09.02.2022

see:port: Was sich aktuell am Innovationsstandort Kärnten tut

Der see:port gilt als Dreh- und Angelpunkt für Innovation in Kärnten. Der brutkasten hat bei Martin Maitz nachgefragt, was sich aktuell im Süden Österreichs in Sachen "Innovation, Startups & Investor:innen" tut.
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Martin Maitz vom see:port | (c) see:port / adobestock
kooperation

Mit rund 500 Quadratmetern ist der see:port der größte offene und aktiv gemanagte Arbeits- und Innovationsraum in Kärnten bzw. im Süden von Österreich und liegt direkt am Wörthersee. Als Innovations-, Denk-, Arbeits- und Co-Creation Raum verfügt er nicht nur über eine Top-Infrastruktur mit 5G, sondern bietet auch ein reichhaltiges Event- und Veranstaltungsprogramm. Im Interview erläutert see:port Chef Martin Maitz, welche Formate etabliert wurden und wie sich der Innovationsstandort im Süden Österreichs aktuell entwickelt.


Kärnten gilt mittlerweile als ein sehr lebendiger und attraktiver Innovationsstandort. Was waren im letzten Jahr die Highlights?

In Kärnten hat es trotz Corona im letzten Jahr viele spannende Themen im Hintergrund gegeben, die sich heuer sehr positiv auf die Entwicklung des Innovation-Ökosystems im Süden auswirken werden. Ein Highlight war unter anderem das Projekt SURAAA. Hier beschäftigen wir uns als Leadprojekt in Österreich seit 2017 intensiv mit autonome Mobilitätslösungen. Im Rahmen des Projektes „Shared automation Operating models for Worldwide adoption“ forschen 69 Projektpartner aus 13 EU-Ländern gemeinsam an der Mobilität der Zukunft. Zudem ist das Projekt Teil des „Horizon 2020 Research and Innovation Program“.

Im Startup-Bereich ist es uns zudem gelungen, dass die einzelnen Initiativen näher aneinander gerückt sind und wir auch viele Vorhaben im heurigen Jahr schon gemeinsam umsetzen werden. Dazu zählt unter anderem ein gemeinsamer Skitag. Weiters wurden aktiv die Kooperationen mit den diversen Partner:innen gesucht und ein Jahresprogramm mit regelmäßigen Terminen für die Szene entwickelt.


Hier ein Überblick über die Event-Formate des see:port

On.Tuesday – jeden ersten Dienstag im Monat (online)

Investor Talk – jeden zweiten Mittwoch im Monat (online)

Entrepreneurship Evening jeden dritten Donnerstag im Monat (live im see:PORT)

Start(up) Friday jeden letzten Freitag im Monat (live im see:PORT)

Zusätzlich ist ein eigener Startup Verein Startup Carinthia unter dem Motto „Startup für Startups“ entstanden und über das StartNet Carinthia wurden extra Ressourcen für die Koordination der Szene aufgestellt.

Welches Ziel verfolgt ihr mit dem Format On.Tuesday? 

Mit dem On.Tuesday Format bauen wir ein regelmäßiges Online-Format auf, das Menschen Lust auf Selbständigkeit machen soll. Dazu laden wir Top-Persönlichkeiten als „Role Model“ zum Talk ein, die exklusive Einblicke in ihren unternehmerischen Werdegang geben und von ihren Erfahrungen berichten. Sie sollen die Teilnehmer:innen inspirieren und anhand ihrer erfolgreichen Gründungsbeispielen zeigen, was alles in und von Österreich unternehmerisch möglich ist. Im letzten Jahr hat es sehr tolle Erfolgsgeschichten mit internationaler Bedeutung geben. Mit den On.Tuesday wollen wir einen Beitrag leisten, dass diese tollen Unternehmer:innen über die enge „Insider-Szene“ hinaus sichtbarer werden und die Gründer:innen sich untereinander vernetzen können.

