19.09.2025
VOLLZEIT

Serial Founder Tichy startet Plattform zur Vernetzung von Künstler:innen und Unternehmen

"Zu oft scheitern kreative Projekte an chaotischen Abläufen." Nach mehreren Jahren in der Startup-Szene, einem Exit und schließlich einem Pivot in die Kunstszene gründet der Serial Entrepreneur und Künstler Tichy nun eine Plattform zur Vernetzung von Künstler:innen und Unternehmen.
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Niki Tichy | Foto: Peter Stiftner

Der Startup-Gründer und heutige Künstler Niki Tichy, bekannt unter dem Künstlernamen Nizen, hat gemeinsam mit Raphael Berthold im August dieses Jahres die Plattform Vollzeit ins Leben gerufen. Vollzeit versteht sich als Schnittstelle zwischen Kreativszene und Wirtschaft.

Ziel ist es, Künstler:innen, Unternehmen und Agenturen in kuratierte Kooperationen zu bringen – und dabei Strukturen zu schaffen, die kreative Arbeit professionell begleiten und wirtschaftlich tragfähig machen. Tichy will damit kreative Arbeit sichtbarer machen, um neue Räume für Innovation, Markenentwicklung und Community-Building zu schaffen.

Mehrfachgründer mit Exit und Tax-Free-Shopping-Plattform

Tichy zählt bereits mehrere Jahre Erfahrung als Gründer und hat sogar einen Exit im Portfolio: Als Partner der Plattform startablish war er 2019 am Verkauf an brutkasten beteiligt. Zuvor war er neben seinem Studium als Gründer aktiv. Bis 2023 war er CEO und Co-Founder von easy2tax – einer Plattform zur Simplifizierung von „Tax free“-Shopping in Österreich – brutkasten berichtete.

Seit März 2023 widmet er sich nun der Kunst. Bekannt ist Tichy unter dem Künstlernamen Nizen. Dabei schafft er „contemporary art“, die urbane Energie mit meditativer Klarheit vereinen soll. Nun, zwei Jahre nach seinem letzten Startup-Touchpoint, gründete er erneut.

Pona und Shaped by IB im Portfolio

Mit intelligentem Social-Media-Auftritt und Kooperationen mit Brands wie Pona oder dem Fitnessstudio Shaped by iB ist er mittlerweile international gefragt. “Als ich angefangen habe, hatte ich keine Kontakte in der Kunstszene und wurde von vielen als Künstler ohne den klassischen Künstlerweg belächelt. Also entschloss ich mich, meine Marke wie ein Startup aufzubauen”, erzählt Tichy.

Nun will der Mehrfach-Gründer und Künstler mit Vollzeit für erfolgreiche Kollaborationen zwischen Kunst und Unternehmertum sorgen. Dafür bietet Vollzeit kuratierte Services und klare Strukturen, die eine kreative Zusammenarbeit auf Augenhöhe ermöglichen sollen.

Vollzeit für Künstler:innen und Unternehmen

Zu den Leistungen der Plattform gehören die Vermittlung zwischen Künstler:innen, Unternehmen und Agenturen, die Sichtbarkeit für Künstler:innen über ein Online-Portfolio, die Projektbegleitung durch Unterstützung von der Konzeption bis hin zur Umsetzung sowie Wettbewerbe und offene Formate, die Raum für Experimente und Partnerschaften bieten sollen.

„Die Idee zu Vollzeit entstand aus meinen eigenen Kollaborationen mit Marken. Ich habe gesehen, wie kraftvoll Kunst in neuen Kontexten wirken kann und wie viel Potenzial in einer strukturierten Plattform liegt, die genau solche Verbindungen schafft“, so Tichy über seine Gründungsidee.

„Zu oft scheitern Projekte an chaotischen Abläufen“

„Zu oft scheitern kreative Projekte an chaotischen Abläufen, schlechten Briefings oder unfairen Budgets. Mit Vollzeit wollen wir genau das ändern und sicherstellen, dass Kooperationen von Anfang an auf Erfolg ausgerichtet sind“, sagt Raphael Berthold, der als Art Director und Co-Founder von Vollzeit involviert ist.

Erster Showcase: Open Call mit Shaped by iB

Als erstes Projekt startet Vollzeit einen Open Call in Kooperation mit dem Wiener Sportstudio Shaped by iB. Künstler:innen erhalten die Möglichkeit, eine einjährige Ausstellung im Studio zu gestalten und damit Sport, Kunst und Community miteinander zu verbinden.

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Öklo-Geschäftsführer und Gründer Niko Bogianzidis mit
Öklo-Geschäftsführer und Gründer Niko Bogianzidis mit "Golden Shower" | (c) Öklo

Die britische Times, die deutsche Bild-Zeitung und die französische Nachrichtenagentur AFP griffen die Story im Frühling 2025 auf: Das Wolkersdorfer (NÖ) Startup Öklo, nach eigenen Angaben Europa-Marktführer bei Komposttoiletten, kündigte ein Bier aus recyceltem Urin an. Eineinhalb Jahre später setzte das Unternehmen rund um Gründer Niko Bogianzidis das Vorhaben nun in die Tat um.

