07.03.2025
FINANZIERUNG

So steht es um den Gender Investment Gap

Noch immer gründen weniger Frauen als Männer Startups. Auch nach der Gründung sind die Unterschiede - besonders in puncto Funding - groß. Der Female Innovation Index 2025 zeigt aber auch positive Entwicklungen.
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Der Gender Investment Gap ist nach wie vor groß. Foto: Adobe Stock / KI-generiert

Trotz eines leichten Anstiegs der Diversität in österreichischen Startup-Gründungsteams bleiben Frauen als Gründerinnen weiterhin unterrepräsentiert. 2023 hatten rund 33 Prozent der Startups und Scaleups mindestens eine Frau im Gründungsteam. Rein weibliche Gründungsteams führen hingegen gar nur drei Prozent aller Startups bzw. Scaleups.

Das geht aus dem Austrian Startup Monitor 2023 hervor. Der Bericht wird jährlich vom Austrian Institute of Technology in Zusammenarbeit mit AustrianStartups und dem Gründungszentrum der WU Wien herausgegeben. Auch die Berichte der vergangenen Jahre zeigen: Frauen gründen seltener als Männer. Woran liegt das?

Verteilung von Investments

Ein zentrales Hindernis für Frauen als Startup-Gründerinnen ist der erschwerte Zugang zu Risikokapital. Der Female Start-up Funding Index Austria 2023 der Wirtschaftsberatung EY hat gezeigt, dass gemischt oder rein weiblich geführte Startups 2023 nur 16 Prozent der Investments erhielten, obwohl 36 Prozent der Neugründungen in Österreich von Frauen oder mit Co-Founderinnen initiiert wurden.

Der Index für das erste Halbjahr 2024 zeigt, dass dieser Wert steigt. Immerhin hatten in diesem Zeitraum 23 Prozent der Startups mit mindestens einer Finanzierungsrunde auch mindestens eine Frau im Gründungsteam – brutkasten berichtete. Und wiederum drei Prozent aller Gründungsteams mit einer Finanzierungsrunde bestanden ausschließlich aus Frauen. Trotzdem: Der Großteil der Startups, die Kapital erhalten, ist immer noch rein männlich geführt.

Ein anderes Bild zeichnet der Female Innovation Index 2025 von Female Foundry: Basierend auf einer europaweiten Online-Befragung aus dem letzten Quartal 2024 sowie Daten von Dealroom kommen die Studienautor:innen zu dem Ergebnis, dass Gründungsteams, die mindestens eine Frau im Team haben, genauso oft Risikokapital bekommen wie der Gesamtdurchschnitt – wenn man die Daten nach Branchen vergleicht.

Großes Ungleichgewicht beim Finanzierungsvolumen

Allerdings hat auch diese Studie ergeben, dass diese Gründungsteams nur 12 Prozent des insgesamt investierten Risikokapitals erhielten. In Österreich ist der Anteil zwar höher – hier waren es laut Female Startup Funding Index im ersten Halbjahr 2024 insgesamt 24 Prozent. Da dieser Anteil im Jahr davor allerdings auch noch bei 11 Prozent lag, müssen für langfristige Entwicklungen auch jene Statistiken einbezogen werden, die in den kommenden Monaten und Jahren veröffentlicht werden. Denn immerhin flossen auch in Österreich drei Viertel des Kapitals an rein männliche Teams. Der Gender Investment Gap in Österreich bleibt also groß.

Branchenvergleich

Im Female Startup Funding Index wird das unter anderem darauf zurückgeführt, dass Gründerinnen in den Top-Investment-Sektoren unterrepräsentiert sind. „Generell erhalten Startups, die auf Know-how aus dem MINT-Bereich basieren, deutlich mehr Kapital als andere Jungunternehmen. Besonders deutlich zeigt sich das bei den Technologie-Startups, die aktuell überdurchschnittlich viel Kapital einsammeln“, sagt Florian Haas, Head of Start-up bei EY Österreich. Gerade in diesen Bereichen seien Frauen in den Gründungsteams unterrepräsentiert. Es sei essenziell, bei Frauen nicht nur das Interesse für diese Sektoren zu wecken, sondern auch Begabungen zu fördern und den Weg zu ebnen.

