27.07.2018

OÖ-Startup ArrowCopter zum zweiten Mal in Insolvenz

Bereits 2015 musste das Gyro Copter-Startup ArrowCopter mit Sitz in Pabneukirchen (Oberösterreich) Insolvenz anmelden - trotz eines katarischen Scheichs als Investor. Damals gelang die Sanierung. Nun eröffnete das Landesgericht Linz ein weiteres Konkursverfahren.
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ArrowCopter / FD-Composites GmbH: der Gyro-Copter aus Oberösterreich - Insolvenz
(c) ArrowCopter / FD-Composites GmbH: der Gyro-Copter aus Oberösterreich

Es war ein ambitioniertes Projekt, mit dem der Flugzeugtechniker Dietmar Fuchs bereits 2009, damals in Niederösterreich, startete. Mit Gyro-Coptern, also Helikoptern, die wie Flugzeuge starten und landen, wollte er den Weltmarkt erobern. Und das Projekt lief gut. Der katarische Scheich Al Thani Mansoor Khalifa beteiligte sich über die Schweizer Gyrocraft Holding AG an der FD-Composites GmbH, die hinter der Marke ArrowCopter steht. 2015 hatte man bereits 30 Fluggeräte gebaut.

+++ Startup-Insolvenzen: Die Szene wächst aus den Kinderschuhen +++

Erste Insolvenz 2015: 81 Gläubigern und 2.857.537 Euro

Dann folgte ein herber Rückschlag. Das Unternehmen geriet, nach Angaben der Gesellschafter, wegen fehlenden Geldes für die aufwendige Erstellung von Prüfberichten der Prototypen, in Zahlungsunfähigkeit. Nach Angaben des Alpenländischen Kreditorenverbands AKV stand es letztlich bei 81 Gläubigern mit insgesamt 2.857.537 Euro in der Kreide. Weitere zugesagte zinsfreie Kredite durch den katarischen Scheich waren nicht gekommen, hieß es damals beim Unternehmen. Es folgten eine Personalrochade durch den katarischen Großinvestor. Gründer Fuchs wurde als Geschäftsführer durch Mohammed Mahfoudh Balfaqih, einen Vertrauensamann des Scheichs ersetzt.

Sanierung gelang

Dann gelang die Wende. Ein vorgelegter Sanierungsplan wurde damals angenommen. Wohl mit zusätzlichem Geld aus Katar (über die Schweiz), wurde das Unternehmen weitergeführt. Anfang 2017 war in einem Medienbericht von rund 40 Gyro-Coptern die Rede, die das Unternehmen bis dahin produziert hatte – bei einem Verkaufspreis von rund 150.000 Euro.

Neues Konkursverfahren bei ArrowCopter

Mit dem neuerlichen Aufschwung dürfte es aber wieder vorbei sein. Wie die Plattform Startablish bekanntgab, verlautbarte der AKV heute die Eröffnung eines Konkurs-Verfahrens durch das zuständige Landesgericht Linz. Details dazu sind noch nicht bekannt. Die ArrowCopter-Homepage ist jedenfalls offline. Auf der Facebook-Page gab es noch im Juli Postings. Vom Startup gab es auf eine Message des Brutkasten bislang keine Rückmeldung.

⇒ Zur Facebook-Page des Startups

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Vlnr: Mag. Markus Manz (CEO SCCH Innovations GmbH) und die Gründer*innen von LUML, Nikita Gonchar, Oleh Kostromin und Iryna Kondrashchenko | (c) SCCH

Das Software Competence Center Hagenberg forscht als COMET-Zentrum seit Jahren für Industriepartner wie Siemens, Bosch oder Fronius. Mit der SCCH Innovations GmbH will das oberösterreichische Forschungszentrum seine Ergebnisse zusätzlich auch selbst in Unternehmen überführen, statt sie ausschließlich an Auftraggeber weiterzugeben. „Es war mir immer ein besonderes Anliegen, dass die Ergebnisse unserer Forschung nicht mit dem Abschluss eines Forschungsprojekts enden, sondern ihren Weg in die wirtschaftliche Anwendung finden“, sagt Markus Manz, CEO der SCCH Innovations GmbH.

