Serial Founder Tichy startet Plattform zur Vernetzung von Künstler:innen und Unternehmen
"Zu oft scheitern kreative Projekte an chaotischen Abläufen." Nach mehreren Jahren in der Startup-Szene, einem Exit und schließlich einem Pivot in die Kunstszene gründet der Serial Entrepreneur und Künstler Tichy nun eine Plattform zur Vernetzung von Künstler:innen und Unternehmen.
Der Startup-Gründer und heutige Künstler Niki Tichy, bekannt unter dem Künstlernamen Nizen, hat gemeinsam mit Raphael Berthold im August dieses Jahres die Plattform Vollzeit ins Leben gerufen. Vollzeit versteht sich als Schnittstelle zwischen Kreativszene und Wirtschaft.
Ziel ist es, Künstler:innen, Unternehmen und Agenturen in kuratierte Kooperationen zu bringen – und dabei Strukturen zu schaffen, die kreative Arbeit professionell begleiten und wirtschaftlich tragfähig machen. Tichy will damit kreative Arbeit sichtbarer machen, um neue Räume für Innovation, Markenentwicklung und Community-Building zu schaffen.
Mehrfachgründer mit Exit und Tax-Free-Shopping-Plattform
Tichy zählt bereits mehrere Jahre Erfahrung als Gründer und hat sogar einen Exit im Portfolio: Als Partner der Plattform startablish war er 2019 am Verkauf an brutkasten beteiligt. Zuvor war er neben seinem Studium als Gründer aktiv. Bis 2023 war er CEO und Co-Founder von easy2tax – einer Plattform zur Simplifizierung von „Tax free“-Shopping in Österreich – brutkasten berichtete.
Seit März 2023 widmet er sich nun der Kunst. Bekannt ist Tichy unter dem Künstlernamen Nizen. Dabei schafft er „contemporary art“, die urbane Energie mit meditativer Klarheit vereinen soll. Nun, zwei Jahre nach seinem letzten Startup-Touchpoint, gründete er erneut.
Pona und Shaped by IB im Portfolio
Mit intelligentem Social-Media-Auftritt und Kooperationen mit Brands wie Pona oder dem Fitnessstudio Shaped by iB ist er mittlerweile international gefragt. “Als ich angefangen habe, hatte ich keine Kontakte in der Kunstszene und wurde von vielen als Künstler ohne den klassischen Künstlerweg belächelt. Also entschloss ich mich, meine Marke wie ein Startup aufzubauen”, erzählt Tichy.
Nun will der Mehrfach-Gründer und Künstler mit Vollzeit für erfolgreiche Kollaborationen zwischen Kunst und Unternehmertum sorgen. Dafür bietet Vollzeit kuratierte Services und klare Strukturen, die eine kreative Zusammenarbeit auf Augenhöhe ermöglichen sollen.
Vollzeit für Künstler:innen und Unternehmen
Zu den Leistungen der Plattform gehören die Vermittlung zwischen Künstler:innen, Unternehmen und Agenturen, die Sichtbarkeit für Künstler:innen über ein Online-Portfolio, die Projektbegleitung durch Unterstützung von der Konzeption bis hin zur Umsetzung sowie Wettbewerbe und offene Formate, die Raum für Experimente und Partnerschaften bieten sollen.
„Die Idee zu Vollzeit entstand aus meinen eigenen Kollaborationen mit Marken. Ich habe gesehen, wie kraftvoll Kunst in neuen Kontexten wirken kann und wie viel Potenzial in einer strukturierten Plattform liegt, die genau solche Verbindungen schafft“, so Tichy über seine Gründungsidee.
„Zu oft scheitern Projekte an chaotischen Abläufen“
„Zu oft scheitern kreative Projekte an chaotischen Abläufen, schlechten Briefings oder unfairen Budgets. Mit Vollzeit wollen wir genau das ändern und sicherstellen, dass Kooperationen von Anfang an auf Erfolg ausgerichtet sind“, sagt Raphael Berthold, der als Art Director und Co-Founder von Vollzeit involviert ist.
Erster Showcase: Open Call mit Shaped by iB
Als erstes Projekt startet Vollzeit einen Open Call in Kooperation mit dem Wiener Sportstudio Shaped by iB. Künstler:innen erhalten die Möglichkeit, eine einjährige Ausstellung im Studio zu gestalten und damit Sport, Kunst und Community miteinander zu verbinden.
Ablatic AI: Linzer LLM Talos spielt ohne VC-Kapital in einer Liga mit internationalen KI-Playern
Das nun gelaunchte Large Language Model (LLM) Talos des Linzer Startups Ablatic AI kann sich in mehreren Benchmarks mit den internationalen KI-Giganten messen. Co-Founder und CEO Florian Zimmermann erklärte uns, wie das ohne VC-Kapital möglich ist und wie man nun den Markt erobern will.