Zu einem spannenden Ergebnis kommt hier erneut der Female Innovation Index: Europaweit haben im Deep-Tech-Sektor Gründungsteams mit mindestens einer Frau mehr Risikokapital bekommen als der Durchschnitt. Die höchsten Investitionen gab es in den Bereichen synthetische Biologie, generative KI und Arzneimittelentwicklung.

Die Studienautor:innen führen die vergleichsweise hohe Erfolgsquote in diesem Bereich auf die akademische Ausbildung der Gründerinnen zurück. Generell verzeichnen laut Female Innovation Index unter den – zum Teil weiblich – geführten Startups die Bereiche Health, Fintech und Food das größte Finanzierungsvolumen in Europa.

Auch Vorurteile führen zum Gender Investment Gap

Dass Frauen im Allgemeinen seltener und niedrigere Investmens bekommen als Männer, liegt unter anderem auch daran, dass sie immer noch mit Vorurteilen konfrontiert sind. Die im Dezember 2024 veröffentlichte PwC-Studie „Diversity, Equity and Inclusion – was denken Gründende Deutscher Startups?“ behandelt genau diese Themen.

24 Prozent der befragten Gründer:innen gaben in einer Online-Befragung an, dass sie der Meinung sind, dass Frauen im Gründungsprozess extrem oder sehr stark diskriminiert werden. Und: 81 Prozent der Frauen, aber nur 51 Prozent der Männer haben diese Diskriminierung in irgendeiner Form wahrgenommen.

Stereotype nach wie vor fest verankert

In einer Harvard-Studie aus den USA haben Forscher:innen wiederum weltweite Forschungsergebnisse zum Gender Investment Gap verglichen. Die Studienautor:innen bestätigen einerseits den Unterschied in der Finanzierung zwischen Startups von Gründern und Gründerinnen. Zusätzlich erklären sie in ihrer Studie auch den Grund für diesen Unterschied: die in der Gesellschaft fest verankerten Gender-Rollen. Frauen würden entsprechend seltener in der Rolle der Unternehmerin gesehen.

Dass Stereotypen nach wie vor fest verankert sind, bestätigt auch Hannah Wundsam, Co-Managing Director von AustrianStartups im Gespräch mit brutkasten. So sei es beispielsweise auch ein Hindernis, wenn Kinderbetreuungseinrichtungen fehlen – und die Betreuungsarbeit dann aber an Frauen hängenbleibt.

Wie schließen wir den Investment Gap?

Lösungsansätze sehen sowohl Wundsam als auch andere Expert:innen in strukturellen Veränderungen. Wundsam schlägt beispielsweise den Ausbau der Kinderbetreuungseinrichtungen sowie Schulprogramme, in denen Startup-Founderinnen als Role Models auftreten, vor.

Florian Haas, Head of Startup bei EY Österreich, empfiehlt wiederum eine frühe Interessensförderung in MINT-Fächern vor. Und Lisa-Marie Fassl, Co-Gründerin Female Founders und General Partner bei Fund F, appellierte im Rahmen der Veröffentlichung des Female Startup Funding Index, ein neues Narrativ zu etablieren. „Auf rationaler Ebene teilen viele Menschen also die Meinung, dass eine gleichberechtigte Welt für uns alle besser ist. Auf emotionaler Ebene haben wir leider noch Aufholbedarf: Noch immer wird Feminismus oft als eine Kampfansage gegen Männer verstanden und damit vollständig falsch interpretiert – sowohl im wirtschaftlichen, politischen, gesellschaftlichen wie auch medialen Umfeld“, sagt Fassl.