Rund 30 Unternehmen als Ziel

Im Gespräch mit brutkasten formuliert Manz ein ambitioniertes Zielbild: Rund 30 Beteiligungen sollen bis 2030 und darüber hinaus realisiert bzw. aufgebaut  werden. Die Vision beschreibt er als Unendlichsymbol (∞), welches das Forschungs- und das Gründerökosystem iterativ verbindet. Tiefe Technologien aus der angewandten Forschung sollen in Unternehmensgründungen überführt werden, die Rückflüsse daraus wiederum die Forschung speisen. Es gehe dabei nicht darum, eine App zu entwickeln, betont Manz, sondern darum, tiefe Technologien aus der eigenen Forschung mit Industriepartnern und Universitäten in Unternehmensgründungen zu bringen. Ein vergleichbares Modell, bei dem ein angewandtes Forschungszentrum eine eigene Beteiligungsgesellschaft betreibt, kenne er aus seiner Recherche nicht.

Die Gesellschaft soll zu Beginn mit rund 500.000 Euro kapitalisiert werden. Große Einzelinvestments sind damit nicht geplant: Die Ticketgröße für Erstinvestments liegt laut Manz bei maximal 100.000 Euro. Das Startkapital soll Gründer:innen helfen, die erste Phase zu überbrücken, Förderungen einzureichen und das Produkt weiterzuentwickeln. Noch heuer sind drei weitere Beteiligungen geplant, zwei davon im Deep-Tech-Bereich und eine im Dienstleistungsbereich, um schneller rekapitalisieren zu können.

Die Wege in den Markt

Die SCCH Innovations GmbH verfolgt mehrere Beteiligungsmodelle. Bei klassischen Spinoffs aus Forschungsprojekten setzt das Forschungszentrum bewusst auf externe, erfahrene Gründer:innen statt auf die eigenen Forscher:innen. Diese erhalten die Mehrheit der Anteile, während sich das SCCH einen bis zu einem vereinbarten Unternehmenswert nicht verwässerbaren Minderheitsanteil sichert. Dazu kommen Joint Ventures mit Unternehmenspartnern, etwa die gemeinsam mit TÜV AUSTRIA gegründete TRUSTIFAI, der österreichische Prüf- und Zertifizierungshub für KI-Systeme, sowie strategische Beteiligungen ohne Kapitalfluss.

Das vierte Modell heißt Research for Equity: Das SCCH bringt Forschungs- und Entwicklungsleistungen in ein Startup ein und erhält dafür, ganz oder teilweise anstelle einer klassischen Vergütung, Unternehmensanteile. „Mit diesen unterschiedlichen Modellen schafft die SCCH Innovations GmbH neue Möglichkeiten für den Transfer von Forschungsergebnissen in die Wirtschaft“, so Manz.

Erste Beteiligungen

Wie das in der Praxis aussieht, zeigt die erste Beteiligung der neuen Gesellschaft. Oleh Kostromin, Data Scientist am SCCH, hat gemeinsam mit Iryna Kondrashchenko und Nikita Gonchar die LUML FlexCo gegründet. Die entwickelte Plattform soll Data Scientists helfen, Machine-Learning-Modelle schneller in die Praxis zu bringen, und ist von Anfang an darauf ausgelegt, dass Menschen und KI-Agenten gemeinsam an ML-Projekten arbeiten. „LUML läuft auf der Infrastruktur des jeweiligen Unternehmens. Die Daten und Modelle verlassen die Unternehmensumgebung nicht“, sagt Kostromin.

An LUML hält die SCCH Innovations GmbH auf brutkasten-Nachfrage fünf Prozent, als reine strategische Beteiligung ohne Kapitalfluss. Laut Manz bringt das SCCH dafür vor allem Zugang zu seinem Industrienetzwerk, eine gemeinsame Vermarktungskampagne und Mitarbeiterstunden ein und setzt die Plattform in eigenen Forschungsprojekten ein. Zusätzliches Kapital habe das Startup nicht benötigt, weil das Produkt bereits fertig entwickelt war. Der bewusst niedrige Anteil soll LUML für spätere Investoren attraktiv halten. Das Wachstum soll vorerst gebootstrapped erfolgen, je nach Entwicklung sind laut SCCH aber auch eigene Finanzierungsrunden denkbar.

Das SCCH gehört als Mitglied des UAR Innovation Network zu den Beteiligungsgesellschaften der Upper Austrian Research GmbH und beschäftigt derzeit rund 130 Mitarbeiter:innen. Bereits im Jänner hatte sich das Forschungszentrum am KI-Spin-off Responsible Annotation Services beteiligt (brutkasten berichtete) und hält weitere Beteiligungen, die zukünftig auf die SCCH Innovations GmbH übertragen werden sollen.

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