07.10.2025
BILDUNG

So wollen Regierung und SAP digitale Kompetenzen in Österreich stärken

Österreich muss seine digitalen Kompetenzen stärken. Politik, Wirtschaft und Bildung ziehen an einem Strang.
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l.n.r.: Alexander Pröll, Katharina Schäfer, Alina Nikolaou und Andreas Wagner beim SAP-Österreich-Pressegespräch. | © brutkasten

Wer kann heutzutage nicht mit Smartphones oder dem Internet umgehen? Die Antwort überrascht: Rund 37 Prozent der Österreicher:innen verfügen laut dem Digital Economy and Society Index (DESI) der EU über keine ausreichenden digitalen Grundkenntnisse. Bis 2030 soll dieser Anteil deutlich sinken – das Ziel liegt bei 80 Prozent digital kompetenter Bürger:innen.

„Mein Anspruch ist es nicht, 2030 bei 80 Prozent zu sein, sondern beinahe bei 100 Prozent“, stellt Alexander Pröll, Staatssekretär für Digitalisierung, klar. „Die digitalen Kompetenzen sind die nötige Ausrüstung für die Zukunft, denn die beste technologische Lösung bringt nichts, wenn die Menschen sie nicht anwenden können.“

Gesamtgesellschaftliche Aufgabe

Bei einem Pressegespräch, organisiert von SAP Österreich, wurde am Montag diskutiert, wie digitale Kompetenzen in der breiten Gesellschaft verankert werden können. Die Herausforderung ist groß: Noch immer fehlt etwa einem Drittel der Bevölkerung grundlegendes digitales Wissen, und rund 75 Prozent verfügen kaum über Kenntnisse im Bereich Künstliche Intelligenz. „Die Politik alleine wird es nicht schaffen. Es ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe zwischen Gesellschaft, Politik und Wirtschaft“, appelliert Pröll.

Weiterbildungsformate

Auf politischer Ebene läuft bereits eine Digitale Kompetenzoffensive, die kostenlose Workshops in ganz Österreich anbietet. Laut dem Staatssekretär wurden so bisher 43.000 Menschen in über 700 Gemeinden erreicht.

Doch die öffentliche Hand allein reiche nicht aus. „Wichtig ist die Zusammenarbeit mit Partnern aus der Wirtschaft, um die digitale Kompetenzentwicklung stärker zu vernetzen und innovative Weiterbildungsformate zu entwickeln. So können wir dem Fachkräftemangel gezielt entgegenwirken“, erklärt Pröll. Denn digitale Bildung sei dabei nicht nur ein gesellschaftliches, sondern auch ein wirtschaftspolitisches Thema: „Sie sichert Fachkräfte, hebt die Produktivität und macht Österreich für Investitionen attraktiver.“

Kooperationen für digitale Bildung

Auch SAP Österreich sieht die digitale Ausbildung als zentrale Zukunftsfrage. „Es ist extrem wichtig für die Zukunftsfähigkeit des Standorts in Österreich, wie wir unsere Jugendlichen im Bereich der digitalen Technologien ausbilden“, sagt Andreas Wagner, Geschäftsführer von SAP Österreich.

Digitale Bildung sei für ihn ein gemeinsamer Auftrag: „Eine Bildungslandschaft, die Menschen befähigt, Technologie verantwortungsvoll einzusetzen und Wertvolles zu stiften – für heute und für die Zukunft. Wir alle gemeinsam – Institutionen, Politik, Wirtschaft, Unternehmen, Schulen und Universitäten – müssen daran arbeiten, diese digitale Zukunft zu gestalten.“

Seit über 25 Jahren arbeitet SAP weltweit mit Bildungseinrichtungen zusammen. Derzeit mit über 3.000 Universitäten und Schulen, die jährlich mehr als eine Million Lernende erreichen. In Österreich kooperiert SAP unter anderem mit der TU Wien und der WU Wien, um Brücken zwischen Wissenschaft und Wirtschaft zu schlagen.

„Wir verbinden die Studierenden auch weltweit mit unseren Partnern. Davon haben wir 25.000“, erklärt Katharina Schäfer, Leiterin der Bildungsprogramme bei SAP. So entstehe eine „Win-Win-Situation“ für alle Beteiligten.

Kritisches Denken

Im Zuge der Diskussion wurde auch auf die Rolle von Künstlicher Intelligenz im Lernprozess eingegangen. Durch den vermehrten Einsatz von KI-Sprachmodellen wie ChatGPT habe man beobachtet, dass das kritische Denken und die Erinnerungsfähigkeit abnehmen können. „Der Designprozess von Lernformaten ist daher entscheidend, um genau diese Kompetenzen zu fördern“, erklärt Alina Nikolaou, Geschäftsführerin der TedAI Vienna.

Zudem müsse man kulturelle Unterschiede beachten: Lernverhalten und technologische Erwartungen unterscheiden sich etwa zwischen China, Australien und Deutschland erheblich. Der gemeinsame Nenner sei jedoch klar: „Was Menschen von einer KI erwarten, spiegelt letztlich wider, was sie auch von ihren Mitmenschen erwarten: Verständnis, Verantwortung und Vertrauen“, so Nikolaou.

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Stefan Wierzbinski und Michal Lewandowski | (c) Walter Real Estate / Walter Group
Stefan Wierzbinski und Michal Lewandowski | (c) Walter Real Estate / Walter Group

Der Corporate-Venture-Capital-Arm (CVC) WaVe-X der in Wiener Neudorf ansässigen Walter Group, investiert im Rahmen einer Zehn-Millionen-Euro-Finanzierungsrunde in den Berliner Energie- und Sanierungsexperten Fuchs & Eule. Angeführt wurde die Runde von GET Fund als Lead-Investor, daneben beteiligten sich weitere Partner wie PI Impact sowie die Bestandsinvestoren SET Ventures, Picus Capital und Realyze Ventures. Das 2021 gegründete Berliner Startup begleitet Eigentümer:innen von Wohn- und Gewerbeimmobilien durch künstliche Intelligenz und Datenanalysen bei der energetischen Sanierung.

