21.07.2025
INSOLVENZ

SpawnX: Grazer Pilz-Startup nach Investorenkonflikt insolvent

SpawnX baut und verkauft automatische Pilz-Stadtfarmen. Der CEO und Founder, Vladimir Kaverin, startete in Russland, musste aber mit seinem kleinen Team das Land wegen des Krieges verlassen. Und fand 2023 in Graz einen Neuanfang. Nun musste das Pilz-Startup Insolvenz anmelden.
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(c) SpawnX/Screenshot - Vladimir Kaverin entwickelte eine automatisierte Pilz-Farm.

Es war eine wilde Geschichte und unermüdlicher Einsatz, den Vladimir Kaverin zur Umsetzung seiner Idee zeigte. SpawnX baut und verkauft automatische Pilz-Stadtfarmen. Der Gründer selbst wollte seinen unsicheren Trading-Job verlassen und las sich in die Pilzforschung ein. Und lernte unter anderem Dinge, wie, dass abweichende Luftfeuchtigkeit von fünf Prozent ein Viertel der Ernte zerstören kann.

SpawnX-Gründer mit 3-Stunden-Schlaf-Intervallen

Er startete 2019 mit seiner Frau in der Nähe Moskaus seine Idee und erschuf einen Prototyp seiner Pilz-Farm. Kaverin schlief u.a. in der Nähe im Auto, wachte alle drei Stunden auf, weil die Pilze so schnell wachsen und geerntet gehörten, bevor sie „overgrown“. Als der Krieg begann, sah sich SpawnX mit unlösbaren Schwierigkeiten konfrontiert: Verträge wurden aufgelöst, es war kein Geld mehr da, die Investoren flohen. So verließ er das Land und wurde beim Science Park Graz-Inkubator fündig, um neu zu starten.

Nach vielen weiteren Hürden bei der Ausreise – brutkasten berichtete – kam er im Dezember 2022 in die steirische Landeshauptstadt und die Relocation von SpawnX hatte ihren Anfang genommen. Es ging gut los: Es gab 18 ’soft commitments“ von Kapitalgebern und Partnern, die gemeint haben ’show me the farms‘.“

Nun aber vermelden der KSV als auch der AKV die Insolvenz des Pilz-Startups: Die SpawnX GmbH kann ihren laufenden Zahlungsverpflichtungen nicht mehr nachkommen. Vom zuständigen Landesgericht für Zivilrechtssachen Graz wurde ein Konkursverfahren (über Eigenantrag) eröffnet, liest man dort ohne weitere Informationen. Mittlerweile wurde die Gesellschaft infolge Eröffnung des Konkursverfahrens aufgelöst, wie auf wirtschaft.at zu lesen ist.

Geheimhaltungspflicht und Statement eines Investors

Auf Nachfrage sagte Kaverin, dass er aus rechtlichen Gründen nicht viel sagen könne. Ein neuer Investor sei jedoch von Altgesellschaftern verhindert worden, womit kein frisches Kapital zur Finalisierung der Referenzfarm mehr zur Verfügung stehe.

Der Gründer betonte außerdem, dass er – gemäß seiner Natur Hürden zu überwinden – einen Neustart anstrebt. Auf organisatorischer Ebene ergebe sich die Notwendigkeit, die rechtliche Struktur anzupassen. Die Fortführung des Vorhabens sei nur durch die Neugründung einer GmbH möglich. Das schlichte Fazit des Founders: „Wir arbeiten weiter.“

Von der Alwera AG, die mit 24,9 Prozent Beteiligung die meisten Anteile an SpawnX hielt, heißt es zu dieser Causa: „Der letzte einstimmige Gesellschafterbeschluss über die Rahmenbedingungen zu einem Investment von einem Neugesellschafter konnte von der Geschäftsführung nicht umgesetzt werden. Jedenfalls sind wir als Alwera AG um die sinnvolle weitere Nutzung der bisher getätigten Investitionen bemüht und werden auch ein entsprechendes Fortführungskonzept anstreben.“


Weitere Anfragen an Altgesellschafter werden bei etwaiger Beantwortung hier nachgereicht.

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REEDuce-Gründerin Birgit van Duyvenbode (Mitte) bei der Eröffnung der neuen Schilf-Lärmschutzwand | (c) Strabag

An der A1 Westautobahn bei Völlerndorf nahe St. Pölten geht eine neue Lärmschutzanlage in Betrieb. Statt auf herkömmliche Materialien wie Beton oder Aluminium setzt diese auf Schilf, Thermoholz und Lehm. Dahinter steckt das Wiener Startup REEDuce rund um Gründerin und CEO Birgit van Duyvenbode. Gemeinsam mit der Asfinag und dem Baukonzern Strabag wurde die Technologie nun auf einem rund einen Kilometer langen Autobahnabschnitt umgesetzt.

REEDuce-Geschäftsführerin Birgit van Duyvenbode, Infrastrukturminister Peter Hanke und ASFINAG-Vorstand Hartwig Hufnagl bei der Präsentation der neuen Schilf-Lärmschutzwand an der A1.

4.000 Schilfbündel für einen Kilometer Lärmschutz

Die Anlage entstand im Zuge der Sanierung der A1 zwischen St. Pölten und Völlerndorf. Auf einer Fläche von rund 2.690 Quadratmetern wurden Lärmschutzelemente mit einem Rahmen aus thermisch behandeltem Holz, einer Lehmfüllung und beidseitiger Schilfabdeckung verbaut.

Das verwendete Schilf stammt aus dem Raum Neusiedler See. Für den rund einen Kilometer langen Abschnitt wurden insgesamt 4.000 Schilfbündel benötigt. Das entspricht etwa 1,5 Prozent der gesamten österreichischen Schilfernte. Die Nutzung des Rohstoffs soll gleichzeitig zur Pflege des Ökosystems am Neusiedler See beitragen.

Anders als konventionelle Lärmschutzwände soll die Konstruktion nach Angaben von REEDuce vollständig kreislauffähig sein. Zugleich soll sie dieselben technischen Anforderungen hinsichtlich Lärmschutz und Haltbarkeit erfüllen, wie herkömmliche Systeme.

„Mit dem ersten Autobahn-Kilometer unserer Lärmschutzwand aus Schilf, Thermoholz und Lehm erreichen wir einen wichtigen Meilenstein“, sagt Gründerin van Duyvenbode. Die Technologie zeige, dass Lärmschutz und Umweltschutz gemeinsam funktionieren können.

Von der Idee des Vaters zum Startup

Der Ursprung der Idee reicht bis ins Jahr 2008 zurück. Damals entwickelte das Sägewerk von van Duyvenbodes Vater im Rahmen eines EU-Forschungsprojekts eine ökologische Lärmschutzwand, die an der A22 bei Langenzersdorf errichtet wurde. Die Gründerin griff die Idee später auf und entwickelte die Technologie unter dem Namen REEDuce weiter.

Bereits Anfang 2022 berichtete brutkasten über das Startup. 2023 wurde REEDuce bei der #glaubandich Challenge zum „Startup des Jahres“ gekürt. Im selben Jahr folgte ein erstes Pilotprojekt mit der Asfinag: An der S33 bei Herzogenburg wurde eine 16 Meter lange Testwand errichtet, um die Technologie unter realen Bedingungen zu erproben.

Mit der neuen Anlage an der A1 kommt die weiterentwickelte Technologie nun in deutlich größerem Umfang zum Einsatz. Für die Asfinag ist das Projekt zugleich eine Möglichkeit, weitere Erfahrungen mit der Bauweise aus regionalen Naturmaterialien zu sammeln.

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