SoleMio: OÖ-Startup baut gemeinschaftliche PV-Anlagen auf Mehrparteiengebäude
Erneuerbare Energien haben seit der Energiewende enorm an Bedeutung gewonnen – allen voran die Solarenergie. Sie ermöglicht nicht nur eine umweltfreundliche Stromgewinnung, sondern auch Unabhängigkeit von steigenden Strompreisen und fossilen Brennstoffen.
Dass Photovoltaikanlagen nicht nur der Umwelt zugutekommen, sondern auch wirtschaftliche Vorteile bieten, ist längst bekannt. Auch SoleMio Energy will in diesem wachsenden Markt mitwirken: Das oberösterreichische Unternehmen spezialisiert sich auf gemeinschaftliche Photovoltaikanlagen für Mehrparteiengebäude.
Laut SoleMio bleiben rund 500.000 Mehrparteiengebäude in Österreich mit dessen Dachflächen ungenutzt. „Bei der Energiewende fallen Mehrparteiengebäude damit unnötigerweise durch den Rost“, sagt Co-Founder Franz Seher. Um das verlorene Potenzial dieser Dächer auszuschöpfen, bietet SoleMio daher eine „unkomplizierte und individuelle Umsetzung von gemeinschaftlichen Erzeugungsanlagen (GEA)“ an. Dabei handelt es sich um die kleinste Form einer Energiegemeinschaft, in der der erzeugte Solarstrom direkt im Gebäude verteilt und gemeinschaftlich genutzt wird.
SoleMio liefert „Rundum-Sorglos-Projekt“ bei Bau von Photovoltaikanlagen
SoleMio bietet seinen Kunden ein „Rundum-Sorglos-Paket“, indem es sämtliche Schritte übernimmt – von der Planung bis hin zur Installation der Photovoltaikanlage auf dem Dach. Auch nach der Inbetriebnahme bleibt das Unternehmen verantwortlich und kümmert sich um Wartung sowie die Entsorgung am Ende der Lebensdauer der Anlage. Dadurch werde der Aufwand für die Wohnungseigentümergemeinschaft „auf ein Minimum“ reduziert. Zu den Kunden zählen vor allem Wohnungseigentümer:innen und -mieter:innen, aber auch Hausverwaltungen und Bauträger.
Die Idee zu SoleMio entstand, als Co-Founder Dragan Vuksan in ein Mehrparteienhaus ohne Photovoltaikanlage zog. Als er eine Solaranlage bauen lassen wollte, stieß er auf zahlreiche rechtliche, wirtschaftliche und technische Hürden. Bis 2022 war beispielsweise die Zustimmung aller Wohnungseigentümer:innen erforderlich, um eine Photovoltaikanlage zu installieren. Eine Gesetzesänderung erleichterte diesen Prozess – seither reicht eine einfache Mehrheit.
Bei SoleMio sei es zudem vorteilhaft, dass nicht alle Wohnungseigentümer sich an der Photovoltaikanlage beteiligen müssen. In der Regel genügen bereits 25 bis 30 Prozent der Eigentümer:innen, um das Projekt zu finanzieren. „Wer nicht teilnehmen und damit nicht investieren möchte, erlebt keine Nachteile und erhält überdies noch eine Dachmiete, damit wir die ungenutzten Dachflächen für die PV-Anlage nutzen dürfen“, heißt es vonseiten des Unternehmens.
Fünf Pilotprojekte in Oberösterreich
Um seine Vision zu verwirklichen, holte sich Vuksan zwei Co-Founder mit an Bord: Franz Seher und Markus Jäger. Gemeinsam bringt das Gründertrio langjährige Erfahrung in den Bereichen Photovoltaik, Nachhaltigkeit, Projektmanagement und Technik mit.
Mitte 2022 wurde schließlich das erste Pilotprojekt im oberösterreichischen Marchtrenk umgesetzt, 2024 folgten weitere Anlagen in Linz. Inzwischen beziehen fünf Gebäude mit insgesamt 35 Wohneinheiten den SoleMio-Sonnenstrom.
