30.08.2018

Die 10 wichtigsten deutschen Startup-Events für österreichische Founder

Bald startet in Deutschland die Startup-Event-Saison. Wir stellen euch die zehn wichtigsten Veranstaltungen der nächsten Monate vor, die auch für österreichische Startups relevant sind.
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(c) NEXT: Hier wird über die digitale Wirtschaft gesprochen - Startup-Events Deutschland
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Eine Expansion nach Deutschland ist der erste Schritt für viele österreichische Startups, wenn sie sich in den internationalen Bereich ausbreiten wollen. Deswegen ist es gut, dort möglichst viele Kontakte zu knüpfen. In den kommenden Monaten gibt es viele Gelegenheiten dafür. Hier eine Auswahl der zehn wichtigsten Startup-Events in Deutschland, auf denen sich auch jeder österreichische Gründer blicken lassen sollte.

+++ Zum brutkasten Event-Kalender +++

1. Dmexco, 12./13. September, Köln

Seit vielen Jahren treffen sich auf der Dmexco in der Stadt am Rhein jene Entscheider aus der digitalen Wirtschaft, die sich mit dem Thema Vermarktung und Werbung innerhalb der Szene beschäftigen. Das Motto der diesjährigen Dmexco lautet „Take C.A.R.E.“ – letzteres steht dabei für „Curiosity – Action – Responsibility – Experience“. Die zwei-tägige Messe beschäftigt sich daher in diesem Jahr überwiegend mit neuen Technologiestandards von Smart Data bis Künstlicher Intelligenz und den Möglichkeiten, die sich daraus für Marketing und Werbung ergeben.

Warum sollte ich da hingehen? Vor allem für Vermarkter ist die Dmexco eines der führenden Events. Nach einem Wechsel der Organisatoren richtet sich die Messe wieder stärker an die „jungen Wilden“. Auch viele weitere Dienstleister tummeln sich in Köln auf der Veranstaltung.

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2. NEXT, 20./21. September. 2018, Hamburg

Vor elf Jahren startete die NEXT als Zukunftskonferenz in Hamburg, bevor sie 2010 nach Berlin umsiedelte. Im vergangenen Jahr kehrte sie zurück an ihren Ursprungsort. Gemeinsam mit internationalen Vordenkern werden die großen Fragen gestellt, z.B. wie bessere digitale Produkte und damit eine bessere digitale Zukunft aufgebaut werden können. Hierzu finden Keynotes und interaktiven Workshops statt.

Warum sollte ich da hingehen? Die NEXT findet parallel zum Reeperbahnfestival in Hamburg statt. Alleine das ist schon eine Reise wert, denn hier treffen sich vier Tage lang führende Köpfe der Musikwirtschaft. In der ganzen Stadt finden große und kleine Clubkonzerte statt. Auf dem Festival findet an einem der vier Tage ein Startup-Pitch für noch sehr junge Startups statt. Next und Reeperbahnfestival sind eine gute Kombination: Tagsüber Konferenz, abends feiern.

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3. Bits & Pretzels, 30. September – 2. Oktober, München

Innerhalb der vergangenen vier Jahre hat sich die Bits & Pretzels von einem kleinen, lokalen Netzwerkevent zu einem der wichtigsten Termine im Kalender aller Startup-Gründer etabliert. Rund 5000 Gäste kommen in der Zeit des Oktoberfestes nach München. Drei Tage referieren etablierte Gründer über ihre Geschäftsmodelle und geben wichtiges Know-how aus ihrem Unternehmerleben weiter. Parallel präsentieren sich Startups und Dienstleister dem Publikum. Vor allem in den letzten beiden Jahren folgten darüber hinaus auch Prominente aus Sport und Film der Einladung nach München.

