23.02.2024

So holt das Wiener EduTech mytalents.ai Großkunden an Bord

Kunden wie EY und Mediaprint zu gewinnen, ist für jedes Startup ein Traum. Für mytalents.ai erfüllte sich dieser schon drei Monate nach dem Launch. CEO und Co-Founder Florian Hasibar verrät im brutkasten-Gespräch Tipps zum Verkauf und wie KI-Lernstunden auch am Sonntag funktionieren.
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mytalents.ai Co-Gründer & CEO Florian Hasibar (li) und Co-Gründer, CTO & COO Fabian Hemmerich. (c) Gloria Krenn

Das Wiener EduTech Startup mytalents.ai bietet eine Lernplattform für Künstliche Intelligenz. Konkret können Unternehmen ihre Mitarbeitenden in unterschiedlichen Bereichen für den Einsatz von KI rüsten – so im Marketing, im Personalmanagement, im Vertrieb oder im Sales.

KI macht Mitarbeitende glücklicher

Die Geschäftsidee trifft den Zahn der Zeit. Wer nicht auf den KI-Zug aufspringt, bleibt am Startpunkt stehen. Repetitive Aufgaben werden zur Qual und halten die Effizienzentwicklung im Unternehmen auf. Das lässt nicht nur Produktivität sinken, sondern macht auch unglücklich: “Künstliche Intelligenz macht Mitarbeitende um 40 Prozent produktiver. Außerdem sind sie nachweislich glücklicher, wenn sie sich dazu in der Lage fühlen, KI im Arbeitsalltag sinnvoll einzusetzen”, erklärt der CEO.

Hasibar war vor seinem Startup beim Softwareunternehmen Blockpit tätig. “Meine Affinität zu KI war immer schon groß. Dann kam am 30. November 2022 der KI-Chatbot ChatGPT raus und der Hype begann zu rollen. Bei Blockpit wurde ich dann gefragt, KI-Schulungen für dortige Mitarbeitende anzubieten – mit dem Fokus darauf, wie man ChatGPT am besten im Arbeitsalltag einsetzt”, erinnert sich der Founder. “Mir war klar, dass KI nicht nur mein damaliges Unternehmen, sondern zwei bis drei Jahre später jede Firma in jeder Branche betreffen wird.”

Individuelle Lernpfade je nach Abteilung

“Alle Anwender:innen starten mit einem Basic-Kurs. Da geht’s darum, zu verstehen: Was ist Künstliche Intelligenz, wie funktioniert und arbeitet sie. Auch Datenschutz, Rechtssicherheit und Copyright-Themen werden behandelt. Nach den Einführungskursen bekommen alle Registrierten auf ihr Level zugeschnittene KI-Kurse, Übungen, Quizzes und Prompt-Vorlagen, die 24/7 abrufbar sind”, erklärt Hasibar. Die Plattform bietet indes individualisierte Lernpfade – je nach Unternehmensbereich und Level.

Dafür hat das zehnköpfige Team von mytalents.ai einen Chatbot namens mytalentsGPT entwickelt, mit dem Nutzende unter anderem das Schreiben von “Prompts” – also Anforderungen an KI-Chatbots – üben können. Der Launch des Bots, der auf dem Large Language Modell GPT-4 von OpenAI basiert, erfolgte Mitte Jänner.

So hingen Großkunden nach nur drei Monaten an der Angel

Das EduTech zählte schon nach drei Monaten Kund:innen wie die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY und den Zeitungsverlag Mediaprint. Auch Tochtergesellschaften der deutschen Otto- und Würth-Gruppe hat das junge Startup seit September 2023 unter Vertrag.

Dem mytalents.ai Gründer gelang dies unter anderem mit einem Fokus auf Personal KI-Branding: “Ich habe schon vor der Gründung begonnen, mein persönliches LinkedIn-Profil in Richtung Gen AI zu branden. Unter anderem habe ich einen AI-Newsletter gestartet, da ich mein Wissen einfach weitergeben wollte”, erzählt Hasibar.

