14.02.2023

Seller Fulfilled Prime: byrd startet Fulfillment-Alternative für Amazon Seller

Das Logistik Scaleup byrd hat erst letztes Jahr über 50 Millionen Euro im Rahmen der "Series C Finanzierungsrunde" eingesammelt und startet jetzt eine alternative Logistiklösung für Amazon Prime Seller.
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byrd, amazon seller, Seller Fulfilled Prime Programm
(c) Amazon - Das Seller Fulfilled Prime Programm soll die Abhängigkeit von Amazon verringern.

Das Amazon Prime Abo ermöglicht es Online-Shoppern, Produkte ohne Versandkosten und innerhalb von ein bis zwei Tagen zugestellt zu bekommen. 2021 gab es laut Gründer Jeff Bezos über 200 Millionen Prime-Mitglieder weltweit. Für Amazon Seller, die über den Online-Marktplatz von Amazon verkaufen, ist das Listing von Produkten mit dem sogenannten “Prime-Badge” beinahe ein Zwang. Produkte mit der Prime-Kennzeichnung profitieren von höherer Visibilität, was durch gezielte Prime-Filteroptionen auf dem Marktplatz nochmals verstärkt wird.

Vorteile einer „Prime-Badge“ für Amazon Seller

Laut Amazon gehören Prime Kund:innen außerdem zu den „loyalsten Online-Shoppern“ und daher erhofft man sich so als Amazon Seller hohe Wiederkaufsraten. Deswegen entscheiden viele Händler:innen, ihre Produkte mit Prime-Option anzubieten.

Das Seller Fulfilled Prime-Programm (SFP) ermöglicht es Händler:innen, ihre Produkte auf dem Amazon Marktplatz mit dem “Prime-Badge” zu verkaufen, während sie ihr Fulfillment an unabhängige Logistikunternehmen auslagern. Mit dem Ziel, deutlich mehr Einfluss auf die Kundenexperience zu haben, und nicht den Restriktionen von Amazon unterliegen zu müssen.

Das Problem: Der Großteil der Prime-zertifizierten Händler:innen in Europa greift dabei auf die logistische Abwicklung durch Fulfillment bei Amazon (FBA) zurück und macht sich damit zusätzlich zum Amazon Marktplatz auch von Amazon Fulfillment abhängig.

Alternativen nur möglich nach Testphase und mit hohen Standards

Denn wenn man als Amazon Seller die Logistik nicht über Amazon (FBA) abwickeln, sondern diese selbst in die Hand nehmen bzw. über einen ausgewählten Fulfillment-Dienstleister abwickeln möchte, dann steht man vor großen Herausforderungen.

Um sich für den “Prime-Badge” zu qualifizieren, muss man zuerst eine Testphase durchlaufen und hohe Logistik-Standards erfüllen. So müssen über 99 Prozent der Bestellungen, die bis 13:00 auf dem Amazon Marktplatz eingehen, noch am selben Tag verschickt werden und das mit ausgewählten Versanddienstleistern. Diese hohen Standards werden streng überwacht und bei Nichteinhaltung droht das Verlieren des Prime-Badges.

Byrd Startet zuerst in Deutschland

Byrd hat daher Anfang 2023 in Deutschland den Launch von seinem Seller Fulfilled Prime-Programm gestartet und mit den ersten Testkunden im Direct-to-Consumer Bereich zusammengearbeitet, um den Prime-Badge zu erhalten und Prime Bestellungen zu verschicken.

Nun wird der Service schrittweise ausgerollt. Petra Dobrocka, Chief Commercial Officer und Co-Founder, erklärt dazu: „Erstmal starten wir mit zwei Lagerstandorten in Deutschland, da wir dort die höchste Nachfrage verzeichnen. Wenn sich das bewährt, möchten wir den Service in Zukunft auch in weiteren Märkten anbieten.“

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Die Gründer von versa: Jakob Logar, Maximilian Brehm und Elija Dentler (v. l.) | (c) webformance.agency

Ein schwieriges Kundengespräch, eine heikle Preisverhandlung oder eine verärgerte Kundin: Solche Situationen gehören in vielen Berufen zum Alltag. Doch wie bereitet man Mitarbeitende darauf vor? Klassische Kommunikationstrainings sind oft zeitaufwendig und bieten nur begrenzte Möglichkeiten, das Gelernte praktisch anzuwenden.

Genau hier setzt das Grazer Startup versa an. Das im Jänner 2026 gegründete Unternehmen hat eine KI-basierte Plattform entwickelt, mit der Mitarbeitende realistische Gesprächssituationen simulieren und anschließend individuelles Feedback erhalten können.

