11.10.2022

Social Impact Award 2022: Das sind die 4 Gewinner

Neben dem Jury-Award an vier Projekte wurden beim Social Impact Award 2022 auch ein Community Award und ein Publikumspreis vergeben.
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Social Impact Award 2022
Social Impact Award 2022: Das Siegerfoto | (c) SIA

Zehn Finalist-Projekte gab es beim Social Impact Award 2022 (SIA). Sie wurden im Juni diesen Jahres unter knapp 50 Einreichungen ausgewählt. Seitdem nahmen sie an zahlreichen Workshops, Events und Bootcamps teil, um ihre Ideen zu einem erfolgreichen Impact Startup weiterzuentwickeln. In dieser dreimonatigen Inkubationsphase bekamen die Projekte zusätzlich intensives Mentoring, Zugang zu einem Expert:innen-Netzwerk und eine finanzielle Förderung.

Bei der Award Ceremony vergangenen Freitag wurden sie nun der 16-köpfigen, prominent besetzten Jury präsentiert. Dabei wurden vier Siegerprojekte ausgewählt. Zudem wurden ein Community Award (nach mehreren Wochen Online-Voting) und ein Publikumspreis vergeben. Das sind die Gewinner-Projekte:

Social Impact Award 2022 – Jury Awards

Cosmotaics

Cosmotaics will spezielle Solarparks in Wüstengebieten aufstellen. Über das System wird zusätzlich Wasser aus der Luft gesammelt, das genutzt werden soll, um die Landschaft zu begrünen.

Failstunde

Das Projekt beschäftigt sich mit Fehlerkultur in der Schule. In der Failstunde sollen Schüler:innen lernen, Fehler als Chance zu sehen und die Angst vor Neuem zu verlieren. Durch Improworkshops und Theaterpädagogik sollen Fehler aktiv herbeigeführt werden, wodurch Innovation, Kreativität und Resilienz gefördert werden sollen.

seedcup

Im Projekt seedcup werden 100 Prozent biologisch abbaubare Coffee-to-go-Becher aus Kaffeesatz hergestellt. Diese werden vor Ort gepresst, „um einer unterschätzten Ressource ein zweites Leben zu geben, und zwar genau dort, wo sie als Abfall anfällt“.

Circle One

Circle One will Karton-Verpackungen im E-Commerce durch ein wiederverwendbares System aus recycelten LKW-Planen ersetzen. Dazu soll auch das dafür notwendige Pfand-Ökosystem aufgebaut werden.

Social Impact Award 2022: Community Award & Publikumspreis

Thinkubator – Comunity Award

Thinkubator versteht sich als Think Tank für zirkuläre Innovation und Transformation. In einem viermonatigen Programm lernen junge Erwachsene Instrumente der Kreislaufwirtschaft kennen und arbeiten an ihrer eigenen Circularity Challenge.

Y-Club – Publikumspreis

Der Y-Club soll als Community junge Menschen „zur selbstbestimmten Gestaltung einer erfüllenden Zukunft, in der die Potenziale voll ausgelebt werden“, befähigen. Das soll über die drei Säulen Selbstreflexion, Inspiration und Community passieren.

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Im IPO-Talk vlnr.: Dejan Jovicevic, brutkasten, Philip Pauer, Reploid, Henriette Lininger, Wiener Börse, und Harald Kröger, RBI | (c) brutkasten
Im IPO-Talk vlnr.: Dejan Jovicevic, brutkasten, Philip Pauer, Reploid, Henriette Lininger, Wiener Börse, und Harald Kröger, RBI | (c) brutkasten

Der Schritt an den Kapitalmarkt fußt prinzipiell auf drei Säulen, erklärt Henriette Lininger, Director Issuers bei der Wiener Börse, im brutkasten-IPO-Talk: Kapital, Sichtbarkeit und Struktur. Denn ein Initial Public Offering (IPO), zu Deutsch: ein Börsengang, sei weit mehr als eine Kapitalbeschaffungsmaßnahme: „Es bringt unglaubliche Sichtbarkeit für das Unternehmen, nicht nur am Finanzmarkt, sondern weit darüber hinaus, etwa bei Kund:innen, Mitarbeiter:innen und Lieferant:innen.“

