19.11.2025
SLUSH

Slush 2025: Europa im globalen Tech-Wettbewerb – Lovable-Gründer mit klarer Botschaft

Die Slush – eine der größten Tech-Konferenzen Europas – läuft derzeit in Helsinki und brutkasten ist vor Ort. Einer der Top-Speaker heuer: Lovable-Gründer Anton Osika.
/artikel/slush-2025-lovable
Lovable-Gründer Anton Osika auf der Hauptbühne der Slush in Helsinki | (c) Martin Pacher / brutkasten

Helsinki, minus drei Grad, ein klarer Wintermorgen. Schon früh strömen Besucher:innen durch die frostige Luft zum Messukeskus, dem Messezentrum der finnischen Hauptstadt. Vor dem Eingang schießen Pyro-Flammen in die Luft, während über dem Eingang ein Banner mit dem Satz „Doubting Europe? Go to Hel.“ hängt.

Mit über 13.000 Teilnehmer:innen, darunter 6.000 Startups und 3.500 Investor:innen, zählt die Slush 2025 zu den wichtigsten Treffpunkten der europäischen Tech-Szene. Insgesamt sind heuer rund 200 Teilnehmer:innen aus Österreich vor Ort. Davon sind rund 120 Teilnehmer:innen über go-international, einer Initiative des Bundesministeriums für Wirtschaft, Energie und Tourismus, und der AUSSENWIRTSCHAFT AUSTRIA der Wirtschaftskammer Österreich, angereist – darunter zahlreiche Gründer:innen, Investor:innen und zentrale Akteur:innen des österreichischen Startup-Ökosystems.

Das Messezentrum in Helsinki | Martin Pacher / brutkasten

Europa im Aufbruch – aber mit Kapitaldefizit

Wer einen Blick auf das Line-up wirft, dem wird schnell klar: Eine der drängendsten Fragen der Slush in diesem Jahr lautet, wie sich Europa im globalen Technologie-Wettbewerb behaupten kann. Die aktuellen Zahlen des State of European Tech Reports von Atomico, die am Mittwochvormittag im Rahmen der Konferenz präsentiert wurden, liefern dazu die quantitativen Antworten.

Der Report zeichnet ein widersprüchliches Bild. Europas Tech-Sektor hat in zwei Jahren über eine Billion US-Dollar an Wert gewonnen, beschäftigt 4,6 Millionen Menschen und erlebt mit 27.000 neuen Gründer:innen die stärkste Gründungswelle seiner Geschichte. Über 400 Unicorns und mehr als 1.200 Scaleups zeigen prinzipiell die strukturelle Reife des Ökosystems. Zum historischen Vergleich: 2016 gab es in Europa rund 130 Unicorns. Gleichzeitig bleibt jedoch das Kapitaldefizit bestehen: Während Europa 2025 rund 44 Milliarden US-Dollar an Tech-Investitionen verzeichnet, kommen die USA allein in den ersten neun Monaten auf 177 Milliarden. Die Frage bleibt, ob der Kontinent die AI-Welle nutzen kann, um diese Lücke erstmals zu schließen.

Die Präsentation des European Tech Report | (c) Martin Pacher / brutkasten

Besonders deutlich hebt der Report Europas Talentbasis hervor. Mit über 4,6 Millionen Tech-Fachkräften wächst die Workforce schneller als jene der USA. Vor allem im AI-Gründungsbereich steigt der Anteil jener, die bewusst in Europa bauen. Atomico bezeichnet die Region als „Talent Engine“, die auf globalem Niveau konkurriert.

Genau dieses Narrativ findet sich in den Aussagen von Lovable-Gründer Anton Osika wieder, der auf der Slush am ersten Konferenztag einer der Top-Speaker ist. „Europa ist in vielerlei Hinsicht ein besserer Ort, um ein KI- oder Tech-Unternehmen aufzubauen.“, sagt er auf der Hauptbühne unter Beifall.

Lovable als europäisches Gegenmodell zum Silicon Valley?

Lovable wurde 2025 vom Open-Source-Experiment zum AI-Unicorn. Im Juli schloss das Startup eine Series-A-Finanzierung über 200 Millionen US-Dollar ab, angeführt von Accel. Mit der Finanzierungsrunde stieg das Unternehmen nur wenige Monate nach Gründung in den Kreis der Unicorns auf und wurde aufgrund des rasanten Wachstums zu einem Aushängeschild der europäischen Tech-Szene.

