12.03.2026
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Startup Innovation Challenge der Energie AG: Das sind die Sieger-Startups 2026

Beim Pitch Day der „Startup Innovation Challenge 2026“ der Energie AG präsentierten internationale Startups ihre smarten KI-Lösungen für die Energiewende. Drei Sieger-Teams konnten sich am Ende durchsetzen und sicherten sich ein bezahltes Proof of Concept mit bis zu 50.000 Euro Budget.
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(c) Mathias Lauringer

Die Energiewende verlangt nach neuen Antworten – und genau diese wurden am Mittwoch im PowerCenter der Energie AG Oberösterreich in Linz geliefert. Aus einem Pool von 225 Bewerbungen aus 52 Ländern erhielten neun Finalist:innen die Chance, ihre innovativen Konzepte vorzustellen. In fünfminütigen Pitches zeigten die Startups auf der großen Bühne, wie smarte Technologien die Herausforderungen der Energiebranche in greifbare Lösungen verwandeln.

Warum die Energie AG auf Startups setzt

Es sind herausfordernde Zeiten für die Energiewirtschaft. Das machte Leonhard Schitter, CEO der Energie AG, in seinen Eröffnungsworten unmissverständlich klar: „Wir befinden uns in einer der fundamentalsten Transformationen unserer Zeit – dem Übergang unseres Energiesystems hin zu einer klimaneutralen Zukunft“.

Leonhard Schitter, CEO der Energie AG | (c) Mathias Lauringer

Die Vision des Unternehmens ist ambitioniert. Bis 2035 ist es das Ziel der Energie AG klimaneutral zu werden. Das sei keine bloße Symbolik, sondern ein strategisches Bekenntnis, das mit massiven Mitteln hinterlegt werde, betonte Schitter. In den kommenden zehn Jahren investiert das Unternehmen über vier Milliarden Euro – jeweils zwei Milliarden in die Erzeugung sowie in Infrastruktur, Netze und Speicher.

Doch Geld allein reicht nicht, um die komplexen Hürden der Zukunft zu nehmen. „Inkrementelle Innovation reicht momentan nicht aus, um voranzukommen“, warnte der CEO. Dekarbonisierung, Dezentralisierung und Digitalisierung müssen vielmehr als eng verzahnte Säulen verstanden werden. Sein Fazit: Wir haben die großartige Möglichkeit, dies gemeinsam zu gestalten, und Startups sind dabei eine enorme Kraft, um voranzugehen.

Durch den Tag führten Mathias Fink (l.), Startup Engagement und Innovation Ecosystem Manager bei der Energie AG, und Dejan Stojanovic, Gründer des Failure Institute. | (c) Mathias Lauringer

Aus dem Labor in die echte Anwendung

Genau hier setzt die Startup Innovation Challenge an, die sich längst als zentrales Innovationsformat im Haus etabliert hat. Karin Dietachmayr, Head of Innovation bei der Energie AG, blickt auf eine intensive Entwicklungsphase zurück: „Seit 2024, als wir das zum ersten Mal gemacht haben, war es eine ordentliche Lernreise“. Mittlerweile habe man den Prozess stark optimiert und insgesamt beeindruckende 680 Startups gescoutet. Die konkreten Problemstellungen – die sogenannten „Pains“ – werden dabei direkt aus den Fachbereichen eingemeldet.

Karin Dietachmayr, Head of Innovation bei der Energie AG | (c) Mathias Lauringer

Der Fokus der mittlerweile dritten Challenge-Runde liegt spürbar auf Effizienz durch Technologie: „Auffällig ist natürlich, dass mittlerweile überall KI drinnen steckt“, erklärte Dietachmayr. Was die aktuelle Challenge besonders mache, sei das klare, kundenorientierte Ziel: „Es soll letztlich immer etwas für die Kundinnen und Kunden herauskommen, und es soll eine massive Arbeitserleichterung und ein Effizienzgewinn stattfinden“.

