22.06.2022

sendhybrid: Grazer Startup gelingt vollständiger Exit an Post

Die Österreichische Post hat das Grazer Startup sendhybrid seit 2016 auf Raten gekauft.
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V.l.n.r: Post-Generaldirektor-Stellvertreter Walter Oblin, George Wallner, , Geschäftsfeldleiter Post Business Solutions, und die beiden sendhybrid-Geschäftsführer Peter Danner und Oliver Bernecker © Post/Gregor Nesvadba
V.l.n.r: Post-Generaldirektor-Stellvertreter Walter Oblin, George Wallner, , Geschäftsfeldleiter Post Business Solutions, und die beiden sendhybrid-Geschäftsführer Peter Danner und Oliver Bernecker © Post/Gregor Nesvadba

Im September 2018 stockte die Österreichische Post ihre Anteile an dem Grazer Startup sendhybrid auf 51 Prozent auf und hatte bereits damals den Plan einer kompletten Übernahme. Diese ist nun unter Dach und Fach. Der Post gehören nun 100 Prozent der Firmenanteile – über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Der CEO des Startups, Oliver Bernecker, verlässt das Unternehmen und soll laut Aussendung als „Serial Entrepreneur“ neue Herausforderungen suchen. Die beiden Gründer Bernecker und Peter Danner hielten laut Firmenbuch zuletzt rund 38 und rund 11 Prozent der Anteile.

Integration in neue Gesellschaft

Sendhybrid wird gemeinsam mit drei anderen Post-Töchtern in die neue Gesellschaft Post Business Solutions integriert. Dort bündelt das Unternehmen die Geschäftskunden-Lösungen. Neben dem Grazer Startup gehören dazu auch Scanpoint, EMD und D2D. Der zweite sendhybrid-Geschäftsführer, Peter Danner, übernimmt interimistisch die Geschäftsleitung der Post Business Solutions und wird dort auch Leiter im Bereich Technology. Das Grazer Startup PHS Logistiktechnik, an dem die Post ebenfalls zu 50 Prozent beteiligt war, wurde hingegen kürzlich an Caljan aus Dänemark verkauft.

„Mit der vollständigen Übernahme von sendhybrid holt die Post wichtiges Know-how und umfangreiche Expertise in der elektronischen Zustellung von Dokumenten in-house. Damit setzen wir auf einen weiteren Ausbau unseres Angebots im Bereich nachhaltige, hybride und personalisierte Dokumentenzustellung und stärken damit unseren Marktauftritt“, sagt Walter Oblin, Generaldirektor Stellvertreter und Vorstand für Brief & Finanzen der Österreichischen Post.

Post stieg schon 2016 bei sendhybrid ein

Sendhybrid hat eine Lösung für die duale Zustellung und die digitale Signatur als Lösungen für den elektronischen Dokumentenversand und für die Abwicklung elektronischer Verträge. Die Technologie ist die Basis für Post-Lösungen wie E-Brief, EinfachBrief und hybridSign. Der E-Briefkasten wurde laut Post bereits von knapp einer halben Million Nutzer:innen in Österreich aktiviert; die KMU-Ausgangspost-Lösung EinfachBrief drucke mehr als 400.000 elektronisch übermittelte Seiten aus und stelle sie physisch und auf Wunsch auch digital zu. Die Post ist bereits 2016 bei sendhybrid eingestiegen und übernahm damals 26 Prozent.

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„Immobilien sollen sich künftig weitgehend von selbst verwalten können“ – Flatwise will Immobilienmarkt aufmischen

Das Linzer Startup Flatwise will zeitaufwändige Tätigkeiten in der Immobilienverwaltung wie Mietanpassungen, Abrechnungen und Steuerunterlagen mit KI automatisieren. Schon vor dem offiziellen Marktstart setzen Vermieter:innen mit über 3.000 Wohnungen auf die Plattform, wie Mitgründer Johannes Reichl im Interview mit brutkasten erklärt.
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Das Flatwise-Gründertrio (v.l.) Marc Lindorfer, Edwin Schneider und Johannes Reichl © Flatwise

Wenn es nach Johannes Reichl, Edwin Schneider und Marc Lindorfer geht, ist Immobilienverwaltung bis heute vor allem eines: kleinteilig, zeitintensiv und von manuellen Abläufen geprägt. Genau hier wollen die drei Linzer mit ihrem Startup Flatwise ansetzen. Das Gründerteam entwickelt eine Software, die zentrale Aufgaben von Vermieter:innen, von Mietanpassungen über Betriebskostenabrechnungen bis zur Vorbereitung von Steuerunterlagen, mithilfe von KI-Agenten automatisieren soll. Bereits vor dem offiziellen Marktstart setzen laut Angaben des Startups Vermieter:innen mit insgesamt mehr als 3.000 Wohnungen auf die Plattform.