„Ein generationsübergreifender Sanierungs-Superzyklus“

Bei seinen Investments konzentriere sich WaVe-X auf Unternehmen, die sich durch die „Bewältigung komplexer operativer und regulatorischer Herausforderungen nachhaltige Wettbewerbsvorteile erarbeiten“, erklärt Michal Lewandowski, Senior Investment Manager bei WaVe-X, gegenüber brutkasten. Er zeigt sich überzeugt, dass Fuchs & Eule einen „einzigartigen Zugang zu einem riesigen Markt“ biete, der aktuell von einem „generationsübergreifenden Sanierungs-Superzyklus in der DACH-Region“ angetrieben werde.

Forciert durch strenge nationale Vorgaben wie das deutsche Bundes-Klimaschutzgesetz und die EU-Gebäuderichtlinie (EPBD) stünden institutionelle Immobilieneigentümer unter immensem Druck. Dabei würden Objekten mit unzureichenden ESG-Ratings spürbare „Brown Discounts“ und gravierende Bewertungsrisiken drohen, warnt Lewandowski. Dass diese Risiken real sind, zeigen auch aktuelle Marktdaten des Branchenportals reduco.ai: Während energieeffiziente Gebäude der Klasse A zwischen 2021 und 2025 rund 13 Prozent an Wert gewannen, verloren unsanierte Objekte der Klassen G und H im selben Zeitraum rund 12 Prozent an Wert.

„Dieses Investment liegt unserer Muttergesellschaft sehr nahe“

Daraus ergebe sich ein operativer Nutzen für die gesamte Walter Group, erklärt Stefan Wierzbinski, Vorsitzender der Geschäftsführer von Walter Real Estate: „Dieses Investment liegt unserer Muttergesellschaft sehr nahe.“ Die „investmenttaugliche Energy Due Diligence“ von Fuchs & Eule sei für das große Wohnimmobilien-Portfolio von Walter Real Estate von großem Interesse. Die Gesellschaft sei in der Assetklasse Wohnen in Österreich, Deutschland und Dänemark investiert. Das Investment biete einen „skalierbaren Weg, um das Thema ESG-Compliance anzugehen“, die eigenen Assets zu optimieren und den Gebäudewert langfristig abzusichern.

Man habe WaVe-X bereits bei der Evaluierung des Startups mit der eigenen Expertise unterstützt und bestätigt, dass Fuchs & Eule ein „echtes Problem“ löse, mit dem sich auch Walter Real Estate im eigenen Portfolio beschäftige. Diese Partnerschaft sei jedoch „keine Einbahnstraße“, betont Wierzbinski. Neben der internen Nutzung der Plattform werde man das Team bei seiner anstehenden internationalen Expansion aktiv unterstützen: „Wir werden unser Real Estate Netzwerk und unsere Marktpräsenz einbringen, um Fuchs & Eule bei einem erfolgreichen Markteintritt in Österreich zu begleiten.“

Globale VC-Standards und strategischer Wissenstransfer

Auch über diesen Deal hinaus verfolgt WaVe-X große Pläne. Man habe bis heute „13 Investments an der Seite von weltweit führenden Investoren getätigt“ sagt Lewandowski. Dabei konzentriere man sich auf Verticals wie Logistics Tech, Manufacturing Tech, Proptech und Construction Tech. „Unser Mandat ist global; wir haben bereits in ganz Europa und den USA investiert. Unser Gesamtvolumen für Erstinvestments liegt im mittleren zweistelligen Millionenbereich“, so der Investment-Manager. Die initialen Ticketgrößen bewegten sich zwischen 200.000 Euro und zwei Millionen Euro, wobei das Ziel darin bestehe, ein finales Portfolio von rund 20 Unternehmen aufzubauen. Das Portfolio zeige bereits eine starke Dynamik; so habe das Portfoliounternehmen Dexory vor Kurzem erfolgreich seine Series-C-Finanzierungsrunde abgeschlossen.

WaVe-X sei dabei durch die Walter Group mit einem fixen Fondsvolumen ausgestattet. „Wir agieren nach marktüblichen Venture-Capital-Standards und suchen aus Sicht der finanziellen Rendite nach den vielversprechendsten Startups innerhalb des für die Walter Group relevanten Ökosystems“, erklärt Lewandowski. Bei der Konzeption der Struktur habe man gezielt die Best Practices und Setups führender europäischer CVC-Fonds einfließen lassen.

Und man habe weiterhin signifikantes Kapital zur Verfügung, um es in erstklassige Gründerteams in den Fokusbereichen zu investieren – unabhängig von deren geografischem Standort: „Unser Ziel ist es, die disruptiven Technologien zu finanzieren, die diese Branchen nachhaltig prägen.“ Gründer:innen biete man einen „einzigartigen Zugang zum tiefen Netzwerk und der operativen Erfahrung der Walter Group“, während man gleichzeitig modernste Innovationen und wertvolles Know-how aus den Startups zurück in die Gruppe bringe. „Anhand der aktiven Zusammenarbeit mit unserem aktuellen Portfolio sehen wir aus erster Hand, wie gut dieser Wissenstransfer funktioniert und wie sehr die Gründer die Partnerschaft mit der Walter Group schätzen“, so Lewandowski. „Wir werden dieses Modell konsequent weiter ausbauen und weiterhin global investieren.“

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