03.04.2024
KOOPERATION

Sisyphus: Ö-Spin-off recycelt CO2 zum Rohstoff für Kerosin, Diesel und Co

Sisyphus hat einen neuartigen Katalysator entwickelt, der CO2 effizienter recyceln soll, als die bisherigen Verfahren.
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Das Sisyphus-Gründer-Team vlnr.: Lorenz Lindenthal, Thomas Cotter und Christoph Rameshan
Das Sisyphus-Gründer-Team vlnr.: Lorenz Lindenthal, Thomas Cotter und Christoph Rameshan

Die Figur aus der griechischen Mythologie ist allgemein bekannt: Sisyphos muss in der Unterwelt einen Stein immer wieder den Hügel hinaufrollen, nur damit dieser knapp vor dem Gipfel angelangt, wieder ins Tal zurückrollt. Die daraus abgeleitete sprichwörtliche „Sisyphusarbeit“ ist klar negativ konnotiert.

Dabei lässt sich die Geschichte auch positiv deuten. Etwa als Metapher für Recycling. Denn wird der Stein nicht wieder auf den Berg gerollt, kracht es unten im Tal. „Wir entnehmen den Ausgangsstoff für Treibstoffe der Erde und blasen das Produkt dann in die Luft“, sagt Thomas Cotter, Co-Founder des Spin-offs Sisyphus. Der metaphorische Stein, der damit unaufhörlich weiterrollt, verursacht die Klimakrise. Die Lösung: Das CO2 recyceln und den Stein somit immer wieder zurück nach oben bringen.

„Wir brauchen Kohlenstoff-Verbindungen. Sie sind Teil unserer Kultur“

Doch geht es nicht auch ganz ohne CO2-Emissionen? „Wir brauchen Kohlenstoff-Verbindungen. Sie sind Teil unserer Kultur und finden in allen Lebensbereichen Einsatz“, ist Cotter überzeugt. Und es gebe aktuell mehrere Felder, in denen sie sich nicht ersetzen ließen, etwa bei Kraftstoffen für Luftfahrt, Schifffahrt und die Schwerindustrie. „Was wir schaffen müssen, ist weg von fossilem Kohlenstoff und hin zu einer Kreislaufwirtschaft zu kommen“, sagt der Gründer.

Dazu hat Sisyphus einen neuartigen Katalysator entwickelt – zunächst an der TU Wien mit Unterstützung des i2c-Inkubators, mittlerweile an der Montanuni Leoben. „Es gibt bereits einige Mitbewerber am Markt. Die Systeme der großen Unternehmen im Feld sind zwar skalierbar, brauchen aber sehr hohe Temperaturen und damit viel Energie für den Prozess. Einige Startups haben Systeme entwickelt, die weniger Energie brauchen, aber nicht leicht skalierbar sind. Unser Katalysator ermöglicht einen Prozess, der sowohl energieeffizient als auch tauglich für die Massenproduktion ist“, erklärt Co-Founder Lorenz Lindenthal.

Syngas: Etablierter Rohstoff als Grundlage für viele Produkte

Was bei diesem Prozess herauskommt, sind nicht fertige Treibstoffe, also E-Fuels, oder andere Endprodukte, sondern ein in der Industrie seit mehr als einem Jahrhundert genutzter Rohstoff, aus dem sich alle Kohlenstoff-Verbindungen herstellen lassen, die man aus der Ölindustrie kennt: Synthesegas – kurz Syngas. „Es ist ein Gemisch aus Kohlenmonoxid und Wasserstoff, das auch aus fossilen Rohstoffen wie etwa Erdgas gewonnen wird. Die Prozesse zur Weiterverarbeitung sind etabliert. Es muss in diesem Bereich also nichts neu entwickelt werden“, erklärt Lindenthal.