Das alles erreichte das Jungunternehmen ohne jegliche Förderungen oder Investoren. Bisher finanziert sich SoleMio laut eigenen Angaben ausschließlich über seine Projekte und setzt dabei auf Partnerschaften mit Hausverwaltungen und Photovoltaik-Installateuren. Um das Wachstum weiter voranzutreiben und den Ausbau der Anlagen zu beschleunigen, sollen künftig zusätzliche Kooperationen eingegangen werden, verrät Seher gegenüber brutkasten.
Österreichweite Skalierung geplant
Für dieses Jahr liege der Fokus darauf, neue Zielgruppen zu erschließen und weitere Kooperationen mit Bauträgern sowie Hausverwaltungen im Neubaubereich einzugehen. Gleichzeitig will man mehr in das Marketing investieren, um so die Bekanntheit des Unternehmens zu steigern. Zudem sei für dieses Jahr noch eine österreichweite Skalierung geplant.
Langfristig verfolgt SoleMio ein klares Ziel: Innerhalb der nächsten fünf Jahre sollen mehr als 100 Gebäude mit seinen Photovoltaikanlagen ausgestattet werden. Zudem möchte sich das Unternehmen als bevorzugter Dienstleister für nachhaltige Energielösungen im Neubaubereich etablieren.
We Are Unicorns: Was österreichische KMU von Japan lernen können
Wie das Wiener Team von We Are Unicorns mit dem Future Radar und Partnern in Japan eine gemeinsame Sprache für Unternehmen auf zwei Kontinenten schafft – und warum ein japanischer Konzern, der seit 120 Jahren über Arbeit nachdenkt, genau darin eine Chance sieht.
We Are Unicorns: Was österreichische KMU von Japan lernen können
Wie das Wiener Team von We Are Unicorns mit dem Future Radar und Partnern in Japan eine gemeinsame Sprache für Unternehmen auf zwei Kontinenten schafft – und warum ein japanischer Konzern, der seit 120 Jahren über Arbeit nachdenkt, genau darin eine Chance sieht.
An einem Mittwochabend in Yokohama treffen einander Gründerinnen und Gründer, Corporate-Innovator:innen, Studierende und Investor:innen im Tech Hub Yokohama; kein Panel, keine Preisverleihung, sondern ein offener Community-Abend unter dem Namen Yokohama Connect. Wenige Wochen später sitzt in einem Wiener Coworking-Space ein Bäckereichef neben einer Innovationsmanagerin und dem Vertreter eines Tourismusbetriebs – auch sie sprechen über die Zukunft ihrer Organisationen. Am Ende beider Abende steht dieselbe Frage: Wie zukunftsfähig sind wir wirklich?
Ein Werkzeug gegen die Ziellosigkeit
Österreich und Japan sind auf den ersten Blick weit voneinander entfernt. Bei näherer Betrachtung eint sie aber ein Muster: hohe Ingenieurskompetenz, eine dichte Landschaft aus kleinen und mittleren Unternehmen, starke Familienbetriebe, daneben große Konzerne und Städte, die vor ähnlichen Fragen stehen. Wer heute ein Unternehmen führt, hat selten Zeit für Buzzwords – gefragt sind Werkzeuge, die aus abstrakten Trends nächste Schritte machen; und eine Sprache, die über Ländergrenzen hinweg funktioniert.
Genau hier setzt das Wiener Unternehmen We Are Unicorns (WAU) an. Die Gründer:innen Marie-Therese Barth und Florian Moosbeckhofer arbeiten seit rund sieben Jahren mit Betrieben an Zukunftsthemen, zuvor gemeinsam in der Wirtschaftskammer Österreich. Ihre Beobachtung: Viele KMU stehen mehrfach unter Druck – steigende Kosten, Energiewende, Fachkräftemangel und Digitalisierung verändern die Rahmenbedingungen, während im Alltag oft Zeit, Orientierung und leistbare Unterstützung fehlen. WAU versteht sich deshalb als „Innovationsabteilung as a Service“, die komplexe Zukunftsthemen in verständliche Handlungsfelder übersetzt und Betriebe bis zur Umsetzung begleitet.