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Novus-Gründer und CEO René Renger mit dem Novus One
(c) Novus

Als brutkasten erstmals über Novus berichtete, war das Fahrzeug aus Braunschweig noch ein Projekt mit guter Anekdote: 75 Kilogramm leicht, Vollcarbonrahmen, Motor im Hinterrad, und ein Team, das eine Kaufanfrage von Elon Musk ausgeschlagen hatte. Inzwischen ist aus dem Prototyp ein Serienfahrzeug geworden. Jetzt gibt das 2019 gegründete Unternehmen von Gründer und CEO René Renger, einem ehemaligen Lead Designer bei Volkswagen, eine Finanzierungsrunde in Höhe eines zweistelligen Millionen-Dollar-Betrags bekannt. Angeführt wird sie von 468 Capital mit Sitz in Berlin und San Francisco. Die genaue Summe nennt Novus nicht.

Serienauslieferungen seit dem Frühjahr

Das Novus One im Stadtverkehr
Das Novus One im Stadtverkehr (c) Novus

Die Serienauslieferungen des Novus One in Europa starteten laut Aussendung im Frühjahr 2026, das Fahrzeug ist in mehreren europäischen Ländern in Kundenhand. Die Founders Edition startet bei 21.300 Euro netto. Das Fahrzeug wiegt 121 Kilogramm, beschleunigt in unter zwei Sekunden von 0 auf 50 km/h und erreicht bis zu 130 km/h. Die 6,2-kWh-Batterie bietet laut Hersteller 150 Kilometer Reichweite und lädt in 90 Minuten von 0 auf 80 Prozent.

Novus bezeichnet das Fahrzeug als „Lightbike“ und reklamiert damit eine eigene Kategorie, die die Vorteile von E-Bike, Roller und Motorrad kombinieren soll. Der eigentliche Kniff liegt in der Zulassung: Das Fahrzeug fährt in zwei per Software einstellbaren Leistungsstufen, als Rollerklasse L1e bis 45 km/h und als Motorradklasse L3e bis 130 km/h. In der Einstiegskonfiguration reicht in den USA und in Europa laut Novus ein Autoführerschein, wobei die Voraussetzungen je nach Land und in den USA je nach Bundesstaat variieren. Damit zielt das Unternehmen nach eigenen Angaben auf über 400 Millionen Autofahrer in Europa und Nordamerika statt auf die Nische des Zweiradmarkts.

„Unser Ziel ist nicht, den Motorradmarkt zu elektrifizieren oder nur ein weiteres Zweirad zu bauen. Unser Ziel ist, urbane Mobilität neu zu verteilen. Investoren dieses Kalibers an Bord zu haben, zeigt mir, dass der Markt das genauso sieht“, sagt Renger.

Vom Musk-Nein zum Tesla-Ingenieur an Bord

Das Shareholder-Ökosystem umfasst laut Novus über 30 Investoren. Mit an Bord ist Eric Bach, ehemaliger Chief Engineer bei Lucid Motors und Director of Engineering bei Tesla, der als Investor und Board Advisor an der Fahrzeugentwicklung mitwirkt. Zudem steigt Martin Hoffmann ein, der On vom Schweizer Startup zur globalen Premium-Performance-Marke skaliert und als CFO und Co-CEO an die Börse gebracht hat. Dazu kommen Gründer und Führungskräfte von Kembara VC, Adidas, Audi, BMW, Chrono24, FINN, Grover, Mercedes-AMG, New Balance, Vay und Xiaomi, Venture-Investoren aus dem Silicon Valley und Europa sowie Rennfahrerin Sophia Flörsch. Ein Zweiradhersteller findet sich unter den Gesellschaftern nicht.

„Wir haben uns nicht nach klassischen Mobilitätsinvestoren umgeschaut. Was wir aufgebaut haben, funktioniert eher wie ein eigener Y Combinator“, sagt Hannes A. H. Krieger, CSO und Gründungsmitglied von Novus.

USA 2027, Novus Two Ende 2027

Das frische Kapital soll in den Marktstart in den USA 2027, die Expansion in europäische Lifestyle-Metropolen und die Entwicklung des Novus Two fließen. Das zweite Modell soll die Lightbike-Kategorie zu einem niedrigeren Einstiegspreis in die Breite bringen, der Produktionsstart ist für Ende 2027 geplant.

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