12.03.2021

Wiener Soravia investiert in Berliner Startup

Insgesamt 20 Millionen Euro holt sich Cosi von Investoren, um noch mehr Immobilienprojekte für die Kurzzeitvermietung fit zu machen.
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Erwin Soravia © Reinhard Lang
Erwin Soravia © Reinhard Lang

Der bekannte österreichische Immobilienentwickler Soravia investiert in das Berliner Startup Cosi. Das Jungunternehmen, das sich auf Buchungen von Zimmern und Appartements spezialisiert hat, hat bei der Runde insgesamt 20 Millionen Euro eingesammelt. Neben Soravia sind VCs wie Cherry Ventures und e.ventures, sowie Business Angels aus dem Immobilien- und Technologie-Bereich eingestiegen. Mit dem frischen Kapital will das Startup international expandieren.

Neue Assetklasse „Commercial Living“

Das Startup hat eine Automatisierungs-Plattform für Betriebsprozesse in der Kurzzeitvermietung entwickelt und konzentriert sich damit auch auf größere Immobilienentwickler. So können nicht vermietete oder verkaufte Wohn- oder Geschäftsflächen für die Kurzzeitvermietung als Alternative zu Hotelzimmer oder Appartement genutzt werden. Bis zu 80 Prozent des Prozesses können automatisiert werden, verspricht das Jungunternehmen. Das Startup etabliert so nach eigenen Angaben die neue Assetklasse „Commercial Living“. 750 Zimmer und Appartements laufen bereits über die Plattform, 1.500 weitere sind laut Cosi bereits in Verhandlung. Trotz Pandemie habe man 2020 an 12 Standorten in Europa eine Buchungs-Auslastung von 90 Prozent erzielt.

Das Team von Cosi © Cosi Group
Das Team von Cosi © Cosi Group

Soravia: „Cosi bricht mit Dogmen“

„Cosi baut eine Anlageklasse für die neue Generation auf. Einen vergleichbaren Ansatz haben wir mit einer so optimierten Umsetzung noch nicht gesehen“, lobt Erwin Soravia, CEO der Soravia Group, die in Wien unter anderem für die TrippleI-Towers oder das markante Flügeldach über der Albertina bekannt ist, aber auch beispielsweise an Ruby Hotels beteiligt ist. „Cosi bricht mit den bestehenden Dogmen der Branche, sowohl in Bezug auf die Gäste als auch auf die Immobilienpartner. Das Modell von Cosi ermöglicht eine bessere Rendite als ein Hotelprodukt, während das Verlustrisiko wie bei einer Wohnung begrenzt ist – eine Win-Win-Situation für Immobilienpartner. Deshalb freuen wir uns sehr darauf, Cosi dabei zu begleiten, die nächste Wachstumsphase zu beschleunigen“.

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Lovable-CEO Anton Osika (r.) im Gespräch mit Times Senior Editorin Ayesha Javed. © brutkasten

Kaum ein Tool steht so sehr für den KI-Bauboom wie Lovable. Erst im August 2026 hat das schwedische Startup, wie brutkasten berichtete, eine Series-C-Runde über 400 Millionen US-Dollar abgeschlossen, angeführt von Menlo Ventures und mit dem EQT-gemanagten Scaleup Europe Fund als Co-Lead, bei einer Bewertung von 13,3 Milliarden US-Dollar.

Für Gründer und CEO Anton Osika ist das mehr als eine Finanzierungsrunde: Es sei ein Indikator dafür, dass KI-gestützte No-Code- und Low-Code-Plattformen die Nische verlassen hätten und im Mainstream angekommen seien.

Weg vom Entwickler-Monopol

Auf der Dreamforce in San Francisco erläutert Osika die zentrale These hinter Lovable: „Menschen mit Fachwissen über das jeweilige Problem sollten diejenigen sein, die Software bauen“, so Osika. Wer ein Problem am besten kenne, solle auch die Lösung bauen, egal ob in Marketing, HR, Finance oder Operations. Nicht die formale Qualifikation zähle, sondern die Nähe zum Problem.