Ablatic AI: Linzer LLM Talos spielt ohne VC-Kapital in einer Liga mit internationalen KI-Playern
Das nun gelaunchte Large Language Model (LLM) Talos des Linzer Startups Ablatic AI kann sich in mehreren Benchmarks mit den internationalen KI-Giganten messen. Co-Founder und CEO Florian Zimmermann erklärte uns, wie das ohne VC-Kapital möglich ist und wie man nun den Markt erobern will.
Die Ablatic-AI-Gründer vl. Florian Zimmermann (CEO) und Julian Mauerkirchner (CTO) | (c) Ablatic AI
Wieder einmal ist es Linz. Die Stahlstadt mausert sich immer mehr zu Österreichs KI-Hauptstadt und auch eines der bislang sicher ambitioniertesten Startups in dem Bereich kommt von dort: Ablatic AI. Mit Talos wagt es sich über die Herausforderung schlechthin in der KI-Welt: ein eigenes Large Language Model (LLM) – brutkasten berichtete bereits.
Bei einer Benchmark vor Sol von OpenAI
Nun erfolgte der offizielle Launch und Ablatic gab erste Benchmark-Vergleiche aus (siehe Tabelle unten). An Claude Opus 5 kommt man demnach noch in keiner Kategorie ganz heran, in mehreren aber ziemlich nahe. DeepSeek V4 kann man dagegen gleich bei drei Werten schlagen, Qwen3.8 von Alibaba bei zwei und OpenAIs Flagship-Modell GPT-5.6 Sol immerhin bei einem, konkret der exakten Befolgung schriftlicher Anweisungen (IFBench). Unterm Strich spielt das Linzer LLM also in den vorgelegten Benchmarks in der internationalen Top-Liga mit.
„Es kann ja nicht sein, dass es in Europa nur Mistral gibt“
Aber warum überhaupt noch ein weiteres LLM? „Julian [Anm. Mauerkirchner] und ich kennen uns schon seit der Schule. Später haben wir als Unternehmer damit gestartet, Legacy-ERP-Systeme zu erneuern. Dabei sind wir auf ein Problem gestoßen: Wir konnten dafür aus Daten-Gründen keine US-KI-Systeme nutzen“, erzählt CEO Florian Zimmermann, der Ablatic AI gemeinsam mit Julian Mauerkirchner (CTO) gegründet hat, im Gespräch mit brutkasten. Man habe nur Mistral aus Frankreich oder Open-Source-Modelle verwenden können. „Mistral war für den Zweck aber nicht passend und unser Business Case bald tot“.
Mit dem Entschluss, eine neue Idee zu verfolgen, sei daher auch eine neue Motivation einher gegangen: „Es kann ja nicht sein, dass es in Europa nur Mistral gibt“, so Zimmermann. Man habe sich danach mit der Johannes Kepler Universität Linz (JKU) kurzgeschlossen und sei darüber auch zur AI Factory Austria AI:AT gekommen, wo man wiederum im Rahmen des EuroHPC-Programms europäische Hochleistungsrechenressourcen nutzt, um das Modell zu trainieren. „Ohne diese EU-Ressourcen würde es kostentechnisch überhaupt nicht gehen“, sagt Zimmermann.
Doch auch mit diesen Ressourcen – wie lässt sich ein konkurrenzfähiges LLM mit einem kleinen Team und bislang gänzlich ohne VC-Kapital umsetzen? Schließlich beschäftigen die globalen KI-Player, mit denen sich Ablatic misst, riesige Teams. Mistral etwa ist mit seiner kürzlich kommuniziert Drei-Milliarden-Euro-Finanzierungsrunde im Vergleich zu Anthropic und OpenAI nach wie vor ein kleiner Fisch (brutkasten analysierte).
„Wir können kein 200-köpfiges Research-Team finanzieren und gleich von 0 auf 100 gehen, also greifen wir auf Bestehendes zurück“, erklärt der Gründer. Konkret verwende man einerseits Open-Source-Layer und code sie auf die eigenen Bedürfnisse um. Andererseits nutze man die neuesten Forschungsergebnisse von Universitäten wie dem MIT oder Stanford, die laufend über die Plattform arXiv veröffentlicht werden. „Wir orientieren uns an der Frontier-Forschung. Wir analysieren die Paper, legen die Erkenntnisse auf unsere Architektur um und testen es durch. Vieles davon funktioniert nicht, aber alles was funktioniert, bringt uns weiter“, so Zimmermann.
