazu. Götze kommentiert: „Dadurch würden die Betriebe finanziell zusätzlich belastet werden, was angesichts der derzeitigen Situation nicht erstrebenswert sein kann.“ Wichtig in der Diskussion sei jedenfalls, „nicht nur den Bedarf für das Jahr 2027 zu bewerten, sondern langfristig zu denken und sowohl die Interessen der Arbeitgeber wie auch jene der Arbeitnehmer zu berücksichtigen“, so der Verband abschließend.

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