02.03.2023

Auto fährt selbst zum Schrottplatz: Skurriles Ford-Patent will Zahlungsunfähige bestrafen

Der US-amerikanische Autohersteller Ford veröffentlichte ein Patent, das kuriose "Strafen" für zahlungsunfähige Kund:innen vorsieht. Da kann es schon mal passieren, dass einem das eigene Auto vor der Nase wegfährt.
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Ford hat kreative Ideen, wie man ausständige Zahlungen in Zukunft eintreiben könnte.

Man stelle sich vor, man geht in der Früh außer Haus und das eigene Auto ist weit und breit nicht zu sehen. Der Albtraum so mancher Pendler:innen und anders motivierter Autobesitzer:innen könnte nach einem neuen Patent von Ford künftig wahr werden. Der Automobilhersteller möchte Zahlungsausfälle in Zukunft nicht mehr hinnehmen. Diese kommen insbesondere aufgrund der Inflation und den steigenden Autokreditraten in den USA zunehmend vor. Nun hat Ford ein ausgeklügeltes System entwickelt, wie man säumige Kund:innen wohl unausweichlich zur Kasse bittet.

Drehen an der Eskalationsschraube

Laut dem am 23. Februar öffentlich gemachten Patent könnten Ford-Autos in Zukunft bei Zahlungsverzögerungen nach und nach zentrale Funktionen verlieren. Dabei wird an der Eskalationsschraube gedreht, bis die in Bedrängnis geratenen Ford-Besitzer:innen wohl nicht mehr anders können, als zu zahlen.

Sollte ein erster „friendly reminder“ von den Besitzer:innen geflissentlich ignoriert worden sein, folgt der erste Streich: Teile des Infotainment-Systems werden abgeschaltet. Wenn die Besitzer:innen trotz fehlender Berieselung aus den Autolautsprechern aber trotzdem munter weiterfahren, kommt der nächste Schlag: Man muss auf die komfortable Klimaanlage verzichten.

Der Gemütlichkeitsfaktor im Auto schwindet dahin. Zumal Ford einem auch noch die Möglichkeit des automatischen Auf- und Zusperrens nimmt. Auch die Nachbar:innen freuen sich nicht über die Zahlungsunfähigkeit der Ford-Inhaber:innen. Nächtliches Hupen, laute Alarmgeräusche oder ein aufgedrehtes Radio könnten auch deren Komfortlevel drastisch senken.

Ohne Umwege zum Schrottplatz

Haltet man bis hierhin dem schikanösen Druck stand, kommt man vielleicht spätestens dann zum Grübeln, wenn einen das eigene Auto zum ersten Mal aussperrt. Die Krönung behalten sich die Verfasser des Patents, vier Ford-Ingenieure, für die selbstfahrenden Exemplare ihrer Flotte vor. Diese können sich eigenständig aus dem Staub machen und wahlweise zu einer Fahrzeugrücknahme-Agentur oder auch gleich zum Schrottplatz fahren.

Kulant zeigen sich die Patentautoren im Falle von medizinischen Notfällen und/oder während der Arbeitswoche: Da sollen den Fahrer:innen die Dienste ihrer Vehikel gnädigerweise erhalten bleiben.

Patent: Nur so eine Idee

Das Patent wurde bereits im August 2021 beim US-amerikanischen Patentamt eingereicht. Die Anmeldung bedeutet nicht zwingend, dass Ford die Inhalte des Patents wirklich durchsetzen möchte, sondern lediglich die Idee dazu schützen möchte. Theoretisch könnte Ford die in diesem Patent beschriebene Technologie und dazugehörigen Features jedoch bereits jetzt in jedem Ford-Auto mit Datenkonnektivität einsetzen. Keine zusätzliche Hardware müsse eingebaut werden, um das Vorhaben in die Realität umzusetzen.

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(c) True Agency via Unsplash

„Wer glaubt, mit Künstlicher Intelligenz ließen sich Einstiegspositionen einfach streichen, verwechselt das Werkzeug mit der Person, die es sinnvoll einsetzt“, warnt André Holhozinskyj, CEO der europäischen Cloudflight Group. Die Warnung des Branchenexperten stützt sich auf eine aktuelle Befragung, die das Unternehmen durchgeführt hat. Unter den 1.119 Teilnehmenden – mehrheitlich Studierende und Berufseinsteiger:innen aus Deutschland, Österreich und Rumänien – zeigt sich eine weite Verbreitung, aber auch eine spürbare Reglementierung von KI-Tools im Arbeitsalltag.

Während 99 Prozent der befragten Nachwuchskräfte angeben, KI-Werkzeuge regelmäßig zu nutzen, stoßen sie in der Praxis häufig an organisatorische Grenzen. Rund zwei Drittel der Befragten berichten von Einschränkungen bei der Nutzung, die überwiegend organisatorischer Natur sind. Als Haupthindernis nennen 46 Prozent regulatorische Vorgaben wie Richtlinien von Schulen, Universitäten oder Unternehmen. Weit dahinter folgen Kosten und Lizenzgebühren mit 24 Prozent sowie ethische, rechtliche und datenschutzrechtliche Bedenken mit 23 Prozent. Mangelndes Interesse spielt mit nur zwei Prozent praktisch keine Rolle.

