13.11.2025
BLOCKCHAIN

Startup mit NÖ-Co-Founder stattet Kliniken in Afrika mit Starlink aus

Das Liechtensteiner Impact-Tech-Startup Send.Social hat mit der Regierung der Zentralafrikanischen Republik ein Abkommen unterzeichnet, um zehn Gesundheitszentren in Bangui mit Starlink-Internet und Solarstrom auszustatten.
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Send.Social, Starlink, PV, Afrika, zentralafrika, Bangui
© Thalhammer - Bernhard Thalhammer von Send.Social.

Es begann alles als blockchainbasierte Spendenplattform unter dem Namen vorne.ai, nachdem der Niederösterreicher Bernhard Thalhammer vor rund zwei Jahren seinen heutigen Co-Founder Biju Jacob auf einer Berliner Konferenz kennenlernte. Beide steckten die Köpfe zusammen und überlegten, was man im Bereich Healthcare in Verbindung mit der Blockchain-Technologie machen könnte.

Send.Social entsteht nach Pivot

Anfänglich ging es vor allem darum, die Transparenz von Spenden und Fundraising im Gesundheits- und Sozialsektor mit Blockchain-Technologie zu verbessern. Einen Pivot später war jedoch eine neue Idee einer ebenfalls blockchainbasierten Plattform geboren, die im Vergleich zur früheren Unternehmung heute ein (weiterhin auf Spenden aufgebautes) Infrastrukturprojekt darstellt. Und nun Send.Social heißt.

„Wir haben bei der WHO ein Proposal eingereicht und uns verschiedene Sachen und Länder angesehen“, erklärt Thalhammer. „Es war schwierig, das riesige Feld in dem Bereich einzugrenzen.“ Heraus kam das Vorhaben, Gesundheitsstationen in unterversorgten Regionen mit Strom und Internet zu versorgen – und damit den Zugang zu digitaler Gesundheitsversorgung zu ermöglichen.

„Wir sprechen hier nicht von Symbolik, sondern von echter Konnektivität“, sagt Thalhammer. „Ein funktionierendes Netzwerk ist die Grundlage dafür, dass Telemedizin, Datentransfer und sogar staatliche Gesundheitsprogramme überhaupt erst möglich werden.“

„Internet fehlt komplett“

Nach kurzen Überlegungen, wohin man gehen sollte, kam der entscheidende Impuls zu Send.Social im Mai 2025, als Thalhammer das Konzept während der „World Health Assembly“ (WHA) in Genf den Gesundheits- und Telekommunikationsministern der Zentralafrikanischen Republik präsentierte. Sie zeigten von Anfang an gleich Interesse. Wenige Monate später reiste er in die Hauptstadt Bangui, um die Situation vor Ort zu prüfen.

„In manchen Einrichtungen steht die Sonne hoch am Himmel – aber das Internet fehlt komplett“, sagt Thalhammer. „Starlink und Solarenergie sind dort nicht Luxus, sondern Lebensader.“

Send-Social mit Memorandum für 10 Zentren

Ende Oktober wurde schließlich das „Memorandum of Understanding“ (MoU) mit der Regierung in Bangui unterzeichnet.

BANGUI CALLING: Wie Konnektivität das Gesundheitssystem der Zentralafrikanischen Republik verändert

Nun sollen zehn Gesundheitszentren im Rahmen eines Pilotprojekts mit Starlink-Terminals und Photovoltaikanlagen ausgestattet werden. Die Installation und Wartung übernimmt Dure Technologies aus der Schweiz, die Finanzierung erfolgt über Send.Social – mit vollständiger Transparenz über jede einzelne Spende, wie Thalhammer betont. Die dazugehörige App soll spätestens 2026 veröffentlicht werden.

© Thalhammer – Starlink im Einsatz in Bangui.

„Uns geht es darum, Spendern live zu zeigen, was ihr Impact ist. Über einen Zeitraum von fünf Jahren sollen in Echtzeit Daten aus dem Feld sichtbar werden – etwa, wie viele Stunden Strom erzeugt wurden oder wie intensiv ein Starlink-Terminal genutzt wird. Diese Informationen werden in einem eigenen Dashboard aufbereitet, das GPS-Tracking, Download- und Upload-Raten sowie die Zahl der eingeloggten Nutzer:innen anzeigt“, sagt Thalhammer.

