09.09.2021

Startup-City Linz: “Gründen ist ungefährlich”

Linz hat für innovative Startups und Unternehmen die besten Voraussetzungen. In einer eigenen Tour kann man das Innovations-Netzwerk und seine Hotspots besser kennenlernen.
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Markus Zimmermann und Evelyn Haslinger haben Symflower gegründet © Frames in Time, Christian Redtenbacher
Markus Zimmermann und Evelyn Haslinger haben Symflower gegründet © Frames in Time, Christian Redtenbacher
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Evelyn Haslinger und Markus Zimmermann haben sich 2008 in ihrer ersten Vorlesung an der Uni kennengelernt. Die beiden haben in Linz Technische Informatik studiert und Jahre später gemeinsam ein Startup gegründet. Angefangen hat alles aber als “Sideproject” neben Job und Studium. “2016 haben wir dann unsere Jobs aufgegeben und uns vollständig Symflower gewidmet”, erzählt Haslinger. Das Startup vereinfacht Testing und Fehlerbehebung in der Softwareentwicklung und hat mittlerweile mehr als zehn Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Dass das Jungunternehmen so stark wachsen konnte, hat das Founder-Duo auch Linz zu verdanken.

Zugang zu Fachkräften und Investoren

“Linz hat viele Ausbildungseinrichtungen, also einen guten Zugang zu Fachkräften”, sagt Haslinger. “Und der Weg von Wien ist dank der Bahnverbindung nicht sehr weit für Pendler, was die Auswahl an Fachkräften noch einmal vergrößert. Außerdem gibt es spezielle Startup-Förderungen der Stadt Linz, zum Beispiel ein Zuschuss für die ersten Jahre Büromiete. Das hilft, wenn man aus dem Inkubator auszieht”.

Symflower selbst ist aus dem oberösterreichischen Hightech-Inkubator tech2b ausgezogen, einem der Dreh- und Angelpunkte der Startup-Szene in Linz. “Auf tech2b-Events trifft sich die Linzer Startup-Szene regelmäßig”, sagt die Jungunternehmerin. Symflower hat dem Netzwerk auch den Kontakt zu den Investoren zu verdanken, die 2019 bei dem Startup eingestiegen sind. “Tech2b hatte ein Wochenende rund um Startup-Investments organisiert. Wir hatten Gespräche mit einigen Investoren und eQventure von Herbert Gartner hat am besten zu uns gepasst”. 

Für Startups, die ganz am Anfang stehen

Für Startups die noch ganz am Anfang stehen, empfiehlt die Unternehmerin auch die in der Tabakfabrik angesiedelte Community Startup300. Dort gibt es nicht nur spannende Veranstaltungen, sondern im Coworking-Space unkompliziert Arbeitsplätze für einzelne Gründerinnen und Gründer. 

Ein Startup zu gründen, das erfordert Mut, wie Haslinger aus eigener Erfahrung weiß. “Ich habe mich nicht sofort getraut meine damalige Anstellung aufzugeben”, erzählt die Gründerin. “Wesentlich war dann, dass wir realisiert haben, dass einem ja nichts passieren kann. Gründen ist ungefährlich”. Dafür sei das Sicherheitsnetz in Linz und ganz Österreich stark genug. “Mit einer guten Ausbildung und der Erfahrung, die man in einem Startup sammelt kann man ja jederzeit retour in ein Angestelltenverhältnis. Man riskiert nicht, morgen auf der Straße zu stehen”. 

Trendreise nach Linz

Linz hat für innovative Startups und Unternehmen die besten Voraussetzungen mit universitärer Bildung, Forschung, Förderstellen, Agenturen und Investoren. In einer mehrtägigen Tour kann man dieses engmaschige Innovations-Netzwerk und seine Hotspots besser kennenlernen: Linz Tourismus hat mit “Start-up Your Mind” eine spannende Reise durch die Welt der Entrepreneure und der Kreativszene zusammengestellt. Beim Abschlussdinner sprechen die Symflower-Gründer über ihre Erfahrungen und teilen Tipps und Tricks für das Gründen in Linz. 

Eckdaten zur Founder-Reise in Linz:

  • Termine 2021: 11. – 13.10.
  • Kosten: Ab 409 Euro ohne Übernachtung, ab 559 Euro mit Hotelzimmer
  • Buchung: Linz Tourismus
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Michael Krebs, CEO von HeartBeat.bio. | Foto: HeartBeat.bio.

2023 holte sich das Wiener BioTech HeartBeat.bio, das 2021 gegründet wurde und im Vienna Biocenter ansässig ist, ein 4,5-Millionen-Euro-Investment im Rahmen einer Pre-Series-A-Runde – brutkasten berichtete.

Im Vorjahr folgte eine Forschungskooperation mit dem Pharmaunternehmen Boehringer Ingelheim, mit dem Ziel gentherapeutische Behandlungen für genetisch bedingte Kardiomyopathien zu entwickeln. Nun kooperiert man mit dem schwedischen Genomikunternehmen CubaseBio, das 3D-Spatial-Transkriptomik-Technologien entwickelt, um einen Hochdurchsatz-3D-Spatial-Profiling-Ansatz für myokardiale Fibrose zu entwickeln und um die Wirkstoffforschung bei Herzinsuffizienz zu steigern.