Wir haben den On.Tuesday als regionale Initiative letztes Jahr gestartet und wollen das Format nun mit Kooperationspartnern – z.B. Kambis Kohansal Vajargah von WKÖ Startup-Services – in ganz Österreich anbieten. Hier geht es darum, für interessierte Personen in Österreich ein niederschwelliges Angebot zum Thema „Entrepreneurship und Startups“ anzubieten. Zudem soll ihnen die Möglichkeit geboten werden, an die Szene anzudocken und ihr Netzwerk zu erweitern.

Am 1. Feber habt ihr den mittlerweile 14. On.Tuesday veranstaltet. Als Gast war unter anderem Andreas Tschas vom Wiener Klimaschutz-Startup Glacier geladen. Welche Learnings habt ihr im Rahmen der Veranstaltung gemacht?

Ein Learning war, dass Pioniere wie Andreas Tschas leider noch immer einer breiteren Öffentlichkeit zu wenig bekannt sind. Meist sind die Teilnehmer:innen dann immer ganz überrascht, welche tollen Projekte es in Österreich gibt. Andreas hat mit seiner Präsentation vorbildhaft Mut gemacht und einige Teilnehmer:innen mit seinen Tatendrang angesteckt. Ein besonderes Learning des Abends war, dass es möglich ist, mit einem Startup der Klimakrise erfolgreich entgegenzutreten. Unter anderem wurde den Teilnehmer:innen klar aufgezeigt, wie sie selbst in ihren eigenen Unternehmen Climate Ranger werden können.

Welche Rolle spielt aktuell das Thema Nachhaltigkeit auch für den Innovationsstandort Kärnten?

Nachhaltigkeit spielt eine zentrale Rolle. Kärnten war ja vor Jahrzehnten mit diversen Firmen wie GreeOneTec schon mal Vorreiter in diesem Themengebiet und hat auch am Weissensee oder in Kötschach-Mauten gezeigt, wie man Tourismus oder ganze Regionen (AAE) erfolgreich nachhaltig gestalten kann. Um diese Ansätze ist es zwischendurch etwas ruhiger geworden, aber aktuelle unternehmerische Erfolgsbeispiele wie z.B.  go-e GmbH, EnerCharge GmbH, usw. zeigen, was sich hier in den letzten Jahren erfolgreich im Hintergrund entwickelt hat. Dazu gibt es am 29. April einen eigenen Start(up) Friday mit dem Themenspecial: „Green Tech & Öko Innovationen“.

Neben dem On.Tuesday habt ihr als weiteres Format den InvestorCircle etabliert. Worum geht es hier?

Der InvestorCircle ist eine neutrale und regionale Investoren-Plattform im Süden von Österreich, die Interessenten zum Thema „Investieren“ vernetzt, bündelt (Co-Investment) und einen Erfahrungs- und Wissensaustausch unter Investor:innen und Business Angels fördert. Derzeit beseht der Kreis aus 27 Mitgliedern, die sich regelmäßig in Talks austauschen und gemeinsam lernen. Unter anderem wurde ein Dealflow Prozess definiert. Hier können sich Startups mit einen OnePager bewerben und erhalten, wenn dieser den Lead Partner:innen gefällt, eine Einladung zu einem Online-Pitch von 30 Minuten. Wenn es dann Interessenten im Rahmen der Investor:innen gibt, wird das Startup zu einem Vertiefungsgespräch von einer Stunde eingeladen. Bisher erfolgt alles online, weiterführende Gespräche werden dann aber meinst persönlich geführt.

Ziel ist es, Wissen und Erfahrungen auszutauschen, den Dealflow zu fördern und zu organisieren und einen aktiven Beitrag zum regionalen Innovations-Ökosystem zu leisten. Gerne können hier noch Investor:innen und Business Angel im Süden von Österreich mitmachen.

Wie schätzt du die lokale Business-Angel-Szene in Kärnten ein? 