Risiko durch Schatten-IT und Compliance-Verstöße

Die restriktive Haltung in vielen Organisationen birgt nach Einschätzung der Studienautor:innen jedoch Risiken: Wird die Nutzung im Unternehmen untersagt oder komplett eingeschränkt, weichen Mitarbeiter:innen häufig auf private Geräte und nicht freigegebene Consumer-Tools aus – ohne Wissen oder Zustimmung der IT-Abteilung.

Gernot Molin, CTO der Cloudflight Group, warnt vor den unmittelbaren Gefahren für die Datensicherheit: „Tools wie ChatGPT, Gemini oder Claude sind nicht für Unternehmenssicherheit oder Compliance konzipiert, sondern für einfachen Zugang, und das schafft unmittelbare Risiken.“ So könnten etwa proprietäre Algorithmen durch das Einfügen von Code-Schnipseln abfließen, oder Entwickler:innen könnten unbeabsichtigt Kundendaten bei der Analyse von Log-Dateien offenlegen. Unternehmen, die an Richtlinien wie DSGVO, HIPAA oder SOC 2 gebunden sind, riskieren laut Molin bei der Verwendung nicht autorisierter Dienste empfindliche Verstöße. Er plädiert daher für eine kontrollierte Freigabe von KI-Werkzeugen, die direkt in bestehende Entwicklungsumgebungen integriert und durch Sicherheitskontrollen sowie Audit-Trails abgesichert sind.

Vielseitige Nutzung abseits von reinem Code

Die Befragung räumt zudem mit dem Vorurteil auf, KI diene primär dem Schreiben von neuem Programmcode. Der Einsatz zur reinen Code-Generierung liegt bei 18 Prozent und ist damit fast gleichauf mit dem Debugging und Code-Reviews (19 Prozent), administrativen und organisatorischen Aufgaben wie Recherche (19 Prozent) sowie der Code-Optimierung (17 Prozent). Dokumentation (12 Prozent) und Testautomatisierung (10 Prozent) folgen mit etwas Abstand.

Den größten Nutzen sehen die Befragten in der Entlastung bei Routinearbeiten. Fast jede:r Zweite (48 Prozent) nutzt KI vor allem zur Bewältigung repetitiver, zeitaufwändiger Aufgaben wie dem Erstellen von Boilerplate-Code oder dem automatisierten Organisieren von Daten. Ziel sei es, so heißt es aus den offenen Antworten der Teilnehmenden, sich dank der KI auf die interessanten Teile der Arbeit konzentrieren zu können. Zudem schätzen 42 Prozent die Tools als eine Art rund um die Uhr verfügbaren Tutor, der komplexe Konzepte erklären kann. Dieser Effekt könnte nach Einschätzung der Studienautoren vor allem in Regionen mit schwächerer Bildungsinfrastruktur den Zugang zu hochwertiger Programmierausbildung demokratisieren.

Zukunftssorgen und die Rolle der Nachwuchskräfte

Trotz der intensiven Nutzung blickt die junge Generation keineswegs sorgenfrei in die Zukunft. Lediglich 12 Prozent der Befragten geben an, keinerlei Sorge hinsichtlich der Auswirkungen von KI auf ihre eigene Karriere zu haben. Die überwiegende Mehrheit von 88 Prozent äußert leichte bis extreme Besorgnis. Neben der allgemeinen Karriereentwicklung sorgt sich ein Teil der Entwickler:innen auch um den eigenen Lernfortschritt: Es besteht die Befürchtung, durch eine zu starke Abhängigkeit von der KI das eigene Weiterkommen zu bremsen und durch die automatisierten Lösungen „dümmer“ zu werden. Viele wünschen sich daher Erklärungen anstelle von fertigen Antworten.

Für Cloudflight-CEO Holhozinskyj zeigt die Untersuchung, dass Unternehmen umdenken müssen. Künstliche Intelligenz müsse wie eine „virtuelle Mitarbeiterin“ verstanden werden, die ein geregeltes Onboarding benötigt. Wer Juniorstellen aus Gründen der kurzfristigen Kostenersparnis streicht, begehe laut Holhozinskyj einen strategischen Fehler: „Urteilsvermögen entsteht nicht am Reißbrett, sondern über Jahre praktischer Erfahrung, auch aus eigenen Fehlern, und genau diese Erfahrung bauen Unternehmen gerade systematisch ab, wenn sie ihre Juniorstellen kürzen.“ Langfristig drohe den Unternehmen dadurch der Verlust der „Senior-Kompetenz von morgen“ an die Konkurrenz, was sich schnell zum mittelfristigen Wettbewerbsnachteil entwickeln könne.

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