30.01.2023

Sentou: Berliner Startup bietet Intimrasur-Lösung für Männer und Frauen

Das Berliner Startup Sentou widmet sich dem Schambereich. Co-Founderin Lili Vogelsang konzentriert sich damit bewusst auf einen Nischenmarkt und will diesen ausbauen.
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Das Berliner Startup Sentou richtet seine Intimpflegeprodukte an Männer und Frauen © Sentou/Instagram
Das Berliner Startup Sentou richtet seine Intimpflegeprodukte an Männer und Frauen © Sentou/Instagram

Man redet nicht so oft darüber, aber eigentlich kennt es fast jede:r: Rasierpickel und gereizte Haut im Intimbereich. Ein Tabuthema also. Und ein Nischenmarkt noch dazu. Public Policy Managerin und ehemalige Consultant Lili Vogelsang hat sich davon nicht abhalten lassen. Im Gegenteil – gerade der Tabubruch scheint sie davon überzeugt zu haben, ihr selbsternanntes Herzensprojekt umzusetzen. Sie kündigt ihren Job in einer PR-Agentur und gründet im September 2022 das Intimpflege-Startup Sentou.

Die CEO bietet gemeinsam mit Co-Founder Felix Hartmann Produkte für den Intimbereich aller Menschen an. Die Zielgruppe des Berliner Startups ist geschlechtsneutral und das hängt nicht nur damit zusammen, dass man das gesellschaftliche Bild hinterfragt, wonach vor allem Frauen ihren Intimbereich frisieren – Auch ihre Studie bestätigt eine größere Zielgruppe. Demnach seien beinahe 40 Prozent der Sentou-Kund:innen männlich. Selfcare für Männer werde häufig noch belächelt und das sollte sich ändern, meint die Gründerin auf ihrem LinkedIn-Profil. Mit ihrem Unternehmen möchte sie einen Beitrag dazu leisten. 

Intimpflege: Aftershave, Rasierhobel, Körperhaaröl

Dass es Vogelsang bei ihrem Unternehmen viel um den Tabubruch geht, lässt ein Blick auf die Website erahnen: Die Produkte rund um Aftershave, Rasierhobel und Körperhaaröl werden im Shop aufgeführt bzw. angekündigt. Ansonsten gibt es einen Blog, die Verlinkung zu einer eigens in Auftrag gegebenen Studie und Infos über die Unternehmensgeschichte. Kurz: die gesellschaftliche Beziehung zum menschlichen Intimbereich – den man im deutschsprachigen Raum auch Schambereich nennt – wird hinterfragt und unter die Lupe genommen. Vogelsang teilt daher auch mal Erfahrungsberichte ihrer Kund:innen, die u.a. auf ein starkes Schamgefühl verweisen und erklärt ihren Fokus: 

Zum einen, weil es mich stört, dass Menschen das Thema als „nice to have“ abstempeln. Wer sich schon mal richtig geschämt hat, weiß, dass das ein furchtbares Gefühl ist”, sagt die Co-Founderin von Sentou. “Zum anderen, weil Menschen keine Produkte kaufen. Menschen kaufen Geschichte (und dann kaufen sie wieder, weil das Produkt gut ist und ich glaube, dass es Menschen hilft zu wissen, dass sie nicht alleine sind.

Studie über Intimbehaarung

Die besagte Studie gibt noch weitere Einblicke in die Thematik der Intimpflege und zeigt: Körperrasur und -aussehen spielen für viele eine große Rolle. So geben 63 Prozent der Befragten in Deutschland an, dass sie sich die Haare im Intimbereich entfernen, 70 Prozent, weil sie die Schönheitsideale ihres Sexualpartners/Sexualpartnerin erfüllen möchten. Jede dritte Person rasiere sich außerdem extra für einen Anlass wie Schwimmbad oder Date. Außerdem haben fast die Hälfte der Befragten schon einmal auf Geschlechtsverkehr verzichtet, da sie sich mit ihrem Intimbereich diesbezüglich unwohl gefühlt haben. 

Obwohl Frauen und Männer einerseits Gemeinsamkeiten in der bevorzugten Intimfrisur (ganz glatt) zeigen, unterstreicht die Studie geschlechtsspezifische Unterschiede. 50 Prozent der Frauen wünschen sich bei ihrem Partner einen glatten Intimbereich, während sich 70 Prozent der Männer dasselbe wünschen. Die Zahlen gaben dem Founder-Duo umso mehr Anlass zur Gründung von Sentou. Sie wollen Menschen dazu ermutigen, “sich liebevoll um ihr schönstes Körperteil zu kümmern – ganz gleich, ob sie sich rasieren oder nicht.”