HeartBeat.bio erhält von der FFG nationale Förderung

Die Partner erhalten dafür rund eine Million Euro an Förderung im Rahmen des Calls 10 des Eurostars-Programms für ihr gemeinsames Projekt „Fibrosis Analysis in Cardioids via Transcriptomic Spatial-mapping in 3D“ (FACTS-3D).

Die nationale Förderung erfolgt durch Vinnova (Schwedens Innovationsagentur) und die österreichische Forschungsförderungsgesellschaft (FFG), mit Ko-Finanzierung durch die Europäische Union im Rahmen von Horizon Europe.

Das Projekt verbindet die firmeneigene Cardioid-Technologie von HeartBeat.bio mit der 3D-Spatial-Transkriptomik-Plattform von CubaseBio, um einen skalierbaren Ansatz zur Analyse der molekularen und zellulären Mechanismen hinter myokardialer Fibrose zu entwickeln.

64 Millionen Menschen von Herzinsuffizienz betroffen

Trotz bedeutender Fortschritte in der kardiovaskulären Forschung bleibt die Entwicklung neuer Therapien gegen Herzinsuffizienz eine Herausforderung. Weltweit sind mehr als 64 Millionen Menschen von Herzinsuffizienz betroffen, was eine große und wachsende globale Gesundheitsbelastung darstelle, heißt es per Aussendung. Herkömmliche präklinische Werkzeuge wie Tiermodelle und 2D-Zellkulturen könnten die Komplexität der menschlichen Biologie, zellulärer Interaktionen und der räumlichen Organisation zugrundeliegender Herzerkrankungen häufig nicht vollständig abbilden.

FACTS-3D soll genau hier ansetzen: Das Projekt verbindet menschliche Herzorganoide, die die Biologie des Herzens realitätsnah abbilden, mit einer 3D-Spatial-Transkriptomik-Methode, die viele Proben gleichzeitig auswerten kann. Zur Erklärung: Bisherige Verfahren zur räumlichen Genanalyse funktionieren nur bei dünnen, flach geschnittenen Gewebeproben. Für die Untersuchung von Organoiden, die dreidimensionale Struktur besitzen, sind sie deshalb kaum brauchbar, und schon gar nicht, wenn viele Proben zügig analysiert werden sollen. Die 3D-Technologie von CubaseBio umgeht dieses Problem: Sie lässt sich direkt in gängigen Labor-Plattenformaten mit 96 oder 384 Vertiefungen einsetzen. Dadurch kann das Projekt die Herzorganoide von HeartBeat.bio erstmals in ihrer vollständigen, dreidimensionalen Struktur untersuchen, statt sie in dünne Scheiben zerlegen zu müssen.

Dieser Ansatz sei besonders wichtig für die Erforschung von Herzmuskel-Vernarbung (Fibrose), einem Prozess, der zum krankhaften Umbau des Herzens beiträgt und bei vielen Formen von Herzinsuffizienz eine Rolle spielt. Indem die Partner sichtbar machen, welche Gene in welchen Zellen des intakten 3D-Herzgewebes aktiv sind, wollen sie herausfinden, wie die Erkrankung entsteht, wie das Gewebe auf Behandlungen reagiert und wo neue Ansatzpunkte für Medikamente liegen könnten.

Neue Mechanismen

„Das FACTS-3D-Projekt bringt zwei hochgradig komplementäre Technologien zusammen, um eine der zentralen Herausforderungen der kardiovaskulären Wirkstoffforschung anzugehen: das Verständnis der Krankheitsbiologie in einem physiologisch relevanten menschlichen Kontext bei gleichzeitigem Erhalt der räumlichen Informationen, die für komplexe kardiale Phänotypen essenziell sind. Für HeartBeat.bio stellt diese Kooperation einen wichtigen Schritt dar, Cardioide nicht nur für die phänotypische Wirkstoffforschung zu nutzen, sondern auch um neue Mechanismen und Zielstrukturen für Herzinsuffizienz zu entdecken und zu validieren, insbesondere bei myokardialer Fibrose und kardialem Remodeling“, sagt Michael Krebs, CEO von HeartBeat.bio.

Und Malte Kühnemund, CEO von CubaseBio, ergänzt: „Die Herzbiologie ist ein perfektes Beispiel dafür, warum der 3D-Spatial-Kontext so wichtig ist. Die Art, wie sich Zellen dreidimensional organisieren, ist zentral dafür, wie eine Herzkammer aufgebaut ist, was bei Fibrose geschieht und wie sich das Herz umbaut. Unsere Technologie wurde genau dafür entwickelt, diese Art von Komplexität vollständig in drei Dimensionen zu erfassen. Das lässt sich nicht durch Schnittverfahren erfassen, und 3D-Bildgebungshardware verfügt nicht über den nötigen Durchsatz. Das macht unsere 3D-Spatial-Transkriptomik-Technologie zu einer naheliegenden Wahl für das Hochdurchsatz-Screening von Herzmedikamenten. HeartBeat.bio ist der ideale Partner, um unsere 3D-Spatial-Technologie in umsetzbare Erkenntnisse für komplexe kardiovaskuläre Erkrankungen zu übersetzen.“

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