11.11.2022

“Ich habe jede Möglichkeit genutzt, Quotenfrau zu sein” – Selma Prodanovic über Diskriminierung

Im brutkasten-Interview spricht Startup-Grand-Dame und Keynote-Speakerin, Selma Prodanovic, über ihre Erfahrungen mit Diskriminierung und sexueller Belästigung in ihrer bisherigen Karrierelaufbahn.
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Selma Prodanovic spricht im brutkasten-Interview über ihre Erfahrungen mit Diskriminierung und sexueller Belästigung. (c) brutkasten
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Startup-Grand-Dame Selma Prodanovic über ihre Erfahrungen mit Diskriminierung und sexueller Belästigung in ihrer Karrierelaufbahn.

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Selma Prodanovic wurde vor einigen Wochen als Vizepräsidentin des European Business Angel Networks (EBAN) wiedergewählt. Als einflussreichste Frau in der gesamten europäischen Business-Angel-Szene führte sie nach ihrer Wiederwahl ein Manifesto for a Gender Balanced Angel Investing Ecosystem ein, welches folgende drei Ziele bis 2030 definiert:

  • Erhöhung der Anzahl an weiblichen Angel-Investorinnen in Europa von zehn auf 30 Prozent
  • Ein Drittel der Investment-Portfolios sollten in frauengeführte Start-ups fließen
  • Mehr Frauen in Aufsichtsräte von Netzwerken und Portfoliounternehmen aufnehmen

„Female-Empowerment ist mir ein Herzensanliegen“, sagt Prodanovic und erklärt im brutkasten-Interview, welche Herausforderungen sie in ihrer bisherigen Karrierelaufbahn als weibliche Business-Angel der ersten Stunde überstehen musste. 

Du hast dich als weibliche Investorin in einer sehr männerdominierten Szene, wo es nur fünf Prozent weibliche Business Angels in Österreich gibt, durchgesetzt. Wie hast du das geschafft?

Selma Prodanovic: Das war eine sehr spannende Erfahrung. Man muss klar sagen, dass das Thema Mann vs. Frau mit einem Machtspiel zu tun hat. Dadurch, dass ich teilweise die ganze Startup- und Business-Angels-Szene in Österreich geshaped habe, war ich selbst in dieser Machtposition – und das von Anfang an. Daher habe ich mich mit der Zeit daran gewöhnt, die einzige Frau im Raum zu sein. Ich habe jede Möglichkeit genutzt, die Quotenfrau zu sein.

Wenn ich die Möglichkeit hatte, bei einem Panel dabei zu sein, habe ich gewusst, dass ich gerufen wurde, weil ich eine Frau bin. Meine Aufgabe war es dann, dort aufzutreten und zu zeigen, dass ich die Qualität auch dazu habe. Das ist mir sehr wichtig. Oft, wenn wir über Quoten und Zahlen sprechen, wird immer wieder behauptet, dass das etwas Schlechtes wäre. Ehrlich gesagt kotzt mich das an, weil ich das als einen absolut falschen Zugang empfinde.

Es geht nur darum, die Möglichkeit und die Gelegenheit zu haben, sein Wissen zu zeigen. Es gibt so viele großartige Expertinnen da draußen, die so vieles machen können. Zu behaupten, dass eine Quote bedeutet, dass man sich für etwas Schlechteres einlässt – sei es die Führungskraft oder ein Startup Investment – ist ein Blödsinn. Es geht nur darum, die Möglichkeit zu haben. Darum bestehen Quoten. Da sist auch der Grund, wieso ich absolut dafür bin, so wie ich das nun mit dem Manifesto erreichen möchte. Natürlich bedeutet das, dass wir ein bisschen mehr daran arbeiten müssen.

Viele Frauen in der Szene wagen den Schritt in die Welt der Business Angels nicht. Mit welchen Herausforderungen werden sie sowohl in dieser Szene als auch generell in der Arbeitswelt, konfrontiert? 