+++ Bits & Pretzels: Philipp Lahm über seinen Einstieg als Startup-Investor +++

In diesem Jahr haben z.B. Nico Rosberg (Formel1-Rennfahrer), Jan Böhmermann (dt. TV-Moderator) oder Tarana Burke (Begründerin der #MeToo-Bewegung) ihr Kommen zugesagt. Ein wichtiger Bestandteil der Konferenz ist zudem der Besuch auf dem Oktoberfest. Im Festzelt Schottenhamel treffen sich die Teilnehmer an Biertischen, die von so genannten Table Captains thematisch begleitet werden. Nach dem „First-Come-First-Serve“-Prinzip können die Besucher bereits im Vorfeld auswählen, mit welchem sie am Tisch sitzen möchten.

Warum sollte ich da hingehen? Auf keiner anderen Veranstaltung in dieser Jahreszeit treffen sich so viele unterschiedliche Akteure aus der Branche aus der Region DACH. Zeitgleich sind viele internationale Journalisten vertreten, die ihrerseits auf der Suche nach neuen, spannenden Kontakten sind. Außerdem ist der Abschluss im Festzelt ein riesen Spaß. Bei zünftiger Blasmusik und Hax’n lässt sich gleich noch einmal so gut networken und Geschäfte machen.

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4. TechCrunch Disrupt, 29./30. November 2018, Berlin

Als Ausgründung des führenden Magazins für die digitale Branche, TechCrunch, versammeln sich auf der zwei-tägigen Konferenz Disrupt in Berlin vor allem sehr innovative Visionäre der Branche. Im Mittelpunkt des Startup-Events stehen junge Unternehmen und ihre Konzepte. Auf der „Startup Alley“ bekommen hunderte von Early Stage Startups die Möglichkeit, ihre Ideen, Talent und Technologie zu präsentieren. Dabei können sie sich mit BesucherInnen, InvestorInnen und der Presse vernetzen. BesucherInnen andererseits erhalten die Gelegenheit, die Player von morgen kennenzulernen. Auf der Disrupt versammeln sich Unternehmer, Investoren, Hacker und Tech-Fans für Interviews auf der Bühne.

+++ Disrupt Berlin 2018 mit “Battlefield” für die Player von morgen +++

Gleichzeitig findet der Startup Battlefield Wettbewerb statt, für den sich internationale Unternehmen bewerben konnten. Zu gewinnen gibt es ein Preisgeld von 50.000 US-Dollar und jede Menge Aufmerksamkeit von Medien und InvestorInnen. Alumni des Startup Battlefields (der weltweiten Events) konnten insgesamt bereits über acht Milliarden US-Dollar Kapital aufstellen und legten über 100 Exits hin.  Die TechCrunch Disrupt ist einer von mehreren Ablegern des Haupt-Events in San Francisco.

Warum sollte ich da hingehen? Für Gründer mit großen Visionen und innovativen Ideen ist die Disrupt ein wichtiges Event, um Gleichgesinnte zu finden und neue Geschäftsmodelle kennen zu lernen. Nirgendwo erhält man besser einen Eindruck davon, was technisch alles möglich ist. Viele internationale Journalisten sind vor Ort und Tech-Investoren sind auf der Suche nach neuen Investments.

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5. Internet World, 12./13. März 2019, München

Für Gründer und Unternehmer, die im Bereich Online-Handel, Logistik und Payment tätig sind, ist die Konferenz ein alljährliches Muss. Zwei Tage lang präsentieren sich auf Deutschlands größter E-Commerce Messe neueste Trends, Technologien, Experten und zahlreiche Highlights rund um die Themenbereiche. Parallel zur gut besuchten Messe finden Panels und Diskussionen auf vielen verschiedenen Bühnen gleichzeitig statt.

Warum sollte ich da hingehen? Die Messe ist sehr spezialisiert, gerade deshalb ist sie ein guter Ort, um mit Branchenvertretern ins Gespräch zu kommen.

