11.11.2025
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StartUp Burgenland: Vom weißen Fleck zum sichtbaren Player

StartUp Burgenland feiert sein fünfjähriges Bestehen. Von der Qualität der Startups aus Inkubator und Accelerator konnte man sich bei der "StartUp Lounge" überzeugen.
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Impression von der
Impression von der "StartUp Lounge" von StartUp Burgenland | © Luca Meinke

Österreichweit stagnieren die Startup-Gründungen laut Daten des Austrian Startup Monitor seit Jahren. Nicht so im Burgenland. Dort hat sich die Zahl der Startups seit 2021 mehr als verdoppelt. Das Timing ist kein Zufall. Ein Jahr davor, unter den durchaus widrigen Umständen der Corona-Pandemie, wurde StartUp Burgenland gegründet. „Eine Initiative, die wirklich Bestand hat“, wie Leiter Michael Sedlak heute sagt.

Denn die Zahlen der Inkubator- und Accelerator-Programme lassen sich sehen: „2021 haben wir die ersten vier Startups aufgenommen“, erzählt Sedlak bei der „StartUp Lounge“ von StartUp Burgenland im Filmquartier Wien. Und Georg Schönbauer, Geschäftsführer der Wirtschaftsagentur Burgenland fährt fort: „Mittlerweile stehen wir bei rund 300 Bewerbungen, etwa 40 aufgenommenen Unternehmen, vier Millionen Euro Investment-Volumen und nochmal so viel Fördervolumen.“

„Es kommt darauf an, wie viel Innovationskraft man hat“

Das Burgenland ist damit innerhalb weniger Jahre vom weißen Fleck auf der Startup-Landkarte zum sichtbaren Player geworden. „Das sieht man nicht zuletzt daran, dass kürzlich der Business Angel Day 2025 erstmals in Eisenstadt stattgefunden hat“, sagt Michael Sedlak. Und das alles, obwohl Österreichs östlichstes Bundesland bekanntermaßen jenes mit der geringsten Bevölkerung ist.

„Es wird ja auch regelmäßig vorgebracht, dass ganz Österreich so klein ist. Aber es kommt darauf an, wie viel Innovationskraft man hat, wie viel Ambition man hat, etwas zu erreichen. Da kann auch in kleineren Regionen sehr viel entstehen – wie man auch heute sieht“, meint Karin Tausz, Geschäftsführerin der Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) am Rande der „StartUp Lounge“.

Die FFG ist nur einer der zentralen Kooperationspartner von StartUp Burgenland. Ein weiterer ist das Inkubatoren-Netzwerk AplusB, dem die Initiative seit 2022 angehört. Und hier im Speziellen der niederösterreichische Inkubator Accent, mit dem intensive Kooperationsprojekte laufen, etwa gemeinsame „Bootcamps“ für Startups aus den Inkubator- und Accelerator-Programmen. Für Accent-CEO Michael Moll ist dabei klar: „Die Kooperation funktioniert einfach auf diversen Ebenen ganz fantastisch.“

Kooperationen statt Investments?

Sechs Startups – fünf aus dem Accelerator-Programm und eines aus dem Inkubator-Programm von StartUp Burgenland – durften bei der „StartUp Lounge“ im Rahmen eines „StartUp Walk“ ihre Projekte vorstellen. Bevor es soweit war, wurde das Publikum aber noch mit einer kurzen Podiumsdiskussion zum Thema Investments eingestimmt. Denn gerade in der nach wie vor schwierigen Situation in der Startup-Finanzierung können die jungen Unternehmen jeden Tipp gut brauchen.

„Für Startups ist es heute wichtig, schnell Marktzugang zu erhalten. Man sollte daher vielleicht ein Stück vom Investoren-Gedanken weg, hin zu Kooperationen mit großen Unternehmen. Die haben nämlich großes Interesse“, rät Josef Sieber, Berater und ehemals Geschäftsführer der Raiffeisen Lagerhaus GmbH. Auch für Serial-Entrepreneur (u.a. Inoqo) und Investor Markus Linder ist klar: „Man muss frühzeitig Zugang zu potenziellen Kunden gewinnen. Sie werden zu Advocates, die einen weiterempfehlen.“ Und am besten funktioniere das im persönlichen Austausch bei Events.