Drei Herausforderungen, drei passgenaue Lösungen

Die Entscheidungen traf eine Fachjury, bestehend aus internen Abteilungen der Energie AG sowie einer prominent besetzten externen Expertenrunde. Mit ihrer Expertise unterstützten Michaela Holzmann (Design Director bei Sclable), Daniel Zawarczynski (Chief Innovation Officer bei ADVANTAGE AUSTRIA), Andrea Goerth (Senior Consultant bei mitPlan – Energieconsulting) und Federico Rota Candiani (Senior Partner bei 3VC) den Auswahlprozess. Nach intensiven Beratungen kürte die Jury schließlich drei Startups, die nun gemeinsam mit der Energie AG in eine Umsetzungsphase starten.

v.l. Michaela Holzmann (Design Director bei Sclable), Daniel Zawarczynski (Chief Innovation Officer bei ADVANTAGE AUSTRIA), Andrea Goerth (Senior Consultant bei mitPlan – Energieconsulting) und Federico Rota Candiani (Senior Partner bei 3VC) | (c) Mathias Lauringer

Challenge 1: Die digitale Kundenservice-Welt mit Avataren und KI

Gesucht wurde ein Konzept, das physische und virtuelle Interaktionen verschmilzt. Das Ziel war eine Service-Erfahrung, die persönliche Beratung überall digital greifbar macht, ohne die regionale Identität der Energie AG zu verlieren.

Das Sieger-Startup der ersten Challenge go AVA | (c) Mathias Lauringer

Den Sieg sicherte sich die go AVA GmbH aus Deutschland. Das Startup löst den Spagat zwischen kosteneffizienter Automatisierung und der oft kalten Distanz herkömmlicher Chatbots. Ihre Antwort: Fotorealistische KI-Avatare, die in Echtzeit agieren, über 100 Sprachen sprechen und dank Gestik echte interpersonelle Kommunikation simulieren. Die DSGVO-konforme Lösung arbeitet ausschließlich mit verifizierten Unternehmensdaten und schließt „Halluzinationen“ der KI aus. Torsten Schrank, CSO von go AVA, zeigte sich stolz: „Wir arbeiten seit zweieinhalb Jahren an dieser Lösung und werden euch alle noch überraschen“.

Challenge 2: Der „Renewables SiteFinder“ für die Energiewende

Um das Tempo beim Ausbau der Erneuerbaren zu erhöhen, sollte eine KI-gestützte Lösung entwickelt werden, die die Flächensuche für Wind- und Solarprojekte automatisiert. Regionale Vorschriften und Umweltauflagen mussten dabei dynamisch berücksichtigt werden.

Das Sieger-Startup der zweiten Challenge ESG Solutions & Consulting GmbH | (c) Mathias Lauringer

Hier überzeugte das österreichische Startup ESG Solutions & Consulting GmbH. Das Herzstück ihrer Lösung übersetzt komplexe Gesetzestexte in ausführbaren Code. Satellitenbilder und Katasterdaten werden kombiniert und via Entscheidungsbaum transparent analysiert. Co-Founder Andreas Böcskör sah den Sieg als wichtigen Meilenstein: „Für uns ist das eine wirklich großartige Bestätigung für ein Konzept, das wir seit ein, zwei Jahren verfolgen“.

Challenge 3: KI-Energieberatung für KMUs

Kleine und mittlere Unternehmen (KMUs) sollten bei der Energieeffizienz unterstützt werden. Ziel war ein KI-Tool, das Unternehmensdaten automatisch analysiert und maßgeschneiderte Effizienzmaßnahmen vorschlägt, um den Aufwand von Pflicht-Audits zu minimieren.

Das Sieger-Startup der dritten Challenge AdvanGrid SIA | (c) Mathias Lauringer

Das lettische Startup AdvanGrid SIA traf hier genau ins Schwarze. Wie CEO Oskars Gutmanis aufzeigte, scheitern Unternehmen oft am internen Datenchaos. Ihre Plattform nutzt maßgeschneiderte KI-Sprachmodelle, um hochgeladene Dokumente zu strukturieren und Lücken aufzuzeigen. Zusätzlich bietet das Tool automatische Auswertungen von verschiedenen öffentlichen Quellen für unterschiedlichste Standorte an. Anschließend werden die Kund:innen mit einem KI-Agenten durch den weiteren Audit-Prozess begleitet. Durch diesen hohen Automatisierungsgrad lassen sich der bürokratische Aufwand und somit auch die Kosten für die Unternehmen signifikant reduzieren. Gleichzeitig erhalten sie eine interaktive Hilfestellung, um ihre Energieeffizienz nachhaltig zu steigern.

