08.01.2019

Warum der „Startup-Ökosystem“-Begriff Bullshit ist

Kommentar. Wer sich in der Startup-Welt bewegt, kommt nicht um den Ökosystem-Begriff herum. Doch eigentlich ist es ja so: Ein erfolgreiches Startup zerstört ein Ökosystem.
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Startup-Ökosystem
(c) fotolia.com - nataba

Der Begriff ist in der Startup-Welt allgegenwärtig: das „Startup-Ökosystem“. Doch wie kommt es dazu, dass gerade diese Metapher für die Startup-Welt genutzt wird? Wer schon einmal eine beliebige Natur-Doku gesehen hat, kann sich vielleicht an die dort gerne vorgebrachten Stehsätze erinnern: „Der ewige Kreislauf der Natur“ und dergleichen. Sie fassen auf einfache Art zusammen, was ein Ökosystem ausmacht: Es muss umfassend betrachtet werden, da eine Vielzahl an inneren und äußeren Einflüssen darauf einwirkt. Es funktioniert in Form eines Kreislaufs. Und es herrscht – wenn es funktioniert – ein Gleichgewicht.

+++ Quo vadis, Startup Ecosystem? +++

Das eigentliche Ökosystem

All das trifft auf das sogenannte „Startup-Ökosystem“ nicht zu. Es ist vielmehr die isolierte Betrachtung einer bestimmten Unternehmensgruppe (und ihrer Stakeholder), die das Ziel hat, exponentiell zu wachsen und damit ein etwaiges Gleichgewicht durcheinander zu bringen. Ganz daneben ist die Metapher dann doch nicht. Tatsächlich bewegen sich Startups in etwas, dass den Namen Ökosystem verdient. Es ist die Wirtschaft an sich, mit ihren großen und kleinen Fischen, ihren uralten Organismen und kurzlebigen Eintagsfliegen.

Disruption: Zerstörung statt Kreislauf

Exponentielles Wachstum gibt es in einem funktionierenden natürlichen Ökosystem immer nur zeitlich beschränkt. Jedes Jahr können wir etwa wieder den sprunghaften Anstieg der Gelsen-Population beobachten. Um im Herbst mitzuerleben, wie die kleinen Strandbad-Disruptoren wieder von Mutter Natur dahingerafft werden. Spezies, die exponentiell wachsen und sich dauerhaft behaupten können, zerstören das bestehende Ökosystem. In der Natur sind es die sogenannten invasiven Arten, denen das gelingt. Im Ökosystem Wirtschaft sind es die Startups, die genau danach trachten. Der Vorgang heißt dann Disruption.

Willkommen im „Startup-Glashaus“

Wollen wir für das Startup-System, wie es sich in den vergangenen Jahren etabliert hat, tatsächlich eine botanische Metapher wählen, wäre die des Glashauses viel angebrachter. Das Zusammenspiel von Inkubatoren, Akzeleratoren, Förderstellen, Business Angels, Seed-Investment-Fonds und Konsorten hat den Zweck, möglichst viele der „Unternehmens-Samen“ (Stichwort: Seed) durchzubringen und die kleinen Pflänzchen fit für das harte Ökosystem da draußen zu machen

Grenzen des Wachstums im „Startup-Ökosystem“

Und an dieser Stelle sei angemerkt: Das perfekte Startup bringt seine eigenen Samen sehr schnell aus dem Glashaus heraus, auf dass seine Sprösslinge beginnen, die Welt zu überwuchern und alteingesessene Pflanzen nachhaltig zu verdrängen und zu vernichten. Denn wer im sogenannten „Startup-Ökosystem“, dieser geschützten Umgebung, bleibt, stößt schnell an die Grenzen des Wachstums. Das eigentliche Ökosystem ist da draußen.

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Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer und Innovationsminister Peter Hanke (Archivbild) | (c) BKA/Paul Gruber
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Sie wird regelmäßig als möglicher Hebel genannt, um Startups abseits von klassischen Förderungen staatlich zu unterstützen: die öffentliche Beschaffung. Gleichzeitig wird kritisiert, dass diese oft nicht die kommunizierten Zielsetzungen, etwa in der Stärkung der heimischen Innovationslandschaft, widerspiegelt. Das will die österreichische Bundesregierung nun mit einem „nationalen Aktionsplan Strategische Öffentliche Beschaffung“ ändern, der bis Jahresende unter Federführung von Wirtschafts- und Innovationsministerium ausgearbeitet werden soll.