Gründer und Investor Markus Linder | © Luca Meinke

Etwa bei der „StartUp Lounge“, wo die Gründer:innen ihre Unternehmen nicht nur vor Investor:innen wie Lindner, sondern auch vor einer Reihe potenzieller Kooperationspartner pitchen konnten. Und damit sorgten sie durchaus für Begeisterung. „Man sieht an den Pitches, dass sich im Burgenland in den letzten fünf Jahren sehr sehr viel getan hat – sowohl was die Qualität als auch was die Market-Readiness angeht“, kommentiert Michael Moll. Und Karin Tausz meint: „Besonders beeindruckt hat mich, dass einige dieser Startups wirklich schon einen großen Kundenstock aufgebaut haben und damit auch das Potenzial haben, stark zu wachsen.“

„StartUp Walk“: Wenn die Referenzkunden mitpitchen

Und welche Startups sind es nun, die so überzeugt haben? Beim „StartUp Walk“ hatten Gründer:innen der sechs jungen Unternehmen nicht nur die Chance, ihre Firmen selbst zu präsentieren. Sie waren auch dazu angehalten, Referenzkund:innen zur Unterstützung mitzunehmen, was gleich mehrere davon taten. So konnten Teilnehmer:innen des Events aus erster Hand erfahren, ob die Produktversprechen auch wirklich gehalten werden – mit teilweise durchaus ehrlichen Einblicken. Das waren die pitchenden Startups.

BeResilient / BeanSaver

Das Produkt von BeResilient aus Gols ist schnell erklärt: Premium-Gartendünger aus Kaffeesatz und Schafwolle (brutkasten berichtete bereits). Mittlerweile gibt es den BeanSaver-Dünger des Startups für unterschiedlichste Zwecke, etwa speziell für mediterrane Pflanzen, und in unterschiedlichen Größen zu kaufen. Einer der Partner des Unternehmens ist der Energie-Riese OMV, der den Kaffeesatz aus seinen Viva-Shops an das Unternehmen liefert und den Dünger ebendort wieder verkauft.

Vera Amtmann von BeanSaver | © Luca Meinke

Der Konzern ist auch Teil der Zukunftspläne des Startups. „Wir entwickeln uns aktuell in Richtung Ersatz fossiler Öle – etwa Motor- oder Fahrradkettenöle – durch Produkte auf Kaffeesatz-Basis“, verrät Gründerin Vera Amtmann. Ein Forschungsprojekt dazu, bei dem u.a. OMV an Bord ist, werde von der FFG mit 900.000 Euro gefördert. Außerdem stehen eine Erweiterung auf den B2B-Bereich und eine Expansion in Deutschland und Tschechien auf dem Programm, so Amtmann. Daher sei das bislang komplett eigenfinanzierte Startup nun auch auf Investorensuche.

Voltalux

Mit Sitz in St. Margarethen vernetzt Voltalux rund um die beiden Brüder Florian Gajdusek und Maximilian Reimann-Gajdusek über seine Plattform zertifizierte Photovoltaik-Fachbetriebe mit Kund:innen. Dabei soll es „so einfach wie eine Hotelbuchung“ werden, an die eigene PV-Anlage zu kommen, so die Vision.

Maximilian Reimann-Gajdusek und Florian Gajdusek von Voltalux | © Luca Meinke

„Seit der Gründung im September 2024 haben wir bereits 2.500 qualifizierte Anfragen an Partner vermittelt“, erzählt Maximilian Reimann-Gajdusek bei der „StartUp Lounge“. Unter den Kunden befänden sich auch einige bekannte Namen, die er aber aus Datenschutzgründen nicht nennen dürfe, scherzt der Gründer. Und es sollen noch viele dazu kommen. Nicht weniger als 20.000 Anfragen will Voltalux im kommenden Jahr generieren. Ein „sportliches Ziel“, wie der Gründer einräumt, ist das doch ein Fünftel des gesamten Markts.

