28.04.2025
ENERGIEWENDE

So-Strom baut Betriebssystem für Energiegemeinschaften

Mit seiner Software liefert So-Strom das digitale Rückgrat für Energiegemeinschaften. Organisation und Abrechnung sollen so leichter werden.
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Energie war einmal einfach. Man drehte den Schalter, der Strom kam – und am Monatsende die Rechnung. Heute wird alles komplexer. Um das Klima zu schützen, muss der Strom grüner werden. Um diesen Strom – aus Wind-, Solar- oder Wasserkraft – dorthin zu bringen, wo er benötigt wird, braucht es neue Systeme. Sonne scheint auf viele Dächer, Wind weht über viele Felder. Heißt: Die Zukunft kommt dezentral. Und sie kommt digital. Zum Beispiel aus Graz.

Ein Startup für Energiegemeinschaften

Dort haben ein Steuerberater und ein Software-Entwickler ein Werkzeug gebaut, das Energiegemeinschaften jede Menge Arbeit abnehmen soll. Die gesetzliche Grundlage dafür kam 2021 – mit dem Erneuerbaren-Ausbau-Gesetz, basierend auf EU-Vorgaben. Die Quintessenz: Bürger:innen dürfen aktive Teilnehmer:innen am Energiemarkt sein; sie können sich zusammentun, um gemeinsam Strom zu erzeugen, zu verbrauchen und zu verkaufen. Just ein Jahr nach der Verordnung gründeten Heribert Strasser und Sebastian Lassacher So-Strom.

Mittlerweile arbeiten sieben Mitarbeiter:innen Vollzeit am Herzstück des Startups, der Webplattform So-Strom-Digital. In der Anwendung tanzen bunte Balken, violette Linien, Verbrauchs- und Ertragskurven. Alle Nutzer:innen sehen, wie viel Strom sie produzieren, verbrauchen oder verkaufen. Wer mitmacht, soll mit der Software alles regeln können: die Anmeldung bei Netzbetreibern, Verträge und Abrechnungen.

Dezentralisierung im Fokus

„Der Strom aus einer Anlage wird vom Netzbetreiber automatisch aufgeteilt. Das erfolgt in der Regel immer dynamisch. Das heißt, das Mitglied, das in der jeweiligen Viertelstunde mehr verbraucht, kriegt auch mehr zugeteilt“, erklärt Strasser. Entsprechend rechnet So-Strom-Digital dann auch ab. „Konzept, Gründungsbegleitung und vor allem laufender Betrieb bis hin zur Einreichung der Steuererklärungen bekommen die Energiegemeinschaften alles von uns“, sagt der Co-Founder.

Mit dem Tool will das Startup vor allem selbstbestimmte Energiegemeinschaften unterstützen, keine Konzerne. Das können Mehrparteienhäuser, Nachbar:innen oder ganze Gemeinden sein. „Uns ist es ein Anliegen, dass die Entscheider in der jeweiligen Region verankert sind“, sagt Strasser.

So-Strom geht auf Partnersuche

Geld verdient So-Strom mit der Software entweder über eine Grundgebühr oder einen Anteil pro Kilowattstunde. Der Beweis, dass die Idee funktioniert, ist erbracht. Jetzt sucht So-Strom Partner:innen – strategische wie finanzielle. In drei Jahren will das Unternehmen Marktführer in Österreich sein. Konkurrent:innen gibt es im Lande einige – zu den bekannten Startups im Orbit der Energiegemeinschaften zählen etwa Nobile oder Sonnenschmiede.

Das nächste Ziel von So-Strom: der Sprung ins Ausland. Energiegemeinschaften beruhen auf einer EU-Richtlinie, sie gelten entsprechend europaweit – auch wenn jedes Land sie anders umsetzt. Langfristig sieht sich So-Strom als Teil eines vielfältigen Energiemarkts. Die Vision: mehr Unabhängigkeit für kleine Gemeinschaften, weniger Abhängigkeit von großen Konzernen.

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Vorsitz im Board of Advisory von refurbed, Jan Kemper © Amélie Losier

Der Finanz- und Tech-Manager Jan Kemper rückt an die Spitze des Advisory Boards von refurbed. Er ist bereits seit Anfang 2025 Mitglied des Gremiums und übernimmt nun den Vorsitz von Delphine Mousseau. Die bisherige Vorsitzende bleibt dem Beirat als reguläres Mitglied erhalten. In ihrer Amtszeit verzeichnete das Wiener Unternehmen eine Verfünffachung des Umsatzes.

C-Level-Erfahrung

Kemper bringt Erfahrung aus diversen C-Level-Positionen mit. Er war in der Vergangenheit unter anderem als CFO bei ProSiebenSat.1, Zalando, Omio und der Neobank N26 tätig. Bei Zalando begleitete er das Unternehmen bis zum Börsengang.

Außerdem ist der gebürtige Nordrhein-Westfale in weiteren Board-Positionen aktiv, etwa als Beiratsvorsitzender der Marktforschungsplattform Appinio oder bei der Sportbekleidungsmarke Ryzon, wo er auch als Investor aktiv ist. Diese Expertise soll nun dem Marktplatz für generalüberholte Produkte zugutekommen.

Strategische Weichenstellung

Refurbed verzeichnete laut eigenen Angaben zuletzt ein kumuliertes Gross Merchandise Volume (GMV) von über drei Milliarden Euro, bedient mehr als fünf Millionen Kund:innen in 24 europäischen Märkten und erreichte 2025 die EBITDA-Profitabilität.

Für Co-Founder und CEO Peter Windischhofer ist die Personalie eine logische Konsequenz für die Skalierung: „Seine Erfahrung beim Aufbau von Marktführern sowie seine Fähigkeit, Unternehmen durch komplexe Wachstumsphasen zu begleiten, machen ihn zu einem idealen Partner für unsere nächste Entwicklungsstufe.“

Kemper selbst sieht seine primäre Aufgabe in der Strukturierung der anstehenden Expansionsschritte. Mit zunehmender Unternehmensgröße würden eine gute Governance und die Qualität strategischer Entscheidungen zunehmend zum entscheidenden Wettbewerbsvorteil. „Refurbed hat sich das Recht erarbeitet, größer zu denken“, erklärt der neue Beiratsvorsitzende im Hinblick auf das nächste Wachstumskapitel des Scaleups.

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