06.05.2020

Seven Bel: 500.000 Euro Investment für Linzer Lärmfotografie-Startup

Ähnlich wie Hitzequellen mit einer Wärmebildkamera können mit der "Lärmfotografie"-Technologie des Linzer Startups Seven Bel Schallquellen visuell dargestellt werden. Das Grazer Investoren-Syndikat eQventure investierte nun 500.000 Euro.
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Das Seven Bel-Kernteam bestehend aus Michael Andessner, Barbara Rittenschober und Thomas Rittenschober - Investment durch eQventure
(c) Junge Digitale: Das Seven Bel-Kernteam bestehend aus Michael Andessner, Barbara Rittenschober und Thomas Rittenschober

Woher kommt bloß dieser Lärm? Diese Frage nach der exakten Geräuschquelle ist nicht immer so leicht zu beantworten. Dabei besteht etwa in der Industrie ein großer Bedarf, Geräuschquellen punktgenau zu identifizieren – sowohl für die Geräusch-Optimierung von Produkten, als auch für jene von Anlagen, um die eigenen Mitarbeiter besser zu schützen. Unternehmen wie Motorrad-Hersteller KTM, Haushaltsgeräte-Fabrikant Liebherr, Glasverarbeiter Lisec oder Bahnbetreiber Stern & Hafferl haben eine Lösung gefunden. Sie sind Pilot-Kunden des Linzer Startups Seven Bel, das diesen Sommer den Markteintritt plant.

+++ Aktuelle Startup-Investments +++

Seven Bel: Anwendung der
(c) Seven Bel: Anwendung der „Lärmfotografie“ bei Motorrad-Hersteller KTM

Seven Bel: Gerät soll neuer industrieller Standard werden

Sieben Bel bzw. siebzig Dezibel sind der Grenzwert, ab dem Lärm für Menschen auf Dauer potenziell gesundheitsgefährdend sein kann. Mit der „Lärmfotografie“-Technologie des Unternehmens werden Geräuschquellen identifiziert und visuell abgebildet. Das serienreife Gerät soll, geht es nach dem Startup, zum neuen industriellen Standard werden. Das Prinzip ist dabei nicht gänzlich neu. Bereits seit rund 20 Jahren gibt es akustische Kameras zur Schallvisualisierung. „Diese sind jedoch in der Anschaffung teuer (ab 40.000 Euro aufwärts), begrenzt mobil und meist benötigt man Expertenwissen für die Bedienung“, heißt es von Seven Bel. Mit der neuen Technologie des Startups werde vieles einfacher, wobei es keine Abstriche in der Bildqualität gebe.

(c) Seven Bell: So sieht das Gerät (mit weiteren Komponenten zusammengestellt) im Einsatz aus

Lärmfotos direkt am Smartphone

Ein Sensor scannt das Schallfeld und eine mobile App zeigt Schallquellen sowie akustisch problematische Stellen ähnlich wie eine Wärmebildkamera auf einem Foto oder Video an. Die akustischen Bilder können direkt am Handy des Anwenders analysiert und mit Kollegen, Partnern oder Kunden in Form von automatisch generierten Berichten geteilt werden. Die Schallscanner stehen in zwei Größen zur Verfügung: die längere Variante liefert Messergebnisse besonders für tieffrequenten Schall, etwa in der Industrie, während die kürzere Variante sich auch in räumlich beengten Verhältnissen, wie zum Beispiel in Fahrzeugkabinen, einsetzen lässt.

Schneller, besser, billiger…

„In der Entwicklung unseres Messsystems wurde speziell darauf Wert gelegt, dass man schnell zu Ergebnissen gelangt“, erklärt Gründer und CEO Thomas Rittenschober. „Bis akustische Messergebnisse vorliegen, dauert es mit unseren Instrumenten inklusive Aufbauzeit für das Messsystem weniger als fünf Minuten. Weitere Alleinstellungsmerkmale sind die hohe Bildqualität sowie die Einfachheit, mit der das System zu bedienen ist. Zusätzlich sprechen Mobilität und die hohe Kostenattraktivität im Vergleich zu Konkurrenzprodukten für Seven Bel“, so der Geschäftsführer.