Wenn wir über die Investment-Szene und die Business-Welt sprechen, ist es immer ein Thema der Macht. Insbesondere ältere Männer, die in einer Machtposition sind und Frauen, die eventuell noch nicht so weit sind. Da gibt es sehr viele Situationen, die passieren und nicht sehr angenehm sind. Vor allem sind es immer wieder diese Kleinigkeiten, die passieren. So oft wurde ich in Meetings als diejenige wahrgenommen, die Kaffee bringen oder Notizen machen sollte, nur weil ich eine Frau bin. Niemand wusste, wer ich war oder welche Rolle ich hatte. Es wurde automatisch so angenommen.  

Das war damals so und das ändert sich jetzt. Das tut etwas mit einem. Das tut etwas mit mir, weil ich jedes Mal irgendwie darauf entweder reagiere oder nicht reagiere. Aber ich muss darüber nachdenken und mich meinen Kolleg:innen gegenüber behaupten. Das sind Kleinigkeiten, aber sie wirken etwas aus. Selbstverständlich gibt es aber noch viel Schlimmeres. 

Sexismus-Erfahrungen prägen ja den Alltag von vielen Frauen in der Arbeitswelt. Gibt es Fälle, an die du zurückdenkst und dir bewusst wird, da hätte ich eventuell besser handeln können?

Es gibt immer wieder interessante Situationen, die passieren. Ich hätte mal mit einem Mann arbeiten sollen. Eines Tages kam er zu mir und sagte, dass er nicht mit mir arbeiten kann, weil seine Frau eifersüchtig ist. Eines Tages kam er zu mir und sagte, dass er nicht mit mir arbeiten kann, weil seine Frau eifersüchtig ist. Ich dachte mir, ich möchte doch nicht mit dir schlafen, sondern arbeiten. Das war ein prägender Moment, wo ich mich gefragt habe, was er denkt, was ein Arbeitsverhältnis mit einer Frau bedeutet. Ist das nur eine Ausrede, die er benutzt hat, weil er dachte, dass das akzeptiert wird? Oder ist es tatsächlich so, dass seine Frau ein Problem daraus macht, wenn er mit anderen Frauen zusammenarbeitet? Wo sind wir hier gesellschaftlich? Das löst schon etwas aus in einem aus. Tatsächlich habe ich einen großen Auftrag damit verloren, weil ich eine Frau war und wir andere Geschlechter hatten. Aber ich habe auch Sachen erlebt, insbesondere als ich jünger war. Das ist tatsächlich noch immer das Problem von vielen jungen Frauen, die in ihren 20ern oder 30ern sind und somit am Anfang ihrer Karriere stehen und nicht wissen, wie die Arbeitswelt funktioniert. Sie akzeptieren viel mehr am Anfang. Ich finde das beginnt bei Kommentaren darüber, wie man aussieht, bis hin zu Aussagen, dass man schön ruhig sitzen und Notizen machen soll, bis der Termin fertig ist. Das muss nicht sein und ich hoffe, dass es jüngeren Frauen heute leichter geht. 

Was würdest du Frauen empfehlen, wie sie auf Belästigungs- und Diskriminierungsfälle reagieren sollten? 

Wenn du auf diesen Job angewiesen bist, ist es natürlich schwer, mutig zu sein. Ich denke, dass viele in der Gesellschaft – vor allem viele Männer aber auch Frauen – wissen nicht, dass das nicht okay ist. So wie ich zum Beispiel heute bestimmte Sachen sehe oder lese, weiß ich, dass das zu meiner Zeit normal war oder akzeptiert wurde. Heute ist das nicht mehr der Fall. So sehe ich, dass bestimmte Sachen einfach nicht mehr normal und üblich sind. Ich glaube, dass es Teil unserer Aufgabe ist, zu eduzieren, zu zeigen und das Problem offen anzusprechen, ohne zu sagen. Ich glaube, dass es viele machen, ohne dass es ihnen bewusst ist, was da passiert. Es gibt abhängig davon, welche Kultur du aufgewachsen bist, wer um dich herum ist, wie du dein Leben lebst und welche Position du hast. Die meisten Männer sind nicht so und ich will nicht, dass wir da in einer Situation landen, wo es darum geht, dass jeder Mann böse ist. Manchmal machen wir alle Fehler, so wie Frauen und Männer. Es findet ein Wertewandel statt und es ist wichtig zu wissen, wie wir diesen unterstützen können, die Mehrheit der Männer und Frauen auf einen gemeinsamen Nenner bringen und uns bemühen, den Anteil der Belästigenden zu reduzieren um zu zeigen, dass das nicht okay ist. 