„Täglich ein Zeugnis“

Das Welser Scaleup Reploid Group AG absolvierte seinen Börsengang im Einstiegssegment direct market plus der Wiener Börse vergangenes Jahr (brutkasten berichtete). Für CEO Philip Pauer stand bei der Entscheidung vor allem der Aspekt der Professionalisierung im Vordergrund, wie er erzählt. Für das Unternehmen diene die Börse als striktes Disziplinierungsinstrument, um Wachstumsziele zu erreichen. Pauer vergleicht: „Es ist im Endeffekt wie in der Schule, nur kriegst du in der Schule einmal im Jahr ein Zeugnis, an der Börse kriegst du es täglich.“

Echte Aktien für Mitarbeiter:innen

Ein weiterer Erfolgsfaktor für das Unternehmenswachstum, der sich durch den Börsengang ergebe, sei die direkte Mitarbeiterbeteiligung, meint Pauer. Die Vergabe echter Aktien anstelle von „Phantom Shares“ steigere die Motivation der Belegschaft immens, da die Mitarbeiter:innen „ein Stück weit zu Unternehmerinnen und Unternehmern“ werden.

Lokaler Marktplatz?

Doch ist Wien für alle der richtige Börsenplatz? Oftmals bestehe laut Henriette Lininger die unbegründete Sorge, dass ein lokales Listing im Widerspruch zu globalen Expansionsplänen stehe. Sie widerspricht deutlich: „Man geht an die Börse, um international zu wachsen, um zu skalieren“. Die Wiener Börse sei ein „zutiefst international vernetzter Markt“, an dem über 90 Prozent der Investor:innen aus dem Ausland stammen. Er gewährleiste eine hohe Liquidität und damit eine sehr gute Handelbarkeit der gelisteten Aktien. Ein weiterer Standortvorteil: Die Wahrscheinlichkeit in einen Leitindex wie den ATX aufgenommen zu werden besteht ausschließlich über eine Notierung am Heimmarkt – ein Faktor, der für Sichtbarkeit und institutionelles Interesse von großer Bedeutung sei.

Der brutkasten-IPO-Talk

Auch Pauer sieht keinen Anlass, für einen Börsengang ins Ausland zu gehen und betont die Erreichbarkeit in Wien, die er schätze: „Ich frage mich, was kriegen wir in Wien nicht, was wir woanders bekommen würden?“. Harald Kröger, Group Head Structured Finance & Investment Banking bei der RBI, pflichtet dem bei. Die Bundeshauptstadt sei für internationales Kapital sehr wohl attraktiv: „Wien zieht Investor:innen an“. Kröger identifiziert jedoch eine andere Herausforderung für den Standort: „Die größere Herausforderung ist es, österreichisches Geld in relevanten Größen anzuziehen“.

Vorteil bei alternativer Finanzierung

Dabei muss Kapital – auch für ein börsennotiertes Unternehmen – nicht nur über die Börse kommen. So erhielt Reploid kürzlich eine Venture-Debt-Finanzierung in zweistelliger Millionenhöhe über das RBI Growth Financing Program. Die hohe Transparenz und „Readiness“ durch die Börsennotierung sei dabei maßgeblich für die schnelle Abwicklung verantwortlich gewesen, meint Philip Pauer. Kröger sieht einen strategischen Vorteil des Instruments für Wachstumsunternehmen: „Unser Fokus liegt nicht darauf, im Fall eines großen Erfolges die Cap Table massiv zu verwässern.“

„Börsen-Peergroups sind überbewertet“

Bei solchen strategischen Entscheidungen geht es letztlich natürlich auch um den Vergleich mit der Konkurrenz. Dieser spielt auch bei der Börsen-Standortwahl mitunter eine Rolle – Stichwort: „Peergroups“. Vergleichbare Unternehmen am selben Börsenplatz sollen konkretes Benchmarking ermöglichen, so die These hinter dem Begriff. Kröger schätzt deren Bedeutung jedoch als gering ein: „Börsen-Peergroups sind überbewertet.“ Denn Analyst:innen seien fachlich problemlos in der Lage dazu, Vergleichswerte über verschiedene Börsen hinweg zu berechnen.

Was es aber jedenfalls brauche, sei ein generelles Umdenken in Österreich, um die Wirtschaft nachhaltig zu stärken, meint Kröger: „Ein funktionierender Kapitalmarkt ist nicht die Ursache, sondern Teil der Lösung. Und das ist etwas, was wir beginnen müssen zu verinnerlichen“.

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