eQventure investiert halbe Million Euro in Seven Bel

Nun investierte das in Graz ansässige Investorensyndikat eQventure rund um DeepTech- bzw. Sensorik-Profi Herbert Gartner 500.000 Euro. Laut öffentlich einsehbaren Firmendaten wechselten dafür 25 Prozent des Startups den Besitzer – der Rest gehört nach wie vor Gründer Rittenschober. Bislang hatte sich das Startup unter anderem durch Förderungen von aws, FFG und tech2b finanziert. Seven Bel werde nun „von einer Reihe internationaler Industrie- und Branchenexperten, darunter die erfolgreichen Sensorunternehmer Clemens Gasser und Albert Niel, tatkräftig beraten“, heißt es von eQventure. „Auch in wirtschaftlich schwierigeren Zeiten investieren wir in Unternehmen mit hohem Potential. Denn viele Technologieunternehmen wachsen momentan besonders schnell“, kommentiert Herbert Gartner.

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Michael Krebs, CEO von HeartBeat.bio. | Foto: HeartBeat.bio.

2023 holte sich das Wiener BioTech HeartBeat.bio, das 2021 gegründet wurde und im Vienna Biocenter ansässig ist, ein 4,5-Millionen-Euro-Investment im Rahmen einer Pre-Series-A-Runde – brutkasten berichtete.

Im Vorjahr folgte eine Forschungskooperation mit dem Pharmaunternehmen Boehringer Ingelheim, mit dem Ziel gentherapeutische Behandlungen für genetisch bedingte Kardiomyopathien zu entwickeln. Nun kooperiert man mit dem schwedischen Genomikunternehmen CubaseBio, das 3D-Spatial-Transkriptomik-Technologien entwickelt, um einen Hochdurchsatz-3D-Spatial-Profiling-Ansatz für myokardiale Fibrose zu entwickeln und um die Wirkstoffforschung bei Herzinsuffizienz zu steigern.

HeartBeat.bio erhält von der FFG nationale Förderung

Die Partner erhalten dafür rund eine Million Euro an Förderung im Rahmen des Calls 10 des Eurostars-Programms für ihr gemeinsames Projekt „Fibrosis Analysis in Cardioids via Transcriptomic Spatial-mapping in 3D“ (FACTS-3D).

Die nationale Förderung erfolgt durch Vinnova (Schwedens Innovationsagentur) und die österreichische Forschungsförderungsgesellschaft (FFG), mit Ko-Finanzierung durch die Europäische Union im Rahmen von Horizon Europe.

Das Projekt verbindet die firmeneigene Cardioid-Technologie von HeartBeat.bio mit der 3D-Spatial-Transkriptomik-Plattform von CubaseBio, um einen skalierbaren Ansatz zur Analyse der molekularen und zellulären Mechanismen hinter myokardialer Fibrose zu entwickeln.

64 Millionen Menschen von Herzinsuffizienz betroffen

Trotz bedeutender Fortschritte in der kardiovaskulären Forschung bleibt die Entwicklung neuer Therapien gegen Herzinsuffizienz eine Herausforderung. Weltweit sind mehr als 64 Millionen Menschen von Herzinsuffizienz betroffen, was eine große und wachsende globale Gesundheitsbelastung darstelle, heißt es per Aussendung. Herkömmliche präklinische Werkzeuge wie Tiermodelle und 2D-Zellkulturen könnten die Komplexität der menschlichen Biologie, zellulärer Interaktionen und der räumlichen Organisation zugrundeliegender Herzerkrankungen häufig nicht vollständig abbilden.