Wie stehst du zu Meinungen von anderen Frauen, die behaupten, dass diese Probleme in der Arbeitswelt nicht existieren oder nur diesen Frauen passiert, die sich potentiell auch flirtend verhalten?

Damit habe ich ein Problem, denn ich glaube, dass sie das teilweise nicht sehen wollen.Ich kann sagen, dass es mir heute kaum mehr passiert, dass ich belästigt werde. Das ist mir in meinen jüngeren Jahren passiert. Aber das bedeutet nicht, dass ich das nicht sehe, wenn das passiert. Es muss mir nicht passieren. Es geht nur darum, was ich da draußen sehe. Und zu behaupten, das passiert mir nicht, ich sehe es nicht bei den anderen und das ist kein Thema, das verstehe ich nicht.  

Ich habe das vor kurzem bei einem großen Kongress erlebt. Ich stand auf der Bühne, als eine der Speaker:innen – ich war die einzige Frau, die auf der Bühne war. Ein anderer Speaker kam auf die Bühne und begrüßte alle Männer und mich nicht. Er hat offensichtlich gar nicht daran gedacht, dass ich jemand war, die auf diese Bühne gehört. In seinem Kopf dachte er wahrscheinlich, dass ich jemand war, die ausgeholfen hat.  Früher hätte ich mich in dieser Situation zurückgezogen und hätte mir gedacht, dass ich etwas falsch gemacht habe. Heute gehe ich dann auf die Person zu, begrüße ihn und stelle mich vor. Damit war sofort klar, dass er das nicht böse gemeint oder nicht absichtlich gemacht hat. Aber das sind die Biases, die wir im Kopf haben. Wenn wir schon darüber reden, darf man nicht die Situation, die Ursula von der Leyen in der Türkei hatte, vergessen. Sie hat keinen Sitzplatz bekommen. Das passiert also auch den bekannteren Frauen. Es ist nicht so, dass das nicht passiert.  

Damit sind wir bei einem anderen Problem angelangt. Es gibt auch Menschen, die so etwas betrachten, aber still bleiben. Was würdest du diesen Menschen raten, die sich nicht sicher sind, ob sie etwas sagen oder tun sollen, da die betroffene Person sich nicht diskriminiert oder belästigt fühlen könnte? 

Das kann durchaus sein und ist abhängig davon, aus welcher Kultur du kommst und wie du aufgewachsen bist. Aber es kann auch durchaus sein, dass man in den eigenen Gefühlen so stark getroffen wird, dass man nicht die Kraft, darauf zu reagieren. Natürlich kann es auch sein, dass sich bestimmte Menschen nicht dazu äußern möchten, weil sie es nicht als ihr Problem oder ihre Aufgabe verstehen. Das passiert bei Männern genauso wie bei Frauen.  

Wie ist das Verhältnis zwischen Business Angels und weibliche Founder? Hast du mitbekommen, dass da Diskriminierungen und Belästigungen stattfinden?