Die Business-Angle-Szene in Kärnten ist gerade dabei sich zu formieren und die Basis für eine erfolgreiche Zusammenarbeit zu legen. Derzeit gibt es zweihandvoll Investor:innen, die schon über viel Erfahrung verfügen (< 10 Investments), eine Anzahl von rund 20, die schon ihre ersten Beteiligungen getätigt haben, und eine größere Anzahl von „Virgin Angels“. Dabei handelt es sich um Personen, die über finanziellen Mittel verfügen, aber noch keine direkte Erfahrung als Investor:innen haben.

Erste Co-Investments im Rahmen des Investor Circles zeigen, dass die Kombination von Lead Investor:innen und die Co Investor:innen ein guter Weg ist. Wie wir aber in der gesamten Business-Angel-Szene sehen, schreitet die Professionalisierung auch hier rasch voran und letztlich werden sich hier die professionellen Business Angel einen Marktvorteil bei Startups erarbeiten.

Ein Event der anderen Art ist SKI Me Up!, der am 25. Feber am Goldeck in Kärnten sattfindet. Was dürfen sich die Teilnehmer:innen bei diesem außergewöhnlichen Event mitten in der Kärntner Bergwelt erwarten?

Der SKI ME up! Event versteht sich als Netzwerkveranstaltung. Hier geht es darum, sich im sportlichen und gemütlichen Umfeld kennenzulernen, zu vernetzen und Erfahrungsaustausch zu betreiben. Das Goldeck als kleineres Skigebiet in Kärnten bietet hier einen guten Rahmen für persönliche Begegnungen. Mit Dieter Kalt – einer der erfolgreichsten Eishockeyspieler in der Geschichte Österreichs – und Bernd Hinteregger – Selfmade-Unternehmer & 2M2M Jury Mitglied – haben wir zwei Impulsgeber eingeladen, die sowohl aus sportlicher als auch aus unternehmerischer Sicht erzählen können, was Spitzenleistungen sind und was wir von erfolgreichen Vorbildern lernen können. Auch hier geht es um Inspiration und Motivation und darum Menschen mit Idee und Unternehmergeist zu vernetzen, um gemeinsam mehr in Kärnten und im Süden von Österreich bewegen zu können.

Networking im positiven Sinne ist leider noch immer ein unterschätztes Thema und hat insbesondere für Startups eine wesentliche und hohe Bedeutung. Da sie ihr Unternehmen erst aufbauen, brauchen sie viele neue Kontakte, ganz unabhängig davon, ob es sich um potentielle Kund:innen, Investor:innen oder künftige Mitarbeiter:innen handelt. Genau das soll der gemeinsame Ski-Tag erreichen. In Zukunft soll die Veranstaltung einmal im Jahr stattfinden. Bei entsprechenden Interesse seitens der Teilnehmer:innen kann die Veranstaltung mit strategischen Partner:innen auch weiterentwickelt und ausgebaut werden.

Welche Innovations-Highlights aus Kärnten dürfen wir in diesem Jahr noch erwarten?

Es werden sicherlich ein paar spannende Startups heuer in Kärnten offiziell gegründet werden. Zudem sind auch Co-Investment im Netzwerk des InvestorCircle in der Pipeline. Hier darf ich den Projekte aber nicht vorgreifen.

Im see:PORT selbst planen wir zusätzlich zum schon beschrieben Programm ein Foundersweekend für den Herbst und ein eigenes Foundersprogramm wird im Frühjahr starten. Im Bereich der Innovation direkt gibt es mit der Initiative „wakeup:innovation!“ bereits ein online Format, das in den DACH Raum ausstrahlt und heuer noch intensiviert wird.


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„Der Spagat zwischen Karriere und der Betreuung von Angehörigen betrifft in Österreich derzeit rund 400.000 Erwerbstätige“, erklärt Mitgründer von because we care Andreas Gruber. Bis zum Jahr 2050 soll fast jede fünfte erwerbstätige Person eine Pflegeverantwortung übernehmen müssen, fügt er hinzu. Um diesen wachsenden Druck auf Mitarbeitende und Unternehmen abzufedern, positioniert sich „because we care“ als digitale Informationsplattform für Arbeitgeber:innen.

