05.04.2022

Scaleup holt sich eine Milliarde Dollar bei 100 Milliarden Bewertung

Das chinesische Fashion-E-Commerce-Scaleup Shein etablierte sich in den vergangenen Jahren vor allem in der jungen Zielgruppe weltweit.
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Shopping über die Shein-App ist vor allem bei Teenagern beliebt
Shopping über die Shein-App ist vor allem bei Teenagern beliebt | (c) Adobe Stock - Wirestock

Noch ist der Deal nicht unter Dach und Fach und die Verhandlungen laufen. Doch wie Bloomberg berichtet, dürfte das chinesische Fashion-E-Commerce-Scaleup Shein bald eine Finanzierungsrunde in der Höhe von einer Milliarde US-Dollar abschließen. Die Bewertung soll dabei 100 Milliarden US-Dollar betragen. Das wäre mehr als die Mode-Branchenriesen H&M und Zara zusammen wert sind. Der Abstand zur Bewertung der globalen Top 100 börsennotierten Unternehmen ist damit auch nicht mehr besonders groß – Platz 100 lag zuletzt bei rund 130 Milliarden US-Dollar Börsenwert.

Shein: billig, cool und erfolgreich – auf Kosten von allem anderen

In der jüngeren Zielgruppe von 15 bis 25 und da vor allem bei Teenagern, hat das 2008 gegründete Unternehmen in den vergangenen Jahren große Marktanteile gewonnen. Shein punktet stark mit dem Preis, mit dem sogar Billig-Ketten wie Kik kaum mithalten können. Gleichzeitig konnte das „Ultra Fast Fashion“-Unternehmen aber ein deutlich „cooleres“ Image aufbauen als die Discounter, indem es extrem schnell auf neue Mode-Trends reagiert. Dazu verwendet man unter anderem KI-Algorithmen, die TikTok-Videos screenen, und schreckt nicht vor schamloser Design-Kopie zurück. Und natürlich können die billigen Preise nur auf Kosten von Qualität, Arbeitsbedingungen und Nachhaltigkeit geboten werden.

Die letzten Geschäftszahlen liegen für 2020 vor – in dem Jahr verzeichnete man eine Verdreifachung des Umsatzes auf rund zehn Milliarden US-Dollar. Für 2021 sind also noch keine Umsatz-Zahlen bekannt, wohl aber andere Werte, wie etwa Download-Zahlen der App: So lag die App zuletzt mit einem Wachstum von 68 Prozent bei den Installs im Vergleich zum Vorjahr schon auf Platz 2 der Shopping-Apps in den USA hinter Amazon. Weltweit lag das chinesische Unternehmen in den Download-Charts sogar vor dem E-Commerce-Giganten.

Gründer will nach Singapur, um chinesische Regelungen zu umgehen

Shein hat bereits große VCs wie Tiger Global, IDG und Sequoia an Bord. Laut Bloomberg dürften in der aktuell verhandelten Mega-Runde noch weitere, darunter General Atlantic aus New York dazu kommen. Auch an seinem IPO arbeitet das Unternehmen laut Berichten bereits. Dafür will Gründer Sky Xu aber laut Reuters eine Holding in Singapur vorschieben, um chinesische Regelungen zu umgehen und im Ausland an die Börse gehen zu können. Auch strebe der Gründer dafür den Wechsel der Staatsbürgerschaft an, heißt es im Bericht aus dem Februar.

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Claus Schmidt | © Schrotter
Claus Schmidt | © Schrotter

Das seit diesem Sommer börsennotierte Grazer Energie- und Atomkraft-Scaleup (bzw. je nach Lesart Unicorn) Emerald Horizon hat schon zuvor mit Personal-Entscheidungen auf sich aufmerksam gemacht: Zunächst holte man vergangenes Jahr Ex-Nationalbank-Gouverneur Robert Holzmann, später Ex-FPÖ-Chef Norbert Hofer jeweils in Vice-President-Positionen ins Team. Eine nun verkündete Personalie weist etwas weniger Prominenz, dafür wohl mehr Pragmatismus auf: Der erfahrene österreichische Manager Claus Schmidt übernimmt den Verantwortungsbereich „Organizational Development & Quality Management“.

Ziel: fit für die ambitionierten Pläne

Für Emerald Horizon geht es darum, die gesamte Organisation fit für die ambitionierten Pläne zu machen. Denn sowohl mit dem erst teilweise marktreifen Energiespeichersystem „Dual Store Plus“ als auch mit den geplanten Thorium- und Teilchenbeschleuniger-basierten Mini-Atomkraftwerken „Ades“ (brutkasten berichtete) will man in den kommenden Jahren in die Serienproduktion, um in die weltweite Skalierung zu gehen. Als Produktionspartner hierfür ist die niederländische VDL Groep bereits fixiert.

„Wir kommen aus der Forschung und gehen in die Industrialisierung. Über diesen Übergang entscheidet die Organisation in wesentlichem Maße mit“, sagt Vice President Operations Philipp Pölzl. „Claus Schmidt hat in mehreren Industrien Verantwortung übernommen. Diese Erfahrung holen wir uns an Bord.“ Schmidt bringe mit, was ein Deep-Tech-Unternehmen in der Wachstumsphase brauche: „Struktur, Qualitätsdenken und ein Gespür für Teams“.

Claus Schmidt: 25 Jahre Erfahrung im Top-Management

Konkret kommt der studierte Betriebswirt Schmidt mit mehr als 25 Jahren Erfahrung als CEO und CSO in unterschiedlichen Branchen und Ländern. Er war unter anderem Geschäftsführer der Umdasch Shopfitting Group mit 1.500 Mitarbeitern in 16 Ländern, CEO der Columbia S.r.l. in Italien und der Shoptec k.f.t in Ungarn, CEO der IDEAL Kältetechnik und zuletzt Generalbevollmächtigter der SIMACEK Holding in Wien und Hamburg.

„Emerald Horizon ist in einer Phase, in der aus einer Entwicklung Schritt für Schritt großartige Produktlösungen entstehen. Diese Herausforderung reizt mich enorm, und ich freue mich auf die Arbeit mit diesem großartigen und wachsenden Team“, kommentiert Schmidt.

Ungewöhnlicher Börsengang

In einem durchaus ungewöhnlichen Schritt ging Emerald Horizon Anfang dieses Sommers im Segment „standard market continuous“ an die Wiener Börse. Ungewöhnlich deshalb, weil das erste geplante Produkt „Dual Store Plus“ nach eigenen Angaben teilweise erst in der Prototypenphase ist – konkret der Wärmespeicher „CALStore“; vom geplanten Hauptprodukt „Ades“ gibt es noch keinen Prototypen. Für die kommenden Jahre rechnet das Unternehmen mit Verlusten, was zuletzt zu einem ungewöhnlichen Finanzierungsschritt führte. Dennoch wird das Unternehmen an der Börse bereits mit mehr als einer Milliarde Euro bewertet.

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