Genauso wie in jeder anderen Branche. Das ist nicht etwas, was nur der Startup-Welt zuzuschreiben ist. Aber es ist durchaus eine sehr männlich geprägte Welt. Insbesondere, wenn es um das einfache Verhältnis geht – du willst Geld und ich gebe dir Geld, aber wir schauen mal, was wir dafür bekommen. Das kann durchaus vorkommen. Ich weiß von einem konkreten Fall , der vor einigen Jahren passiert ist und wo diese Person tatsächlich aus der gesamten europäischen Szene ausgeschlossen wurde, nachdem es bekannt wurde. Er hatte gesagt „Investment gegen Sex“. Daraufhin hat sich die Frau gewehrt und ihre Erfahrung publik gemacht. Er bestätigte den Fall und entschuldigte sich, aber der Schaden war schon getan. Ich denke nicht, dass es in der Investoren-Szene viel mehr passiert als in anderen Branchen. Ich glaube sogar, dass es vielleicht weniger ist, weil die Grundaufgabe von einem Business Angel ist zu supporten. Und das ist ein bisschen anders. Wenn ich ein Chef bin und eine Angestellte habe, ist da das Verhältnis möglicherweise ein bisschen anders. Aber das, was wir in unserer Szene sehen, ist ein Caring-Prinzip. Andererseits ist es mein Ziel, dass wir mehr Frauen in die Szene bekommen, denn mit mehr Frauen werden sich die Regeln dementsprechend verändern. Das bedeutet nicht, dass nur Frauen in Frauen investieren. Es geht einfach um die Sprache und darum, das Ganze ein bisschen anders zu machen. Letztendlich ist die Szene noch immer sehr männlich dominiert. Ich war letztens in Brüssel, wo über 30 Prozent der Teilnehmerinnen Frauen waren. Das macht schon einen Unterschied und schafft eine andere Atmosphäre.  

Welche Tipps möchtest du abschließend anderen Frauen mitgeben? 

Unsere erste Aufgabe ist Awareness-Building. Wenn wir sowohl über die schlechten, als auch über die guten Erfahrungen sprechen, können wir Menschen diese Themen näher bringen. Unabhängig davon, ob es ein Mann oder eine Frau ist. Das ist ein ganz wesentlicher Punkt. Das zweite ist Capacity Building, wie in diesem Beispiel mit unserem Manifesto. Wie können wir den Gender-Investment-Bias überwinden? Letztendlich ist auch das Thema „Money Talks“ wichtig. Wir brauchen mehr Investorinnen und Role-Models. Es hat sich in den letzten Jahren einiges ins Positive verändert. Wir wünschen uns alle, dass das noch schneller geht, aber möglicherweise müssen wir ein wenig Geduld mit uns selbst und mit unseren Mitmenschen haben. Am Ende des Tages sollen alle ihrem Bauchgefühl vertrauen.  

Oft wird genau das benutzt, um dich klein zu machen und klein zu halten. Es geht gar nicht darum, was getan oder gesagt wird, sondern wie. Dieses Gefühl kann man nicht beschreiben. Wenn jemand die Wahl hat, sollte die Person das Unternehmen verlassen und nach Gerechtigkeit suchen. Niemand möchte in einem Unternehmen arbeiten, das so ein Verhalten begrüßt. Aber wie gesagt, nur wenn das möglich ist. Geht es um einen Business Angel, der nicht der Kultur entspricht, gibt es tausende andere Business Angels.

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Die diesjährigen Nominierten des "Innovator of the Year" in der Kategorie Scaleups. | © brutkasten

Erfolgreiche Skalierung ist das Ziel jedes Startups. Bekanntlich schaffen das bei weitem nicht alle, doch auch hierzulande wird die Gruppe jener, denen der Sprung zum starken Wachstum gelungen ist, immer größer – und das auch unter bekanntlich teils widrigen Bedingungen.

Auch dieses Jahr schafften wieder einige heimische Unternehmen den Schritt vom Startup zum Scaleup und legten beeindruckende Wachstumsstorys vor. Und einige bereits etablierte Scaleups zeigten eindrücklich, dass ihre Wachstumsambition ungebrochen ist.