Während einige andere Unternehmen den gesamten Prozess vom CO2-Recycling bis zum fertigen Produkt – von Treibstoffen bis hin zu Wodka – umsetzen, will Sisyphus sich ganz auf den Schritt der Syngas-Herstellung fokussieren. Und das nicht mit eigenen Fabriken, wie Thomas Cotter erläutert: „Wir möchten mit Partnern in der chemischen Industrie und Verfahrenstechnik im Anlagenbau zusammenarbeiten, während wir uns auf Forschung und Entwicklung konzentrieren.“

Selber Fabriken zu bauen sei schon deswegen nicht zielführend, weil eine zentralisierte Produktion und der damit verbundene Transport über weite Strecken bei Syngas nicht sinnvoll sei, erklärt Lorenz Lindenthal: „Die Substanz ist giftig und explosiv. Es ist nichts, was man üblicherweise in ein Fass füllt und auf den LKW lädt, sondern es wird direkt dort hergestellt, wo es gebraucht wird.“ In diesem Setting gebe es dann aber seit Jahrzehnten erprobte sichere Prozesse, betont der Gründer.

Sisyphus will mit perfektem Timing den Markt erobern

Noch liegen diese Pläne bei Sisyphus aber in der Zukunft. Aktuell hat das Spin-off eine funktionierende Proof of Concept-Anlage. Im nächsten Schritt soll – auch mithilfe einer FFG-Förderung – bis 2026 eine größere „MVP-Anlage“ mit einem Testkunden entstehen, die auch erste Umsätze bringen soll. „Ab 2029 wollen wir dann mit dem Lizenzmodell skalieren und auf mehrere tausend Tonnen Produktion pro Jahr kommen“, so Thomas Cotter.

Und damit werde man ein gutes Timing haben, ist der Gründer überzeugt: „Jetzt sind E-Fuels noch ein kleiner Markt, aber für 2030 wird das globale Volumen bereits auf fünf bis zehn Milliarden US-Dollar geschätzt. Dazu kommt ein Markt für andere Produkte aus Syngas, der nochmal so groß ist.“ Den Mitbewerb in diesem „Hot Topic“ wolle man dann mit überlegener Technologie übertrumpfen.

„Der Fokus liegt zunächst klar im Bereich Luftfahrt“

Die Möglichkeiten für Sisyphus sind also umfassend. Fürs erste will das Spin-off sich jedoch primär auf das Feld E-Fuels konzentrieren. Und das in einer Branche, wo sie schon bald eine besonders große Rolle spielen dürften. Für Thomas Cotter ist klar: „Der Fokus liegt zunächst klar im Bereich Luftfahrt“. Zuletzt holte sich das Spin-off dafür auch finanzielle Unterstützung über das Förderprogramm „Spin-Off Fellowship“ der FFG. Damit habe man einen Lead Engineer und einen Lead Chemist an Bord holen können und sei im Plan, 2025 die GmbH zu gründen, erklärt der Gründer.

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Bereits seit der Veröffentlichung des Ministerialentwurfs zu einer neuen Paketsteuer im Mai trifft diese in der öffentlichen Diskussion auf Kritik. Vorgesehen ist eine Abgabe von zwei Euro pro zugestelltem Paket, die ab dem 1. Oktober 2026 von großen Online-Handelsplattformen mit einem Jahresumsatz ab 100 Millionen Euro eingehoben werden soll. Nachdem das vorparlamentarische Begutachtungsverfahren zum Gesetzesentwurf am 26. Mai 2026 offiziell geendet hat, geht die Vorlage im nächsten Schritt in die Debatte und finale Abstimmung im Nationalrat.

Mit den prognostizierten Einnahmen von jährlich rund 280 Millionen Euro will die Bundesregierung die geplante Mehrwertsteuersenkung auf Grundnahrungsmittel teilweise gegenfinanzieren. Zudem wolle man den lokalen stationären Handel gegenüber den internationalen E-Commerce-Riesen stärken, so die Argumentation. Und auch der Umweltschutzaspekt wird seitens der Regierung ins Treffen geführt. Diese Begründung lassen viele Kritiker:innen aber nicht gelten.