Der Weg zum Demo Day

Einen zusätzlichen Grund zum Jubeln hatte das deutsche Startup dvlp.energy GmbH, das vom Publikum mit dem Preis für den besten Pitch des Tages ausgezeichnet wurde.

Für die drei Sieger-Teams beginnt nun die entscheidende Phase. In den nächsten zwölf Wochen werden gemeinsam mit den Fachbereichen konkrete Meilensteine definiert. Ob die Startups im realen Umfeld halten können, was sie auf der Bühne versprochen haben, wird sich am 28. Mai zeigen. Dann findet der große Demo Day statt, bei dem die erarbeiteten Lösungen erneut präsentiert werden – und die Entscheidung über langfristige Partnerschaften fällt.


Mehr Informationen zur Startup Innovation Challenge findet ihr hier.

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Andreas Blumauer, bislang CEO von Semantic Web Company und nun SVP Growth bei Graphwise | (c) Graphwise
Andreas Blumauer | (c) Graphwise

Im Oktober 2024 fusionierte das Wiener Unternehmen Semantic Web Company (2004 von Andreas Blumauer und Martin Kaltenböck gegründet) mit Ontotext aus dem bulgarischen Sofia und wurde zu Graphwise. Blumauer, bis dato CEO von Semantic, wurde SVP Growth, Atanas Kiryakov, davor CEO von Ontotext, wurde Präsident. Details zum Deal wurden damals nicht genannt – brutkasten berichtete.

Nun hat das britische Private-Equity-Haus Oakley Capital die Mehrheit an Graphwise übernommen. Auch hier wurden die Höhe der Summe und der verkauften Anteile nicht aktiv kommuniziert, Gründer Blumauer erklärte dem brutkasten jedoch, dass man sich nun weltweit gesehen in den Top 3 – was die Evaluation von KI-Infrastrukturunternehmen betrifft – befände.

Graphwise: Ein Meilenstein in Bulgariens IT-Historie

„Durch den Merger hat die Firma eine besondere Konstellation mit Standorten bzw. Strukturen in Wien, Sofia und den USA geschaffen“, sagt Blumauer. „Die Bewertung basiert wesentlich auf dem ARR. Das heurige Jahr ist dabei zäher als die Jahre zuvor, dennoch ist es uns gelungen, uns im Markt zu behaupten und einen Multiple über dem 2026er Marktdurchschnitt zu erzielen. Daher liegt die Bewertung im neunstelligen Bereich und ist damit signifikant. Für Bulgarien bedeutet das sogar, dass es sich nun um die dritthöchste Bewertung eines IT-Unternehmens in der Geschichte des Landes handelt.“

Auf die Frage, wie es zu diesem Deal kam, war für Blumauer die Marktdynamik ganz entscheidend. „In den vergangenen zwei Jahren hat sich KI in Unternehmen zunehmend langsam in den operativen Einsatz entwickelt. Es gibt zwar immer wieder pointierte Erfolgsmeldungen, gleichzeitig besteht weiterhin Unsicherheit darüber, welche LLM-Ansätze sich tatsächlich durchsetzen werden. Gerade bei Multi-Agentic- und autonomen Systemen ist ein breiter Roll-out noch meilenweit entfernt“, erklärt er.

Kontakt über Messen in London

Umso wichtiger seien deswegen Referenzkunden, bei denen sich anhand konkreter Anwendungen demonstrieren lässt, wie KI vertrauenswürdiger und in bestehende Unternehmensstrukturen integriert werden kann. „Das lässt sich auch mit Company Rules verknüpfen: Ein wesentlicher Teil der Story ist die Frage, wie KI in Unternehmen kontrolliert und gleichzeitig hochskalierbar ausgerollt werden kann“, führt er aus. „Das hat auch Oakley erkannt und verstanden. Über Messen in London kam der Kontakt zustande, woraufhin unser Business genauer analysiert und das Potenzial erkannt wurde. Begleitet wurde die Entwicklung unter anderem von Deloitte, EY und Bain, die bestätigen konnten, dass Graphwise eine zentrale Rolle in diesem Umfeld spielen kann.“