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Galerie: Die 10 wichtigsten Startup-Events in Deutschland

6. Startup Camp Berlin, Frühjahr 2019

Jeder fängt einmal klein an und stellt sich die Fragen „Wie gründe ich richtig?“, „woher bekomme ich mein Startkapital?“, „wie rekrutiere ich meine ersten Mitarbeiter?“ und „wann ist der richtige Zeitpunkt, um auf mich aufmerksam zu machen?“ etc. Diese und viele weitere Fragen werden auf dem Startup Camp in Berlin erörtert. Die zwei-tägige Veranstaltung, organisiert vom Bundesverband Deutsche Startups, richtet sich vor allem an junge Gründer, die noch sehr am Anfang ihres Unternehmertums stehen.

+++ Startup Camp Berlin: “Schnellste Lernkurve für Einstieg im deutschen Markt” +++

Neben dem Konferenzgeschehen finden parallel so genannte Fokus Camps statt, die von Experten zu bestimmten Themen kuratiert werden. Auf dem Pitch Marathon bekommen Start-upper die Gelegenheit, erste Pitch-Erfahrung zu sammeln und dabei sogar den ersten Investor von sich zu überzeugen. Wichtiger Bestandteil des Startup-Events ist auch das Investoren Speed-Dating.

Warum sollte ich da hingehen? Vor allem für junge, noch unerfahrene Gründer ist das Startup Camp der ideale Ort, um notwendiges Gründungswissen zu sammeln . Rund 1200 Teilnehmer kommen hier zum Erfahrungsaustausch zusammen und Branchengrößen geben ihr Wissen an die jungen Kollegen weiter. Zudem sind erfahrungsgemäß viele Investoren vor Ort, die Erfolg versprechenden Business-Modellen mit Rat und Tat und manchmal auch mit einem ersten Investment zur Seite stehen wollen.

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7. Online Marketing Rockstars, 7./8. Mai 2019, Hamburg

Es ist das Stelldichein der Marketingbranche: Seit Jahren kommen Tausende Werber aus der ganzen Welt nach Hamburg, um sich beim Online-Marketing-Rockstars-Festival (OMR) über die Trends der eigenen Zunft zu informieren. Mit rund 40.000 Besuchern gehört das OMR Festival zu einer der deutschlandweit einflussreichsten Veranstaltungen. Eingeladen sind vor allem bekannte Namen internationaler Großkonzerne und Online-Prominenz. Neben dem Festival präsentieren große Aussteller ihre Marketingprodukte. Zeitgleich finden so genannte thematisch ausgerichtete Masterclasses zu Fragen der Branche statt.

+++ Streaming, Gaming & Vermarktung bei Online Marketing Rockstars +++

Warum sollte ich da hingehen? Weil auch der Norden feiern kann! Zwei Tage trifft sich dort ein Großteil der deutschen Startup Szene. Allerdings sollten bereits im Vorfeld Termine ausgemacht sein. Der Event ist zu groß, um sich „einfach so“ über den Weg zu laufen.

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8. Re:publica, 6.-8. Mai 2019, Berlin

Die re:publica beschäftigt sich seit mehr als zehn Jahren mit Themen aus dem Web 2.0, darin speziell mit Weblogs, sozialen Medien und digitaler Gesellschaft. An drei Tagen werden in Vorträgen und Workshops verschiedenste Themenfelder behandelt, von Medien und Kultur über Politik und Technik bis zu Entertainment.

Warum sollte ich da hingehen? Die Arena in Berlin bietet viele Möglichkeiten fürs Netzwerken und Austauschen. Hier treffen sich vor allem Menschen, die sich kritisch mit dem Treiben und Wirken der digitalen Revolution auseinandersetzen wollen. Jahr für Jahr gelingt es den Organisatoren, hierfür Köpfe einzuladen, die sich dem Thema vor allem akademisch nähern.

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9. NOAH Berlin, 13./14. Juni 2019, Berlin

Als Ableger der NOAH in London startete vor wenigen Jahren die NOAH Berlin. Seither lohnt sich der Flug in die britische Hauptstadt eigentlich kaum mehr, denn im Berliner Tempodrom treffen sich CEOs etablierter Unternehmen, Führungskräfte und Investoren. Gleichzeitig können sich Startups auf der Startup Stage präsentieren und ihr Business-Modell vorstellen. Es hört mehr als nur ein Investor dabei zu.

