02.02.2024

So entwickelst du einen Businessplan und eine Corporate Identity

Gastbeitrag. Wie entwickelt man einen überzeugenden Businessplan, formuliert klare Mission und Vision Statements und was ist eigentlich die Corporate Identity? Für den brutkasten hat der österreichische Webhoster world4you diese Fragen beantwortet.
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(c) world4you
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Nachdem wir uns in unserem letzten Gastbeitrag dem Ideenfindungsprozess gewidmet haben, werfen wir nun einen Blick auf den nächsten Schritt der Unternehmensentwicklung: den Businessplan und die Corporate Identity. Deine kreative Idee verdient eine durchdachte Umsetzung – lass uns gemeinsam herausfinden, wie du deinen Weg zum unternehmerischen Erfolg ebnen kannst!

Was ist ein Business Plan?

Ein Businessplan ist das schriftliche Fundament deines Unternehmenskonzepts. Hier wird deine Geschäftsidee verschriftlicht, um ein solides Geschäftskonzept zu formen. Der Plan umfasst alle geplanten Schritte zur Umsetzung der Idee, von Produktüberlegungen bis hin zu Marktanalysen. Es ist der Fahrplan für die Unternehmensgründung, eine Visitenkarte, die das Unternehmen noch vor der Existenz repräsentiert. Ein realistisches Bild von Unternehmen und Markt zu vermitteln, gibt dem Businessplan einen hohen Stellenwert.

Ein Businessplan mag keine festgelegten Regeln haben, aber bestimmte Schlüsselelemente sind unverzichtbar. Hier sind die Kernpunkte, die du in Erwägung ziehen solltest:

  • Executive Summary: max. zwei Seiten zur Geschäftsidee
  • Gründer:in: Teamvorstellung, Qualifikationen, Motivation, Rechtsform
  • Idee & Zielgruppe: Alleinstellungsmerkmal, Zielgruppe, Zweck
  • Markt & Wettbewerb: Marktanalyse, Analysen wie z. B. SWOT
  • Ziele & Strategie: Kurz-, mittel-, langfristige Ziele, Umsetzungsstrategie
  • Marketing: Maßnahmen, Kanäle, Budget, Customer Journey
  • Finanzplanung: Kapitalbedarf, Umsätze, Kosten, Liquidität
  • Anhang: Marktstudien, Produktbeschreibungen, Lebensläufe

Nachdem wir die essenziellen Punkte für einen fundierten Businessplan erläutert haben, lenken wir nun den Blick auf zwei kritische Bausteine, die trotz ihrer Verwurzelung im Businessplan eine eigenständige Betrachtung verdienen: Mission & Vision Statements.

Was sind Mission und Vision Statements?

Mission und Vision Statements bieten eine klare Orientierung und definieren das Selbstverständnis eines Unternehmens. Die Mission beschreibt den Zweck und die angestrebte Wirkung, während die Vision langfristige Ziele und den angestrebten Zustand definiert. Beide Aspekte spielen eine wesentliche Rolle bei der Festlegung und Kommunikation der Unternehmensidentität.

So erstellst du ein Mission Statement

1. Schritt: Als Start in die Entwicklung hilft es folgende Fragen zu beantworten, um eine Basis zur Weiterarbeit zu haben:

  • Was bietet dein Unternehmen?
  • Wer ist die Zielgruppe deines Unternehmens?
  • Wodurch unterscheidet sich dein Unternehmen vom Mitbewerb?

2. Schritt: Dank Schritt 1 stehen die Grundbestandteile deiner Mission. Damit dein Statement etwas harmonischer wird, solltest du nun daran arbeiten, dass die drei Antworten ein zusammengesetztes Ganzes bilden. Dafür musst du gegebenenfalls Teile umrangieren und umformulieren. Es ist ok, wenn nicht sogar von Vorteil, am Ende dieses Schrittes mehrere Versionen zu haben, denn im nächsten Schritt misten wir aus.

3. Schritt: Das Mission Statement repräsentiert das gesamte Unternehmen, Feedback deiner Umgebung ist dabei entscheidend. Frage nach Meinungen Anderer und berücksichtige alle Inputs sorgfältig.

