27.01.2026
INVESTMENT

Sipfront: Schwechater Tech-Startup erhält 1,8-Mio-Euro-Investment

Airbridge Equity Partners aus Amsterdam steigt neben tecnet equity als neuer Investor beim österreichischen Startup ein.
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© Carolin Bohn - (v.l.) Die Sipfront-Gründer Andreas Granig, Markus Seidl und Daniel Tiefnig.

Bei Sipfront geht es um Testprozesse in der Telekommunikation. Doch zunächst zum Anfang: Im Jahr 2018 gelang Andreas Granig und Daniel Tiefnig mit ihrem Unternehmen Sipwise der Exit an Alcatel-Lucent Enterprise für einen zweistelligen Millionenbetrag – brutkasten berichtete. 2022 gründete das Founder-Duo gemeinsam mit dem Messtechnik-Experten Markus Seidl als drittem Gesellschafter ein neues Startup und aus „-wise“ wurde „-front“. Dafür gab es dann 2022 ein Pre-Seed-Investment von tecnet equity und drei Business Angels sowie eine aws-Förderung in Höhe von 1,3 Millionen Euro.

Sipfront: Neuer Investor aus den Niederlanden

Nun sichert sich Sipfront erneut frisches Kapital für die nächste Wachstumsphase. In der aktuellen Finanzierungsrunde fließen rund 1,8 Millionen Euro in das Unternehmen. Neben dem bestehenden Investor tecnet equity, der weitere 500.000 Euro als Co-Lead-Investor investiert, steigt mit Airbridge Equity Partners (AEP) aus Amsterdam ein neuer internationaler Investor ein und beteiligt sich mit rund 1,25 Millionen Euro. Auch die bestehenden Business Angels Gernot Singer, Jan Trionow und Markus Buchner ziehen erneut mit.

Mit dem Kapital möchte Sipfront seinen strategischen Fokus auf Voice AI weiter ausbauen und seine Lösungen für Enterprise-Kunden weiterentwickeln.

Sich verändernder Markt

Sipfront reagiert damit eigenen Angaben nach auf einen Markt, der sich rasant verändert. Denn Unternehmen würden zunehmend auf Voicebots und KI-gestützte Kommunikationssysteme setzen. Damit würde auch die Notwendigkeit, deren Qualität, Genauigkeit und Belastbarkeit zu testen, wachsen.

„Wer schon einmal mit einem schlecht funktionierenden Voicebot gesprochen hat, weiß, wie schnell die Kundenerfahrung leidet“, sagt CEO Granig. „Unternehmen brauchen deshalb belastbare Tools, um sicherzustellen, dass ihre Voice AI präzise, leistungsfähig und skalierbar bleibt. Genau dafür entwickeln wir unsere Technologie weiter – mit zunehmendem Fokus auf Enterprise-Anforderungen.“

Sipfront mit „tiefem Verständnis für Herausforderungen moderner Enterprises“

Mit Airbridge holt Sipfront zudem einen neuen strategischen Investor an Bord, der auf wachstumsstarke Technologieunternehmen spezialisiert ist und den Ausbau von KI-Anwendungen in der Unternehmenskommunikation gezielt unterstützt.

„Sipfront adressiert einen enorm wachsenden Markt, denn KI-gestützte Kundenkommunikation wird für Unternehmen weltweit zum strategischen Kernprozess“, erklärt Rutger Delhaas, Partner bei Airbridge. „Wir investieren, weil Sipfront nicht nur technologisch überzeugt, sondern ein tiefes Verständnis für die Herausforderungen moderner Enterprises mitbringt.“

Auch tecnet equity bekräftigt die langfristige Zusammenarbeit mit Sipfront: „Ein erfahrenes Gründerteam“, sagen Doris Agneter und Jürgen Milde-Ennöckl von tecnet equity, „eine klare technologische Weiterentwicklung und die steigende Nachfrage nach verlässlicher Voice-AI-Qualitätssicherung im Enterprise-Umfeld waren die maßgeblichen Gründe für unsere erneute Investitionsentscheidung.“

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Der European Venture Sentiment Index deutet eine positive Entwicklung für das nächste Quartal an (c) Adobe Stock
(c) Adobe Stock

„Für das zweite Quartal könnten die Vorzeichen kaum schlechter stehen“, zitierte brutkasten Venionaire im April zur Veröffentlichung des European Venture Sentiment Index für das erste Quartal. Doch – wie so oft – kam es dann doch anders. Die im ersten Quartal durch den Angriff der USA auf den Iran hervorgerufene Krise schlug sich nämlich – anders als etwa die Krise nach Beginn des Ukraine-Kriegs – nicht auf die Risikokapital-Volumina nieder.