Warum sollte ich da hingehen? Die NOAH Berlin besticht vor allem mit ihren internationalen Teilnehmern. Gerade für Startups, die schon zwei Schritte weiter sind und nun auf der Suche nach belastbaren, internationalen Kontakten sind, sind hier richtig!

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10. Tech Open Air (TOA), voraussichtlich Juni 2019

Das TOA ist eines der bekanntesten und zuschauerstärksten Tech-Festivals Europas. Angesiedelt an der Nahtstelle zwischen Technologie, Musik, Kunst und Wissenschaft haben die Veranstalter sich der Mission verschrieben, Vertreter dieser Disziplinen zusammenzubringen und den Austausch untereinander voranzutreiben. Darüber hinaus bietet das TOA Startups, Corporates sowie Branchenexperten eine Bühne, zukunftsweisende Trends vorzustellen und zu diskutieren. Besonders interessant sind die unzähligen Side-Events, die parallel stattfinden. Berliner Unternehmen, Startups, Forschungseinrichtung und digitale Initiativen laden zu sich ein: zu 3D-Druck-Workshops, Rooftop-Yoga bis hin zu Afterwork-Parties.

Warum sollte ich da hingehen? Mit rund 20.000 Teilenehmern (2018) ist die TOA eines der größten Events ihrer Art in Deutschland. Meist ist das Wetter in Berlin dann schon so gut, dass das Event schnell Festivalcharakter bekommt. Und während in Berlin Mitte die Tore der Unternehmen geöffnet sind, ist lohnt sich der Besuch des Veranstaltungsortes allein schon wegen der Atmosphäre – kaum ein anderer Ort in Berlin ist so geeignet für ein Event wie das ehemalige DDR-Funkhaus in der Nalepastraße.

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X-Faktor: Warum Liquidation Preference bei einem Millionen-Exit zum Albtraum werden kann

Ein Exit in Millionenhöhe – und trotzdem bleibt für die Gründer:innen kaum etwas übrig. Schuld daran können sogenannte Liquidation Preferences sein, die darüber entscheiden, wer beim Verkauf eines Startups bevorzugt wird. Rechtsanwalt Manuel Mofidian ordnet ein.
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Liquid Preference, Mofidian
© Armin Hubner/Canva - Wirtschafts- und Tech-Anwalt Manuel Mofidian.

Dieser Text ist zuerst im brutkasten-Printmagazin von August 2026 „Aufbrechen“ erschienen. Eine Download-Möglichkeit des gesamten Magazins findet sich am Ende dieses Artikels.


Für viele Gründer:innen sind 40-Stunden-Wochen ein Fremdwort und freie Wochenenden ein ferner Wunsch – sie opfern unzählige Arbeitsstunden und verzichten auf Gehalt, um ihr Startup aufzubauen. Doch am Ende dieses jahrelangen harten Einsatzes bleibt selbst bei einem vermeintlich erfolgreichen Millionen-Exit in manchen Fällen kaum etwas übrig. Der Grund kann in einer unscheinbaren Klausel des Beteiligungsvertrags liegen; einer Sonderregel für die Verteilung des Exit-Erlöses. Räumt man etwa späteren Investoren eine „Liquidation Preference“ ein, bedienen sich diese beim Verkauf zuerst. Die Realität sieht dann wie folgt aus: Während die Branche gratuliert, können die Gründer:innen und frühe Kapitalgeber trotz fließender Millionen fast leer ausgehen.

So ein Fall sorgte jüngst für Aufsehen, als Martin Granig, Gründer der Spar-App monkee.rocks, von einem Bekannten berichtete, der einen 15-Millionen-Exit hingelegt hatte. Der Founder meinte nach Glückwünschen bloß, der Exit hätte massiver sein müssen, „damit sich was ausgeht“ – hier hatte die Liquidation Preference gegriffen.

Was ist eine Liquidationspräferenz?