Besonders wichtig sei hierbei der sekundäre Impact: „Wie viele Stunden Telemedizin konnten dadurch ermöglicht werden, wie viele Notfälle wurden betreut – selbstverständlich anonymisiert. Mit diesem Ansatz und dem Pivot in Zusammenarbeit mit unserem Impact-Partner haben wir das Projekt weiter zugespitzt, um den tatsächlichen Nutzen unserer Technologie transparent und nachvollziehbar zu machen. Wir wollen das Vertrauen in soziales Engagement zurückbringen.“

Pre-Seed im Gange

Send.Social befindet sich derzeit in einer Finanzierungsrunde für ein Pre-Seed-Investment, wobei der Lead-Investor bereits die Zusage erteilt hat – letzte Plätze für Co-Investoren seien noch offen, erklärt Thalhammer: „Wir sprechen mit Impact Angels und Fonds, die nicht nur Kapital, sondern strategische Partnerschaften einbringen wollen. Viele sehen Send.Social als Infrastrukturprojekt mit globaler Relevanz. Und sie sehen die 1,2 Milliarden Menschen in Afrika und Südasien, die noch offline sind. Das ist natürlich ein riesiges Potenzial.“

Verläuft das Pilotprojekt in Bangui erfolgreich, soll die Initiative auf das gesamte Land ausgeweitet werden. Im nächsten Schritt auch auf andere afrikanische Staaten. „Unser Ziel ist einfach“, sagt Thalhammer: „Wir wollen die Menschen verbinden, die am dringendsten Verbindung brauchen.“


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Gründer und CEO von Silverstar Railways: Patrick Kröll | (c) Lea Baumgartner / brutkasten

Langsam nimmt das Büro von Silverstar Railways im vierten Wiener Gemeindebezirk Form an. Einige Arbeitsplätze sind bereits eingerichtet, auch ein Besprechungsraum steht bereit. In den großzügigen Altbauräumen ist außerdem Platz für ein weiteres Vorhaben: einen Lokführersimulator. Denn Gründer Patrick Kröll will künftig nicht nur Züge betreiben, sondern auch selbst Lokführer:innen ausbilden.

Seine Begeisterung für die Eisenbahn reicht bis in die Kindheit zurück. Gemeinsam mit seinem Großvater verbrachte er Stunden am Bahnhof und beobachtete die ein- und ausfahrenden Züge. Dass er einmal ein eigenes Bahnunternehmen führen würde, hätte der heute 33-Jährige weder als Kind noch als Lokführer bei den ÖBB gedacht.

Beruflich führte ihn sein Weg zunächst in die Gastronomie. Nach einer Lehre zum Hotel- und Gastgewerbeassistenten arbeitete er auf Saison und leistete anschließend Zivildienst bei der Rettung. Zum Lokführer wurde er schließlich eher zufällig: Kröll bewarb sich gleichzeitig bei der Berufsrettung, der Polizei und den ÖBB. Letztere meldeten sich zuerst.

Eine Marktlücke auf Schiene

Bei den ÖBB arbeitete Kröll zunächst als Lokführer, später in der Disposition und Ausbildung. Während der Coronapandemie wechselte er zum privaten Bahnbetreiber RegioJet und half als Operations Manager, dessen österreichischen Betrieb aufzubauen. Durch seine Erfahrungen hatte Kröll eine Marktlücke erkannt: Vielen Bahnbetreibern fehlt es an qualifiziertem Personal und Unterstützung bei der Organisation ihrer Verkehre. Im August 2024 gründete er deshalb Silverstar Railways.

Das Wiener Unternehmen beschäftigt Lokführer:innen, die für andere Eisenbahnunternehmen Züge fahren. Hinzu kommen Dienstleistungen wie Disposition und die Planung von Verkehrskonzepten. Besonders im Güterverkehr, wo kurzfristige Änderungen und lange Verspätungen den Alltag prägen, sei Flexibilität gefragt. Im Frühjahr 2026 nahm Silverstar außerdem zwei geleaste Lokomotiven in seinen Fuhrpark auf. Kund:innen können damit sowohl Personal als auch Lokomotiven buchen.

