19.05.2026
MESSENGER

Solo-Founder aus Wien entwickelt Messenger App: Erster Erfolg in Harvard

Mit der App Whispyr hat der Wiener Solo-Founder Laurenz Frank einen Messenger entwickelt, der direkte und doppelt-verschlüsselte Verbindungen zwischen Smartphones aufbaut. Gerade an Unis wird die App gut angenommen, erste Erfolge verzeichnet der Gründer in Harvard.
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Eine Frau tippt auf einem Handy, daneben sind grüne und blaue Chateinträge zu sehen. (c) ESBBasics
Whispyr setzt auf verschlüsselten Nachrichtenwechsel (c) ESBBasics

„Ich habe mir gedacht, es macht doch keinen Sinn, dass unsere Nachrichten über Server weltweit laufen, obwohl wir nebeneinandersitzen.“ Mit diesem Ansatz programmiert der Solo-Founder in drei Monaten Whispyr. Die App basiert auf der Multipeer-Connectivity-Technik. Das bedeutet, dass sich beispielsweise iPhones direkt per Bluetooth miteinander verbinden. Der Chat funktioniert also ohne zentrale Server oder Mobilfunknetze.

Die App soll dabei keine klassischen Messenger-Dienste wie WhatsApp ersetzen, sondern in spezifischen Momenten genutzt werden. „Die App sollte eher bewusst eingesetzt werden, dort wo es keine Server gibt oder diese überlastet sind. Beispielsweise in Flugzeugen, Zügen, bei Konzerten, im Stadion oder bei Protesten.“

Frank hat die App zum Testen zunächst an Freunde in Harvard übergeben. „Und es hat sich dann ergeben, dass die App dort sehr gut ankommt. Zum Einen ist die App sicher und die Studenten vertrauen ihr. Andererseits ist es einfach eine gute Lösung für Kommunikation bei Campus-Events“, so der Founder.

Doppelte Verschlüsselung

Die ausgetauschten Daten werden durch die App doppelt verschlüsselt. Dabei kommen etablierte Verschlüsselungsstandards wie ChaCha20-Poly1305 und Curve25519 zum Einsatz, die auch von Messenger-Diensten wie Signal oder im Bankenwesen verwendet werden. Gleichzeitig dient die „Multipeer Connectivity“ von Apple dazu, dass die eigentliche Übertragung der Daten von Haus aus durch das iOS-Betriebssystem verschlüsselt ist. Whispyr positioniert sich damit als datenschutzorientierte Alternative für Situationen, in denen Nutzer:innen bewusst serverunabhängig kommunizieren möchten.

Datenschutz als zentrales Gut

Für Frank ist der Datenschutz einer der Haupttreiber für die Entwicklung der App. Bei diesem Thema stützt sich der Founder vor allem auf die jüngsten Ereignisse rund um Datensicherheit.  So stellte am 9. Mai 2026 Meta die optionale Ende-zu-Ende-Verschlüsselung für Direktnachrichten auf Instagram ein. Dies bedeutet, dass ausgetauschte Nachrichten sowie Metadaten wieder unverschlüsselt auf den Servern des Unternehmens gespeichert werden und dort im Falle von Hackerangriffen oder behördlichen Anfragen theoretisch von Dritten ausgelesen werden könnten.

„Whispyr hat einfach den Vorteil, dass es keinen Server gibt. Die Software ist direkt am Telefon. Das heißt Hacker können das Signal nicht orten oder entschlüsseln“, argumentiert der Founder.

Zukunftsvision

Um das Projekt für zukünftige Investor:innen attraktiv zu gestalten, wurde das Unternehmen strategisch in London angemeldet. In den ersten Jahren liegt der Fokus laut Frank auf der technischen Weiterentwicklung der App sowie dem Aufbau einer Nutzerbasis in Europa und speziell in der DACH-Region. Dennoch erhofft sich der Founder, dass Whispyr eines Tages das Potenzial hat, vor allem in Krisenmomenten als verlässlicher Messenger-Dienst zu gelten.