Die historischen Wurzeln der Liquidationspräferenz reichen bis ins 19. Jahrhundert zurück, als US-Eisenbahngesellschaften und Banken Vorzugsaktien nutzten. In den 1950er- bis 1970er-Jahren adaptierte die VC-Branche das Modell und machte es im Silicon Valley zum Standard. Doch obwohl die Klausel omnipräsent ist, sorgt sie bis heute für Missverständnisse.

Der Wirtschafts- und Tech-Anwalt Manuel Mofidian bringt es auf den Punkt: „Eine Liquidationspräferenz ist kein gesetzlich definierter Begriff, sondern eine Klausel in einem Beteiligungsvertrag, die man im Einzelfall auslegen muss, aber häufig einem gewissen spezialisierten Marktstandard entspricht.“ Verankert wird sie in der Praxis meist im sogenannten Shareholders Agreement (kurz SHA, deutsch: Gesellschaftervereinbarung). Es geht dabei nicht um die prozentuelle Beteiligung an einem Startup, sondern um die harte Reihenfolge bei der Verteilung von echten Einnahmen (Proceeds) nach einem bestimmten Trigger-Event – im Normalfall dem Exit.

„Vereinfacht gesagt ist die Liquidationspräferenz eine vertraglich vereinbarte Erlösvorzugs-Regelung. Im Normalfall wird ein Verkaufserlös entsprechend den Beteiligungsquoten (pro rata) verteilt; das entspricht auch der gesetzlichen Grundregel. Für den Exit-Fall soll jedoch eine Sonderregel geschaffen werden; mit mitunter überraschendem Ergebnis: Wer etwa 20 Prozent der Anteile hält, aber 70 Millionen Euro investiert hat, kann bei einem Verkaufserlös von 70 Millionen Euro den gesamten Erlös erhalten – und das dank einer Liquidationspräferenz“, so Mofidian.

„Erst wenn die jeweilige Liquidationspräferenz erfüllt wurde, kommt die nächste liquidationspräferierte Gruppe zum Zug; sind alle Liquidationspräferenzen bedient, wird der Rest pro rata verteilt“, erklärt der Wirtschaftsanwalt das sogenannte „Wasserfallprinzip“. Reicht das Geld bei einem mittelgroßen oder kleinen Exit nicht aus, könnten all jene, die ganz unten im Wasserfall stehen, leer ausgehen.

„Ein Startup durchläuft typischerweise gewisse Phasen“, erläutert Mofidian. „So lassen sich die Investorengruppen ganz gut typisieren: Häufig startet man mit ersten Investoren, Business Angels, Family and Friends, teilweise noch Convertibles. Hier herrscht oft noch eine andere Logik als bei späteren Investmentrunden, wo beispielsweise VC-Fonds einsteigen. In diesen späteren Runden, den ‚Series‘, mit professionelleren neuen Investoren verschieben sich regelmäßig die Kräfteverhältnisse, was zu einer Anpassung der Verträge und der damit verbundenen Rechte führt.“

Das Multiple (X-Faktor) als wichtiger Hebel

Bevor man sich jedoch in rechtliche Details und konkrete Definitionen vertieft, muss man bei Liquidation Preference einen wichtigen Hebel verstehen: das Multiple (oder den X-Faktor). Diese Zahl legt fest, wie viel von seinem ursprünglichen Investment der Geldgeber beim Exit vorrangig – also vor der allgemeinen Verteilung nach Beteiligungsquoten – beanspruchen kann.

Das „1×-Multiple“ findet sich so häufig in den Verträgen, dass man dieses fast schon als Branchenstandard bezeichnen könnte. Das bedeutet: Der Investor holt sich zunächst exakt jene Summe zurück, die er in das Startup gesteckt hat. Komplex wird es, wenn Investoren in schwierigen Marktphasen höhere Multiples durchsetzen. Liegt der Faktor bei 1,5×, 2× oder gar 3×, bedeutet das, dass der Investor vorab – also vor der Verteilung nach Prozenten – ein Vielfaches seines eingesetzten Kapitals fordern kann. „Der Faktor hat mit der Beteiligungsquote nichts zu tun: Auch wer nur ein Prozent hält, kann eine fünffache Liquidationspräferenz vereinbart haben“, erklärt Mofidian. Hat ein VC-Fonds also beispielsweise zehn Millionen Euro bei einem 2×-Multiple investiert, zieht er beim Exit sofort 20 Millionen Euro als Liquidationspräferenz ab, bevor der nächste Gesellschafter auch nur einen Cent sieht. Das schmälert den Erlös für Gründer:innen und frühe Investor:innen – mitunter auch für andere, im Rang nachstehende Investorengruppen – dramatisch.