“Der Newsletter ist gut gelaufen – und ich habe gemerkt, dass mein LinkedIn Profil mehrere hundert Follower hat, von denen einige aus größeren Unternehmen kamen. Diese Personen haben mir damit latent gezeigt, dass sie sich für KI im Unternehmen interessieren. Da waren auch unsere jetzigen Kunden wie die Mediaprint dabei.“

Aktiver Kundenaustausch

Nun galt es, strategisch richtig mit engagierten Follower:innen umzugehen: Hasibar habe kein klassisches Sales-Gespräch geführt, sondern sich themenbezogen mit potenziellen Kund:innen ausgetauscht. “Ich würde keinem Gründer empfehlen, über LinkedIn-Nachrichten etwas zu verkaufen. Ich würde potenzielle Kund:innen viel eher in ein Gespräch verwickeln und nachfragen, was sie von einem bestimmten Thema halten”, rät Hasibar. “So habe ich bei Interessenten nachgefragt: Welche KI-Strategie verfolgt ihr im Unternehmen? Habt ihr KI schon im Einsatz oder wollt ihr überhaupt KI-fit werden?”

“Unbedingt was zum Probieren mitgeben”

Ein weiterer Tipp für erfolgreiche Kundenakquise: “Gebt den Kund:innen unbedingt was zum Probieren mit. Wir haben zum Beispiel drei bis vier Kurse unserer Plattform für Kund:innen zum Testen freigeschaltet. So konnten sie das Produkt probieren, ohne sich vorab zahlungspflichtig zu entscheiden – und sie nahmen dabei erstes KI-Wissen in ihren Arbeitsalltag mit. Unser Argument war: Auch, wenn ihr euch dagegen entscheidet, ihr lernt in unseren Gesprächen schon Tipps und Tricks zu KI im Arbeitsalltag – und könnt das im Unternehmen anwenden”, erklärt Hasibar seine ersten Schritte im Sales Funnel.

Der Zugang zur Online-Ausbildung basiert auf einem Jahresabo, das Unternehmen für ausgewählte Mitarbeitende erwerben können. “KI-Kompetenzaufbau ist etwas Stetiges und Langfristiges. Alle zehn bis 14 Tage kommen neue Kurse, die auch immer wieder aktualisiert werden”, erklärt der Gründer. Aktuell zählt die Plattform rund 45 KI-Kurse. Deren Design liegt beim Produktteam von mytalents.ai, 75 Prozent der Kurse werden von externen Branchenexpert:innen erstellt.

Unternehmen steigern Produktivität um 40 Prozent

Hasibar empfiehlt größeren Unternehmen, sich vorerst einen Pool aus KI Ambassadors aufzubauen, die mit der Fortbildung starten und als “Zugpferde” für das restliche Unternehmen gelten: “Zuerst sollen KI Ambassadors mit der Weiterbildung starten. Wenn unsere Kund:innen das Angebot nach einigen Monaten dann im gesamten Unternehmen ausrollen, gibt es mit den ersten Ambassadors schon Ansprechpersonen, die die Integration erleichtern.”

Aktuell würden Kundenunternehmen eine durchschnittliche Produktivitätssteigerung von 40 Prozent melden. In der Softwareentwicklung spreche man sogar von 80 Prozent, bei Marketing und Vertrieb von 50 Prozent, im Finanzbereich von 20 Prozent mehr Produktivität, berichtet Hasibar und erklärt: “Überall wo viel geschrieben und kommuniziert wird, kann Generative KI nachweislich Effizienz steigern.”

KI-Lernstunden auch am Sonntag beliebt

Die aktuelle Abschlussrate der mytalents.ai Kurse liege bei 60 bis 70 Prozent. “Wir raten unseren Kund:innen, sich für die Weiterbildung wirklich Zeit zu nehmen und in ihre Arbeitszeiten in Form von Lernstunden zu integrieren. Eine solche Lernstunde bieten wir bei mytalents.ai beispielsweise freitags von 10 bis 11 Uhr an.” Viel Traffic verzeichnet die Lernplattform auch am Sonntag: “Den Leuten taugt das Weiterlernen im KI-Bereich – vor allem, weil mytalents.ai 24/7 und online abrufbar ist.”

