25.09.2015

Silicon Valley versus Europa: Es beginnt beim Kleidungsstil

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Wiener Reisetagebuch-App zog in die USA - und zieht ein Resümee.

Wodurch unterscheidet sich das Silicon Valley von Europa? Wieso werden gerade dort so viele Erfolgsgeschichten geschrieben? Beim AmCham Talk heute morgen im Vienna Hilton Vienna Plaza begrüßte die U.S. Handelskammer Thomas Walbert vom The Culture Institute in Zürich, der sich in den letzten Monaten auf die Suche nach Antworten begeben hat.

Geht es nach Walbert, sind die Gründe, wieso Unternehmen im Silicon Valley so erfolgreich sind, augenscheinlich: Der große Unterschied sei die Verfügbarkeit von Kapital, wenig Bürokratie, aber vor allem die vorherrschende Kultur.

So seien hierzulande die Werte anders gewichtet: Bei den Startups aus dem Valley geht es um schnelle Entscheidungsfindungen, flache Strukturen und um den Wunsch, Teil von etwas Großem zu sein. Ganz im Gegenteil dazu stehen Unternehmen hierzulande, die großen Wert auf Tradition legen und wo der Chefsessel in „Familienhänden“ bleibt. Der Unternehmensboss sieht sich außerdem als „Vater“ seiner Angestellten („Einer für Alle, alle für Einen“), Hierarchien sind strikt und alltäglich. „Die Unternehmen sind solz darauf, dass schon ihre Vorfahren K.u.K. Hoflieferanten waren, sie somit auf eine lange Tradition zurückblicken. Es geht nicht darum, den Status quo zu hinterfragen, sondern ihn zu sichern. Ganz im Gegenteil zu den Startups im Silicon Valley“, beobachtet Walbert. Dort gehe es nämlich um das „Big Picture“, den Mut und dem Willen zur Veränderung, den Status quo herauszufordern und zu verändern. Es geht darum, Vision zu haben.

Auch die aktuellen Probleme von VW (Bei der Volkswagen-Affäre geht es um die Manipulationen der Abgasmessung bei Dieselautos) ortet Walbert in der dort vorherrschenden Unternehmenskultur: Diese sei von einem autoritären Management geprägt und strikten Hierarchien, die sich bloß auf die Haltung des Status quo, bzw. die Marktführerschaft konzentrierten.

Die kulturellen Unterschiede macht Walbert auch an Sprache oder Kleidungsstil fest. Der Klischee-mäßige Hippie-schlabber Look, der von Startup-Gründern und Mitarbeitern propagiert wird, versinnbildlichst die kreative Freiheit, der dort freien Lauf gelassen wird. Steve Jobs sei etwa in Schlapfen in die Arbeit gekommen.

Trotzdem: Die Dosis macht das Gift. Walbert betont, dass es der richtige Mix sein muss. Auch Steve Jobs wäre ohne den fleißigen, schüchternen Steve Wozniak nicht so erfolgreich gewesen. Beide Extreme brauchen einander. Er sieht daher in Europa eine Verschiebung von der industriellen Ära zum imaginären/ideellen Zeitalter. Man muss sich als Unternehmen fragen: Ist meine Unternehmenskultur die richtige?

Thomas Walbert wurde von der U.S. Handelskammer nach Wien eingeladen.

„Es ist aber ein Fehler zu versuchen, die Kultur des Silicon Valley ganz plump in Europa zu duplizieren. Das ist nicht möglich!“, warnt der Experte. „Trotzdem sollten wir nicht ignorieren, was in Amerika passiert. Es sollte eine Inspiration sein.“ Jedenfalls könnte ein engeres Zusammenspiel zwischen Mitarbeitern und der Chefetage die Unternehmen hierzulande weiter nach vorne bringen.