Öffentliche Auftraggeber stärker als Erst- und Referenzkunden für Startups etablieren

Der Aktionsplan soll „als Handlungsleitfaden für den Bund, seine Beteiligungen sowie weitere öffentliche Auftraggeber dienen“. Ziel sei es, Innovation, Wettbewerbsfähigkeit, Nachhaltigkeit und europäische Wertschöpfung stärker in Beschaffungsprozessen zu verankern. Ein besonderer Schwerpunkt liege darauf, öffentliche Auftraggeber stärker als Erst- und Referenzkunden für innovative Unternehmen und Startups zu etablieren. Damit sollen „neue Technologien schneller zur Marktreife gelangen und zusätzliche Impulse für Wachstum und privates Kapital entstehen“.

Hanke: „Das Billigstbieterprinzip ist in dieser Form nicht mehr zeitgemäß“

Innovationsminister Peter Hanke führt aus: „Mit rund 70 Milliarden Euro jährlich verfügt der Staat über enorme Gestaltungskraft. Diese wollen wir künftig gezielt einsetzen, um Innovationen schneller in die Anwendung zu bringen, die Wettbewerbsfähigkeit unseres Standorts zu stärken und europäische Souveränität auszubauen.“

Hier gelte es neue Wege zu gehen: „Das Billigstbieterprinzip ist in dieser Form nicht mehr zeitgemäß. Wir brauchen eine Beschaffung, die europäische Souveränität und Innovationskraft in den Vordergrund stellt“, so Hanke. Der Staat soll dabei „als Ankerkunde vorangehen“ und innovativen Unternehmen die Möglichkeit geben, ihre Lösungen erstmals im Markt einzusetzen. „Das stärkt unsere Startups, schafft heimische Wertschöpfung und macht Österreich technologisch unabhängiger“, meint der Minister. Bundesbeteiligungen wie die ÖBB und ASFINAG seien dabei bereits Vorreiter. Ziel sei es, dass die Republik ihre Rolle als Eigentümer konsequenter ausbaue.

Und Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer ergänzt: „Der Staat soll nicht nur einkaufen, sondern Innovationen den Weg in den Markt ebnen. Wenn die öffentliche Hand als Erst- und Referenzkunde vorangeht, schaffen wir Marktchancen für heimische Unternehmen, stärken europäische Wertschöpfung und machen aus Innovation schneller wirtschaftlichen Erfolg. Genau diesen Paradigmenwechsel treiben wir jetzt voran.“

Spinoff-Gründungen als konkrete KPI für „Austrian Quantum Cluster“

Zeitgleich geben die beiden Minister per Aussendung auch ein Update zu weiteren Maßnahmen im Bereich der in der Industriestrategie 2035 (brutkasten berichtete) definierten Schlüsseltechnologien. In der AI Factory Austria seien demnach 53 von insgesamt 80 Millionen Euro Projektkosten als Investition in einen Supercomputer vorgesehen, der kommendes Jahr in Wien in Betrieb gehen soll.

Zudem nennen die Ministerien einige KPIs für den „Austrian Quantum Cluster“, in den heuer 30 Millionen Euro aus dem Fonds Zukunft Österreich fließen (brutkasten berichtete). Demnach soll der „erste Megacluster Österreichs“ unter der Ägide von aws (Austria Wirtschaftsservice), FFG (Forschungsförderungsgesellschaft), CDG (Christian Doppler Forschungsgesellschaft) und FWF (Wissenschaftsfonds) etwa mindestens fünf Spinoffs hervorbringen und mindestens acht Millionen Euro Folgeinvestitionen für Startups bzw. Scaleups hebeln. „Wir wollen Quantentechnologie nicht nur erforschen, sondern in Österreich entwickeln, produzieren und vermarkten. Unser Ziel ist klar: Aus Spitzenforschung soll Spitzenindustrie werden“, kommentiert Hattmannsdorfer. Dabei setze man auf „Fokus statt Gießkanne“.

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