FACTS-3D soll genau hier ansetzen: Das Projekt verbindet menschliche Herzorganoide, die die Biologie des Herzens realitätsnah abbilden, mit einer 3D-Spatial-Transkriptomik-Methode, die viele Proben gleichzeitig auswerten kann. Zur Erklärung: Bisherige Verfahren zur räumlichen Genanalyse funktionieren nur bei dünnen, flach geschnittenen Gewebeproben. Für die Untersuchung von Organoiden, die dreidimensionale Struktur besitzen, sind sie deshalb kaum brauchbar, und schon gar nicht, wenn viele Proben zügig analysiert werden sollen. Die 3D-Technologie von CubaseBio umgeht dieses Problem: Sie lässt sich direkt in gängigen Labor-Plattenformaten mit 96 oder 384 Vertiefungen einsetzen. Dadurch kann das Projekt die Herzorganoide von HeartBeat.bio erstmals in ihrer vollständigen, dreidimensionalen Struktur untersuchen, statt sie in dünne Scheiben zerlegen zu müssen.

Dieser Ansatz sei besonders wichtig für die Erforschung von Herzmuskel-Vernarbung (Fibrose), einem Prozess, der zum krankhaften Umbau des Herzens beiträgt und bei vielen Formen von Herzinsuffizienz eine Rolle spielt. Indem die Partner sichtbar machen, welche Gene in welchen Zellen des intakten 3D-Herzgewebes aktiv sind, wollen sie herausfinden, wie die Erkrankung entsteht, wie das Gewebe auf Behandlungen reagiert und wo neue Ansatzpunkte für Medikamente liegen könnten.

Neue Mechanismen

„Das FACTS-3D-Projekt bringt zwei hochgradig komplementäre Technologien zusammen, um eine der zentralen Herausforderungen der kardiovaskulären Wirkstoffforschung anzugehen: das Verständnis der Krankheitsbiologie in einem physiologisch relevanten menschlichen Kontext bei gleichzeitigem Erhalt der räumlichen Informationen, die für komplexe kardiale Phänotypen essenziell sind. Für HeartBeat.bio stellt diese Kooperation einen wichtigen Schritt dar, Cardioide nicht nur für die phänotypische Wirkstoffforschung zu nutzen, sondern auch um neue Mechanismen und Zielstrukturen für Herzinsuffizienz zu entdecken und zu validieren, insbesondere bei myokardialer Fibrose und kardialem Remodeling“, sagt Michael Krebs, CEO von HeartBeat.bio.

Und Malte Kühnemund, CEO von CubaseBio, ergänzt: „Die Herzbiologie ist ein perfektes Beispiel dafür, warum der 3D-Spatial-Kontext so wichtig ist. Die Art, wie sich Zellen dreidimensional organisieren, ist zentral dafür, wie eine Herzkammer aufgebaut ist, was bei Fibrose geschieht und wie sich das Herz umbaut. Unsere Technologie wurde genau dafür entwickelt, diese Art von Komplexität vollständig in drei Dimensionen zu erfassen. Das lässt sich nicht durch Schnittverfahren erfassen, und 3D-Bildgebungshardware verfügt nicht über den nötigen Durchsatz. Das macht unsere 3D-Spatial-Transkriptomik-Technologie zu einer naheliegenden Wahl für das Hochdurchsatz-Screening von Herzmedikamenten. HeartBeat.bio ist der ideale Partner, um unsere 3D-Spatial-Technologie in umsetzbare Erkenntnisse für komplexe kardiovaskuläre Erkrankungen zu übersetzen.“

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AI Summaries

Seven Bel: 500.000 Euro Investment für Linzer Lärmfotografie-Startup

  • In der Industrie besteht ein großer Bedarf, Geräuschquellen punktgenau zu identifizieren – sowohl für die Geräusch-Optimierung von Produkten, als auch für jene von Anlagen, um die eigenen Mitarbeiter besser zu schützen.
  • Unternehmen wie Motorrad-Hersteller KTM, Haushaltsgeräte-Fabrikant Liebherr, Glasverarbeiter Lisec oder Bahnbetreiber Stern & Hafferl haben eine Lösung gefunden.
  • Mit der „Lärmfotografie“-Technologie des Linzer Startups Seven Bel werden Geräuschquellen identifiziert und visuell abgebildet.
  • Das serienreife Gerät soll, geht es nach dem Startup, zum neuen industriellen Standard werden.
  • Nun investierte das in Graz ansässige Investorensyndikat eQventure rund um DeepTech- bzw. Sensorik-Profi Herbert Gartner 500.000 Euro.

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