Internationalisierung und Knowledge Hub geplant

In den kommenden Monaten steht Internationalisierung am Programm: “Unser Hauptportfolio ist auf Deutsch, 30 Prozent der Kurse gibt es bereits auf Englisch. Mit Q2 wollen wir das gesamte Angebot internationalisieren”, verrät der Gründer. Langfristig wolle man KI-Kurse flächendeckend in weiteren Sprachen anbieten. Die Mission der EduTech Plattform sei es außerdem, verstärkt individualisierte Videokurse zu entwickeln und damit zu einem AI-Knowledge-Hub, konkret zum “führenden Upskilling Anbieter im Bereich Weiterbildung in Europa“ zu werden.

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Gründer und CEO von Silverstar Railways: Patrick Kröll | (c) Lea Baumgartner / brutkasten

Langsam nimmt das Büro von Silverstar Railways im vierten Wiener Gemeindebezirk Form an. Einige Arbeitsplätze sind bereits eingerichtet, auch ein Besprechungsraum steht bereit. In den großzügigen Altbauräumen ist außerdem Platz für ein weiteres Vorhaben: einen Lokführersimulator. Denn Gründer Patrick Kröll will künftig nicht nur Züge betreiben, sondern auch selbst Lokführer:innen ausbilden.

Seine Begeisterung für die Eisenbahn reicht bis in die Kindheit zurück. Gemeinsam mit seinem Großvater verbrachte er Stunden am Bahnhof und beobachtete die ein- und ausfahrenden Züge. Dass er einmal ein eigenes Bahnunternehmen führen würde, hätte der heute 33-Jährige weder als Kind noch als Lokführer bei den ÖBB gedacht.

Beruflich führte ihn sein Weg zunächst in die Gastronomie. Nach einer Lehre zum Hotel- und Gastgewerbeassistenten arbeitete er auf Saison und leistete anschließend Zivildienst bei der Rettung. Zum Lokführer wurde er schließlich eher zufällig: Kröll bewarb sich gleichzeitig bei der Berufsrettung, der Polizei und den ÖBB. Letztere meldeten sich zuerst.

Eine Marktlücke auf Schiene

Bei den ÖBB arbeitete Kröll zunächst als Lokführer, später in der Disposition und Ausbildung. Während der Coronapandemie wechselte er zum privaten Bahnbetreiber RegioJet und half als Operations Manager, dessen österreichischen Betrieb aufzubauen. Durch seine Erfahrungen hatte Kröll eine Marktlücke erkannt: Vielen Bahnbetreibern fehlt es an qualifiziertem Personal und Unterstützung bei der Organisation ihrer Verkehre. Im August 2024 gründete er deshalb Silverstar Railways.

Das Wiener Unternehmen beschäftigt Lokführer:innen, die für andere Eisenbahnunternehmen Züge fahren. Hinzu kommen Dienstleistungen wie Disposition und die Planung von Verkehrskonzepten. Besonders im Güterverkehr, wo kurzfristige Änderungen und lange Verspätungen den Alltag prägen, sei Flexibilität gefragt. Im Frühjahr 2026 nahm Silverstar außerdem zwei geleaste Lokomotiven in seinen Fuhrpark auf. Kund:innen können damit sowohl Personal als auch Lokomotiven buchen.

Ohne Investoren zur eigenen Bahn

Kröll verfolgt dabei einen schrittweisen Ansatz. Ein Eisenbahnunternehmen zu gründen, sei mit hohen Kosten verbunden, lange bevor überhaupt der erste Zug fahren könne. Deshalb baute er zunächst das Dienstleistungsgeschäft auf und arbeitete parallel an den erforderlichen Genehmigungen. „Wir haben im B2B-Bereich zuerst Geld verdient, bevor wir es investiert haben“, erklärt er.