Die Zahlen sahen laut Venionaire-Analyse im zweiten Quartal nämlich gut aus: Die Gesamtinvestitionen am europäischen Risikokapitalmarkt nahmen weiter zu und erreichten mit 29 Milliarden US-Dollar einen neuen Rekord. Weiters konnte auch die reine Deal-Anzahl um rund fünf Prozent auf 965 Deals gesteigert werden.

(c) Venionaire Capital

Knapp negativer Indexwert – abermals pessimistischer Ausblick

Dennoch sind die für den quartalsweisen Index befragten Investor:innen nicht in Jubelstimmung. Der Indexwert liegt mit 4,8 knapp unter der neutralen Marke 5. Er ist damit besser als der Wert im Vorquartal und besser als der für das Quartal erwartete Wert (siehe Grafik), aber immer noch nicht positiv. Auch die Erwartung für das kommende Quartal ist mit 4,4 wieder schlechter. „Die Zahlen zeichnen ein positiveres Bild als die Stimmung. Investor:innen sind weiterhin zurückhaltend und warten mit Investments“, analysiert Berthold Baurek-Karlic, Gründer und Vorstandsvorsitzender der Venionaire Capital AG.

(c) Venionaire Capital

Man erkenne eine leichte Stabilisierung, so Baurek-Karlic weiter zum Index-Wert. „Zwar erwarten Investor:innen mehr Aktivität und Wettbewerb im dritten Quartal, doch die großen Sorgen rund um geopolitische Spannungen und handelspolitische Unsicherheit sind aber weiterhin da.“ Es verwundere also nicht, dass der erwartete Index-Wert lediglich 4,4 betrage. Investor:innen würden kurzfristig ohne verlässlichen Ausblick auf die kommenden Quartale agieren, meinen die Analysten von Venionaire Capital.

DeepTech im Vorteil

Und langfristig könnte sich eine Veränderung der Investitionskriterien abzeichnen, erwarten die Analysten. Effizienz und Produktdifferenzierung würden zunehmend als Grundvoraussetzungen gelten. In den Mittelpunkt rücke stattdessen die Frage, ob ein Unternehmen über einen dauerhaft verteidigungsfähigen Wettbewerbsvorteil verfüge. „Investoren hinterfragen verstärkt, ob KI-basierte Produkte tief in Infrastruktur und Arbeitsabläufen verankert sind oder lediglich auf bestehenden Basismodellen aufsetzen. Geschäftsmodelle, deren Kernfunktion kurzfristig von einem großen KI-Anbieter in dessen Plattform integriert werden könnte, werden entsprechend kritischer bewertet“, so Baurek-Karlic.

Davon würden insbesondere Bereiche mit höheren technologischen und physischen Eintrittsbarrieren profitieren, darunter DeepTech, Biotechnologie, Hardware, Robotik und fortschrittliche Fertigung. „Vielleicht stehen wir vor einem goldenen Zeitalter der DeepTech-Unternehmen“, mutmaßt der Venionaire-Gründer.

Größte Runden und stärkste Länder

Diese Erwartungen würden sich in den Top-Investments des zweiten Quartals widerspiegeln: Mit Eurowind Energy (2,3 Mrd. US-Dollar, Energie- und Abfallwirtschaft), Isomorphic Laboratories (2,1 Mrd. US-Dollar, KI-Biotechnologie) und Stegra (1,6 Mrd. US-Dollar, erneuerbare Energien) seien die größten Finanzierungsrunden an Unternehmen gegangen, die nicht einfach vom Markt verdrängt werden können. Im europäischen Risikokapital-Länderranking führte einmal mehr das Vereinigte Königreich (12,3 Mrd. US-Dollar) überlegen vor Deutschland (3,6 Mrd. US-Dollar) und – überraschend dank Eurowind Energy – Dänemark (3 Mrd. US-Dollar).

(c) Venionaire Capital

Und wie geht es weiter? Baurek-Karlic analysiert: „Der Risikokapitalmarkt befindet sich momentan im Wandel. Investor:innen sind bereit, mehr Kapital zur Verfügung zu stellen, wollen dafür aber auch ein gewisses Maß an Sicherheit. Auch im dritten Quartal werden es etabliertere Unternehmen mit einem felsenfesten Geschäftsmodell leichter haben.“

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