23.12.2025
JAHRESRÜCKBLICK

Das waren die größten Startup-Investments im Jahr 2025

Ein Blick auf die größten österreichischen Startup-Investments 2025 zeigt: Im Vergleich zu den Vorjahren ist das Investitionsvolumen deutlich eingebrochen. Die brutkasten-Redaktion hat die größten Runden des Jahres für euch zusammengefasst.
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Die drei größten Investments des Landes gingen heuer an refurbed, enspired und Emmi AI. | © refurbed, enspired, obs

Disclaimer: Die Darstellungen zählen die Investments, die der brutkasten-Redaktion bekannt sind. Sie erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Die Redaktion bemüht sich darum, Investments in österreichische Startups zu verfolgen, darüber zu berichten und diese aufzubereiten.


Die brutkasten-Redaktion dokumentierte im Jahr 2025 insgesamt 92 Investmentrunden. Addiert man all diese Investmentsummen und setzt bei nicht exakt bezifferten Runden jeweils die Untergrenze an (z.B. „siebenstelliges Investment“ = eine Million Euro), wurden in Österreich laut unserer Auswertung heuer mindestens 214 Millionen Euro in Startups investiert.

Eine exakte Ermittlung oder auch nur eine belastbare Schätzung des Gesamtvolumens aller in Österreich 2025 getätigten Startup-Investments ist jedoch aus zwei Gründen nicht möglich: Zum einen werden nicht alle Investmentrunden öffentlich kommuniziert, zum anderen fehlen häufig konkrete Angaben zur Höhe der Investments oder es werden lediglich vage Größenordnungen wie „sechsstellig“ oder „in Millionenhöhe“ genannt.

Im Vergleich zum Vorjahr fallen die aktuellen Zahlen deutlich ernüchternd aus. Laut unserer Auswertung belief sich das investierte Kapital im vergangenen Jahr auf eine halbe Milliarde Euro als Mindest-Gesamtvolumen. Insgesamt gab es 2024 demnach 104 von uns dokumentierte Investments (zur brutkasten-Analyse 2024).

Zwei der größten Investments im Oktober 2025

Das Wiener Scaleup refurbed sicherte sich im Oktober eine Finanzierungsrunde über 50 Millionen Euro und damit die höchste Summe des Jahres. Angeführt wurde die Runde von Alex Zubillaga, einem US-Investor, der unter anderem in Spotify und Wallapop investiert hat. Auch die spanische Riberas-Familie, bekannt als Investor von Vinted, beteiligte sich. Bestehende Anteilseigner von refurbed, darunter Speedinvest, Evli Growth Partners, Bonsai, Almaz und C4 Ventures, waren ebenfalls an der Runde beteiligt (brutkasten berichtete).

Im selben Monat holte sich ein weiteres Startup aus Wien ein achtstelliges Investment. Genauer gesagt raiste enspired 15,1 Millionen Euro. Damit erweiterte das Energy-Startup seine Series-B auf insgesamt über 40 Millionen Euro. Die Runde bringt Future Energy Ventures als neuen Partner an Bord, zusammen mit erneuerten Zusagen von Zouk Capital, EnBW New Ventures, Banpu NEXT, PUSH VC und 360 Capital (brutkasten berichtete).

Top 5: Höchste Investments 2025

Das drittgrößte Investment in Österreich wurde im ersten Halbjahr getätigt. Das KI-Startup Emmi AI rund um CEO Dennis Just erhielt im April ein Seed-Investment über 15 Millionen Euro. Die Runde wurde angeführt von 3VC, Speedinvest, Serena und PUSH VC (brutkasten berichtete).

Die vierthöchste Summe konnte sich heuer das Eisenstädter IoT-Scaleup Mavoco in einer Series-A-Runde mit elf Millionen Euro sichern (brutkasten berichtete). Das fünfte achtstellige Investment dieses Jahr ging an Hololight für seine XR-Pixel-Streaming-Technologie. In einer Series-C-Runde holte sich das Innsbrucker Scaleup neues Kapital in Höhe von 10 Millionen Euro (brutkasten berichtete).

Größenordnung

Die im Jahr 2025 getätigten Investments lagen laut unserer Auswertung überwiegend im Millionenbereich (39 Fälle). Es folgen Finanzierungsrunden im sechsstelligen Bereich mit insgesamt 31 Transaktionen. Achtstellige Investments, also Finanzierungen im zweistelligen Millionenbereich, waren mit lediglich fünf Fällen (Anm.: werden oben genannt) deutlich seltener.