Dobrocka: „wird nur das Angebot verringern und die Kosten für österreichische Kunden in die Höhe treiben“

Auch unter Gründer:innen heimischer Startups und Scaleups im Logistik-Bereich, die für brutkasten erreichbar waren, herrscht breite Ablehnung gegenüber der Paketabgabe. Dabei ist es nicht die Zielsetzung, die kritisiert wird. „Grundsätzlich finde ich es begrüßenswert über Maßnahmen zu diskutieren, die den österreichischen Markt vor einer Flut an ausländischen Sendungen schützen und österreichische Unternehmer stärken. Aber diese Maßnahme tut das nicht“, meint etwa Petra Dobrocka, Co-Founderin und CCO des Wiener Logistik-Scaleups byrd. „Selbst wenn ein heimischer Händler die Ware in Österreich verpackt und mit der österreichischen Post an einen österreichischen Kunden schickt: Sobald der Verkauf über einen Marktplatz wie Amazon läuft, greift die Steuer.“ Die Maßnahme werde letztlich „nur das Angebot verringern und die Kosten für österreichische Kunden in die Höhe treiben.“

Braith: „Emissionsärmere Zustellformen gezielt begünstigen“

Ähnlich argumentiert auch Storebox-Co-Founder und CEO Johannes Braith. Er führt zusätzlich eine ökologische Perspektive ins Treffen. „Wir brauchen aus meiner Sicht weniger Symbolpolitik und mehr intelligente Steuerung. Wenn Politik Lenkungswirkung ernst meint, dann sollte sie emissionsärmere Zustellformen gezielt begünstigen und nicht pauschal jede Form des Versandhandels verteuern“, so der Gründer. Das Gesetz unterscheide nämlich zu wenig zwischen emissionsintensiven und emissionsarmen Zustellmodellen. Klassische Haustürzustellung sei ineffizient und verursache Retourenverkehr und Parkdruck, meint Braith und führt Click-&-Collect-Modelle mit gebündelter Anlieferung ins Treffen, wie sie auch sein Unternehmen umsetzt.

Weiß: EU-Regelung statt „Alleingang“

Georg Weiß, Co-Founder und CEO des Wiener Logistik-Scaleups Quivo, würde in dem Zusammenhang lieber eine europäische Lösung sehen. „Auf EU-Ebene gibt es ja auch Vorschläge, etwa Zölle für Kleinpakete unter 150 Euro einzuführen, um den europäischen Markt vor Billigprodukten zu schützen. Das halte ich für die sinnvollere Maßnahme, als aus Österreich heraus einen Alleingang zu machen und eine Zwei-Euro-Paketgebühr einzuführen“, so der Gründer gegenüber brutkasten.

AustrianStartups: Nachteile für Startups und Scaleups befürchtet

Kritik an der Paketsteuer kommt auch von AustrianStartups. „Wer Österreich als Innovationsstandort stärken will, kann nicht gleichzeitig die Vertriebskanäle innovativer Unternehmen im E-Commerce belasten. In der aktuellen Form würde der Entwurf vor allem Startups, Scaleups und KMUs treffen, die über Plattformen verkaufen oder aus Österreich versenden“, meint man dort. Auch befürchtet man potenzielle Probleme für Scaleups in der Branche, weil ein gleitender Übergang bei der Umsatzschwelle fehle: „Für Scaleups, die gerade die 100-Millionen-Euro-Grenze überschreiten, bedeutet das einen abrupten Kostenschock in genau der Phase, in der sie skalieren wollen.“

Kaminski: „Das ist das Gegenteil von dem, was erreicht werden soll“

Zudem hebt AustrianStartups eine besondere Problematik im Secondhand- und Refurbishment-Bereich hervor und zitiert dazu refurbed-Co-Founder Kilian Kaminski: „Bei einem refurbishten iPhone beispielsweise ist der Produktpreis zwar relativ hoch, aber die Marge für Refurbisher ist sehr gering. So eine Abgabe kann nicht einfach weitergegeben werden. Das Resultat: Preise im Reuse-Bereich steigen, neue Billigwaren nicht. Das ist das Gegenteil von dem, was erreicht werden soll. Falls die Abgabe kommt, braucht es zwingend eine Ausnahmeregelung für Secondhand und Refurbished.“

AustrianStartups forderte daher bereits im Mai „eine Rücknahme des Entwurfs in seiner aktuellen Form“. Sollte dies nicht passieren jedenfalls aber eine „Prüfung eines EU-weiten Rahmens statt eines österreichischen Alleingangs“ und eine Ausnahmeregelung für Secondhand, Refurbished und Reuse.

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