Lovable-Gründer Anton Osika | martin pacher / brutkasten

Der Ausgangspunkt: Software als globales Nadelöhr

Osika beschreibt die Gründungsphase als direkte Reaktion auf ein strukturelles Problem. „Weniger als 0,5 Prozent der Welt sind Entwickler“, sagt er. Nachdem sein Tool GPT Engineer viral gegangen war, erkannte er, dass die größte Nachfrage nicht von Developer:innen kam, sondern von Millionen Menschen ohne Programmierkenntnisse. „Das Problem ist nicht, Entwickler:innen schneller zu machen. Das Problem ist, dass Software ein Nadelöhr für die ganze Welt ist.“ Gemeinsam mit Co-Founder Fabian Hedin gründete er Lovable. Die Vision: Softwareentwicklung muss so einfach werden wie Schreiben.

Warum Lovable bewusst in Europa bleibt

Im Rahmen der Slush gab der Gründer, der in Schweden die nationale Popularität eines Fußballstar genießt, Einblick in die Standortwahl. Viele Investor:innen hätten ihm geraten, ins Silicon Valley zu gehen. Osika entschied sich bewusst dagegen. „Ich wollte beweisen, dass ein globales AI-Unternehmen auch aus Europa entstehen kann.“ Die Reaktionen aus den USA hätten ihn darin bestärkt. Europa habe eine tief verankerte Produktkultur, die er als „qualitätsorientiert“ beschreibt: „Europa baut anders: weniger Hype, mehr Substanz.“ Gleichzeitig warnt er aber auch davor, dass sich der Kontinent selbst unterschätze. „Wir haben Spitzenforschung, wir haben Talent, wir haben die Teams. Was uns manchmal fehlt, ist der Mut.“

Insgesamt sind 13.000 Teilnehmer vor Ort | martin pacher / brutkasten

Lovable-Gründer gibt Ausblick

Für das zweite Unternehmensjahr formuliert Osika eine klare Vision: „Das erste Jahr war der Beweis, dass wir skalieren können. Das zweite Jahr wird der Beweis, dass wir das Rückgrat für Hunderte neuer Anwendungsfälle werden.“

Am Ende betont Osika erneut das Potenzial des Kontinents. „Europa ist viel weiter, als es selbst glaubt“, sagt er. KI eröffne erstmals die Chance, schneller zu skalieren als die Kapitalstrukturen. „Wir müssen aufhören, uns zu unterschätzen.“ Gründer:innen rät er: „Seid näher an euren Kund:innen als alle anderen, versteht ihre Probleme und löst sie unerbittlich. Wenn man das tut, ist heute alles möglich – schneller als je zuvor.“


Disclaimer: Die Reise- und Übernachtungskosten wurden von der AUSSENWIRTSCHAFT AUSTRIA der Wirtschaftskammer Österreich übernommen.

Deine ungelesenen Artikel:
16.09.2026

Gender Investment Gap bleibt trotz Aufschwung im ersten Halbjahr massiv

Während das Startup-Investment-Volumen in Österreich im ersten Halbjahr bekanntlich deutlich anstieg, gibt es einmal mehr keine Verbesserung beim Geschlechterverhältnis - das zeigt der nun veröffentlichte Female Startup Funding Index von EY, Female Founders und Fund F.
/artikel/gender-investment-gap-bleibt-trotz-aufschwung-im-ersten-halbjahr-massiv
16.09.2026

Gender Investment Gap bleibt trotz Aufschwung im ersten Halbjahr massiv

Während das Startup-Investment-Volumen in Österreich im ersten Halbjahr bekanntlich deutlich anstieg, gibt es einmal mehr keine Verbesserung beim Geschlechterverhältnis - das zeigt der nun veröffentlichte Female Startup Funding Index von EY, Female Founders und Fund F.
/artikel/gender-investment-gap-bleibt-trotz-aufschwung-im-ersten-halbjahr-massiv
Female Start-up Funding Index - vlnr.: Lisa Fassl, Natascha Fürst und Florian Haas | (c) Viktoria Waba/brutkasten / Martina Trepczyk / brutkasten
vlnr.: Lisa Fassl, Natascha Fürst und Florian Haas | (c) Viktoria Waba/brutkasten / Martina Trepczyk / brutkasten

Es ist wieder soweit: Die halbjährliche Trilogie der EY-Reports zur Startup-Finanzierung in Österreich wird mit der gewohnten Hiobsbotschaft komplettiert. Während die allgemeine Investment-Statistik Zyklen unterliegt, die sich in der langfristigen Betrachtung durchaus aufwärts bewegen, zeigt sich beim Female Startup Funding Index, den EY gemeinsam mit Female Founders und Fund F herausbringt, immer das gleiche Bild: Verbesserungen und Verschlechterungen passieren im Prozentpunkt-Bereich auf konstantem Keller-Niveau.