Das Naturkosmetik-Unternehmen möchte ein Unternehmen sein, das Menschen ein gutes Gefühl gibt. “Es geht ums Wohlfühlen und nichts ums perfekt sein”, erklärt Vogelsang gegenüber Gründerszene. In diesem kleinen Geschäftsfeld wolle sie weiterhin bleiben und ein langfristiges, nachhaltiges Unternehmen aufbauen. Finanziert seien sie bisher durch Bootstrapping und das Accelerator Programm Next Commerce.

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Erster Generalanwalt am EuGH: Maciej Szpunar | (c) curia.europa.eu/Screenshot

Die ungarische Like Company betreibt mehrere Webportale und beansprucht Schutz für die dort veröffentlichten Artikel. Das Unternehmen wirft Google vor, seine Artikel zum Training der Gemini-Sprachmodelle verwendet sowie über den KI-Chatbot vervielfältigt und öffentlich zugänglich gemacht zu haben. Ein ungarisches Gericht setzte das Verfahren daraufhin aus und legte dem EuGH vier Fragen zur Vorabentscheidung vor. Es handelt sich um das erste Verfahren zu generativer Künstlicher Intelligenz vor dem EuGH.

Wann KI-Chatbots die Rechte von Verlagen verletzen können

In seinen Schlussanträgen erläutert Generalanwalt Szpunar, unter welchen Umständen die Nutzung von Presseartikeln durch KI-Chatbots eine Rechtsverletzung darstellen kann. Entscheidend sei unter anderem, ob der Chatbot unrechtmäßig auf eine Veröffentlichung zugreift, etwa durch die Umgehung einer Paywall oder anderer technischer Schutzmaßnahmen.

Zudem komme es darauf an, wie die Informationen in den generierten Antworten wiedergegeben werden. Während die bloße Wiedergabe von Tatsachen keine Rechtsverletzung darstelle, könne die erkennbare Übernahme der Ausdrucksform eines Artikels problematisch sein. Das gelte insbesondere dann, wenn die Antwort die Originalveröffentlichung so weit ersetze, dass Nutzer:innen kein Verlangen mehr haben, die Originalveröffentlichung zu öffnen.

Das Recht der Presseverlage auf öffentliche Zugänglichmachung könne laut Szpunar verletzt werden, wenn die Ausdrucksform der Originalartikel systematisch in den Antworten eines Chatbots erkennbar sei. Der Anbieter könne für eine solche Nutzung haften, wenn diese Teil seines Geschäftsmodells sei oder er keine wirksamen Gegenmaßnahmen ergriffen habe.

Fragen zum KI-Training laut Generalanwalt unzulässig

Die Fragen zur Verwendung von Presseartikeln für das Training der Google LLMs empfiehlt Szpunar hingegen, für unzulässig zu erklären. Es gebe keine Beweise dafür, dass die Artikel der ungarischen Like Company tatsächlich zum Training der Gemini-Modelle verwendet worden seien. Die Fragen seien daher hypothetisch. Szpunar hält jedoch fest, dass die Nutzung urheberrechtlich geschützter Inhalte zum Training von Sprachmodellen im Rahmen der im EU-Recht vorgesehenen Ausnahme für Text- und Data-Mining in der Regel „frei zulässig“ sei.

Das Gutachten ist für die Richter:innen nicht bindend, ihr Urteil soll zu einem späteren Zeitpunkt verkündet werden.

Streit um journalistische Inhalte auch in anderen EU-Ländern

Der Rechtsstreit ist kein Einzelfall. Bereits im Februar 2026 reichte die dänische Verwertungsgesellschaft DPCMO, die einen Großteil der Nachrichtenmedien des Landes vertritt, Klage gegen OpenAI ein. Sie wirft dem Unternehmen vor, Presseartikel ohne Genehmigung zum Training seiner KI-Modelle verwendet und Inhalte über ChatGPT wiedergegeben zu haben. Ein Urteil steht bislang aus. Auch in Frankreich wehren sich Presseverlage gegen die Nutzung ihrer Inhalte durch KI-Anbieter. Im August dieses Jahres wandte sich die französische Presseallianz APIG an die Wettbewerbsbehörde, weil sie durch Googles KI-generierte Zusammenfassungen sinkende Besucherzahlen und Einnahmen befürchtet.

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