Heute wird die Graphwise-Technologie von Banken und großen Pharmakonzernen in Europa eingesetzt, darunter beispielsweise Roche und weitere prominente Unternehmen in Österreich, die nicht genannt werden wollen: „Gleichzeitig gibt es gute Statements und Bewertungen aus dem Markt“, führt Blumauer weiter aus. „Mit der Entwicklung der Sprachmodelle und insbesondere GraphRAG (Anm.: Retrieval-Augmented Generation mit Graphen) stehen nach dem Merger sehr zentrale Komponenten zur Verfügung, um die nächste Entwicklungsstufe von KI in Unternehmen abzubilden. Das zeigt sich auch in unseren operativen Kennzahlen: Der ARR wächst organisch um rund 30 Prozent, bei inzwischen mehr als 200 Blue-Chip-Kunden. Damit verfügen wir über eine relevante Kundenbasis und konkrete Referenzen, die die technologische Positionierung und die Skalierbarkeit des Geschäftsmodells untermauern.“

Gründer bleiben im Management

Für den Founder ist der neue Eigentümer ein Investor mit einem langfristigen und klar auf Wertschöpfung ausgerichteten Ansatz: „Oakley, mit Gründer Peter Dubens, hat unter anderem in die Sigmund Freud Privat-Universität investiert und Dubens selbst war mehrfacher Startup-Gründer. Er hat sich immer wieder gefragt, warum sich klassische VCs teilweise so wenig mit den Gründern selbst auseinandersetzen. Für ihn geht es letztlich darum, Ideen zur Welt zu bringen und Unternehmen langfristig aufzubauen. Martin Kaltenböck und ich verstehen uns weiterhin klar als Gründer. Wir sind nach wie vor im Management-Board aktiv und bringen damit unsere Erfahrung und unsere ursprüngliche Gründerperspektive weiterhin unmittelbar in die Entwicklung des Unternehmens ein. Das ist ausdrücklich so gewünscht und Teil der langfristigen Konstellation.“

Oakley baut auf Graphwise auf

„Wir freuen uns sehr über diese neue Partnerschaft mit Oakley, da ihr Team sowohl unsere Technologie als auch unsere Ambitionen versteht. Oakley hat eine herausragende Erfolgsbilanz darin, gründergeführte Software-Unternehmen zu Unicorns zu machen. Mit Oakley als paneuropäischem Investor im Rücken sind wir besser denn je positioniert, um global als KI-Enabling-Plattform aufzutreten und Unternehmen dabei zu unterstützen, souveräne und vertrauenswürdige KI in großem Maßstab zu implementieren“, sagt Kiryakov.

KI-Souveränität im Fokus

In einer Zeit, in der Unternehmen zunehmend unabhängig von einzelnen großen Tech-Plattformen agieren wollen, gewinnt das Thema „KI-Souveränität“ an Bedeutung. Der Einstieg von Oakley als paneuropäischer Investor sei deswegen ein starkes Signal für den europäischen Technologie-Standort und stärke die Rolle von Graphwise als unabhängige KI-Plattform.

„Der Wert von Künstlicher Intelligenz hängt direkt von der Qualität und Zuverlässigkeit der zugrunde liegenden Daten ab. Large Language Models (LLMs) sind extrem leistungsfähig bei der Sprachverarbeitung, haben aber entscheidende Schwächen: Sie neigen zu faktischen Fehlern („Halluzinationen“) und können oft nicht nachvollziehbar erklären, wie sie zu einem Ergebnis gekommen sind“, liest man in der Aussendung.

Graphwise mit Rückgrat

Graphwise löst dieses Problem durch den Aufbau eines sogenannten „Semantic Backbone“ (semantisches Rückgrat) in Form eines Knowledge Graphs. Diese Wissensgraphen verknüpfen isolierte Unternehmensdaten, geben ihnen Kontext und stellen großen KI-Modellen eine Faktenbasis zur Verfügung. Das Ergebnis: Die KI soll nicht mehr halluzinieren, Ergebnisse würden revisionssicher und die Token-Kosten drastisch sinken, so der Claim. Dies sei besonders in regulierten und datenintensiven Branchen wie Finanzdienstleistungen, im Gesundheitswesen (Life Sciences) und im öffentlichen Sektor unverzichtbar.

Dubens, Gründer und Managing Partner von Oakley Capital, dazu: „KI verändert die Art und Weise, wie jede Organisation arbeitet. Das macht vertrauenswürdige, gut verwaltete Daten heute wichtiger denn je.“

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