Anmerkung der Redaktion: Das Grazer Startup Easelink erhielt heuer vom European Innovation Council (EIC) eine Förderung in Höhe von 11,5 Millionen Euro (brutkasten berichtete). Diese Summe wurde in der vorliegenden Erhebung nicht berücksichtigt, da ausschließlich Investments und keine Förderungen erfasst wurden.

Bundesland

Auffällig (aber nicht unerwartet) ist zudem, dass der Großteil der Investments in Startups mit Sitz in Wien floss. Insgesamt wurden dort 52 Investmentrunden gezählt. Auf Platz zwei folgt die Steiermark mit elf Investments.

Gendergap

Beim Geschlechterverhältnis der Gründungsteams zeigt sich erneut der sogenannte „Gender Investment Gap“. Auch 2025 floss in unserer Erhebung der Großteil des Kapitals (65,2 Prozent) in Startups mit rein männlichen Gründungsteams. Gemischtgeschlechtliche Teams schlossen demnach 13 Prozent der Investmentrunden ab.

Lediglich zwei Startups mit einer Frau an der Spitze konnten laut unserer Auswertung im Jahr 2025 ein Investment abschließen. Dazu zählen die Gründerinnen von Neworn und Howie, wobei Letztere 2025 zweimal frisches Kapital holen konnte (brutkasten berichtete).

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Female Start-up Funding Index - vlnr.: Lisa Fassl, Natascha Fürst und Florian Haas | (c) Viktoria Waba/brutkasten / Martina Trepczyk / brutkasten
vlnr.: Lisa Fassl, Natascha Fürst und Florian Haas | (c) Viktoria Waba/brutkasten / Martina Trepczyk / brutkasten

Es ist wieder soweit: Die halbjährliche Trilogie der EY-Reports zur Startup-Finanzierung in Österreich wird mit der gewohnten Hiobsbotschaft komplettiert. Während die allgemeine Investment-Statistik Zyklen unterliegt, die sich in der langfristigen Betrachtung durchaus aufwärts bewegen, zeigt sich beim Female Startup Funding Index, den EY gemeinsam mit Female Founders und Fund F herausbringt, immer das gleiche Bild: Verbesserungen und Verschlechterungen passieren im Prozentpunkt-Bereich auf konstantem Keller-Niveau.

94,9 Prozent des Kapitals an rein männliche Teams

Die konkreten aktuellen Zahlen: Von den statistisch erfassten 472 Millionen Euro Risikokapital für österreichische Startups im ersten Halbjahr 2026 flossen 94,9 Prozent an rein männliche Founding-Teams, gemischte Teams erhielten 4,8 Prozent des Kapitals und rein weibliche Teams lediglich 0,3 Prozent; der Frauenanteil unter den Gründer:innen von Startups mit Investment im ersten Halbjahr liegt bei nur 13 Prozent; nur drei der 95 für den Index analysierten Startups mit Finanzierung haben ein ausschließlich weibliches Founding-Team; und bei Finanzierungen über zehn Millionen Euro gibt es kein einziges Gründungsteam mit weiblicher Beteiligung.

Fassl: „Der Aufschwung hat ein Geschlecht“

„2026 ist das Kapital zurück: 472 Millionen Euro Risikokapital für Österreichs Startups, mehr als eine Vervierfachung gegenüber dem Vorjahr, und so viele Finanzierungsrunden wie nie zuvor. Bei Frauen ist davon nichts angekommen. Während rein männliche Teams fast das gesamte Volumen einsammelten, gingen 0,3 Prozent des Geldes an rein weibliche Teams – rund 1,4 Millionen Euro im gesamten Halbjahr. Damit ist klar: Der Aufschwung hat ein Geschlecht“, kommentiert Lisa-Marie Fassl, Managing Partner von Fund F und Co-Gründerin von Female Founders.