So erstellst du ein Vision Statement

1. Schritt: Zu Beginn musst du den Mehrwert deines Unternehmens herausfiltern. Überlege dabei, warum deine Produkte oder Dienstleistungen besonders sind. Denke groß und frage dich: „Welchen Zweck verfolgt mein Unternehmen?“

2. Schritt: Stelle dir nun den Moment vor, an dem du weißt, dass dein Unternehmen erfolgreich ist. Woran wirst du das erkennen? Zufriedene Kundschaft oder glückliche Mitarbeiter:innen? Schreibe Träume auf, bleibe aber zumindest annähernd realistisch.

3. Schritt: Kombiniere deine Ideen wie beim Mission Statement. Hole Meinungen ein und arbeite daran, bis deine Vision motivierend ist.

Beide Statements sollten authentisch sein, die Identität des Unternehmens widerspiegeln und klare Leitlinien für strategische Entscheidungen bieten.

Was ist eine Corporate Identity?

Ein detaillierter Businessplan ist zweifellos der strategische Bauplan für den Start eines Unternehmens. Doch für Gründer:innen ist es ebenso entscheidend, die Macht einer durchdachten Corporate Identity (CI) zu verstehen. Während der Businessplan die strategische Route skizziert, prägt die CI das Gesicht und die Persönlichkeit des Unternehmens.

Corporate Identity ist das einheitliche Erscheinungsbild eines Unternehmens, das nicht nur visuelle Elemente wie Logo und Design umfasst, sondern auch die Werte und den Kommunikationsstil. Eine durchdachte Corporate Identity schafft Wiedererkennung und fördert das Vertrauen von Kundschaft und Stakeholdern.

So erstellst du eine CI

1. Analyse: Beginne mit einer gründlichen Analyse deiner Unternehmenswerte, Zielgruppen und Positionierung im Markt.

2. Design: Entwickle ein kohärentes Design, das Logo, Farbschema und Schriftarten umfasst. Diese visuellen Elemente sollten die Identität und Botschaft deines Unternehmens repräsentieren.

3. Kommunikation: Definiere einen klaren Sprachstil und Ton für die Unternehmenskommunikation. Dieser sollte die Werte und Persönlichkeit des Unternehmens widerspiegeln.

4. Implementierung: Integriere die Corporate Identity konsequent in alle Aspekte des Unternehmens, einschließlich Marketingmaterialien, Website, Mitarbeiter:innenkleidung und interne Kommunikation. Die Einheitlichkeit gewährleistet einen professionellen und vertrauenswürdigen Auftritt.

Für Gründer:innen ist nicht nur ein detaillierter Businessplan oder eine ausdefinierte CI entscheidend. Unterstützungsprogramme von verschiedenen Organisationen bringen oft den entscheidenden Funken für einen erfolgreichen Start. Wir von world4you unterstützen zum Beispiel aktuell vielversprechende Geschäftsideen mit einem Startkapital von bis zu 10.000 €. Dieser finanzielle Beitrag kann für Gründer:innen einen entscheidenden Schub bedeuten, um die gefundene Idee in die Realität umzusetzen. Weitere Informationen zur Einreichung bis zum 16.04.2024 sind auf der Website von world4you verfügbar.

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Vlnr: Mag. Markus Manz (CEO SCCH Innovations GmbH) und die Gründer*innen von LUML, Nikita Gonchar, Oleh Kostromin und Iryna Kondrashchenko | (c) SCCH

Das Software Competence Center Hagenberg forscht als COMET-Zentrum seit Jahren für Industriepartner wie Siemens, Bosch oder Fronius. Mit der SCCH Innovations GmbH will das oberösterreichische Forschungszentrum seine Ergebnisse zusätzlich auch selbst in Unternehmen überführen, statt sie ausschließlich an Auftraggeber weiterzugeben. „Es war mir immer ein besonderes Anliegen, dass die Ergebnisse unserer Forschung nicht mit dem Abschluss eines Forschungsprojekts enden, sondern ihren Weg in die wirtschaftliche Anwendung finden“, sagt Markus Manz, CEO der SCCH Innovations GmbH.