Balmung

Balmung – so heißt nicht nur das legendäre Schwert Siegfrieds in der Nibelungen-Saga, sondern auch ein KI-Startup aus Oberwart. Was die beiden gemeinsam haben? Auch das Produkt des Startups soll als Super-Waffe fungieren, allerdings nicht zum Drachen-Töten, sondern um KMU in Sachen Verwaltung zu entlasten. „Alle Verwaltungsprozesse in einem Software-System“ – so lautet das Produktversprechen. Dazu zählen etwa Kassa, Warenwirtschaft und Aufgabenverteilung.

Armin Dax-Sinkovits von Balmung mit Referenzkunde Jacob Meringer | © Luca Meinke

„Mittlerweile haben wir zwei bis drei Neukunden-Anfragen pro Tag“, erzählt Gründer Armin Dax-Sinkovits bei der „StartUp Lounge“. In Sachen Sales habe auch StartUp Burgenland dem Unternehmen stark weitergeholfen. Kunde Jacob Meringer, Geschäftsführer des Grazer Camping-Experten Kledo gibt sich jedenfalls überzeugt: „Bei uns läuft alles über das System. Und wir nutzen bei weitem nicht alle Features, die es mittlerweile gibt.“

Mindset Technologies

„Wir verstehen, wie man in ein Hirnkastl reinschaut“, formuliert Christian Kusmitsch, Co-Founder und CEO von Mindset Technologies, salopp. Nachsatz: „Und zwar nicht im Labor, sondern im Feld.“ Mittels KI-gestützter Echtzeit-Videoanalyse von Augenbewegungen, Gesichtsfarbe und weiteren Parametern misst das Startup, das seinen Entwicklungsstandort in Großhöflein betreibt, die Leistungsfähigkeit von Menschen. „Es sind objektive Daten, wie bei einer Pulsuhr“, so Kusmitsch.

Christian Kusmitsch von Mindset Technologies | © Luca Meinke

Zum Einsatz kommt das System etwa im Training von Pilot:innen, aber auch im Sicherheits- und Verteidigungsbereich sowie im Motorsport. „Es geht nicht nur darum, das Training zu verbessern, sondern letztlich auch Mensch-Maschine-Schnittstellen zu optimieren“, führt der CEO aus. Aus dem Motorsport kommt auch der Referenzkunde, den er zur „StartUp Lounge“ mitbrachte. Martin Rennhofer setzt als Rennsport-Trainer auch auf das System von Mindset Technologies: „Als Christian [Anm. Kusmitsch] mir davon erzählt hat, war ich gleich an Bord. Und es hat sich für uns ausgezahlt.“

PAK Immo

Auf E-Learning hat sich PAK Immo rund um Edris Paknehad spezialisiert. Und zwar mit einem sehr spezifischen Fokus: der Baubranche. „Die meisten Leute im Baugeschäft sind den ganzen Tag auf der Baustelle und haben zeitlich keine Möglichkeit sich weiterzubilden. Denn Kurse für Baumeister, Ziviltechniker und Co. werden im Normalfall in Präsenz unter der Woche abgehalten. Das können sich viele nicht freischaufeln“, so der Gründer des Startups, das aktuell im Inkubator von StartUp Burgenland dabei ist.

Edris Paknehad von PAK Immo | © Luca Meinke

PAK Immo bietet daher Online-Vorbereitungskurse für diese Ausbildungen an – teilweise auch im Podcast-Format. „Ich habe oft stundenlange Autofahrten zu Baustellen. Mit diesem System konnte ich die aktiv fürs Lernen nutzen“, erzählt Referenzkunde Safet Gül, mittlerweile Baumeister. Er ist einer von vielen, die das System nutzen. „Wir hatten bislang schon mehr als 100 Teilnehmer – mit 98-prozentiger Erfolgsquote bei den Prüfungen“, so Gründer Paknehad.