„Aufs Patriarchat pinkeln“

Gerade einmal 2.500 Flaschen zu je 0,33 Liter umfasst die erste und möglicherweise einzige Charge des Biers mit dem Namen „Golden Shower“. Diese sollen nur im Rahmen spezieller Aktionen verkauft werden und sonst von Öklo selbst in seinem Netzwerk genutzt werden. Mit der stilisierten Abbildung einer Transgender-Person und dem Slogan „aufs Patriarchat pinkeln“ auf dem Etikett sorgt das Bier gewiss für zusätzliche Aufmerksamkeit.

Auch das Etikett von „Golden Shower“ sorgt für Aufmerksamkeit | (c) Öklo

Bewusstsein für Wasserverschwendung als Hauptziel

Wer hinter all dem eine Marketing-Aktion vermutet, hat freilich Recht. Noch mehr als die erwähnte politische Message auf dem Etikett betont Gründer Bogianzidis ein anderes Ziel: „Mein Ziel mit Öklo und eben auch unserem nun produzierten Urin-Bier ‚Golden Shower‘ war und ist es, Bewusstsein für Wasserverschwendung zu schaffen und dieser im Sinne der Kreislaufwirtschaft entgegenzuwirken. Wasserknappheit ist auch bereits vor unserer Haustür und in ganz Europa ein Riesenthema, wie dieser Sommer zeigt, und wird noch an Bedeutung gewinnen“, sagt er.

Zudem sei es ein Anliegen des Projekts, Urin als Wertstoff anzuerkennen, etwa wiederverwertet als Brauchwasser oder als hochwertige Phosphorquelle. „Anstatt ihn in Phosphorminen in Afrika & Co. teuer als Langzeitdünger auszugraben, wäre es auch möglich, einen Gutteil des Bedarfs über diesen Weg direkt vor Ort zu decken. Es war und ist viel möglich, wenn Entscheidungsträger nur wollen“, so Bogianzidis.

Nur destilliertes Wasser aus Urin im „Urin-Bier“

Auch für „Golden Shower“ wird nur ein einzelner Bestandteil des aufbereiteten Urins genutzt, nämlich destilliertes Wasser. „Wir haben zuerst den Nährstoff Struvit, der als hochwertiger Langzeitdünger verwendet wird und dann Stickstoff aus dem Urin gefiltert. Anschließend wurde das Wasser mittels des Prozesses der Umkehrosmose und anschließender Destillation final bearbeitet und nutzbar gemacht“, erklärt der Gründer. Das gereinigte Wasser sei dann von einem offiziellen Ziviltechnikerbüro in Prüftests als gesundheitlich unbedenklich und für den Brauvorgang geeignet abgesegnet worden.

Diesen übernahm dann die Mostviertler Bio-Brauerei Erzbräu mit Braumeister Benjamin Bruckner. Den Kontakt habe Öklo-Kooperationspartner Muschikraft, eine feministische Craftbier-Marke, hergestellt. „Wir haben uns für die Produktion eines hochwertigen, nicht gefilterten Märzen, zu Englisch Lager, entschieden. Da destilliertes Wasser nicht wirklich lebt, haben wir die 1.000 Liter Wasser von Öklo sicherheitshalber mit zehn Prozent frischem Quellwasser im Tank angereichert, damit die Hefe als lebender Zellorganismus jedenfalls gut reagieren und arbeiten kann“, erklärt Bruckner.

Erzbräu-Braumeister Benjamin Bruckner | (c) oliacreations

Auch er betont die Zielsetzung der Aktion: „Wir leben in einer sehr ressourcenraubenden, verschwenderischen Gesellschaft. Gerade auch beim knappen Gut Wasser, wie wir selbst in Europa diesen Rekordsommer gesehen haben. Es gibt aber effiziente Wege, dem zu begegnen und gegenzuwirken und darauf wollen wir mit diesem Projekt hinweisen.“

Weitere Chargen laut Öklo „nicht ausgeschlossen“

Ob es bei den 2.500 Flaschen bleibt, ist aktuell noch unklar. Weitere Chargen seien „nicht ausgeschlossen“, heißt es von Öklo dazu lediglich. Indessen treibe man weiterhin das Leuchtturm-Projekt „Öklo-Land“ voran – Gründer Bogianzidis sprach dazu bereits vor einem Jahr im brutkasten-Talk. Auf 13.000 Quadratmetern nahe Wolkersdorf soll dabei ein modulares Biomasse-Recycling-Center und Kompetenzzentrum entstehen, das menschliche Fäkalien und biologische Abfälle in Rohstoffe wie Wasser, Dünger und Pellets sowie in Energie, konkret Biogas, umwandelt.

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