Yokohama ist die zweitgrößte Stadt Japans | (c) Antomattei
Ihr zentrales Werkzeug ist das Future Radar. Es ordnet Zukunftsfähigkeit entlang von fünf Feldern: Menschen, Organisation und Kultur; digitale Prozesse, Automatisierung und KI; Kunden, Vertrieb und Services; Geschäftsmodelle und Plattformen; Energie, Kosten und Nachhaltigkeit. Daraus werden 55 konkrete Chancen statt tausend Schlagworte, entstanden in Co-Creation-Workshops mit KMU aus ganz Österreich sowie Partnern aus Universitäten und Forschung. Ein eigens entwickelter KI-Assistent ordnet die Themen ein und leitet nächste Schritte ab, die Betriebe eigenständig umsetzen können. Er ersetzt keine unternehmerische Entscheidung, sondern versteht sich als Sparringpartner, der ins Tun bringt.
Kommt das Future Radar in Yokohama auf den Tisch, betrachten alle Beteiligten dieselben fünf Felder, dieselben Fragen, dieselbe Auswertung. Ein japanisches KMU, ein Startup aus dem Tech Hub Yokohama und ein österreichischer Mittelständler sehen auf einen Blick, wo sie stark sind und welche Schritte sich ableiten lassen. Der Mehrwert entsteht im Vergleich.
Von Wien nach Yokohama
Warum aber der Blick nach Japan? Weil sich dort ein Ökosystem entwickelt hat, das als Referenz dienen kann. Rund um CIC Tokyo, Japans größten Startup-Campus, hat sich unter dem Dach von Venture Café Japan eine offene Innovationscommunity etabliert: wöchentliche Thursday Gatherings, Formate wie Yokohama Connect, Tsukuba Connéct oder Nagoya Connect, dazu Partner wie der Tech Hub Yokohama, der als Soft-Landing-Punkt für internationale Startups und KMU konzipiert ist. Dazu kommt die städtische Ebene: Der Midterm Plan der Stadt Yokohama verankert Nachhaltigkeit als Ziel bis 2029. Physische Orte, Community-Programme und Stadtstrategie greifen ineinander.
Wer dort sitzt und warum diese Unternehmen nach Europa schauen, zeigt Qubitcore: Das Unternehmen mit Sitz in Yokohama entwickelt Hardware für Quantencomputing, hervorgegangen aus der Forschung am Okinawa Institute of Science and Technology (OIST). Es verbindet mehrere Quantenprozessoren auf Basis von Ionenfallen über Licht miteinander und arbeitet so an fehlertoleranten Rechnern, die über die Grenzen eines einzelnen Prozessors hinaus skalieren.
„Das Quanteninternet entfaltet seinen vollen Wert erst durch grenzüberschreitende Vernetzung. Gerade Europa verfügt über große Tiefe in der Quantenoptik und in der Ionenfallenforschung. Wir hoffen, dass der Tech Hub Yokohama zur Brücke zwischen Yokohama und europäischen Forschungseinrichtungen, Unternehmen und Investoren wird“, so Ryuta Watanuki, Gründer und CEO von Qubitcore.
Der Tech Hub Yokohama. | (c) TechHub Yokohama
Damit solche Verbindungen tatsächlich entstehen, braucht es Brückenbauer. Auf japanischer Seite übernimmt Marcel Rasinger mit genten LLC diese Rolle: Als Mitinitiator von Yokohama Connéct verbindet er lokale Unternehmen, Startups und städtische Organisationen mit internationalen Partnern. Auf österreichischer Seite strukturiert WAU die Zukunftsthemen heimischer Betriebe so, dass sie in den Dialog mit japanischen Partnern passen.