94,9 Prozent des Kapitals an rein männliche Teams

Die konkreten aktuellen Zahlen: Von den statistisch erfassten 472 Millionen Euro Risikokapital für österreichische Startups im ersten Halbjahr 2026 flossen 94,9 Prozent an rein männliche Founding-Teams, gemischte Teams erhielten 4,8 Prozent des Kapitals und rein weibliche Teams lediglich 0,3 Prozent; der Frauenanteil unter den Gründer:innen von Startups mit Investment im ersten Halbjahr liegt bei nur 13 Prozent; nur drei der 95 für den Index analysierten Startups mit Finanzierung haben ein ausschließlich weibliches Founding-Team; und bei Finanzierungen über zehn Millionen Euro gibt es kein einziges Gründungsteam mit weiblicher Beteiligung.

Fassl: „Der Aufschwung hat ein Geschlecht“

„2026 ist das Kapital zurück: 472 Millionen Euro Risikokapital für Österreichs Startups, mehr als eine Vervierfachung gegenüber dem Vorjahr, und so viele Finanzierungsrunden wie nie zuvor. Bei Frauen ist davon nichts angekommen. Während rein männliche Teams fast das gesamte Volumen einsammelten, gingen 0,3 Prozent des Geldes an rein weibliche Teams – rund 1,4 Millionen Euro im gesamten Halbjahr. Damit ist klar: Der Aufschwung hat ein Geschlecht“, kommentiert Lisa-Marie Fassl, Managing Partner von Fund F und Co-Gründerin von Female Founders.

Dass die Schieflage auch in einem starken Marktumfeld bestehen bleibt, habe mehrere Gründe, analysieren die Studienautor:innen: Große Finanzierungsrunden würden häufig von etablierten Venture-Capital-Fonds getragen, die auf bestehende Netzwerke, frühere Investmenterfolge und bekannte Muster zurückgriffen. Gleichzeitig zeige sich seit Jahren, dass Gründerinnen insbesondere beim Zugang zu Investorennetzwerken und großen Wachstumsfinanzierungen häufiger auf Hürden stoßen. Genau diese späten Finanzierungsphasen hätten jedoch den größten Einfluss auf die Verteilung des investierten Kapitals. „Das Problem beginnt nicht erst bei der Finanzierung, wird dort aber besonders sichtbar“, kommentiert Florian Haas, Head of Startup bei EY Österreich.

Fürst: „Die Zahlen widerlegen ein bequemes Narrativ“

Wie oben erwähnt, liegt der Frauenanteil unter den Gründer:innen jener Startups, die erfolgreich eine Finanzierung erhalten haben, bei rund 13 Prozent (31 von insgesamt 248 Gründer:innen). Eine weitere Aufschlüsselung: Von den insgesamt 95 erfassten Startups mit Investment im ersten Halbjahr, deren Gründungsteam bekannt ist, haben 72 ein ausschließlich männliches Founding-Team (76 Prozent), weitere 20 ein gemischtes Team (21 Prozent) und lediglich drei ein rein weibliches Gründungsteam (3 Prozent). Dabei handelt es sich um Factorymaker, Faund Social Dating Club und Recruitiverse.

Natascha Fürst, CEO von Female Founders, leitet daraus ab: „Die Zahlen widerlegen ein bequemes Narrativ: Es gründen genug Frauen – das Problem ist, wer von ihnen ans Kapital kommt.“ Die Studie zeige kein Problem an der Gründungsbasis, sondern ein strukturelles Versagen des Kapitalmarkts. „Und das lässt sich nicht wegdiskutieren“, so Fürst.

Lisa-Marie Fassl legt nach: „Noch nie saßen so viele Frauen in finanzierten Gründungsteams wie jetzt: 13 Prozent. Und trotzdem floss fast das komplette Kapital an rein männliche Teams. Mehr Frauen am Tisch heißt offensichtlich nicht mehr Geld für Frauen. Wer glaubt, dass das der nächste Aufschwung von selbst reguliert, hat die letzten vier Jahre die Augen zugemacht. Es wird Zeit, dass wir aufhören, eine rationale, wirtschaftliche Diskussion emotional zu führen. Denn als Standort lassen wir Rendite auf dem Tisch liegen, nachweislich, Jahr für Jahr.“

Keine Frau in Gründungsteams mit Investments über 10 Mio. Euro

Konkret lag bei Startups mit Finanzierungen bis zu einer Million Euro der Gründerinnenanteil bei 17 Prozent. Bei Finanzierungen zwischen einer und zehn Millionen Euro waren acht der insgesamt 75 Gründer:innen Frauen (11 Prozent). Bei allen analysierten Finanzierungen über zehn Millionen Euro bestanden die bekannten Gründungsteams ausschließlich aus Männern.

