19.07.2018

Speedinvest i: 50 Mio. Euro Kapital für Industrial Tech Startups

Der Wiener VC Speedinvest startet gemeinsam mit rund 20 Industrie-Unternehmen "Speedinvest i". In einem ersten Closing wurde ein Fonds mit rund 25 Mio. Euro Kapital für Industrial Tech Startups aufgestellt. Die Investments werden durch den Fonds Speedinvest II verdoppelt.
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Das Speedinvest i-Team rund um Heinrich Gröller (l.) und Marie-Helène Ametsreiter (r.) - 50 Millionen Euro für Industrial Tech Startups
(c) Speedinvest: Das Speedinvest i-Team rund um Heinrich Gröller (l.) und Marie-Helène Ametsreiter (r.)

Das Vorarlberger Seilbahnunternehmen Doppelmayr, der Tiroler Werkstoff-Spezialist Plansee und der an der Frankfurter Börse notierte Baugerätekonzern Wacker Neuson Group sind drei von rund 20 Industrie-Unternehmen, die sich an einem neuen Branchen-spezifischen Fokus-Fonds des Wiener VC Speedinvest beteiligen. Das erste Closing von Speedinvest Industry (Speedinvest i) wurde mit rund 25 Millionen Euro abgeschlossen. Jedes getätigte Investment werde durch den Fonds Speedinvest II verdoppelt, wodurch insgesamt 50 Millionen Euro Kapital zur Verfügung stünden, heißt es vom VC.

+++ Speedinvest: Zwei ungebremste Fonds +++

„Wollen existierende Investoren nicht benachteiligen“

„Wir wollen einerseits die existierenden Investoren bei Speedinvest II nicht benachteiligen“, erklärt dazu Marie-Hélène Ametsreiter, Co-Leiterin von Speedinvest i, im Gespräch mit dem Brutkasten. Andererseits ginge es bei der Einbeziehung des bestehenden Fonds um den Plattform-Gedanken. „Wir nutzen die Ressourcen über die Fonds hinweg. Viele Industrie-relevante Startups sind etwa aus dem DeepTech bzw. AI-Bereich und damit auch für andere Branchen relevant“, sagt die Speedinvest-Partnerin.

Speedinvest i: „Brücke ins Silicon Valley“

Speedinvest i soll auf Bereiche wie Big Data & Analytics, intelligente Produktionssysteme und neue Geschäftsmodelle für die Industrie fokussieren. Die beteiligten Industrie-Unternehmen werden dabei aktiv in die Suche und Auswahl der Startups eingebunden, heißt es in einer Aussendung. Man biete mit diesem „ersten paneuropäischen Venture Fonds für Industrial Tech Startups“ Gründern nicht nur Zugang zur europäischen Industrie, sondern auch eine Brücke ins Silicon Valley. Man richte sich an Gründer aus ganz Europa „von Großbritannien bis Russland“, habe aufgrund der starken industriellen Basis aber einen besonderen Fokus auf den DACH-Raum.

Vernetzung im DACH-Raum, paneuropäische Investments

Dabei stehe man natürlich europaweit für InvestorInnen offen, erklärt Ametsreiter. Man bewege sich aber in einem stark netzwerkgetriebenen Geschäft und sei im DACH-Raum einfach sehr gut verankert. „Und wir haben im deutschsprachigen Raum einfach extrem starke Industrie-Zentren und viele Hidden Champions und Weltmarktführer. Allein die Konzentration um den Bodensee-Raum ist unglaublich“, sagt die Speedinvest-Partnerin. Investieren würde man aber jedenfalls paneuropäisch – das hätte man bereits bislang deutlich gezeigt.