Die Stimme aus Tokio
Warum diese Übersetzungsarbeit nötig ist, weiß Kentaro Imai aus eigener Erfahrung – er verantwortet beim japanischen Konzern Kokuyo die Global Marketing Division im Global Workplace Business und ist dort Ansprechpartner für Europa und Nordamerika. Kokuyo beschäftigt sich seit mehr als 120 Jahren damit, wie Menschen arbeiten und lernen, und nutzt die eigenen Büros seit den 1960er-Jahren als Versuchsflächen. „Ideen lassen sich nicht einfach von einem Land in ein anderes kopieren“, sagt Imai, „sie müssen übersetzt werden, nicht nur sprachlich, sondern kulturell und organisatorisch.“ Erwartungen an Hierarchie, Entscheidungsfindung und Risiko unterschieden sich. Imai: „Brückenbauer helfen beiden Seiten zu verstehen, welche menschlichen Bedürfnisse universell sind und welche Annahmen lokal geprägt.“
Dass Zusammenarbeit über Kontinente hinweg dabei mehr braucht als Videocalls, ist für Imai keine Frage: „Digitale Technologie erlaubt Kommunikation über enorme Distanzen – aber Kommunikation allein erzeugt nicht automatisch Vertrauen, Zugehörigkeit oder Zusammenarbeit.“ Innovation beginne oft mit Beobachtung, informellen Gesprächen und unerwarteten Begegnungen. Kokuyo hat deshalb Teile seiner Konzernzentrale The Campus in Tokio-Shinagawa für die Nachbarschaft geöffnet, samt Park, Shop und Coffee Stand. „Der innovativste Raum ist nicht zwangsläufig der technisch fortschrittlichste. Es ist jener, in dem Menschen, die einander sonst nie treffen würden, beginnen, gemeinsam etwas zu denken und zu bauen“, so Imai. Was The Campus für Tokio ist, soll der Tech Hub Yokohama für europäische Partner werden.
Für Imai ist das der Punkt, an dem Werkzeug und Erfahrung zusammenfinden könnten: „We Are Unicorns und das Future Radar machen abstrakte Veränderungen für KMU verständlich und helfen dabei, von weiten Schlagworten zu konkreten Chancen zu kommen.“ Kokuyo wiederum bringe Erfahrung darin ein, wie Menschen arbeiten, lernen und physische Umgebungen nutzen. „Gemeinsam könnte das Future Radar eine Chance identifizieren, und wir könnten helfen, sie in konkrete Arbeitsweisen, Umgebungen und Pilotprojekte zu übersetzen“, sagt Imai.
Tiefe trifft Tempo
Was können beide Seiten voneinander lernen? Imai warnt vor Klischees, sieht aber komplementäre Stärken: Japanische Organisationen zeigten im besten Fall langfristige Verbindlichkeit, hohe Aufmerksamkeit für Qualität, kontinuierliche, schrittweise Verbesserung und Geduld beim Aufbau von Vertrauen; österreichische und europäische Ökosysteme brächten direkte Auseinandersetzung, schnelles Experimentieren, starke Zusammenarbeit zwischen KMU, Startups und Universitäten und eine größere Bereitschaft, Entscheidungen trotz verbleibender Unsicherheit zu treffen. Imai: „Der produktivste Austausch ist nicht Japan gegen Österreich; es ist die Kombination aus japanischer Tiefe und österreichischer Agilität.“
Für WAU heißt das: Österreich kann von der langfristigen Ökosystem-Architektur Japans lernen, vom Zusammenspiel aus Infrastruktur, Community-Programmen und städtischer Strategie. Japan wiederum profitiert von der pragmatischen KMU-Kultur in Europa, von Betrieben, die mit wenigen Ressourcen neue Technologien testen und in überschaubaren Schritten starten.
Zurück nach Yokohama, an jenen Mittwochabend im Tech Hub: Was dort als offener Community-Abend beginnt, endet im besten Fall mit einem Projekt, das ein Wiener Betrieb und ein japanisches Startup gemeinsam angehen. Das Future Radar liefert die gemeinsame Ausgangslage, die Brückenbauer den Zugang. Oder, wie Imai es formuliert: „Die Zukunft ist nichts, worauf wir warten. Sie ist etwas, das wir greifbar machen, gemeinsam testen und durch Neugier laufend verbessern.“
Über We Are Unicorns
We Are Unicorns (WAU) macht Zukunftsarbeit für österreichische KMU konkret, leistbar und umsetzbar. Das Wiener Unternehmen von Marie-Therese Barth und Florian Moosbeckhofer realisiert als „Innovationsabteilung as a Service“ auch Projekte für Regionen, Institutionen und Corporates. Zentraler Baustein ist das Future Radar mit 55 konkreten Chancen entlang von fünf Zukunftsfeldern, ergänzt um einen eigens entwickelten KI-Assistenten. Der Anspruch: Zukunft ohne Blabla.
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