Terra Green

Mehr als 100.000 Tonnen Torf werden jährlich nach Österreich importiert. Dabei ist der Torf-Abbau bekanntermaßen ein Umweltproblem. Die EU gab daher das Ziel aus, den Verbrauch des Rohstoffs bis 2030 um 50 Prozent zu reduzieren. Doch was nun? „Wir lösen das mit Bier“, sagt Markus Derler, Gründer des Startups Terra Green aus Markt Allhau mit einer Flasche Gösser in der Hand.

Markus Derler von Terra Green | © Luca Meinke

Die Biermarke ist nicht zufällig gewählt. Großer Kooperationsparter des Startups ist nämlich die Gösser-Mutter Brauunion. Sie liefert Terra Green ihren Biertreber, ein Abfallprodukt beim Brauen. Zusammen mit heimischen Rohstoffen wie Schilf oder Maisstroh wird dieser dann zum Torf-Ersatz – und zwar für den B2C- und den B2B-Bereich. Der potenzielle Impact ist groß: „Wir sparen künftig mehr als 2,5 Millionen LKW-Kilometer im Jahr und können den gesamten Torf-Import um ein Drittel reduzieren“, so Gründer Derler. Mit Gärtnermeister Martin Süss von Compaqpeat holte er dazu einen überzeugten Referenzkunden auf die Bühne.

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Toto Wolff
© Sulay Kelly for Mercedes-Benz Grand Prix Ltd. - Toto Wolff.

Dieser Text ist zuerst im brutkasten-Printmagazin von August 2026 „Aufbrechen“ erschienen. Eine Download-Möglichkeit des gesamten Magazins findet sich am Ende dieses Artikels.


brutkasten: Sie haben Mercedes durch eine lange Phase großer Erfolge geführt, dann kamen schwierige Jahre. Was war Ihr wichtigstes Learning darüber, wie Organisationen nach Rückschlägen wieder in die Spur finden?

Toto Wolff: Die Formel 1 ist eine Welt der ständigen Evolution, nichts steht je still. Zum Beispiel haben die Regeländerungen 2022 schonungslos Schwächen in unseren Entwicklungsfähigkeiten und unserem Verständnis offenbart. Wir haben diese Ära klar hinter unseren Wettbewerbern gestartet und es über vier Saisonen hinweg nicht wirklich geschafft, diese Defizite auszubügeln.

Der eine oder andere Rennsieg waren die Highlights, wir haben es geschafft, zweimal in vier Jahren den zweiten Platz in der Konstrukteursmeisterschaft zu erringen; aber wir haben nie um den Titel gekämpft. Wir haben im Hintergrund größere Änderungen in unserer technischen Ausstattung, beim Personal und den Strukturen vorgenommen, um das Team stärker und wettbewerbsfähiger zu machen. Wir haben auch die Führungskultur adaptiert, weil wir das Team motivieren mussten, das begann, sich nach so vielen Jahren des Erfolgs selbst infrage zu stellen. Es war jedenfalls eine wichtige und wertvolle Phase für uns.

Sie sprechen in diesem Sinne wiederholt von einer „No Blame Culture“. Wie baut man eine Kultur auf, in der Fehler nicht versteckt oder angeprangert, sondern als Lernchance genutzt werden?

Es geht hier fast ausschließlich um psychologische Sicherheit. Niemand wird bei der Fehlersuche die Hand heben, wenn er Angst hat, gefeuert zu werden. Wir müssen aber zu unseren Fehlern stehen können. Und das fängt bei den Führungskräften an. Nur so können auch andere zu ihren Fehlern stehen. Eine „No Blame Culture“ funktioniert jedoch nur im Zusammenspiel mit einem hohen Verantwortungsbewusstsein. Man braucht Teammitglieder, die Verantwortung übernehmen, auch wenn es um Fehler geht.

In der Formel 1 hat jeder Fahrer eigene Ingenieure und Mechaniker. Wie verhindert man, dass interne Konkurrenz gegen die gemeinsame Strategie arbeitet?