Rund 30 Unternehmen als Ziel

Im Gespräch mit brutkasten formuliert Manz ein ambitioniertes Zielbild: Rund 30 Beteiligungen sollen bis 2030 und darüber hinaus realisiert bzw. aufgebaut  werden. Die Vision beschreibt er als Unendlichsymbol (∞), welches das Forschungs- und das Gründerökosystem iterativ verbindet. Tiefe Technologien aus der angewandten Forschung sollen in Unternehmensgründungen überführt werden, die Rückflüsse daraus wiederum die Forschung speisen. Es gehe dabei nicht darum, eine App zu entwickeln, betont Manz, sondern darum, tiefe Technologien aus der eigenen Forschung mit Industriepartnern und Universitäten in Unternehmensgründungen zu bringen. Ein vergleichbares Modell, bei dem ein angewandtes Forschungszentrum eine eigene Beteiligungsgesellschaft betreibt, kenne er aus seiner Recherche nicht.

Die Gesellschaft soll zu Beginn mit rund 500.000 Euro kapitalisiert werden. Große Einzelinvestments sind damit nicht geplant: Die Ticketgröße für Erstinvestments liegt laut Manz bei maximal 100.000 Euro. Das Startkapital soll Gründer:innen helfen, die erste Phase zu überbrücken, Förderungen einzureichen und das Produkt weiterzuentwickeln. Noch heuer sind drei weitere Beteiligungen geplant, zwei davon im Deep-Tech-Bereich und eine im Dienstleistungsbereich, um schneller rekapitalisieren zu können.

Die Wege in den Markt

Die SCCH Innovations GmbH verfolgt mehrere Beteiligungsmodelle. Bei klassischen Spinoffs aus Forschungsprojekten setzt das Forschungszentrum bewusst auf externe, erfahrene Gründer:innen statt auf die eigenen Forscher:innen. Diese erhalten die Mehrheit der Anteile, während sich das SCCH einen bis zu einem vereinbarten Unternehmenswert nicht verwässerbaren Minderheitsanteil sichert. Dazu kommen Joint Ventures mit Unternehmenspartnern, etwa die gemeinsam mit TÜV AUSTRIA gegründete TRUSTIFAI, der österreichische Prüf- und Zertifizierungshub für KI-Systeme, sowie strategische Beteiligungen ohne Kapitalfluss.

Das vierte Modell heißt Research for Equity: Das SCCH bringt Forschungs- und Entwicklungsleistungen in ein Startup ein und erhält dafür, ganz oder teilweise anstelle einer klassischen Vergütung, Unternehmensanteile. „Mit diesen unterschiedlichen Modellen schafft die SCCH Innovations GmbH neue Möglichkeiten für den Transfer von Forschungsergebnissen in die Wirtschaft“, so Manz.

Erste Beteiligungen

Wie das in der Praxis aussieht, zeigt die erste Beteiligung der neuen Gesellschaft. Oleh Kostromin, Data Scientist am SCCH, hat gemeinsam mit Iryna Kondrashchenko und Nikita Gonchar die LUML FlexCo gegründet. Die entwickelte Plattform soll Data Scientists helfen, Machine-Learning-Modelle schneller in die Praxis zu bringen, und ist von Anfang an darauf ausgelegt, dass Menschen und KI-Agenten gemeinsam an ML-Projekten arbeiten. „LUML läuft auf der Infrastruktur des jeweiligen Unternehmens. Die Daten und Modelle verlassen die Unternehmensumgebung nicht“, sagt Kostromin.

An LUML hält die SCCH Innovations GmbH auf brutkasten-Nachfrage fünf Prozent, als reine strategische Beteiligung ohne Kapitalfluss. Laut Manz bringt das SCCH dafür vor allem Zugang zu seinem Industrienetzwerk, eine gemeinsame Vermarktungskampagne und Mitarbeiterstunden ein und setzt die Plattform in eigenen Forschungsprojekten ein. Zusätzliches Kapital habe das Startup nicht benötigt, weil das Produkt bereits fertig entwickelt war. Der bewusst niedrige Anteil soll LUML für spätere Investoren attraktiv halten. Das Wachstum soll vorerst gebootstrapped erfolgen, je nach Entwicklung sind laut SCCH aber auch eigene Finanzierungsrunden denkbar.

Das SCCH gehört als Mitglied des UAR Innovation Network zu den Beteiligungsgesellschaften der Upper Austrian Research GmbH und beschäftigt derzeit rund 130 Mitarbeiter:innen. Bereits im Jänner hatte sich das Forschungszentrum am KI-Spin-off Responsible Annotation Services beteiligt (brutkasten berichtete) und hält weitere Beteiligungen, die zukünftig auf die SCCH Innovations GmbH übertragen werden sollen.

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