18.07.2023

Conception: US-Startup möchte menschliche Eizellen im Labor züchten

Das Startup Conception aus San Francisco möchte die menschliche Fortpflanzung mit Hilfe der In-vitro-Gametogenese (IVG) revolutionieren, indem es aus Haut- und Blutzellen Stammzellen entwickelt, die im Labor zu Eizellen und schließlich zu Embryonen transformiert werden können.
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© Sanjeri über Getty Images

Babys, die im Labor gezeugt werden, sind nicht nur in Science-Fiction-Filmen zu sehen, sondern könnten schon bald Wirklichkeit werden. Ein Startup aus San Francisco arbeitet an einer Technologie, die die Art und Weise, wie sich Menschen fortpflanzen, revolutionieren soll. Genauer gesagt möchte das Unternehmen menschliche Eizellen im Labor erzeugen. Hinter dieser Vision steht Conception, ein Biotech-Startup, das im Jahr 2018 von Pablo Hurtado, Matt Krisiloff und Bianka Seres gegründet wurde. 

Ziel der Gründer ist es, den Kinderwunsch von Frauen auch in späteren Lebensphasen zu erfüllen, Paaren bei der Überwindung von Unfruchtbarkeit zu helfen und gleichgeschlechtlichen Paaren mit Hilfe von Stammzellen die Möglichkeit zu geben, auf biologischem Weg Kinder zu bekommen. “Im Grunde versuchen wir, aus einer induzierten pluripotenten Stammzelle eine menschliche Eizelle zu machen”, erklärt Matt Krisiloff,  CEO von Conception. 

Laborgezüchtete Eizellen aus Haut- und Blutzellen 

Induzierte pluripotente Stammzellen können aus einer einzigen Zelle der Haut oder des Blutes eines Menschen gewonnen werden. Die im Labor gezüchteten Eizellen enthalten dann die DNA der betreffenden Person. Dieses Verfahren ist in der Biomedizin als In-vitro-Gametogenese (IVG) bekannt. 

Dem Team von Conception sei es bereits gelungen, der IVG einen Schritt näher zu kommen, denn es habe bereits Strukturen in den Eierstöcken geschaffen, die als Follikel bekannt sind und für die Reifung der Eizellen entscheidend sind. „Soweit wir wissen, sind wir die ersten in der Welt, denen das gelungen ist“, sagt Krisiloff. 

Conception möchte auch gleichgeschlechtlichen Paaren helfen

In einem Interview mit NPR erklären die Founder:innen, dass Frauen, die ihre Eier aufgrund einer Krebsbehanldung verloren haben oder nicht mehr in der Lage sind, gesunde Eier zu produzieren, in Zukunft geholfen werden kann. Das würde auch bedeuten, dass Frauen in jedem Alter genetisch verwandte Babys bekommen könnten.  

Conception möchte mit seiner Technologie auch die Entwicklung von Eizellen aus Haut- oder Blutzellen eines Mannes ermöglichen, die dann mit dem Sperma des Partners befruchtet werden. Eine Leihmutter könnte den daraus entstandenen Embryo, das genetisch mit den beiden Männern verwandt ist, austragen. Die IVG-Methode könnte auch für die Erzeugung von Spermien für lesbische und transgender Paare eingesetzt werden, damit auch sie Kinder mit ihren Genen bekommen können. 

Forschung der Conception-Wissenschafter:innen noch nicht öffentlich zugänglich 

Bisher hat das Startup Kapital in der Höhe von 40 Millionen US-Dollar erhalten und beschäftigt inzwischen über 40 Mitarbeiter:innen. Aktuell arbeitet das Team an Teilen der Forschung, die sie noch nicht veröffentlichen können. Jedoch möchten die Founder innerhalb eines Jahres beweisen, dass die Follikel in den Mini-Ovarien unreife Eizellen zu befruchtungsfähigen Eizellen entwickeln können, um  im Labor Embryonen zu erzeugen. 

„Ich persönlich glaube, dass das, was wir tun, wahrscheinlich viele Aspekte der Gesellschaft, wie wir sie kennen, verändern wird. Es ist wirklich aufregend, an einer Technologie zu arbeiten, die das Potenzial hat, das Leben von Millionen von Menschen zu verändern”, sagt Pablo Hurtado, CSO bei Conception. 