Participating vs. non-participating

Wenn der Faktor (das Multiple) bzw. damit verbunden die Höhe geklärt ist, regeln weitere Zusätze, wie genau ein Investor am restlichen Erlös beteiligt wird.

So gilt „non-participating“ als die üblichste Variante. Der Investor hat hierbei ein Wahlrecht: Er erhält entweder vorab seine Präferenz, also zum Beispiel sein 1×-Investment, zurück, oder er verzichtet auf diesen Vorabzug und nimmt stattdessen seine reguläre prozentuale Quote am gesamten Erlös. Demgegenüber steht „participating“: Diese investorenfreundliche Variante bezeichnet Mofidian als „Eierlegende Wollmilchsau“ – der Geldgeber bekommt zuerst sein Investment als garantierte Risikoprämie vorab ausbezahlt und partizipiert danach zusätzlich noch entsprechend seiner prozentualen Quote am verbleibenden Erlös-Topf; er wird also faktisch doppelt bedient.

Rangordnung – „Senior“ und „Pari passu“

Aus Sicht eines Investors spielt es zudem eine große Rolle, in welchem Rang seine Liquidationspräferenz eingeordnet wird. „Die Ränge drücken das Rangverhältnis der Liquidationspräferenzen zueinander aus. Nach dem Wasserfallprinzip wird grundsätzlich jeder vorrangige Rang vollständig bedient, bevor Erlöse an den nachfolgenden Rang verteilt werden“, erklärt Mofidian. „Reicht der Erlös auf einem Rang nicht, um alle dort angesiedelten Präferenzansprüche voll zu bedienen, wird typischerweise pro rata verteilt – meist im Verhältnis der jeweiligen Präferenzansprüche. Der genaue Schlüssel ist aber Vertragssache.“

Wird der Liquidationspräferenz eines Investors ein „Senior“-Rang eingeräumt, bedeutet das Vorrang gegenüber den zu diesem Zeitpunkt bestehenden bzw. den vertraglich bezeichneten Liquidationspräferenzen. „‚Senior‘ ist eine relative Rangangabe – man ist immer gegenüber jemandem vorrangig. Soll der oberste Rang gemeint sein, spricht man etwa von ‚most senior‘ oder ‚senior to all other liquidation preferences‘. Maßgeblich ist am Ende ohnehin die Verteilungsreihenfolge der Waterfall-Klausel selbst“, so der Anwalt. Vor später geschaffenen „noch vorrangigeren“ Rängen könne man sich durch einen Zustimmungsvorbehalt schützen; das könne allerdings künftige Finanzierungsrunden erschweren und sei auch unüblich.

Mofidian weiter: „Investor:innen vereinbaren häufig, dass ihre Liquidationspräferenz ‚pari passu‘ mit den Liquidationspräferenzen anderer Investor:innen oder Anteilsklassen rangiert – die betreffenden Präferenzen sind dann gleichrangig, keine wird vor der anderen bedient. Innerhalb derselben Anteilsklasse ist eine ausdrückliche Pari-passu-Regelung häufig nur deklaratorisch, sofern für alle Anteile dieselben Präferenzrechte gelten; sie kann jedoch in einigen Konstellationen auch klarstellende Bedeutung haben. Eine wesentliche Bedeutung entfaltet sie zwischen unterschiedlichen Anteilsklassen oder Finanzierungsrunden: Man kann etwa festlegen, dass die Liquidationspräferenzen einer Series A und einer Series B trotz unterschiedlicher Anteilsklassen auf demselben Rang stehen. ‚Pari passu‘ beschreibt also nicht die Anteilsklasse als solche, sondern das Rangverhältnis der jeweiligen Präferenzen“. Gleichrangigkeit bedeutet dabei nicht zwingend, dass auch die Höhe der Präferenzansprüche, die Multiplikatoren oder die sonstigen Investorenrechte identisch sind.

