24.10.2025
MODE

skiracing.club: Salzburger Startup möchte den Weltcup-Style von der Piste auf die Straße bringen

Skiracing.club möchte den alpinen Skisport modernisieren. Hinter dem Online-Shop stehen drei Gründer, die auf offiziell lizenziertes Merchandise, europäische Fertigung und Community-Building setzen.
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Die Gründer von skiracing.club: Max Strametz, Peter Mitterhauser, Dominic Tritscher. Foto: skiracing.club

Trikots, Schals, Kappen – Fußballfans erkennt man sofort. Auf der Straße, in der U-Bahn, auf Festivals. Sie tragen die Farben ihres Vereins, grüßen, rufen oder nicken einander im Vorbeigehen zu.

Im alpinen Skisport ist das weit nicht so verbreitet. Und das obwohl Millionen Zuschauer:innen die Rennen verfolgen. Vor allem in Österreich ist der Sport sehr beliebt.

Dominic Tritscher, Max Strametz und Peter Mitterhauser, die Gründer des Salzburger Startups skiracing.club, fragen sich, warum der alpine Skisport zwar emotional aufgeladen ist, aber außerhalb der Rennen kaum sichtbar bleibt. Warum es keine Fanbase gibt, die sich auch abseits der Zielarena erkennt. Und warum Merch im Skisport oft aussieht wie Massenware. Zusammen bringen sie Marketing-Erfahrung, Eventmanagement rund um den Weltcup, Expertise im Online-Handel und die Liebe zum Wintersport mit.

„Wir produzieren nicht einfach Fan Artikel“

Ihre Idee: den alpinen Skisport vom Zeitraum der Rennen in den Alltag zu holen – in Form von Kleidung, Accessoires, Identität. So entsteht skiracing.club, ein im November 2024 gegründetes Startup aus dem Salzkammergut, das offiziell lizenzierte Kollektionen von Weltcup-Athlet:innen anbietet und gleichzeitig eine Community aufbauen will.

„Produkte sind nur der Einstieg. Der wahre Kern ist die Community: Menschen, die die gleiche Leidenschaft teilen, sich austauschen und gemeinsam den Sport feiern“, erklärt Dominic Tritscher, Co-Gründer von skiracing.club.

Was sie antreibt, klingt simpel: Fans wollen mehr als ein T-Shirt mit Namen. Deshalb würde skiracing.club nicht auf Massenware setzen, sondern auf limitierte Editionen. „Wir produzieren nicht einfach Fanartikel, sondern Dinge, die die Athleten selbst cool finden – und die Fans stolz tragen können“, so Peter Mitterhauser, Co-Gründer von skiracing.club.

Produziert werden soll in Europa, so wäre es nachhaltig, bewusst. Das garantiert skiracing.club auf Nachfrage: Rohlinge werden ausschließlich von zertifizierten Produzent:innen in Europa bezogen, veredelt würden die Produkte direkt in Schladming bei einem regionalen Partnerbetrieb. Somit könne Transparenz garantiert werden: kurze Wege, enge Kontrolle hinsichtlich Nachhaltigkeit und Arbeitsbedingungen.

Der Online-Shop

Insgesamt sind im Online-Shop 57 verschiedene Produkte erhältlich: Hoodies, T-Shirts, Schals oder Kappen. Ein T-Shirt kostet rund 35 Euro, ebenso Schals und Kappen, Hoodies gibt es ab 70 Euro.

Momentan sind insgesamt sieben Kollektionen gelistet, darunter fünf mit Athlet:innen wie Manuel Feller, Sam Maes oder Timon Haugan. Die Athlet:innen selbst würden laut Pressemeldung hinter dem Konzept stehen. Außerdem gibt es zwei limitierte Kollektionen von skiracing.club selbst.

Der Shop ist 2024, kurz vor der Weltmeisterschaft in Saalbach, online gegangen. Konkrete Umsatzzahlen möchte skiracing.club derzeit nicht nach außen kommunizieren, sieht die bisherigen Ergebnisse jedoch als positiv an. Mit der Wintersaison 2025/2026 startet skiracing.club in seine erste vollständige Saison und will am Ende des zweiten Quartals besser bilanzieren können als zum jetzigen Zeitpunkt.