Ohne Investoren zur eigenen Bahn

Kröll verfolgt dabei einen schrittweisen Ansatz. Ein Eisenbahnunternehmen zu gründen, sei mit hohen Kosten verbunden, lange bevor überhaupt der erste Zug fahren könne. Deshalb baute er zunächst das Dienstleistungsgeschäft auf und arbeitete parallel an den erforderlichen Genehmigungen. „Wir haben im B2B-Bereich zuerst Geld verdient, bevor wir es investiert haben“, erklärt er.

Nach eigenen Angaben war Silverstar bereits im ersten Geschäftsjahr profitabel. Für 2026 erwartet Kröll aufgrund größerer Investitionen allerdings ein negatives Jahresergebnis. Das operative Geschäft sei weiterhin positiv. Bislang finanziert sich Silverstar ohne externe Investoren. Dass das so lange möglich sein würde, habe ihn selbst überrascht. „Ich habe mir gedacht, dass wir früher an Investoren denken müssen.“

Seit September verfügt Silverstar über die Voraussetzungen für einen eigenständigen Bahnbetrieb in Österreich. Den ersten Zug auf eigener Lizenz führte das Unternehmen bereits ein Monat später durch. Für den Wiener Sonderzuganbieter B&B Blue Train übernahm Silverstar die Beförderung eines Charterzugs mit einer Reisegruppe von Wien bis zum Grenzbahnhof Spielfeld.

Am 23. Oktober 2026 fuhr Silverstar Railways erstmals unter eigener Lizenz von Wien nach Spielfeld. | (c) Silverstar Railways

Ein Zug, der bewusst langsamer fährt

Ab Mai 2027 soll mit dem STAR-Blue Train das nächste Geschäftsfeld folgen: ein touristischer Reisezug zwischen Wien und dem Salzkammergut. Von Mai bis September sind zunächst dienstags und donnerstags jeweils eine Hin- und Rückfahrt geplant. „Wir sehen uns nicht als Wettbewerb zur ÖBB oder zur Westbahn“, betont Kröll. Während die großen Anbieter auf schnelle Verbindungen setzen, will Silverstar das Reisen selbst wieder zum Erlebnis machen.

Der STAR-Blue Train soll deshalb bewusst rund eine Stunde länger unterwegs sein als bestehende Verbindungen. Geplant sind ältere, komfortable Personenwagen, Service am Platz und frisch zubereitete Mahlzeiten. Die Wagen und das Servicepersonal stellt B&B Blue Train bereit, Silverstar verantwortet den Bahnbetrieb.

Für die erste Saison kalkuliert Kröll mit rund 10.000 Fahrgästen bei 88 geplanten Zugfahrten und durchschnittlich 200 bis 210 Sitzplätzen. Ob die Rechnung aufgeht, muss sich erst zeigen. Die Ticketpreise seien bereits kalkuliert und sollen sich ungefähr am Niveau der ersten Klasse der ÖBB orientieren. Ende November soll eine eigene Buchungsplattform online gehen.

Zwischen Personalmangel und großen Zukunftsplänen

Eine Herausforderung bleibt der Personalmangel. Kröll schätzt, dass österreichweit 400 bis 500 Lokführer:innen fehlen. Die ÖBB erhöhten 2025 ihre jährlichen Ausbildungskapazitäten von 480 auf 640 Plätze. Hinzu kommt, dass Lokführer:innen auch nachts und am Wochenende gebraucht werden, was die Personalsuche zusätzlich erschwert. Silverstar will deshalb ab 2027 selbst Lokführer:innen ausbilden. Der dafür geplante Simulator soll im neuen Wiener Büro Platz finden.

Auch darüber hinaus hat Kröll große Pläne. Langfristig denkt er über internationale Verbindungen und einen Einstieg in den regionalen Personenverkehr nach. „Wir haben gewisse Pläne in den Schubladen liegen, die wir zur richtigen Zeit einfach rausziehen“, sagt er. Welche davon umsetzbar sind, hängt auch von den regulatorischen Bedingungen in Österreich ab.

Bei allen Zukunftsplänen ist der Gründer seiner ursprünglichen Leidenschaft treu geblieben. Ein- bis zweimal pro Woche sitzt er nach eigenen Angaben weiterhin selbst im Führerstand. „Ich selbst fahr irrsinnig gern“, sagt er.

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