Die Rangordnung führt in der Praxis oft zu sogenannten Stacked Preferences (gestapelten Präferenzen). Faktisch gesehen kommt es dabei meist zum Prinzip „Last in, first out“: Der späteste Geldgeber (z. B. der Lead-Investor der Series C) sichert sich meist den höchsten Rang und holt sich beim Exit (nach Rückführung von Fremdkapital) als Allererster sein Geld aus dem Topf. Ist seine Präferenz bedient, darf sich die vorherige Series B aus dem verbleibenden Rest bedienen; und so weiter bis hinunter zur Series A. Häufig warten am Ende der Nahrungskette die frühen Seed-Investoren sowie Gründer:innen und Mitarbeiter:innen mit ESOP-Anteilen – ist der Exit-Erlös nicht hoch genug, ist der Topf leer, bevor sie erreicht werden.

„Eine der Schwierigkeiten bei Liquidation Preferences ist die Unschärfe der Begrifflichkeiten“, betont Mofidian an dieser Stelle und erklärt, warum es zu Streitereien unter den Beteiligten kommen könnte. Ein typischer Konfliktherd können Triggerdefinitionen sein: Was ist ein Exit? In einem „frühen“ Vertrag kann ein Exit anders definiert sein als im späteren Beteiligungsvertrag. Dazu kommen Side Letters bzw. in Investitionsdokumenten enthaltene Rechte, bei denen Widersprüche auftreten können. Liquidationspräferenzen können ein sinnvolles Instrument der Risikoverteilung sein – aber es kann zu unangenehmen Überraschungen kommen, weil die Beteiligten nicht jedes Szenario durchdenken und durchrechnen.

Die Schicksalsgemeinschaft der Frühphase

Oliver Holle, CEO des Seed-VCs Speedinvest, sieht die Debatte vor allem für die Frühphase pragmatisch: Dank klarer Standards (1×, non-participating) bilden frühe Kapitalgeber und Gründer:innen hier eine Schicksalsgemeinschaft im Sinne von „engsten Verbündeten“. Dramatisch wird es jedoch bei Wertberichtigungen in späten Runden, wenn sich die Ansprüche durch viel frisches Kapital massiv aufsummieren – die bereits erwähnten Stacked Preferences. Wie das in der Praxis aussieht, veranschaulicht Holle am E-Scooter-Anbieter Tier, dessen Preference-Stack nach mehreren Runden und Mergern auf fast eine Milliarde Euro angewachsen ist: „Das sind sie jetzt doch nicht mehr wert. Das heißt, wir haben das wahrscheinlich schon lange auf null abgeschrieben, und die Gründer auch, weil wir da kein Geld rausholen werden, auch wenn diese Firma für fünf-, sechs- oder siebenhundert Millionen Euro verkauft wird. Das ist also eine Realität, die wir absolut durchlebt haben.“ Und damit ist Speedinvest nicht allein.

Konflikte, Statistiken und eine mögliche Zukunft

Was konkrete Statistiken angeht, gibt es im DACH-Raum kaum belastbare öffentliche Marktdaten. Mofidians subjektiver Praxisbeobachtung nach kommen Liquidationspräferenzen jedoch in fast jedem Deal vor, sind ein von Investoren erwarteter Standard und in ihrer Grundform kaum wegzuverhandeln.