Finanzierung und Geschäftsmodell

Bisher wurde skiracing.club ausschließlich durch die Gründer und Umsätze finanziert. Es gibt keine externen Investor:innen und keine Fremdfinanzierung. Durch das kleine Team, das aus den drei Gründern besteht, versuchen sie, sämtliche Aufgaben „in-house“ abzudecken, um die Kosten so gering wie möglich zu halten. Durch die „on-demand“-Strategie produzieren sie nur, was tatsächlich bestellt wird. Das reduziere nicht nur Kosten, sondern auch Überproduktion und Abfall. Ziel sei es, ein wirtschaftlich tragfähiges Unternehmen aufzubauen. Dem Team sei aber bewusst, dass nachhaltiger Erfolg Zeit brauche.

Die langfristige Vision hinter skiracing.club

Langfristig wollen die Gründer ihren Online-Shop zur ersten Adresse für Ski-Lifestyle und Athleten-Merchandise machen. Dafür sind der Ausbau der Plattform, stärkere Community-Features und Kooperationen mit Marken, Events und weiteren Athlet:innen geplant.

„Unsere Vision ist, dass der Zielraum irgendwann aussieht wie bei der Formel 1 – Fans in Farben, die für Identität, Emotion und Nähe stehen“, so Max Strametz.

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Alexander Pöllmann, Director IT & Digital bei der Viessmann Generations Group, und Michael Maier, Director Austria von iteratec (v.l.) | (c) iteratec / beigestellt

Es war eine der bemerkenswertesten Transformationen der deutschen Industrie: 2023 verkaufte Viessmann sein Kerngeschäft, die Klimasparte Viessmann Climate Solutions, für zwölf Milliarden Euro an den US-Konzern Carrier (brutkasten berichtete). Seit Anfang 2024 agiert das Familienunternehmen als Unternehmensgruppe, die aus Deutschland ein globales industrielles Beteiligungsportfolio steuert. Und dieses Kernteam soll nun KI-nativ werden: Gemeinsam mit dem Technologieunternehmen iteratec baut Viessmann ein Multi-Agenten-System, das die Mitarbeiter:innen zu “Buildern von Agenten” verändert.

Vom Heizungsbauer zum langfristigen Unternehmensentwickler  

Das reinvestierte Kapital floss vor allem in industrielle Mittelständler mit Fokus auf nachhaltige Energietransformation: von Grid-Infrastruktur über Fernwärme- und Kühlungslösungen bis zu Kühlhäusern. Dazu zählt etwa die isoplus-Gruppe, ein Hersteller von Nah- und Fernwärmeleitungen mit großen Standorten in Österreich. Über Minderheitsbeteiligungen ist Viessmann außerdem unter anderem an Encavis sowie am Software-Unternehmen AMCS beteiligt, das Emissionen in der Recycling- und Abfallwirtschaft reduzieren soll. 

Beim Thema KI unterscheidet Pöllmann klar zwischen zwei Ebenen: „Wenn wir auf unsere Partner schauen, ist der Kerntreiber klassischerweise Effizienz, also Use Cases entlang der Wertschöpfungskette, um Top- oder Bottom-Line-Potenziale einzusammeln. Auf Ebene des Viessmann-Teams schauen wir viel stärker auf Effektivität: Wie können wir noch bessere Investmententscheidungen treffen und unsere zentrale Entscheidungsqualität maßgeblich erhöhen?“ 

Deal-Screening statt Deal-Sourcing 

Genau das sei allerdings die schwierigere Disziplin, so Pöllmann: „Effizienz-Use-Cases sind aus unserer Sicht häufig leichter, als die Qualität zu erhöhen. KI tendiert in ihrer ursprünglichsten Natur dazu, lieber zu halluzinieren und ungenau zu sein, als eine sehr klare Antwort auf die Frage zu geben: Sollte ich dieses Investment tätigen oder lieber nicht? Welche Risiken habe ich noch nicht gesehen?“ Dies bedingt vor allem den ganzen Kontext einer Transaktion zu kennen. 

Konkret setzt das Multi-Agenten-System deshalb dort an, wo Präzision zählt: beim Screening. Es gehe nicht darum, Deals zu sourcen, betont Pöllmann, sondern den Prozess „Ist ein Deal für uns wirklich relevant?“ deutlich zu verkürzen. Ein Letter of Intent könne so viel schneller analysiert und daraus ein Investmentmemo gebaut werden, angereichert mit weiteren Quellen. 