Von der Pilot- zur Marktphase

Das Team, das erst im August 2026 eine GmbH gegründet hat, hat sein Produkt in den vergangenen Monaten eng mit den ersten 100 Pilotnutzer:innen weiterentwickelt, mit Feedback, Interviews und echten Kund:innendaten, wie Mitgründer Johannes Reichl im Interview erklärt. Der Ansatz unterscheide sich damit von klassischen Proptech-Lösungen, die bestehende Prozesse lediglich digitalisieren: „Wir wollen Immobilienverwaltung nicht nur digitalisieren, sondern grundlegend neu denken. Immobilien sollen sich künftig weitgehend von selbst verwalten können. Vermieter:innen können durch die Software von Flatwise professionell vermieten, ohne dabei selbst Fachexpert:innen sein zu müssen“, so Reichl.

KI-Agenten im Einsatz

Konkret möchte Flatwise KI dort einsetzen, wo Verwaltungsprozesse sinnvoll automatisiert oder unterstützt werden können. Dazu zählen für das Team unter anderem die Vorbereitung und Berechnung von Mietanpassungen, die Unterstützung bei Betriebskostenabrechnungen sowie die strukturierte Aufbereitung von Finanz- und Steuerinformationen. Der KI-Agent verbindet dabei unterschiedliche Daten und Prozessschritte innerhalb der Software, bereitet relevante Informationen auf und unterstützt Vermieter:innen bei der weiteren Bearbeitung.

Der Weg zum Ökosystem

Im Schnitt verwaltet ein:e Flatwise-Nutzer:in laut Unternehmen aktuell rund zehn Wohnungen. Für Reichl zeigt sich dabei ein klares Bild der Branche: „Der Markt ist extrem fragmentiert, es gibt viele Anbieter, die eigentlich zusammenhängen müssten, aber kaum vernetzt sind.“

Dieses Nebeneinander will Flatwise auflösen und sich schrittweise zu einem Ökosystem entwickeln, das Vermieter:innen, Mieter:innen und Dienstleister:innen auf einer Plattform zusammenbringt. „Wir glauben daran, dass gute Vermieter:innen das Wohnen für alle besser machen. Flatwise soll es einfacher machen, gut zu vermieten“, heißt es dazu vom Gründungsteam.

Enterprise-Lösung in Arbeit

Flatwise richtet sich an Vermieter:innen mit Beständen zwischen einer und hundert Immobilien. Mittlerweile hätten sich aber auch Hausverwaltungen und Bestandshalter:innen mit deutlich größeren Portfolios gemeldet. Deshalb entwickelt Flatwise momentan ein Enterprise-Modell, das künftig gezielt auf die Anforderungen größerer Bestandshalter:innen und Hausverwaltungen eingehen soll, wie der Mitgründer im Interview erklärt.

Wachstum vorerst ohne Angels oder VCs

Trotz bestehender Investmentangebote will das Team bei der Finanzierung vorerst auf Förderungen und den eigenen Cashflow setzen. Rund 20 Angebote von Angels und Venture-Capital-Geber:innen sind laut Reichl bereits eingegangen. Aufgegriffen werden sollen sie frühestens, wenn erste Umsätze stehen. Für eine geplante Wachstumsphase ist jedoch in der ersten Jahreshälfte 2027 eine Finanzierungsrunde angedacht. Unterstützung erhält das Gründerteam zudem im Inkubatorprogramm von tech2b durch ein Advisory Board aus Immobilienexpert:innen und erfahrenen Unternehmer:innen.

Wissen als Türöffner

Um neue Kund:innen zu erreichen, setzt Flatwise zusätzlich auf einen eigenen Immobilienratgeber mit aktuell rund 160 Artikeln, der komplexe Themen rund um Immobilien und Wohnen laienverständlich aufbereitet. Bereits mehrere tausend Personen sollen die Inhalte monatlich lesen. Für Reichl ist das ein wichtiger Kanal, um Vertrauen aufzubauen und so langfristig neue Nutzer:innen für die Plattform zu gewinnen.

Im kommenden Jahr will Flatwise nach eigenen Angaben marktführend in Österreich werden. Mittelfristig ist auch eine internationale Expansion, etwa nach Deutschland, angedacht. Ein konkreter Zeitpunkt steht laut Reichl aber noch nicht fest.

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