Das Kernprodukt mit bald 200.000 Zugriffsberechtigten hilft pflegenden Angestellten dabei, sich im hochkomplexen heimischen Pflegesystem zurechtzufinden, Anträge zu stellen und entlastende Schritte einzuleiten. Es gehe laut Gruber darum, sich mit Angehörigen auf das Alter vorzubereiten, „lange bevor jemand zu Hause die Treppe runtergefallen ist“. Ursprünglich unter dem Dach der Organisation „Austria Assisted Living“ angesiedelt, agiert die Plattform seit Ende 2024 als eigenständige GmbH, um den wachsenden Markt gezielter zu adressieren.

Branchenübergreifende Nutzungsrate von zehn Prozent

Wie Gründer Andreas Gruber im Gespräch erklärt, verzeichne man bei den teilnehmenden Unternehmen branchenübergreifend eine stabile Nutzungsrate von etwa zehn Prozent. Dies sei für ihn ein klares Indiz, dass das oft unter der Oberfläche schwelende Thema Angehörigenpflege in der Arbeitswelt „voll präsent“ sei. Bislang lag der Fokus der Plattform vor allem auf Lotsenfunktionen für akut Betroffene.

Im September erweitert das gebootstrappte Startup das Angebot jedoch um ein Modul zur mentalen Prophylaxe. Dieses wurde gemeinsam mit Fachleuten aus Psychologie und Mentaltraining entwickelt und richtet sich gezielt an die gesamte Belegschaft. Ziel ist es, rechtzeitig Strategien gegen psychische Belastungen im Arbeits- und Pflegealltag zu vermitteln.

Umbau der Pflegevermittlung

Neben der inhaltlichen Erweiterung steht das Startup vor einem nächsten großen Schritt: Im Oktober soll das System „because we match“ nach aktueller Testphase mit einem großen Salzburger Pilotkunden live gehen. Dieses adressiert einen zentralen Flaschenhals im System, wie Gruber erklärt: die oft wochenlange Suche nach verfügbaren Pflegediensten. Laut dem Gründer vergehen im Schnitt 60 Tage, bis eine Regelversorgung greift – eine Zeitspanne, in der Angehörige unzähligen Anbietern nachtelefonieren müssen. „Wir drehen dieses System jetzt um“, erklärt er im Interview.

Künftig sollen Suchende eine zentrale, rund um die Uhr erreichbare Hotline anrufen können. Dort erfasst ein KI-Voice-Agent den konkreten pflegerischen Bedarf strukturiert und filtert emotionale Bedürfnisse von harten fachlichen Anforderungen. Pflegedienstleister:innen in der jeweiligen Region sehen diese anonymisierten Gesuche auf der Plattform und können sich anschließend bei den Suchenden vorstellen und ihre Leistungen anbieten.

Sprachgesteuertes CRM für das Back-Office

Gleichzeitig sollen die Leistungserbringer von einer digitalen Entlastung im Hintergrund profitieren. Die Software soll im Idealfall für die mobilen Pflegekräfte als sprachgesteuertes CRM-System fungieren. Einsätze lassen sich direkt per Spracheingabe festhalten, während intelligente Voicemails eingehende Anrufe filtern und priorisieren.

Dieser technische Ansatz soll bürokratische Hürden drastisch reduzieren, den Dienstleister:innen das ungeliebte Backoffice abnehmen und „effizienteres Arbeiten näher am Menschen ermöglichen“. Der Hebel dieser Effizienzsteigerung ist laut Gruber beträchtlich: „Wenn wir jeder Pflegefachkraft 30 oder 40 Minuten Orga am Tag abnehmen, geht sich ein Klient mehr aus.“

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