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Elisabeth Zehetner (Staatssekretärin für Energie, Startups und Tourismus) | Foto: Martin Pacher
Elisabeth Zehetner (Staatssekretärin für Energie, Startups und Tourismus) | Foto: Martin Pacher / brutkasten

Wirklich neu oder gar überraschend ist das jüngste Statement von Startup-Staatssekretärin Elisabeth Zehetner zum mit „bis zu“ 500 Millionen Euro Volumen geplanten „Start-up & Scale-up Dachfonds“ nicht. Wie mehrere heimische Medien berichten, sagte sie zuletzt gegenüber der APA: „Die Ausschreibung für das Fondsmanagement wird im Herbst stattfinden“ – betraut ist damit die aws. Anders wäre es freilich gar nicht möglich, den bereits zuvor kommunizierten Start der operativen Tätigkeit mit Anfang 2027 zu gewährleisten.

Und auch so könnte es schwer werden. Denn „im Herbst“ ist immer noch eine recht vage Zeitangabe und Ausschreibungsverfahren können bekanntlich auch länger dauern, als erhofft – sofern nicht bereits im Hintergrund Vorentscheidungen getroffen wurden, was hier keineswegs unterstellt werden soll.

Kleiner Pool an erfahrenen Dachfonds-Manager:innen

Der Pool an Personen, die konkrete Erfahrung mit dem Management VC-fokussierter Dachfonds mitbringen, hält sich nämlich europaweit in engen Grenzen. Neben dem European Investment Fund (EIF) als dominierendem Player auf EU-Ebene, gibt es einige nationalstaatliche Fonds, die teilweise auch zum Vorbild für die österreichische Version wurden, und einige private Player, die meist mit deutlich niedrigeren Kapitalvolumina arbeiten. Ein schlagkräftiges Team müsse aktiv mit entsprechenden Incentives abgeworben werden. Die Staatsnähe erschwere die Suche zusätzlich, befürchtet ein Branchenkenner gegenüber brutkasten hinter vorgehaltener Hand.

Keine staatliche Einflussnahme?

Dass es, wie versprochen, tatsächlich keine staatliche Einflussnahme auf den Dachfonds geben werde, glaubt er nämlich nicht. So soll etwa die aws laut einer nicht öffentlichen Präsentation, die dem Insider vorliegt, ins Fundraising eingebunden werden. Und das spreche, kombiniert mit dem geplanten staatlichen Ankerinvestment in Höhe von bis zu 20 Prozent bzw. bis zu 100 Millionen Euro (brutkasten berichtete), gegen völlige Unabhängigkeit.

Und auch die Zielsetzung, den Investmentfokus auf Österreich zu legen, passt nicht ganz mit der Idee zusammen, dass das Fondsmanagement völlig freie Hand haben soll. Zehetner äußerte sich auch hierzu gegenüber der APA: Österreich-Fokus ja, „es gibt aber keine genauen Vorgaben für das Fondsmanagement.“ Hinzu kommt natürlich auch, dass es in Österreich gar nicht so viele VC-Fonds gibt – und noch viel weniger im angestrebten Growth-Stage-Bereich.

Politische Überzeugungsarbeit bei potenziellen LPs

Ist das Management dann einmal aufgestellt, dürfte das Finden geeigneter Limited Partners (LPs), also Kapitalgeber für den Dachfonds, zur nächsten Herausforderung werden. Wirklich attraktiv sei die Beteiligung für die institutionellen Investoren, wie Banken und Versicherungen, die man ansprechen will, nämlich nicht, sagt ein anderer Branchenkenner – ebenfalls off the record. Auch wenn – wie angekündigt – begleitende Gesetze die Situation für die in Sachen Risiko sehr restriktiv geregelten Institutionellen verbessern, gebe es nicht automatisch gute Gründe, die für dieses Investment sprechen.

Die Folge: Es bedürfe auch von politischer Seite Überzeugungsarbeit bei den LPs. Dass man bereits jetzt, bevor das Management überhaupt ausgeschrieben ist, hinter verschlossenen Türen versucht, die großen relevanten heimischen Player zu einem Committment zu bewegen, liegt auf der Hand – schließlich soll das Projekt zum politischen Erfolg werden. Dass darunter die angestrebte Unabhängigkeit abermals leidet, ebenfalls.

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