Zehn davon holen wir als Nominierte für den Innovator of the Year in der Kategorie Scaleups vor den Vorhang. Der Preis wird heuer zum 6. Mal vergeben. Am 5. November findet die feierliche Award Ceremony im Rahmen des brutkasten-Jahresevents Momentum im Wiener Palais Berg statt. Neben der Kategorie Scaleups wird der Award dieses Jahr in den Kategorien Startups und Corporate Innovation vergeben. Als Preis in allen drei Kategorien winkt jeweils ein brutkasten-Medienpaket im Wert von 4.100 Euro.


Die „Innovator of the Year“-Kategorie Scaleups wird durch Polestar unterstützt.


Publikumsvoting zum Innovator of the Year | Kategorie „Scaleups“

Nun ist, wie jedes Jahr, deine Stimme gefragt. Bis zum 1. November (23:59 Uhr) kannst du für deine:n Favorit:in abstimmen! Jede:r User:in hat pro Tag und Kategorie genau eine Stimme – es lohnt sich also, die eigene Community zu aktivieren.

(Hinweis: Bei mehrfacher Stimmabgabe pro Tag erfolgt zwar keine gesonderte Fehlermeldung im Voting-Tool, Mehrfachvotes werden vom System jedoch automatisiert erkannt und ausgefiltert).

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Emerald Horizon

Das Emerald-Horizon-Management (vl.) Mario J. Müller (Vice President R&D), Philipp Pölzl (Vice President Operations) und Florian Wagner (CEO) | © Wolf
Das Emerald-Horizon-Management (v.l.) Mario J. Müller (Vice President R&D), Philipp Pölzl (Vice President Operations) und Florian Wagner (CEO) | © Wolf

Auffallen ist gewiss eine der Stärken des Grazer Scaleups Emerald Horizon – sei es mit ausgerechnet diesem Produkt, Small Modular Reactors, im traditionell extrem atomkraftkritischen Österreich, mit Personalentscheidungen wie Ex-FPÖ-Chef Norbert Hofer oder mit dem dieses Jahr erfolgten ungewöhnlich frühen Börsengang. An der Wiener Börse wird das Unternehmen jedenfalls mittlerweile seit Monaten jenseits der Milliarden-Euro-Grenze bewertet und kann damit – je nach Definition – als Österreichs jüngstes Unicorn gesehen werden. Für die Entwicklung des Unternehmens gewiss noch entscheidender: Im August verkündete man, gemeinsam mit dem niederländischen Partner VDL Groep in die nächste Entwicklungsstufe des Small Modular Reactors zu gehen.

Enpulsion

Enpulsion-Gründer und -CEO Alexander Reissner | (c) Enpulsion
Enpulsion-Gründer und -CEO Alexander Reissner | (c) Enpulsion

Das niederösterreichische SpaceTech-Scaleup Enpulsion rund um Gründer Alexander Reissner liefert Antriebssysteme für Nano- und Mikrosatelliten. Zu Jahresbeginn sicherte sich das Unternehmen eine 22,5 Millionen Euro schwere Series-B-Finanzierung, um die Produktionskapazitäten am Standort Wiener Neustadt deutlich zu erhöhen. Im August 2026 verkündete Enpulsion zudem die geplante strategische Übernahme der britischen Lift Me Off Ltd, um das eigene Produkt-Portfolio um chemische Antriebe für besonders agiles Manövrieren im Weltraum zu erweitern. Zusätzlich steht für diesen Herbst ein zentraler Meilenstein an: ein Orbit-Test der neuartigen Antriebstechnik an Bord des heimischen Satelliten AT-Astra.

fiskaly

fiskaly - das Gründerteam Simon Tragatschnig (COO), Johannes Ferner (CEO) und Patrick Gaubatz (CTO) | (c) fiskaly
fiskaly – das Gründerteam Simon Tragatschnig (COO), Johannes Ferner (CEO) und Patrick Gaubatz (CTO) | (c) fiskaly

