19.06.2018

Shades Tours gewinnt Social Startup Initivative found! 2018

Dass sich soziales Engagement und Unternehmertum nicht gegenseitig ausschließen, beweist die Social Startup Initiative found! heuer zum zweiten Mal. Nach einer sechsmonatigen Inkubationsphase stehen nun die diesjährigen Gewinner fest. Shades Tours holt "Gold", "Silber" geht an More Than One Perspective.
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found!
(c) cochic photography. vlnr: Fatima Almukhtar (Deloitte), Barbara Koren (SHADES TOURS), Anna Kohl (Deloitte), Perrine Schober (SHADES TOURS), Sandra Djordjevic (Deloitte)
kooperation

Im Rahmen des Projekts found! unterstützen Deloitte und Impact Hub Vienna Startups mit spannenden Geschäftsideen im sozialen Bereich. Hierbei liegt der Fokus auf Unternehmen, die Geflüchteten eine berufliche Perspektive bieten und somit zu einer gelungenen Integration beitragen. Anfang diesen Jahres – der Brutkasten berichtete – wurden aus zahlreichen Bewerbungen sechs Finalisten ausgewählt, die sechs Monate lang mit ExpertInnen an ihren Businessplänen arbeiteten. Bei den Finalisten handelt es sich um More Than One Perspective, Shades Tours, Topfreisen, Habibi & Hawara’s Bazaar, Kattunfabrik und Chance Giving Chance Living 4 Refugees.

„Gold“ für Shades Tours bei found!

Nach der sechsmonatigen Inkubationsphase fanden die finalen Pitches der Social Startups statt. Den ersten Platz belegt das Startup Shades Tours, das Stadtführungen zu dringenden gesellschaftlichen Themen wie Obdachlosigkeit und Asyl anbietet. Das Besondere dabei: Die Führungen werden von betroffenen Personen selbst durchgeführt. „Das Interesse an unseren Touren steigt stetig und wir sind gemeinsam mit unseren Guides voller Herzblut bei der Sache. Der erste Platz bei found! ermöglicht uns einen weiteren Ausbau unseres jungen Unternehmens“, sagt Perrine Schober, Gründerin von Shade Tours.

More Than One Perspective holt „Silber“

Der zweite Platz geht an More Than One Perspective. Dieses Startup bereitet gut ausgebildete Flüchtlinge mittels Workshops, Coaching und Mentoring auf den österreichischen Arbeitsmarkt vor und vermittelt sie an ein passendes Unternehmen. In Zukunft werde man verstärkt mit Blended Learning, also der Kombination aus klassischen Workshops und Online-Kursen setzen, um noch mehr Talente mit Fluchthintergrund zu erreichen, erzählt  Lisa-Maria Sommer, Co-Founderin von More Than One Perspective.

(c) cochic photography: (vlnr): Haia Haddad (MTOP), Amela Poglitsch (Deloitte), Klara Fasching (Deloitte), Lisa-Maria Sommer (MTOP), David Günther (Deloitte), Julian Richter (MTOP), Nina Poxleitner (MTOP), Lisa Wewerka (MTOP), Milica Sundic (Deloitte)

„Businesspläne sind unternehmerisch gut durchdacht, bringen sozialen Mehrwert“

Bernhard Gröhs, CEO von Deloitte Österreich, gratuliert den beiden Gewinner-Startups: „Die Gewinner-Start-ups können sehr stolz auf sich sein. Ihre Businesspläne sind nicht nur unternehmerisch gut durchdacht, sondern bringen auch sozialen Mehrwert.“ Shades Tours erhält ein Preisgeld von 15.000 Euro. Das Team von More Than One Perspective kann sich über eine Unterstützung in Höhe von 10.000 Euro freuen. Außerdem erhalten beide jeweils 50 Pro Bono-Beratungsstunden. Aber auch die anderen vier Finalisten gehen nicht leer aus; sie bekommen eine rechtliche Beratung im Wert von 1000 Euro .

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Mathias Lipp-Rosenthal, Gründer der KI Schmiede | Foto: Lipp-Rosenthal

Das im August veröffentlichte Gesamtstaatliche Lagebild 2026 des Krisensicherheitsberaters im Bundeskanzleramt enthält einen Satz, der bislang wenig Beachtung fand: Angesichts der Cyberbedrohung rücke digitale Souveränität weiter in den Fokus der nationalen Sicherheit. Daraus leitet es eine unbequeme Handlungsoption ab, nämlich die Förderung von EU-Anbietern und den Verzicht auf externe Anbieter bei künftigen Beschaffungen. Im (ersten) Lagebild 2025 kam der Begriff nicht vor. Aus einem Standortthema wurde binnen eines Jahres eine Sicherheitsfrage.