„Mehr gibt der Markt aus unserer Sicht nicht her. Und zwar nicht von Investorenseite – da gibt es großes Interesse, sondern von Startup-Seite“

Tickets zwischen 100.000 und 2.000.000 Euro

Speedinvest i soll ausschließlich in Early-Stage Startups im Industriebereich (Pre-Seed, Seed und frühe Series A) investieren, wobei die Tickets zwischen 100.000 Euro und bis zu 2.000.000 Euro liegen können. Das zweite und finale Closing des Fonds soll Anfang 2019 erfolgen. Es bestünde also weiterhin die Möglichkeit, in den Fonds zu investieren. Gesamt strebe man eine Größenordnung von maximal 35 bis 40 Millionen Euro an, sagt Ametsreiter. „Mehr gibt der Markt aus unserer Sicht nicht her. Und zwar nicht von Investorenseite – da gibt es großes Interesse, sondern von Startup-Seite“. Für den Fall, dass sich die Verdopplung durch Speedinvest II nicht mehr ausginge, macht Ametsreiter eine Ansage: Natürlich sei auch Speedinvest III geplant.

Heinrich Gröller als zweiter Leiter

Gemeinsam mit Ametsreiter, die seit 2014 Partnerin bei Speedinvest ist und das Büro in München leitet, führt Heinrich Gröller das Speedinvest i-Team. Der geschäftsführende Gesellschafter der Allholding Beteiligungsverwaltungs GmbH wird im Zuge dessen neuer Partner bei Speedinvest.

„Kann nicht in allen Bereichen als Experte auf Augenhöhe auftreten“

Speedinvest i ist der dritte Fokus-Fonds, der vom Wiener VC in den vergangenen Monaten präsentiert wurde. Den Start hatte der auf Marktplatz-Startups spezialisierte Fonds Speedinvest x gemacht. Beim Pioneers Festival war das Programm Speedinvest f für den FinTech-Bereich präsentiert worden. Die Branchen-Fonds bewegen sich dabei vom Volumen her alle in der gleichen Größenordnung. Bei der Etablierung der Fokus-Fonds ginge es um eine notwendige Spezialisierung, sagt Ametsreiter. „Einerseits sind potenzielle Investoren an uns herangetreten, die nur in Startups investieren wollen, die für sie relevant sind. Andererseits kann ein einzelnes Team auch nicht in allen Bereichen von Marktplatz bis Industrie als Experte auf Augenhöhe auftreten“.

Weitere Fokus-Fonds seien momentan nicht in Arbeit, verrät die Speedinvest-Partnerin. „Wir sind in letzter Zeit wahnsinnig schnell gewachsen und konzentrieren uns jetzt darauf, die Prozesse und Strukturen in den Regelbetrieb zu überführen“. Weitere Spezialfonds stünden aber dennoch im Raum. „Das ist ganz einfach vom Markt abhängig“, sagt Ametsreiter.

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Das Flatwise-Gründertrio (v.l.) Marc Lindorfer, Edwin Schneider und Johannes Reichl © Flatwise

Wenn es nach Johannes Reichl, Edwin Schneider und Marc Lindorfer geht, ist Immobilienverwaltung bis heute vor allem eines: kleinteilig, zeitintensiv und von manuellen Abläufen geprägt. Genau hier wollen die drei Linzer mit ihrem Startup Flatwise ansetzen. Das Gründerteam entwickelt eine Software, die zentrale Aufgaben von Vermieter:innen, von Mietanpassungen über Betriebskostenabrechnungen bis zur Vorbereitung von Steuerunterlagen, mithilfe von KI-Agenten automatisieren soll. Bereits vor dem offiziellen Marktstart setzen laut Angaben des Startups Vermieter:innen mit insgesamt mehr als 3.000 Wohnungen auf die Plattform.