Gegründet wurde das Unternehmen von Jakob Logar, Elija Dentler und Maximilian Brehm. Die Idee entstand aus den beruflichen Erfahrungen der Gründer. Co-CEO Logar war rund 20 Jahre im Vertrieb tätig und absolvierte selbst zahlreiche Kommunikationstrainings. Diese seien zwar hilfreich gewesen, hätten aber meist nur wenig Raum für praktische Übungen geboten. „Da haben wir jetzt einfach gesehen, das was KI da möglich macht, ist eben diesen Flaschenhals der Rollenspiele aufzuheben“, erklärt Logar. Mitarbeitende könnten dadurch unabhängig von Trainer:innen oder Vorgesetzten Gespräche üben.

Von einem Forschungsprojekt zur KI-Plattform

Den Anstoß lieferte ein Forschungsprojekt am Grazer Know-Center. Dort wurde auf Anfrage der Medizinischen Universität Innsbruck untersucht, ob sich Arzt-Patienten-Gespräche mit KI simulieren lassen. Ein erster ChatGPT-Prototyp zeigte Potenzial, aber auch technische Grenzen.

Heute kombiniert versa verschiedene KI-Modelle für die Szenarioerstellung, Sprachinteraktion und Auswertung. Unternehmen können eigene Unterlagen und Kundenprofile einbinden, um möglichst praxisnahe Trainingssituationen zu schaffen.

Doch warum braucht es dafür eine eigene Plattform statt ChatGPT? „Die Magie liegt eigentlich in der KI-Architektur und in der Agent-Orchestrierung“, sagt Logar. Anders als bei der Nutzung eines einzelnen Sprachmodells sollen die KI-Personas konsistent bleiben und die Auswertungen vergleichbar sein.

Eigene KI-Basismodelle entwickelt das Startup nicht. Stattdessen setzt es auf eine flexibel aufgebaute Architektur. „Wir verwenden immer das beste Modell“, so Logar. Neue Technologien könnten dadurch einzelne Komponenten ersetzen, ohne die gesamte Plattform verändern zu müssen.

Eingesetzt wird versa derzeit vor allem beim Onboarding neuer Mitarbeitender. Diese können vom ersten Kundentelefonat bis zur Preisverhandlung unterschiedliche Gesprächssituationen trainieren.

Das KI-Trainingsgespräch selbst erfolgt dann im Look eines Video-Calls. (c) versa Training GmbH

14 zahlende Kunden und bereits profitabel

Nur wenige Monate nach der Gründung zählt versa laut Logar rund 14 zahlende Unternehmenskunden. Darunter befinden sich eine große Bank und einer der größten deutschen Versicherer. Als Zielgruppe sieht versa nicht ausschließlich Großkonzerne. Interessant sei die Plattform grundsätzlich für Unternehmen mit mindestens 20 Mitarbeitenden in kundenorientierten Rollen, etwa im Vertrieb oder Kundenservice.

Der Weg vom ersten Interesse zum Vertragsabschluss sei allerdings nicht immer kurz. Besonders bei größeren Unternehmen würden rechtliche Prüfungen rund um den Einsatz von KI den Verkaufsprozess verlängern.

Finanziert wurde das Startup bislang ausschließlich aus Eigenmitteln. Das Stammkapital von 10.000 Euro brachten die drei Gründer selbst auf. Auf die Frage, wann das Unternehmen profitabel werden wolle, antwortet Logar: „Wir sind schon profitabel.“

Förderabsage als Wendepunkt

Ursprünglich hatte das Gründerteam auf eine aws-Seedförderung gehofft. Nach einem Pitch im Frühjahr 2026 folgte jedoch die Absage. Zu diesem Zeitpunkt hatten die Gründer ihre bisherigen Jobs bereits gekündigt. Trotz des Rückschlags beschlossen sie weiterzumachen. „Wir haben dann aber den Entschluss gefasst, weiterzumachen, weil die Idee so gut ist“, erzählt Logar. Die Absage habe das Team letztlich stärker auf den Markt fokussiert.

Aktuell ist versa in der Science Park Graz Academy und arbeitet im Grazer Unicorn. Zunächst will das Startup aus eigener Kraft weiterwachsen und einen mittleren sechsstelligen Umsatzbetrag erreichen. Für die spätere Skalierung werden Partner gesucht.

Dabei denkt das Team von Beginn an international. „Wir haben ja keine sprachlichen Restriktionen“, erklärt Logar. Erste Kunden aus Deutschland hat versa bereits gewonnen. Langfristig will das Unternehmen vor allem dort wachsen, wo der Bedarf an skalierbaren Kommunikationstrainings besonders groß ist.

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