Dass die Schieflage auch in einem starken Marktumfeld bestehen bleibt, habe mehrere Gründe, analysieren die Studienautor:innen: Große Finanzierungsrunden würden häufig von etablierten Venture-Capital-Fonds getragen, die auf bestehende Netzwerke, frühere Investmenterfolge und bekannte Muster zurückgriffen. Gleichzeitig zeige sich seit Jahren, dass Gründerinnen insbesondere beim Zugang zu Investorennetzwerken und großen Wachstumsfinanzierungen häufiger auf Hürden stoßen. Genau diese späten Finanzierungsphasen hätten jedoch den größten Einfluss auf die Verteilung des investierten Kapitals. „Das Problem beginnt nicht erst bei der Finanzierung, wird dort aber besonders sichtbar“, kommentiert Florian Haas, Head of Startup bei EY Österreich.

Fürst: „Die Zahlen widerlegen ein bequemes Narrativ“

Wie oben erwähnt, liegt der Frauenanteil unter den Gründer:innen jener Startups, die erfolgreich eine Finanzierung erhalten haben, bei rund 13 Prozent (31 von insgesamt 248 Gründer:innen). Eine weitere Aufschlüsselung: Von den insgesamt 95 erfassten Startups mit Investment im ersten Halbjahr, deren Gründungsteam bekannt ist, haben 72 ein ausschließlich männliches Founding-Team (76 Prozent), weitere 20 ein gemischtes Team (21 Prozent) und lediglich drei ein rein weibliches Gründungsteam (3 Prozent). Dabei handelt es sich um Factorymaker, Faund Social Dating Club und Recruitiverse.

Natascha Fürst, CEO von Female Founders, leitet daraus ab: „Die Zahlen widerlegen ein bequemes Narrativ: Es gründen genug Frauen – das Problem ist, wer von ihnen ans Kapital kommt.“ Die Studie zeige kein Problem an der Gründungsbasis, sondern ein strukturelles Versagen des Kapitalmarkts. „Und das lässt sich nicht wegdiskutieren“, so Fürst.

Lisa-Marie Fassl legt nach: „Noch nie saßen so viele Frauen in finanzierten Gründungsteams wie jetzt: 13 Prozent. Und trotzdem floss fast das komplette Kapital an rein männliche Teams. Mehr Frauen am Tisch heißt offensichtlich nicht mehr Geld für Frauen. Wer glaubt, dass das der nächste Aufschwung von selbst reguliert, hat die letzten vier Jahre die Augen zugemacht. Es wird Zeit, dass wir aufhören, eine rationale, wirtschaftliche Diskussion emotional zu führen. Denn als Standort lassen wir Rendite auf dem Tisch liegen, nachweislich, Jahr für Jahr.“

Keine Frau in Gründungsteams mit Investments über 10 Mio. Euro

Konkret lag bei Startups mit Finanzierungen bis zu einer Million Euro der Gründerinnenanteil bei 17 Prozent. Bei Finanzierungen zwischen einer und zehn Millionen Euro waren acht der insgesamt 75 Gründer:innen Frauen (11 Prozent). Bei allen analysierten Finanzierungen über zehn Millionen Euro bestanden die bekannten Gründungsteams ausschließlich aus Männern.

„Dass Gründerinnen bei kleineren Runden sichtbar sind, bei größeren Tickets aber praktisch verschwinden, zeigt sehr deutlich, wo die größte Herausforderung liegt: beim Zugang zu Wachstumskapital. Dort entscheidet sich letztlich, welche Unternehmen zu internationalen Champions werden“, analysiert Florian Haas.

Health-Sektor sticht positiv heraus

Deutliche Unterschiede beim Gender Investment Gap zeigen sich übrigens auch im Branchenvergleich: Hier sticht vor allem der Health-Sektor heraus, in dem insgesamt 17 Startups eine Finanzierung erhielten. Dort lag der Frauenanteil bei knapp 23 Prozent. Unter den insgesamt 48 Gründer:innen dieser Unternehmen befanden sich elf Frauen. Demgegenüber weisen mehrere technologieintensive Bereiche keine einzige Gründerin unter den finanzierten Startups auf, darunter SpaceTech/NewSpace, FinTech/InsurTech, Education, DefenseTech sowie ClimateTech/GreenTech/CleanTech.

„Gerade der Bereich Health zeigt, welches Potenzial entsteht, wenn unterschiedliche Perspektiven in Gründungsteams zusammenkommen“, kommentiert Natascha Fürst. „Vielfalt ist kein Selbstzweck, sondern ein Innovationsfaktor. Unterschiedliche Erfahrungen und Blickwinkel führen zu besseren Produkten, neuen Märkten und nachhaltigeren Unternehmen.“

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