Dass das Viessmann-Team das System selbst baut, statt auf eine Fertiglösung zu setzen, ist für Pöllmann eine Grundsatzentscheidung: „Wir wollen die Governance in der eigenen Hand haben, aber auch den Prozess, wie wir zu Entscheidungen kommen.“ Fertige KI-Finanzlösungen von der Stange würden der Organisation wenig bringen: „Das ist zwar alles nett und funktioniert auch schnell, aber nicht in der Qualität, wie wir sie erwarten.“ 

Jede:r Mitarbeiter:in wird zum „Builder“ 

Der vielleicht radikalste Teil des Ansatzes: Alle Mitarbeiter:innen der Viessmann Generations Group sollen befähigt werden, selbst KI-Agenten zu bauen. Der Prozess dahinter ist mehrstufig: Ein Intake-Agent nimmt die Idee auf und schärft sie, ein Specification-Agent zieht anschließend das nötige Fachwissen aus den Mitarbeiter:innen heraus und gibt erst ab einem bestimmten Confidence Score grünes Licht. Danach erstellt ein weiterer Agent, der sogenannte Agent-Builder, den fertigen KI-Kollegen. 

Gestartet wurde Ende Jänner mit einem „Hypersprint“, die ersten Prozessagenten gingen im Frühjahr live. „Es ist schon verrückt, was wir in der Zeit entwickelt haben“, sagt Pöllmann. Die größte Herausforderung sei dabei nicht die Technologie: „Die Herausforderung ist wirklich, das Wissen der Kolleg:innen “freizulegen” und die Leute, die verantwortlich sind, in die Verantwortung zu bekommen. So können wir dann gemeinsam den Input, den wir brauchen, identifizieren, um daraus vernünftige Agenten mit hoher Output-Qualität zu bauen.“ 

„Die Rolle des Menschen in der KI-Transformation wird maßgeblich“ 

Bei aller Automatisierung bleibt die Verantwortung beim Menschen, stellt Pöllmann klar: „Am Ende braucht es immer einen Verantwortlichen, und das kann nicht die Maschine sein. Dadurch wird vor allem die Rolle des Menschen in der KI-Transformation maßgeblich gestärkt.“ Wer einen Agenten verantwortet, müsse dessen Ergebnisse kontrollieren, ihn testen und etwa bei der Abkündigung eines KI-Modells nachjustieren. „Damit bekommt jeder in gewisser Weise eine Führungsaufgabe“, so Pöllmann. 

Um den Rollenwandel greifbar zu machen, ließ Viessmann die Mitarbeiter:innen ein eigenes „Role Canvas“ ausfüllen: Was bleibt an Verantwortung beim Menschen, wenn KI-Agenten übernehmen? Das habe viel Verständnis für die Transformation geschaffen, auch bei jenen, deren Berufsbild sich am stärksten verändert. Denn das klassische Profil eines Investmentbankers werde sich fundamental drehen, so Pöllmann. Die Betroffenen hätten das Thema allerdings „sehr gut aufgeschnappt und zeigen große Begeisterung dafür“. 

iteratec: „Die Unschärfe reduzieren“ 

Auf der Umsetzungsseite steht mit iteratec ein Software-Dienstleister, der seit 30 Jahren Individualsoftware entwickelt und sich zunehmend auf KI-Transformation fokussiert. „Unser eigenes Geschäft ändert sich aktuell selbst radikal aufgrund von KI“, sagt Michael Maier, Director Austria von iteratec. Das Unternehmen setzt Multi-Agenten-Projekte unter anderem bei Banken um und hat mit dem Recycling-Konzern Ragn-Sells ein neues Recyclingverfahren auf Basis KI-gestützter Materialanalysen entwickelt. Das Viessmann-Projekt sei „mitunter eines der spannendsten, das wir gerade machen dürfen“, so Maier: „Das nimmt sicher eine Vorreiterrolle ein.“ 

Die Kunst liege darin, schnell voranzukommen und trotzdem verlässliche Resultate zu liefern: „Du musst die Unschärfe so weit reduzieren, dass du dort, wo es wichtig ist, belastbare Ergebnisse hast, mit denen du arbeiten kannst“, sagt Maier. Viessmann kam über einen klassischen Anbieterauswahlprozess zu iteratec. Ausschlaggebend sei das Team gewesen, so Pöllmann: „Ein sehr professionell aufgestelltes Team mit High-End-AI-Capabilities. Die Entwickler sind fast AI-native unterwegs.” 

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