Aufgrund globaler Krisen brauchten viele Startups zuletzt jedoch Bridge-Finanzierungen. Um ihre Bewertungen hochzuhalten („Vanity Valuation“), akzeptierten Gründer:innen oft harte Konditionen. Mofidian kann sich vorstellen, dass es in Zukunft aufgrund dieser Dynamik zu Konflikten kommen könnte: „Aufgrund von Brückenfinanzierungen könnten Liquidationspräferenzen wahrscheinlich jetzt relevanter werden, weil wir jetzt einige Senior-Investoren sehen, die zu sehr guten Terms eingestiegen sind, darunter auch Verkaufsrechte. Wenn du in den letzten Jahren investiert hast, und das zu einer vermeintlich guten Bewertung, mit starken Terms, und dir viele Rechte geholt hast, jetzt aber daran zweifelst, dass eine neue Runde zu einer höheren Bewertung realistisch ist, dann pushst du möglicherweise in den Exit. Und das machst du wahrscheinlich nur, weil du eine Liquidationspräferenz, vielleicht sogar mit einem ‚Über-Eins-Faktor‘, hast“, zeichnet Mofidian eine mögliche Zukunft für die heimische Szene. „Ich kann mir vorstellen, dass die Logik, die Liquidationspräferenzen und anderen damit funktionell verbundenen Terms zugrunde liegt, dazu führt, dass der eine oder andere Investor sagt: ‚Ich nutze jetzt meine vertraglichen Möglichkeiten, dränge auf den Exit und hole mir lieber mein Investment 1,5-fach plus ein bisschen extra vom verbleibenden Erlöstopf. Das macht mehr Sinn, als nur darauf zu hoffen, dass es noch eine Runde zu einer viel höheren Bewertung gibt – und selbst wenn sich das so großartig entwickelt, was nicht sicher ist, steht der nächste Investor vermutlich nach dem Last-in-first-out-Prinzip mit seiner Präferenz wieder vor mir.‘“

Der Anwalt ergänzt: „‚Drängen‘ heißt in diesem Kontext: Wenn dieser Investor – etwa in Kombination mit anderen Investoren – starke Drag-Along-Rechte hat, kann er den Verkauf auch gegen den Willen der Founder rechtlich erzwingen.“ Dies gelte selbst dann, wenn die Founder die Bewertung als zu niedrig empfänden und aufgrund der Liquidation Preference leer ausgingen.

Trotz dieser Konsequenzen betont Mofidian nachdrücklich, dass man das Thema auch aus der Investorenperspektive betrachten muss: Die Liquidationspräferenz sei per se nichts Böses und in der Praxis völlig in Ordnung, wenn man sie korrekt verwendet. „Man muss diese Klauseln verstehen, durchrechnen und verschiedene Szenarien durchspielen, damit böse Überraschungen ausbleiben“, sagt der Jurist.

Secondaries als mögliches Instrument

Für Gründer gilt laut dem Experten eine wichtige Regel: Man sollte sich niemals nur auf eine möglichst hohe Firmenbewertung fixieren, wenn die Vorzugsrechte der Investoren im Gegenzug gefährlich stark ausgeprägt sind. Mofidian rät, das Term-Sheet stets als bewegliches Gesamtsystem zu betrachten.

Anstatt Deals aus reiner Angst vor einem Null-Ausstieg kategorisch platzen zu lassen, empfiehlt der Anwalt, allenfalls ungünstigere Liquidationspräferenzen durch andere Mechanismen auszugleichen. Dazu zählen klug verhandelte Drag-Along- und Tag-Along-Rechte. Wenn der Druck allerdings über die Jahre extrem hoch wird, seien Secondaries ein mögliches Tool: Durch den vorzeitigen Verkauf eines kleinen Teils der eigenen Anteile an spätere Investoren könnten Gründer bereits auf dem Weg zum Exit etwas Geld auf dem Privatkonto sichern.

„Das ist jedoch nicht gern gesehen und auch in Österreich oder im DACH-Raum relativ unüblich, aber es passiert“, sagt Mofidian. „Nach ein paar Jahren Arbeit kann man in so einem Fall sagen: ‚Ich habe eine ordentliche Netto-Summe auf meinem Konto. Das erlaubt mir zumindest, mit freiem Kopf weiter an meiner Vision zu bauen.‘“

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