Nach eigenen Angaben war Silverstar bereits im ersten Geschäftsjahr profitabel. Für 2026 erwartet Kröll aufgrund größerer Investitionen allerdings ein negatives Jahresergebnis. Das operative Geschäft sei weiterhin positiv. Bislang finanziert sich Silverstar ohne externe Investoren. Dass das so lange möglich sein würde, habe ihn selbst überrascht. „Ich habe mir gedacht, dass wir früher an Investoren denken müssen.“

Seit September verfügt Silverstar über die Voraussetzungen für einen eigenständigen Bahnbetrieb in Österreich. Den ersten Zug auf eigener Lizenz führte das Unternehmen bereits ein Monat später durch. Für den Wiener Sonderzuganbieter B&B Blue Train übernahm Silverstar die Beförderung eines Charterzugs mit einer Reisegruppe von Wien bis zum Grenzbahnhof Spielfeld.

Am 23. Oktober 2026 fuhr Silverstar Railways erstmals unter eigener Lizenz von Wien nach Spielfeld. | (c) Silverstar Railways

Ein Zug, der bewusst langsamer fährt

Ab Mai 2027 soll mit dem STAR-Blue Train das nächste Geschäftsfeld folgen: ein touristischer Reisezug zwischen Wien und dem Salzkammergut. Von Mai bis September sind zunächst dienstags und donnerstags jeweils eine Hin- und Rückfahrt geplant. „Wir sehen uns nicht als Wettbewerb zur ÖBB oder zur Westbahn“, betont Kröll. Während die großen Anbieter auf schnelle Verbindungen setzen, will Silverstar das Reisen selbst wieder zum Erlebnis machen.

Der STAR-Blue Train soll deshalb bewusst rund eine Stunde länger unterwegs sein als bestehende Verbindungen. Geplant sind ältere, komfortable Personenwagen, Service am Platz und frisch zubereitete Mahlzeiten. Die Wagen und das Servicepersonal stellt B&B Blue Train bereit, Silverstar verantwortet den Bahnbetrieb.

Für die erste Saison kalkuliert Kröll mit rund 10.000 Fahrgästen bei 88 geplanten Zugfahrten und durchschnittlich 200 bis 210 Sitzplätzen. Ob die Rechnung aufgeht, muss sich erst zeigen. Die Ticketpreise seien bereits kalkuliert und sollen sich ungefähr am Niveau der ersten Klasse der ÖBB orientieren. Ende November soll eine eigene Buchungsplattform online gehen.

Zwischen Personalmangel und großen Zukunftsplänen

Eine Herausforderung bleibt der Personalmangel. Kröll schätzt, dass österreichweit 400 bis 500 Lokführer:innen fehlen. Die ÖBB erhöhten 2025 ihre jährlichen Ausbildungskapazitäten von 480 auf 640 Plätze. Hinzu kommt, dass Lokführer:innen auch nachts und am Wochenende gebraucht werden, was die Personalsuche zusätzlich erschwert. Silverstar will deshalb ab 2027 selbst Lokführer:innen ausbilden. Der dafür geplante Simulator soll im neuen Wiener Büro Platz finden.

Auch darüber hinaus hat Kröll große Pläne. Langfristig denkt er über internationale Verbindungen und einen Einstieg in den regionalen Personenverkehr nach. „Wir haben gewisse Pläne in den Schubladen liegen, die wir zur richtigen Zeit einfach rausziehen“, sagt er. Welche davon umsetzbar sind, hängt auch von den regulatorischen Bedingungen in Österreich ab.

Bei allen Zukunftsplänen ist der Gründer seiner ursprünglichen Leidenschaft treu geblieben. Ein- bis zweimal pro Woche sitzt er nach eigenen Angaben weiterhin selbst im Führerstand. „Ich selbst fahr irrsinnig gern“, sagt er.

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