Das 2019 gegründete Wiener Unternehmen fiskaly von Johannes Ferner, Simon Tragatschnig und Patrick Gaubatz macht Kassentransaktionen cloudbasiert und gesetzeskonform. Die Zahlen sprechen für sich: 60 Prozent Wachstum im vergangenen Geschäftsjahr, profitabel, mehr als 150 Mitarbeitende, rund 1.900 B2B-Kund:innen mit über einer Million POS-Systemen in acht EU-Ländern und Marktführerschaft in Deutschland. Im September folgte der nächste Schritt vom Scaleup zum Infrastrukturanbieter: Mit David Feichter holte fiskaly den Ex-CEO von orderbird als Co-CEO an Bord, ausgerechnet jenen Mann, der 2019 als allererster Kunde den Deal mit Ferner verhandelt hatte. Feichter verantwortet den operativen Betrieb, Ferner konzentriert sich auf Partnerschaften und weitere Akquisitionen in Europa.

Flinn AI

Das Founder-Team von Flinn | © Flinn
Das Founder-Team von Flinn | © Flinn

Das 2023 gegründete Scaleup von Gründer Markus Müller entwickelt eine KI-gestützte Software, die regulatorische und qualitative Prozesse für MedTech- und Pharmaunternehmen automatisiert. Im Februar 2026 sorgte das Unternehmen mit einem Series-A-Investment von 20 Millionen Dollar für Aufsehen. Mit dem frischen Kapital treibt das Scaleup in diesem Jahr die gezielte Expansion auf dem US-Markt voran, um sich weltweit als Standard für regulatorische KI-Prüfungen im Gesundheitsbereich zu etablieren. Zudem plant man eine erste eigene Kund:innenkonferenz, die über 200 internationale MedTech-Entscheider:innen nach Wien bringen soll.

fonio.ai

fonio.ai-Co-Founder Daniel Keinrath (CEO, l.) und Matthias Gruber (CTO) | (c) fonio.ai

Wenn bei einem KMU niemand ans Telefon geht, übernimmt fonio.ai: Die KI-Agenten des erst 2024 gegründeten Wiener Startups von Daniel Keinrath und Matthias Gruber führen inzwischen rund zwei Millionen Anrufe pro Monat für über 7.000 Kund:innen. Im Juni schloss man eine Seed-Runde über 14,6 Millionen Euro ab, angeführt vom Londoner Fonds 20VC bei einer Bewertung von 120 Millionen Euro, ohne offiziellen Fundraise und ohne Pitch Deck. Im August knackte fonio.ai die Marke von zehn Millionen Dollar ARR – später folgte im Oktober die Marke von 15 Millionen Dollar. Mehr als die Hälfte des Umsatzes kommt laut Keinrath inzwischen von außerhalb der DACH-Region, im September eröffnete das Startup unter anderem sein Büro in Barcelona als Hub für Südeuropa.

Helferline

v.l.: Die Helferline-Gründer Clemens Schmidgruber und Alexander Niederhofer mit CTO Janko Glavić | (c) Helferline

Es ist eine Geschichte, wie sie nur die Startup-Welt schreiben kann: Vor mehr als zehn Jahren gegründet, konnte Helferline über lange Zeit zwar eine ganze Zahl namhafter Referenzen vorweisen, der wirtschaftliche Durchbruch blieb aber aus. Das änderte sich im Laufe der vergangenen Monate drastisch: Vor etwas mehr als einem Jahr stieg Hansi Hansmann als Investor ein. Seitdem holte man Großaufträge vom deutschen Telekom-Riesen O2, von Asus, von Starlink und weiteren. Aktuell befindet sich das Wiener Scaleup auf einem steilen Wachstumskurs und macht nach eigenen Angaben monatliche sechsstellige Gewinne.