Auch das Thema Scheitern wurde angesprochen. Einig war man sich auch in der anschließenden Diskussion zur Keynote, dass sich die Scheiterkurltur in Österreich dringend verändern muss. Während man im Silicon Valley sagt: „We can, if…“, ist das „österreichische“ Pendant immer noch: „We can’t, because…“

Thomas Walberg hat bestimmt mit einigen seiner Thesen ins Schwarze getroffen. Fraglich ist allerdings, ob ein direkter Vergleich der großen „Startups“ wie Google oder Apple mit den Klein- und Mittelunternehmen hierzulande überhaupt möglich ist. Walberg meinte allerdings, im Vorfeld hätte man sich extra dafür entschieden – Kriterien wie zB. die Größe oder der Einfluss der Gründer aufs Unternehmen seien ausschlaggebend gewesen.

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v.l. Jakob Zenz und Paul Nimmerfall | Foto: EcoNetix

Econetix begründet den Schritt mit der Bedeutung der britischen Hauptstadt für den CO2-Handel. London sei das weltweit bedeutendste Zentrum der CO2-Märkte und neben Genf Heimat der größten Rohstoffhändler und Finanzinstitute. Mit dem neuen Büro positioniere man sich unmittelbar im Ökosystem des wichtigsten Kundensegments, heißt es in der Aussendung.

„London ist der Ort, an dem CO₂-Zertifikate gehandelt, bewertet und strukturiert werden. Wer im regulierten Emissionshandel ernsthaft mitspielen will, muss hier präsent sein. Dieses Büro ist ein konsequenter nächster Schritt, um unsere Beziehungen zur Trading-Community auszubauen und unsere Position als Marktführer weiter zu festigen“, wird Gründer Jakob Zenz zitiert.

Umsatzplus von mehr als 700 Prozent

Laut Econetix folgt die Eröffnung auf ein starkes Wachstumsjahr. Der Umsatz sei im Jahresvergleich um mehr als 700 Prozent gestiegen, absolute Zahlen nennt das Unternehmen in der Aussendung allerdings nicht. Als Treiber führt Econetix drei regulatorische Entwicklungen an, die voneinander zu unterscheiden sind.

  • Erstens CORSIA, das Kompensationssystem der internationalen Luftfahrt: Airlines müssen dort Emissionen oberhalb eines festgelegten Basiswerts mit zugelassenen CO2-Zertifikaten ausgleichen. Das erzeuge laut Econetix eine wachsende, compliance-getriebene Nachfrage.
  • Zweitens das EU-Emissionshandelssystem (EU-ETS), der regulierte CO2-Markt der Europäischen Union. Die Europäische Kommission habe bekräftigt, dass sie CO2-Märkte als zentrales Instrument einer kosteneffizienten Dekarbonisierung betrachte, heißt es in der Aussendung.
  • Drittens internationale Zertifikate nach Artikel 6 des Pariser Abkommens. Hier habe die Kommission Offenheit gegenüber hochwertigen internationalen Zertifikaten auf dem Weg zum Klimaziel 2040 signalisiert. Ob und in welchem Umfang solche Zertifikate in den EU-ETS selbst einfließen sollen, dazu macht die Aussendung keine Angaben.
Die EcoNetix-Gründer in London | (c) EcoNetix

„Wir haben Econetix genau für diesen Moment aufgebaut und unser Wachstum spricht für sich. London verschafft uns die Nähe zu unseren Kunden, die unser Geschäft jetzt erfordert“, so Mitgründer Paul Nimmerfall.

ESC und SK Rapid als Referenzen

Econetix entwickelt und verwaltet nach eigenen Angaben Kohlenstoffprojekte in Afrika, Europa und dem Nahen Osten. Im Vorjahr hatte das Unternehmen seine Seed-Finanzierung auf insgesamt 4,5 Millionen Euro erweitert (brutkasten berichtete). Im März 2026 übernahm Econetix im Auftrag des ORF die CO₂-Bilanzierung und Kompensation beim Eurovision Song Contest (brutkasten berichtete). Seit der Saison 2026/27 ist das Unternehmen zudem offizieller Sustainability Partner von SK Rapid Wien, die Partnerschaft läuft bis 2029/30 (brutkasten berichtete).

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