Dass Lovable längst kein reines Anfänger-Werkzeug sei, belegt Osika mit einer internen Zahl: 55 Prozent der Lovable-Nutzer:innen brächten mehr als elf Jahre Berufserfahrung in ihrem Fachgebiet mit. Entscheidend sei laut dem Co-Founder nicht das klassische Programmieren, sondern die Fähigkeit, komplexe, unstrukturierte Probleme systematisch in funktionierende Systeme zu zerlegen.

Vom Nebenprojekt zur Unternehmenslösung

Besonders aufschlussreich sind die Praxisbeispiele, die Osika im Gespräch anführt. Bei einer Healthcare-Staffing-Firma habe ein Fachbereichsleiter eine komplette neue Produktlinie für die Zertifizierung von Pflegekräften aufgebaut, samt Verwaltung und Terminplanung, und anschließend mehr als zehn weitere interne Anwendungen vernetzt. In den nordischen McDonald’s-Filialen laufe mittlerweile ein auf Lovable gebautes Interface, über das rund 300 Standorte operative Anfragen abwickeln würden.

Solche Geschichten seien laut Osika keine Ausnahme: Bei knapp zwei Dritteln der Fortune-500-Unternehmen, darunter Adidas und Nvidia, würden Mitarbeitende die Plattform nutzen. Häufig beginne es als kleines Team-Projekt und wachse zur unternehmensweiten Lösung heran.

Entwicklung unter Aufsicht

Damit das nicht in unkontrollierter Schatten-IT ende, setzt Lovable laut Unternehmensangaben auf Admin- und Audit-Funktionen, mit denen IT-Verantwortliche nachvollziehen können sollen, welche Anwendungen entstehen, wo sensible Daten verarbeitet werden und wo Sicherheitslücken drohen. Genau das mache aus der anfänglichen Skepsis von IT-Abteilungen häufig Zustimmung, so Osika: „Es wird vom letzten Nein zu dem, was man ausrollen wollte, zum ersten Ja. So verhindern wir Schatten-IT und die Zersplitterung in unzählige Tools, die niemand mehr überblickt“, erklärt Osika.

Überflüssig würden Engineers durch die Lovable-Nutzung anderer trotzdem nicht, meint Osika: Ihre Rolle verschiebe sich von Routineaufgaben hin zu Architektur, Systemanbindung und der Betreuung unternehmenskritischen Codes.

Warum heißt Lovable eigentlich Lovable?

Zum Schluss des Gesprächs räumt Osika mit einem gängigen Klischee über den europäischen Tech-Standort auf: „Viele halten Europa für langsam, aber wenn man in die Tech-Hubs Europas geht, brodelt es dort wie nie zuvor“, sagt Osika. Dass der Produktfokus so stark auf dem Nutzererlebnis liege, führt Osika auch auf den Standort Stockholm zurück, wo der Großteil des Engineering-Teams sitzt. Man habe in den nordischen Ländern genaue Vorstellungen davon, wie ein Produkt funktionieren solle – oder eben nicht. Diese „I-Tüpfelchen-Reiterei“ mache Lovable erst zu dem was es heute ist.

Warum das Unternehmen ausgerechnet „Lovable“ heißt, erklärt er mit einer letzten Zeile, die zugleich als Leitmotiv des Gesprächs steht: „Software sollte nicht einfach nur funktionieren. Sie soll die Emotionen der Menschen wecken“, so Osika.

Vom Vibe zum Volumengeschäft

Was also vor nicht allzu langer Zeit noch als spielerisches „Vibe-Coding“ belächelt wurde, ist laut Osika längst zu einer Infrastruktur geworden, auf der Enterprisekund:innen die nächsten Prozesssysteme entwickeln. Der Markt für KI-gestütztes Bauen sei, so der Lovable-Gründer, endgültig über das reine Ausprobieren hinausgewachsen – und weit über das Vibecoding hinaus.

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