Das ganze Team hat das gleiche Ziel: Die Meisterschaft für Mercedes zu gewinnen. Nicht mit dem einen oder anderen Fahrer, sondern für die Marke und das Team. Alle Mitarbeiter sind gleich incentiviert: Ausschlaggebend ist der Gewinn der Konstrukteursmeisterschaft, nicht der Fahrerwertung. Das ist die Grundlage unserer Entscheidungsfindung. Auch die Ingenieure und Mechaniker, die einem der Fahrer zugeteilt sind, arbeiten zuallererst für das Team. Beide Seiten der Garage machen jeden Boxenstopp gemeinsam. Alle technischen Daten werden zwischen den Ingenieuren der Fahrer geteilt, damit wir so wettbewerbsfähig wie möglich sein können. Das Motto ist klar: Das beste Team gewinnt, der beste Fahrer gewinnt; und zwar in dieser Reihenfolge.

Viele Gründerinnen und Gründer kämpfen damit, schnell zu wachsen und dabei die Kultur zu bewahren. Lassen sich Prinzipien aus der Formel 1 auf Startups und Scaleups übertragen?

Wir haben seit dem Cost Cap 2021 starkes Wachstum in der Formel 1 gesehen. Wir mussten uns überlegen, ob wir die Geschäftsfelder erweitern wollen, wie wir es etwa mit unserem Engagement im America’s Cup beim Segeln gemacht haben. Der Headcount ist gewachsen, vor allem in den Support-Bereichen außerhalb der technischen und operationellen Hauptbereiche. Aber dann haben wir uns wieder auf unser Kerngeschäft fokussiert, mit einem klaren Ziel: die Formel-1-Weltmeisterschaft zu gewinnen. Und bei jedem neuen Projekt stellen wir uns die Frage: Bringt uns das Projekt diesem Ziel näher, hilft es uns, Rennen und Meisterschaften zu gewinnen?

Wenn die Antwort Ja ist, dann investieren wir in das Projekt; wenn nicht, dann nicht. Ich denke, es geht vor allem darum, das Hauptziel nicht aus den Augen zu verlieren, da mit dem Unternehmenswachstum viele Elemente komplexer werden. Wenn man in einem so kompetitiven Umfeld wie der Formel 1 tätig ist, dann ist das Hauptziel relativ klar. Aber jedes Startup muss sich ein Ziel geben können und dann genau wie wir darauf fokussieren.

Wie treffen Sie strategische Entscheidungen, wenn nicht alle Informationen vorliegen? Gibt es ein Erfolgsgehmeinis?

Mein Freund und Geschäftspartner Niki Lauda hat immer auf die rasche Entscheidungsfindung gepocht – es ist besser, eine mangelhafte Entscheidung jetzt zu treffen, als darauf zu warten, alle Informationen zusammengetragen zu haben, wenn es dann zu spät ist. Man kann Entwicklungen immer noch korrigieren, wenn eine Entscheidung nicht ganz richtig war. Persönlich versuche ich die Upside und Downside bei den großen Entscheidungen zu erkennen: Wenn ich mit der Downside, dem Worst Case, leben kann, dann gibt es keinen Grund, vor der Entscheidung zurückzuschrecken.

Welche Leadership-Lektion hätten Sie gerne früher gelernt?

Meine wichtigste Erfahrung ist wohl, in Konfliktsituationen neugierig zu bleiben, zu versuchen, die Perspektive der anderen Seite zu verstehen, und auch manchmal zu akzeptieren, dass man nicht einer Meinung ist oder unterschiedliche Interessen hat; ein „agree to disagree“ als Ergebnis zu akzeptieren. Bei Leadership geht es ja vor allem darum, andere Menschen zu verstehen, sich auf eine gemeinsame Linie zu einigen, sie mit etwas zu incentivieren, das für sie auch wirklich relevant ist. Nur wer motiviert ist und sich wohlfühlt, kann 100 Prozent geben. Ziele klar formulieren, Mitarbeitern Verantwortung übertragen, ihnen dabei helfen, Herausforderungen zu meistern, und Ergebnisse offen analysieren – das ist meine Arbeitsweise.

Gibt es Ihrer Ansicht nach die eine Eigenschaft, die erfolgreiche Unternehmerinnen und Unternehmer brauchen? Und welche Fähigkeiten werden durch den zunehmenden Einsatz von KI wichtiger?