Von der Pilot- zur Marktphase

Das Team, das erst im August 2026 eine GmbH gegründet hat, hat sein Produkt in den vergangenen Monaten eng mit den ersten 100 Pilotnutzer:innen weiterentwickelt, mit Feedback, Interviews und echten Kund:innendaten, wie Mitgründer Johannes Reichl im Interview erklärt. Der Ansatz unterscheide sich damit von klassischen Proptech-Lösungen, die bestehende Prozesse lediglich digitalisieren: „Wir wollen Immobilienverwaltung nicht nur digitalisieren, sondern grundlegend neu denken. Immobilien sollen sich künftig weitgehend von selbst verwalten können. Vermieter:innen können durch die Software von Flatwise professionell vermieten, ohne dabei selbst Fachexpert:innen sein zu müssen“, so Reichl.

KI-Agenten im Einsatz

Konkret möchte Flatwise KI dort einsetzen, wo Verwaltungsprozesse sinnvoll automatisiert oder unterstützt werden können. Dazu zählen für das Team unter anderem die Vorbereitung und Berechnung von Mietanpassungen, die Unterstützung bei Betriebskostenabrechnungen sowie die strukturierte Aufbereitung von Finanz- und Steuerinformationen. Der KI-Agent verbindet dabei unterschiedliche Daten und Prozessschritte innerhalb der Software, bereitet relevante Informationen auf und unterstützt Vermieter:innen bei der weiteren Bearbeitung.

Der Weg zum Ökosystem

Im Schnitt verwaltet ein:e Flatwise-Nutzer:in laut Unternehmen aktuell rund zehn Wohnungen. Für Reichl zeigt sich dabei ein klares Bild der Branche: „Der Markt ist extrem fragmentiert, es gibt viele Anbieter, die eigentlich zusammenhängen müssten, aber kaum vernetzt sind.“

Dieses Nebeneinander will Flatwise auflösen und sich schrittweise zu einem Ökosystem entwickeln, das Vermieter:innen, Mieter:innen und Dienstleister:innen auf einer Plattform zusammenbringt. „Wir glauben daran, dass gute Vermieter:innen das Wohnen für alle besser machen. Flatwise soll es einfacher machen, gut zu vermieten“, heißt es dazu vom Gründungsteam.

Enterprise-Lösung in Arbeit

Flatwise richtet sich an Vermieter:innen mit Beständen zwischen einer und hundert Immobilien. Mittlerweile hätten sich aber auch Hausverwaltungen und Bestandshalter:innen mit deutlich größeren Portfolios gemeldet. Deshalb entwickelt Flatwise momentan ein Enterprise-Modell, das künftig gezielt auf die Anforderungen größerer Bestandshalter:innen und Hausverwaltungen eingehen soll, wie der Mitgründer im Interview erklärt.

Wachstum vorerst ohne Angels oder VCs

Trotz bestehender Investmentangebote will das Team bei der Finanzierung vorerst auf Förderungen und den eigenen Cashflow setzen. Rund 20 Angebote von Angels und Venture-Capital-Geber:innen sind laut Reichl bereits eingegangen. Aufgegriffen werden sollen sie frühestens, wenn erste Umsätze stehen. Für eine geplante Wachstumsphase ist jedoch in der ersten Jahreshälfte 2027 eine Finanzierungsrunde angedacht. Unterstützung erhält das Gründerteam zudem im Inkubatorprogramm von tech2b durch ein Advisory Board aus Immobilienexpert:innen und erfahrenen Unternehmer:innen.

Wissen als Türöffner

Um neue Kund:innen zu erreichen, setzt Flatwise zusätzlich auf einen eigenen Immobilienratgeber mit aktuell rund 160 Artikeln, der komplexe Themen rund um Immobilien und Wohnen laienverständlich aufbereitet. Bereits mehrere tausend Personen sollen die Inhalte monatlich lesen. Für Reichl ist das ein wichtiger Kanal, um Vertrauen aufzubauen und so langfristig neue Nutzer:innen für die Plattform zu gewinnen.

Im kommenden Jahr will Flatwise nach eigenen Angaben marktführend in Österreich werden. Mittelfristig ist auch eine internationale Expansion, etwa nach Deutschland, angedacht. Ein konkreter Zeitpunkt steht laut Reichl aber noch nicht fest.

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