„Dass Gründerinnen bei kleineren Runden sichtbar sind, bei größeren Tickets aber praktisch verschwinden, zeigt sehr deutlich, wo die größte Herausforderung liegt: beim Zugang zu Wachstumskapital. Dort entscheidet sich letztlich, welche Unternehmen zu internationalen Champions werden“, analysiert Florian Haas.

Health-Sektor sticht positiv heraus

Deutliche Unterschiede beim Gender Investment Gap zeigen sich übrigens auch im Branchenvergleich: Hier sticht vor allem der Health-Sektor heraus, in dem insgesamt 17 Startups eine Finanzierung erhielten. Dort lag der Frauenanteil bei knapp 23 Prozent. Unter den insgesamt 48 Gründer:innen dieser Unternehmen befanden sich elf Frauen. Demgegenüber weisen mehrere technologieintensive Bereiche keine einzige Gründerin unter den finanzierten Startups auf, darunter SpaceTech/NewSpace, FinTech/InsurTech, Education, DefenseTech sowie ClimateTech/GreenTech/CleanTech.

„Gerade der Bereich Health zeigt, welches Potenzial entsteht, wenn unterschiedliche Perspektiven in Gründungsteams zusammenkommen“, kommentiert Natascha Fürst. „Vielfalt ist kein Selbstzweck, sondern ein Innovationsfaktor. Unterschiedliche Erfahrungen und Blickwinkel führen zu besseren Produkten, neuen Märkten und nachhaltigeren Unternehmen.“

Toll dass du so interessiert bist!
Hinterlasse uns bitte ein Feedback über den Button am linken Bildschirmrand.
Und klicke hier um die ganze Welt von der brutkasten zu entdecken.

brutkasten Newsletter

Aktuelle Nachrichten zu Startups, den neuesten Innovationen und politischen Entscheidungen zur Digitalisierung direkt in dein Postfach. Wähle aus unserer breiten Palette an Newslettern den passenden für dich.

Montag, Mittwoch und Freitag

AI Summaries

Slush 2025: Europa im globalen Tech-Wettbewerb – Lovable-Gründer mit klarer Botschaft

AI Kontextualisierung

Welche gesellschaftspolitischen Auswirkungen hat der Inhalt dieses Artikels?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Slush 2025: Europa im globalen Tech-Wettbewerb – Lovable-Gründer mit klarer Botschaft

AI Kontextualisierung

Welche wirtschaftlichen Auswirkungen hat der Inhalt dieses Artikels?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Slush 2025: Europa im globalen Tech-Wettbewerb – Lovable-Gründer mit klarer Botschaft

AI Kontextualisierung

Welche Relevanz hat der Inhalt dieses Artikels für mich als Innovationsmanager:in?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Slush 2025: Europa im globalen Tech-Wettbewerb – Lovable-Gründer mit klarer Botschaft

AI Kontextualisierung

Welche Relevanz hat der Inhalt dieses Artikels für mich als Investor:in?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Slush 2025: Europa im globalen Tech-Wettbewerb – Lovable-Gründer mit klarer Botschaft

AI Kontextualisierung

Welche Relevanz hat der Inhalt dieses Artikels für mich als Politiker:in?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Slush 2025: Europa im globalen Tech-Wettbewerb – Lovable-Gründer mit klarer Botschaft

AI Kontextualisierung

Was könnte das Bigger Picture von den Inhalten dieses Artikels sein?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Slush 2025: Europa im globalen Tech-Wettbewerb – Lovable-Gründer mit klarer Botschaft

AI Kontextualisierung

Wer sind die relevantesten Personen in diesem Artikel?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Slush 2025: Europa im globalen Tech-Wettbewerb – Lovable-Gründer mit klarer Botschaft

AI Kontextualisierung

Wer sind die relevantesten Organisationen in diesem Artikel?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Slush 2025: Europa im globalen Tech-Wettbewerb – Lovable-Gründer mit klarer Botschaft