04.05.2016

Social-Media-Killer: „Für Leidenschaft muss man präsent sein“

Social Media, das Internet und die fortschreitende Digitalisierung bieten nicht nur neue Möglichkeiten, sondern bringen auch Gefahren mit sich. Sexualpädagogin Yana Tallon-Hicks erzählt im Rahmen ihres TEDx-Talks, wie sich der technische Fortschritt auf Beziehungen und das menschliche Sexualleben auswirkt.
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Sexualpädagogin Yana Tallon-Hicks meint, der technische Fortschritt wirke sich negativ auf die Leidenschaft im Liebesleben aus. cunaplus - fotolia.com

Dem Siegeszug von Social-Media ist noch lange kein Ende gesetzt. Doch schmälert dieser neue Kommunikationsweg unsere „social-skills“, oder ist er eine Chance? Welchen Einfluss hat die fortschreitende Digitalisierung auf Beziehungen und das Sexleben? Laufen Teenager Gefahr mittels den neuen Medien zu viel von sich preiszugeben? Über diese Fragen hat sich der Brutkasten mit Sexualpädagogin Yana Tallon-Hicks im Rahmen ihres TEDx-Talks in Wien unterhalten.

Yana, Menschen lernen sich vermehrt mittels Dating-Apps wie Tinder kennen. Was denkst du über diesen Trend?

Yanaheadshots-11Yana Tallon-Hicks: Dating-Apps erfüllen viele Zwecke – ich denke, nicht alle davon sind negativ. Online-Dating gehört bereits zum Alltag, das heißt Menschen schämen sich nicht mehr dafür. Darin sehe ich eine positive Entwicklung. User können von Anfang an festlegen wonach sie eigentlich suchen. Ebenso die persönlichen Vorlieben und Grenzen, das kann durchaus positiv genutzt werden.

Wie reagiert die menschliche Psyche auf die technologischen Entwicklungen?

Man erwartet von uns schneller, effizienter und besser zu funktionieren, weil wir umgeben sind von technischen Hilfsmitteln. Das kann leicht zu Überforderung führen. Wir leben mittlerweile mehr in der Zukunft als im Jetzt. Es wäre wichtig, sich wieder mehr mit den Menschen die einen umgeben (und nicht dem Smartphone) auseinanderzusetzen. Das hat auch Auswirkungen auf unser Sexleben, denn für wirkliche Leidenschaft muss man präsent und fokussiert sein.

„Das Internet wirkt sich negativ auf unsere Fähigkeit zur Leidenschaft im Sexleben aus“

Welchen positiven Effekt für Teenager hat das Internet und Social Media?

Das Internet bietet uns unzählige Möglichkeit uns selbst zu finden oder zu reflektieren. Und das in einem eigenen privaten Rahmen. Wenn es jedoch darum geht, herauszufiltern was hilfreich ist und was schädlich, können wir alle noch viel lernen. Wenn „Wissen Macht ist“, werden wir mit Hilfe von Social Media alle immer mächtiger. Es gilt allerdings noch einiges zu lernen, wenn es darum geht diese „Macht“ verantwortungsvoll einzusetzen. Ich denke da beispielsweise an Online-Bullying, aber auch an den Umgang mit Pornos im Internet.

+++Mehr zum Thema: Mittels Tinder zum Organspender+++

Welchen Einfluss hat Social-Media auf Beziehungen und Sexleben?

Die „Wisch-Kultur“ trägt maßgeblich dazu bei, online vorschnelle Urteile, sogenannte „snap-judgementes“, über potentielle Dates zu treffen. Diese Entwicklung beeinträchtigt unser Gespür für Menschlichkeit und die emotionale Verbindung, die Teil eines sexuellen Erlebnisses sein kann. Freilich muss das nicht immer der Fall sein.
Meiner Meinung nach, gibt es ein gesundes Verhältnis zwischen Gelegenheitssex und Sex mit einer emotionalen Bindung. Wir haben die „richtige“ Balance nur noch nicht gefunden.

„Es gibt ein gesundes Verhältnis zwischen Gelegenheitssex und Sex mit einer emotionalen Bindung.“

Teenager werden in sozialen Medien immer intimer (Nacktfotos etc…). Wie stehst du zu dieser Entwicklung?

Hätte ich als Teenager die technischen Möglichkeiten der heutigen Jugend gehabt, hätte ich mich wohl in noch größere Probleme verstrickt als ich ohnehin tat. Sexuell aufgeschlossen zu sein, ist im Teenager-Alter ganz normal. In der digitalen Ära, kann diese Aufgeschlossenheit aber viel weitreichendere Konsequenzen mit sich bringen. Intimes läuft schneller Gefahr an die Öffentlichkeit zu gelangen, und dann meist mit großer Reichweite.