Das eigene Geschäft verstehen und die Leute kennen und verstehen, mit denen man arbeitet. Ein großes Ziel verfolgen und das Auge fürs Detail, das Gleichgewicht in allen relevanten Bereichen nicht verlieren. KI wird viel in unserer Welt verändern. Aber sie wird hoffentlich vor allem ein Instrument sein, das den Menschen dabei helfen wird, bessere Entscheidungen zu treffen. Die fähigsten Leute werden das Beste aus AI herausholen, die Stärken nutzen und sich von den Gefahren und Schwächen nicht beeinträchtigen lassen. Wir stehen sicher am Anfang einer rasanten Entwicklung, deren Ergebnis kaum vorhersehbar ist.

Und im Rennsport selbst: Kann KI helfen, die Ideallinie, die optimalen Bremspunkte oder das perfekte Setup zu entschlüsseln?

Wo die richtigen Bremspunkte sind, sollten wir eigentlich schon wissen; auch, dass, wenn es regnet, ein Reifen ohne Profil nicht so toll funktioniert. Aber im Ernst: Wir müssen AI zur Entscheidungsfindung einsetzen, wo hochkomplexe Datenmodelle es verlangen. Aber AI wird in keinem Bereich eigenständig entscheiden. Sie wird immer eine Unterstützung für unsere Ingenieure bleiben; zumindest in absehbarer Zeit.

Welche Innovationen aus dem Motorsport könnten in den kommenden Jahren für andere Industrien relevant werden?

Es gibt in der Geschichte viele Beispiele für Technologietransfer, und das geht auch heute weiter. Wir als Industrie lernen gerade viel über Batteriesysteme, über Steuerungselektronik und elektrische Motoren, aber auch über nachhaltige Treibstoffe und innovative Composite-Materialien; alles wichtige Entwicklungsbereiche für die Automobil- und Transportindustrie.

Es gibt aber auch ganz andere Bereiche, die mit dem Fahrzeug an sich nichts zu tun haben. So haben wir etwa vor ein paar Jahren Pionierarbeit beim Einsatz von 5G-Technologie an der Rennstrecke geleistet. Die Formel 1 ist in ihrer Grundcharakteristik interessant für Entwicklungen unterschiedlicher Technologien, weil sie ein sehr kompetitives Umfeld mit einer enorm hohen Entwicklungsgeschwindigkeit bietet. Das ist für Innovation und Entwicklung wertvoll.

Sie sind ja an mehreren Unternehmen beteiligt. Was sind Ihre Kriterien dabei?

Nuki und Instahelp sind ja nicht mehr Startups im eigentlichen Sinn, beide sind profitabel. Nuki macht über 50 Millionen Euro Umsatz und ist Marktführer in Europa; Instahelp hat seit zwei Jahren einen zweistelligen Millionenumsatz und verdient Geld. Unsere Kriterien waren damals, als wir die beiden Firmen mit unseren Partnern in der Up to Eleven, den Brüdern Martin und Jürgen Pansy und René Berger, gegründet haben, dass wir unsere bestehende Kompetenz bei mobiler Kommunikation, die wir mit sms.at und ucp über Jahre aufgebaut hatten, für innovative Geschäftsmodelle einsetzen wollen.

Dass wir direkt in Startups investiert haben, die wir nicht selbst gegründet haben, ist ja schon lang her; das war zu Zeiten von Marchfifteen beziehungsweise ganz vereinzelt vor über 15 Jahren. Das wichtigste Kriterium war jedenfalls immer, dass die Gründer gute Leute waren, denen man vertrauen kann. Einer davon war übrigens Oliver Holle. Auch heute vertrauen wir ihm, und zwar indem wir bei Speedinvest und damit auch weiterhin indirekt in Startups investieren.

Abschließend: Wie sieht bei Ihnen eigentlich ein Sonntag aus, an dem kein Rennen stattfindet?

Meistens bin ich in Italien, an einer Kartstrecke. Da sind Susie und ich dann die größten Fans unseres jungen Sohns. Der Apfel ist nicht weit vom Stamm gefallen.


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