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Die Aitiologic-Gründer (vlnr.): Andreas Posch, Stephan Beisken und Achim Plum | (c) Aitiologic
Die Aitiologic-Gründer (v.l.n.r.): Andreas Posch, Stephan Beisken und Achim Plum | (c) Aitiologic

Im Oktober 2024 verließ das Wiener Startup Aitiologic den „Stealth Mode“. Damals hatte es 2,5 Millionen Euro an Investments und Förderungen eingesammelt. Jetzt folgt eine Seed-Finanzierung über 6,4 Millionen Euro, wie das Unternehmen am Dienstag bekannt gab.

Angeführt wird die Runde von den Healthcare-Investoren Heal Capital und Ananda Impact Ventures. Die bisherigen Investoren Push VC und Lana Ventures sind wieder dabei. Dazu kommen laut Startup mehrere Biotech-Gründer, die bereits Börsengänge und Exits hinter sich haben.

Ein Bluttest, der zeigt, was im Gewebe passiert

Aitiologic entwickelt die Plattform „Aitios“. Sie untersucht zellfreie DNA im Blut und wertet die Daten mit KI aus. Das Ziel: Aus einer normalen Blutprobe soll sich ablesen lassen, aus welchem Gewebe die DNA stammt und was dort gerade passiert. Die Technologie geht auf Forschung von Gründer und CEO Andreas Posch bei Siemens Healthineers zurück. Aitiologic hat sie exklusiv lizenziert.

2024 sprach das Startup noch allgemein von Krebs- und Pränataldiagnostik. Nun ist die erste Anwendung klar: die Risikoabschätzung für Präeklampsie im ersten Schwangerschaftsdrittel. Die Bluthochdruck-Erkrankung betrifft laut Aussendung geschätzt drei bis acht Prozent aller Schwangerschaften. Sie ist eine der wichtigsten Ursachen für Todesfälle von Müttern und Föten weltweit. Aitiologic will dafür dieselbe Blutprobe nutzen, die ohnehin für den nicht-invasiven Pränataltest (NIPT) abgenommen wird. Eine zusätzliche Blutabnahme wäre also nicht nötig.

Eine erste Studie mit Kypros Nicolaides und dem Fetal Medicine Research Institute habe gezeigt, dass sich damit das Präeklampsie-Risiko einschätzen lässt, so das Startup. Jetzt läuft eine größere Studie mit der Fetal Medicine Foundation, an der mehr als 1.000 Schwangere teilnehmen. „Wir sind von einer Technologie-Hypothese zu publizierten klinischen Daten gekommen“, sagt Posch. Das frische Kapital soll in diese Studie und in die Produktentwicklung fließen.

Oxford-Nanopore-Mitgründer im Beirat, neue Chief Medical Officer

Mit der Finanzierung holt Aitiologic zwei bekannte Namen an Bord. Gordon Sanghera hat Oxford Nanopore Technologies mitgegründet, ein britisches Unternehmen für DNA-Sequenzierung. Er führte es 21 Jahre lang als CEO, vom Spinoff der Universität Oxford bis zum Börsengang in London. In der Aussendung wird er als „Pionier der Molekulardiagnostik“ bezeichnet. Für Aitiologic ist das relevant, weil die eigene Plattform auf der Sequenzierung von DNA aus dem Blut aufbaut: Sanghera bringt also Erfahrung mit dem Aufbau, der Finanzierung und der Skalierung genau dieser Art von Technologie mit. Er investiert in die Runde und wird Mitglied des Beirats. Die ersten klinischen Daten von Aitiologic seien „sehr ermutigend“, sagt Sanghera.

Neue Chief Medical Officer ist Rebecca Ertl. Sie ist Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe und hat ein nach eigenen Angaben führendes Zentrum für Pränataldiagnostik in Österreich gegründet. Bei Aitiologic verantwortet sie die medizinische Strategie, zunächst für das Präeklampsie-Programm. Ertl nennt bereits ein mögliches nächstes Thema: Man prüfe, ob der Bluttest auch bei Schwangerschaftsdiabetes früher Hinweise liefern könne.

Neben dem Risikokapital erhält Aitiologic Förderungen von der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft (FFG), der Austria Wirtschaftsservice (aws) und der Wirtschaftsagentur Wien. Dazu kommt Unterstützung über den Europäischen Investitionsfonds (EIF) im Rahmen von InvestEU. Zugelassen ist die Plattform noch nicht, sie befindet sich weiterhin in der Entwicklung.

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