Mehr als 100 B2B-Testkunden – viele konvertieren gleich zum Launch
Die Beta-Version wurde nun bereits seit einiger Zeit mit mehr als 100 Unternehmen getestet – Ablatic konzentriert sich nämlich vorerst klar auf den B2B-Markt. Man habe für diese Tests schnell auch größere Unternehmen und Konzerne gewonnen. „Ich bin dafür wochenlang gesessen, habe Leute angeschrieben und einen Call nach dem anderen gemacht“, räumt Zimmermann ein. Dass man ein eigenes LLM und nicht nur eine Oberfläche baue, sei dabei zum entscheidenden Bonus geworden. „Und dass wir von der JKU kommen und im EuroHPC-Programm sind, hat unsere Glaubwürdigkeit enorm gesteigert“, sagt der Gründer.
Jetzt zum Launch würden viele der Testkunden bereits zu regulären Nutzern konvertieren, viele weitere noch die Testphase abschließen, mit dem Vorhaben, das dann auch zu tun, verrät Zimmermann. „Wir werden nicht 100 Prozent, aber einen Großteil konvertieren können“, ist er sicher. Punkten will Ablatic dabei nicht nur mit der europäischen Herkunft – Stichwort: Digitale Souveränität – sondern auch mit dem Pricing. „Wir haben eine relativ effiziente Architektur. Wir können kostengünstig hosten und das an die Kunden weitergeben“, so der CEO. Dass der offizielle Launch genau jetzt erfolgt, hat vor allem mit dem Gründungsprozess zu tun, der länger dauerte, als erhofft. „Ich gründe nie wieder im Sommer ein Unternehmen“, sagt der Gründer lachend.
Investment geplant: „Das Ziel ist definitiv, keine kleine Bude zu bleiben“
Und wie geht es weiter? „Wir wollen zuerst im DACH-Raum Fuß fassen und ohne große weitere Standorte skalieren. Dann wollen wir es auf Europa hochziehen“, erläutert Zimmermann. Auf Dauer werde dabei auch die Aufnahme von VC-Kapital relevant, vor allem wenn es darum gehe, die nächste Modell-Version herauszubringen. „Dann ist es wichtig, dass man schnell skaliert und iteriert. Wir sind stolz darauf, dass wir ein Modell ohne VC-Kapital trainiert haben. Wir haben gezeigt, dass auch so Großes möglich ist. Aber langfristig ist es völlig logisch, dass wir Kapital aufnehmen müssen“, sagt der Gründer.
Und es seien bereits mehrere Investoren aktiv auf das Team zugekommen, mit einigen befinde man sich schon in Gesprächen. „Das Ziel ist definitiv, keine kleine Bude zu bleiben, sondern eine größere Firma zu werden. Wir wollen jedenfalls nicht in Vergessenheit geraten“, so Zimmermann. Und der Zeitpunkt sei angesichts der Souveränitätsdebatte gut.
Benchmark-Vergleichstabelle
Anmerkungen zur Tabelle:
Fette Zahlen: Höchster Wert in der jeweiligen Zeile unter den Vergleichsmodellen.
„text-only“: Das Modell verarbeitet keine Bilder/visuellen Dokumente, weshalb OmniDocBench nicht anwendbar ist.
„–“: Kein veröffentlichter Wert vorhanden.
Kurzerklärungen der Benchmarks
Agents‘ Last Exam (UC Berkeley): Prüft langwierige, echte Arbeitsaufgaben an einem Computer (Terminal und Bildschirm zusammen), bewertet anhand des fertigen Gesamtergebnisses.
AutomationBench (Zapier): Testet 600 Business-Workflows über 47 simulierte Unternehmens-Softwaretools hinweg, die vollständig durchgehend ausgeführt werden müssen.
Toolathlon: Bewertet das Erledigen von Aufgaben in echter Büro-Software (z. B. E-Mail, Kalender, Tabellenkalkulationen und GitHub) über deren direkte Schnittstellen.
BrowseComp (OpenAI): Stellt schwierige Fragen, deren Antworten über das gesamte Internet verstreut liegen und durch selbstständiges Surfen recherchiert werden müssen.
DeepSWE v1.1 (Datacurve): Misst das eigenständige Beheben echter Softwareprobleme (Bugs) in bestehenden Quellcode-Sammlungen. Hinweis: Talos-1 wurde hierfür nicht optimiert und liegt 22 Punkte hinter der Spitze zurück.
OmniDocBench: Bewertet das fehlerfreie Lesen und Verstehen echter Dokumente inklusive visueller Layouts, Tabellen und mathematischer Formeln.
IFBench: Prüft die exakte Einhaltung von schriftlich vorgegebenen Anweisungen und Formatierungsregeln.
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