Neoh

v.l.n.r.:  Die Neoh-Gründer Adel Hafizovic, Manuel Zeller und Patrick Kolomaznik | (c) Neoh
v.l.n.r.: Die Neoh-Gründer Adel Hafizovic, Manuel Zeller und Patrick Kolomaznik | (c) Neoh

Das Wiener Scaleup von Manuel Zeller konnte mit Süßigkeiten, die auf dem selbst entwickelten, kalorienarmen Zuckerersatzstoff Zero+ basieren, mittlerweile eine große Fangemeinde aufbauen, die auch über die Grenzen Österreichs hinausgeht. Auch machte, Stand April 2026, das B2B-Geschäft bereits rund 15 Prozent des Gesamtumsatzes aus, mit steigender Tendenz, wie Zeller erklärte. Dies und auch die Entwicklung einer gelungenen Bueno-Alternative sorgten dafür, dass eine Investmentgesellschaft aus Luxemburg namens Teseo Capital ins Scaleup einstieg. Dahinter steht die italienische Familie Ferrero, die mit Marken wie Nutella, Kinder und Ferrero Rocher den Süßigkeitenmarkt dominiert.

ParityQC

Die beiden CEOs von ParityQC: Wolfgang Lechner und Magdalena Hauser. | © Günther Egger

Das Innsbrucker Quantenunternehmen ParityQC von Wolfgang Lechner und Magdalena Hauser hat allein im heurigen Jahr einen 35-Mio.-Deal für den Bau eines mobilen Quantencomputers für das deutsche Verteidigungsministerium ergattert und im Rahmen der „EUREKA-Ausschreibung Deutschland-Israel“ eine Kooperation mit dem israelischen Quantensoftware-Spezialisten Classiq gestartet. Zudem lieferte es im April einen deutlichen Beleg dafür, dass europäisches Quantencomputing den Sprung aus dem Labor in die Industrie geschafft hat. Gemeinsam mit IBM stellte man einen neuen Weltrekord bei der Quanten-Fourier-Transformation (QFT) auf. Konkret wurde dabei die bislang größte jemals gemessene QFT auf einem IBM-Quantum-Heron-Prozessor realisiert, mit 52 supraleitenden Qubits statt der bisherigen 27 Ionenfallen-Qubits.

Reploid

Jonas Finck und Philip Pauer, Vorstände der Reploid Group AG | (c) Reploid / Stefan Beiganz
Jonas Finck und Philip Pauer, Vorstände der Reploid Group AG | (c) Reploid / Stefan Beiganz

Kein anderes heimisches Scaleup schaffte es dieses Jahr, in einer derartigen Regelmäßigkeit für Schlagzeilen zu sorgen. Das seit 2025 an der Wiener Börse gelistete Welser Insektenzucht-Unternehmen baute seine Führungsebene aus, eröffnete neue Expansionsmärkte, präsentierte neue Kund:innen, verkündete eine Übernahme und holte sich einen achtstelligen Wachstumskredit. Wiewohl die Geschäftszahlen bei genauerer Betrachtung etwas komplexer sind, als vom Scaleup dargestellt, steht fest: Reploid ist weiter voll auf Wachstumskurs. 

waterdrop

Die waterdrop-Gründer v.l.n.r: Christoph Hermann, Martin Murray, Henry Murray | (c) waterdrop
Die waterdrop-Gründer v.l.n.r: Christoph Hermann, Martin Murray, Henry Murray | (c) waterdrop

Das Wiener Scaleup waterdrop von Henry Murray, Martin Murray und Christoph Hermann holte sich im Mai ein 100-Millionen-Euro-Investment. Zu den Investor:innen dieser Runde zählten Aspeya, Atlantic Grupa und der alpine Ski-Weltcup-Champion Aleksander Aamodt Kilde. Schon im Jänner dieses Jahres verkündete das Scaleup seine Profitabilität. Zudem übernahm Jristian Cruz Limsico die Rolle des Global Creative Director, der seit 2017 die visuelle Identität des Modehauses Karl Lagerfeld prägte. Er verantwortet nun die weltweite Markenidentität des Unternehmens.

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