Der Ist-Zustand ist bekannt. Verwaltung und Wirtschaft in Österreich laufen weitgehend auf Infrastruktur dreier US-Konzerne. Der CLOUD Act erlaubt US-Behörden den Zugriff auf Daten, die diese Unternehmen verarbeiten, unabhängig vom Standort des Rechenzentrums. Als Microsoft im Frühjahr 2025 plötzlich das Konto des Chefanklägers des Internationalen Strafgerichtshofs sperrte, wurde sichtbar, dass die Verfügbarkeit einer digitalen Grundleistung an einer Entscheidung außerhalb Europas hängen kann. Die Leistungsfähigkeit der Hyperscaler steht außer Streit. Zu klären ist, welche Funktionen ein Staat in fremder Hand belassen kann.

Vorbilder im öffentlichen Sektor

Das Österreichische Bundesheer hat mit der Umstellung auf LibreOffice die Kontrolle über einen zentralen Arbeitsplatzbaustein zurückgeholt, die Schweizer Armee migriert ihr Kommando Cyber auf openDesk.

Am weitesten gehen die Niederlande. Dort stellt die Regierung die gesamte Bundesverwaltung auf digitale Souveränität um. Seit Juli 2026 ist von US-Clouds für E-Mail und Dokumente abzuraten, Daten müssen in Europa bleiben und für jeden Dienst muss ein Ausstiegsplan vorliegen.

Sicherheit als Grundbedürfnis der Wirtschaft

Die Frage stellen sich zunehmend auch heimische Unternehmen. Sie wollen wissen, ob ihre Daten in Europa liegen, wer darauf zugreifen kann und ob der Dienst, auf dem ihr Tagesgeschäft läuft, morgen noch verfügbar ist. Souverän zu arbeiten heißt für sie vor allem, Sicherheit zu haben: dass Daten nicht von Drittstaaten abgegriffen werden können und dass sie sich auf die Infrastruktur, die ihr Geschäft trägt, tatsächlich verlassen können.

Anbieter, die diesen Wechsel möglich machen, gibt es in Österreich und Europa bereits. Sie stellen Rechenleistung, Plattformdienste und KI-Modelle bereit, die europäischem Recht unterliegen und deren Betrieb nachvollziehbar bleibt. Was ihnen fehlt, ist nicht die Kompetenz, sondern die Nachfrage, die sie in jene Größe trägt, in der sie für den Mittelstand zur echten Option werden.

Mehr als ein Hackathon

Im Mai 2026 haben das Bundeskanzleramt und die TU Austria dazu einen Public AI Hackathon veranstaltet. In 48 Stunden entwickelten 25 Talente Prototypen für die öffentliche Verwaltung, präsentiert vor Staatssekretär Alexander Pröll und einer Jury aus Verwaltung, Politik und Forschung. Das Format zeigt, dass der Wille zur Zusammenarbeit zwischen Staat und Nachwuchs vorhanden ist. Es zeigt auch, wo die Grenze liegt. Zwei Tage Hackathon ersetzen keine Strategie, mit der die Startup-Szene dauerhaft in den Aufbau souveräner Infrastruktur eingebunden wird. Auf einen Prototyp sollte eine Beschaffung folgen, auf eine Veranstaltung ein Förderprogramm, auf ein Teilnahmezertifikat ein zahlender Kunde.

Der Hebel heißt öffentliche Nachfrage

Genau hier liegt der Hebel für Österreich. Öffentliche Nachfrage entscheidet, ob heimische Anbieter jene Größe erreichen, die sie brauchen, um für die Wirtschaft eine echte Option zu sein. Wenn Bund, Länder und Förderstellen gezielt bei europäischen und österreichischen Anbietern beschaffen, stärkt das deren Marktposition und signalisiert der gesamten Startup-Branche, dass sich Investitionen in souveräne Technologie lohnen. Souveränität und Innovation stehen dabei nicht im Widerspruch, sie bedingen einander: Wer die Kontrolle über seine Infrastruktur behält, kann auf ihr aufbauen, statt sie nur zu mieten.

Für Österreich heißt das, die Empfehlung des Lagebilds über einzelne Prototypen hinaus zu denken. Jede Ausschreibung, jedes Förderprogramm und jede Anschlussfinanzierung entscheidet mit darüber, ob die österreichische Startup-Branche zu jenem Anbieter heranwächst, von dem Verwaltung, Sicherheitsbehörden und Mittelstand in zehn Jahren abhängen können. Wer Gründerinnen und Gründer heute mit mehr als einem Zertifikat ausstattet, entscheidet mit über die technologische Souveränität von morgen.


Über den Gastautor:

Mathias Lipp-Rosenthal ist Gründer der KI Schmiede, einer im Juni 2026 gestarteten Beratung, die Unternehmen im DACH-Raum bei der Einführung und Schulung von KI begleitet. Zuvor war er stellvertretender Klubdirektor der Neos und Mitgründer von Voter AI; die Gründung der KI Schmiede hat brutkasten hier bereits vorgestellt.

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