Redaktionstipps

Für viele Teenager ist „Sexting“ nach wie vor etwas Privates. Doch der Schein trügt. Ein Posting, ein Sharing, oder das Smartphone kurz in den falschen Händen zu lassen, kann jegliche Intimität zerstören. „Was ist privat, was nicht und was sollte besser privat bleiben“ – diese Fragen sollten in einem Gespräch über Intimität und Beziehungen mit Teenagern  unbedingt angesprochen werden.

Wie stehst du zu virtuellen Beziehungspartnern?

Ich habe mich damit noch zu wenig befasst, bin aber überzeugt virtuelle Beziehungspartner erfüllen ein sehr spezielles Bedürfnis nach Nähe. Wir handeln möglicherweise etwas vorschnell, wenn wir jemand bemitleiden oder schlecht machen, der einen virtuellen Partner hat. Denn wir selbst sind dafür verantwortlich, welche set-ups wir für „menschliche Nähe“ erschaffen haben. Einen virtuellen Partner als „falsch“ zu betrachten, ist im Endeffekt auch nur eine Stigmatisierung, die von uns ausgeht.

+++Mehr zum Thema: Erfolg macht sexy+++


Yana Tallon-Hicks ist eine US-amerikanische Sexualpädagogin aus Northampton, Massachusetts. Ihren beruflichen Werdegang beschreibt sie als „organic self made“. Im „Curve Magazin“ schreibt sie regelmäßig Kolumnen  über Sex und Sex Toys.


Mehr Info zu Yana Tallon-Hicks

Mehr Info zu TEDx Vienna Conference – The Future of Intimacy

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Biogena
© LinkedIn/Screenshot - Julia Hoffmann.

Julia Hoffmann übernimmt bei der Biogena Group als Chief Scientific Officer die wissenschaftliche Gesamtverantwortung. Bekannt gegeben hat die Personalie Biogena-Gründer Albert Schmidbauer in einem LinkedIn-Post: „Die nächste große Entwicklungsphase von Biogena beginnt mit einer Frage: Wie wird aus immer mehr Gesundheitswissen mehr Gesundheit für den einzelnen Menschen?“, fragt er.

KI soll bei Biogena gezielt und verantwortungsbewusst zum Einsatz kommen

Und gibt gleich die Antwort: Hoffmann soll künftig Forschung, Diagnostik, Evidence, Produktentwicklung und Gesundheitsbildung enger zusammenführen. Ziel ist es, individuelle Bedürfnisse besser zu erkennen, diagnostische Erkenntnisse in fundierte Empfehlungen zu übersetzen und darauf abgestimmte Inhalte zu entwickeln. Auch KI soll gezielt und verantwortungsbewusst zum Einsatz kommen.

Darauf aufbauend ließen sich Produkte, Anwendungen und persönliche Gesundheitsangebote gezielt auf den einzelnen Menschen abstimmen. Gleichzeitig soll Wissen so vermittelt werden, dass Menschen ihre Gesundheit besser verstehen und selbst aktiv und eigenverantwortlich gestalten können.

Female Longevity

Hoffmann trug seit neun Jahren Verantwortung in Geschäftsführungsfunktionen, seit fünf Jahren im Vorstand. „Ich habe erlebt, wie sie Ideen aufgreift, Menschen zusammenbringt und daraus etwas macht, das Bestand hat“, so Schmidbauer weiter. „Dass Julia Gesundheitswissen zu den Menschen bringen kann, zeigt bereits „The Wellbeing Code by BIOGENA“: kurz nach dem Start Platz 1 in den österreichischen Apple-Podcast-Charts im Themenbereich Gesundheit und Ernährung und bislang mehr als 85.000 Streams“, schreibt Schmidbauer.

Wie diese Verbindung von wissenschaftlicher Erkenntnis und persönlicher Gesundheit konkret aussehen kann, zeigt auch Hoffmanns Fokus auf Frauengesundheit. Gemeinsam mit Patrick Bantsich, Mediziner mit einem Master of Science in Molekularer Medizin mit Fokus auf Prävention und Longevity, hat sie das Buch „Female Longevity“ verfasst, das im Jänner 2027 erscheint. Darin geht es um die Frage, wie Frauen ihre Gesundheit, Energie und Lebensqualität über alle Lebensphasen hinweg stärken können – und damit um einen Bereich, in dem wissenschaftliches Wissen unmittelbar in konkrete Orientierung für den Alltag übersetzt werden soll.

Biogena mit nächster Stufe

Für Schmidbauer markiert Hoffmanns Ernennung zugleich einen wichtigen nächsten Schritt für das Unternehmen: „Wir haben bei Biogena viel aufgebaut. Jetzt wollen wir die Verbindung zwischen wissenschaftlicher Erkenntnis und persönlicher Gesundheit auf die nächste Stufe bringen.“

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