09.12.2020

Secret Vienna: Startup bietet Corona-Tour mit Feuer, Pest und anderen Katastrophen

Das Wiener Startup Secret Vienna von Gründer Sagi Zilbershatz bietet Führungen und Touren in Wien abseits des touristischen Mainstreams. Darunter Kochen wie im Mittelalter, Einblicke ins sittenlos-erotische Wien oder die Hauptstadt als Drehscheibe für Spione. Auch wenn Corona für Hürden sorgt, Ideen zur Weiterentwicklung gibt es bereits.
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(c) Secret Vienna - Gründer Sagi Zilbershatz stellt seine Secret Vienna-Touren wegen Corona online.

Sagi Zilbershatz ist Isreali und war, bevor es ihn auf seiner Reise nach Wien gezogen hat, lange Zeit in Italien und Kanada beheimatet. In Österreich startete er 2016 einen Blog, der sich der Geschichte von Straßennamen und Platzbezeichnungen widmete und der Historie hinter prächtigen Gebäuden und Denkmälern nachging. Kurz darauf wuchs das ganze Projekt organisch und die User forderten mehr. „Hinter den Kulissen, in den versteckten Höfen und engen Gassen ist eine andere Seite von Wien zu sehen“, erkannte der Gründer schnell. So entstand das Startup Secret Vienna, das Kunden eine andere Art von Tourismus-Erlebnis bieten möchte. „Ich habe gemerkt, dass der Tourismus hier feststeckte und es nicht viel Raum für Innovation gab“, sagt Zilbershatz: „Es ist eine sehr stark regulierte Industrie.“

Secret Vienna und seine diskreten Gesellschaften

Dies nahm der Gründer zum Anlass, seinen Blog 2017 in eine Company zu transformieren. Drei Jahre später bietet Sercret Vienna nun Touren in über zehn verschiedenen Sprachen an, von „Die Evolution vom Naschmarkt“, bis zu „Historische Wiener Powerfrauen“, der „Dunklen Seite Wiens“, aber auch „Wien und seine elitären und diskreten Gesellschaften“, oder der „Corona-Tour – Feuer, Pest und andere Katastrophen“.

„Digging deeper“

Der Gründer nennt seinen Ansatz „digging deeper“, mit dem man exklusive Touren erleben kann, die man im Normal-Tourismus nicht erhält: „Wie etwa Kanu-Touren, Ausflüge auf Hebräisch oder eine Tour im Gentleman-Club Babylon“, sagt er und erwähnt, dass Secret Vienna bald sein Angebot ausweiten wird. Demnächst steht Salzburg an, danach sollen weitere Städte wie Graz oder Innsbruck folgen.

Online-Tour von Secret Vienna

Die Covid-19-Krise hat dem Secret Vienna-Gründer natürlich auch, wie vielen anderen, geschadet. Zilbershatzs Weg daraus ist es, manche Touren online anzubieten. „Das einzige Problem dabei ist, dass solche Erlebnisse ‚in persona‘ besser sind. Wir bieten interaktiven Tourismus an, Artefakte, die man angreift, Orte, die man besuchen darf, wo man sonst nicht so leicht hinkommt“, sagt Zilbershatz. Doch leider muss er bis zum Ende der Krise damit leben und kann seine „anderen“ Touren, die als Events gelten – und teilweise indoor stattfinden – eine Zeit lang nicht analog anbieten.

Wiener Geheimnisse

Seine Philosophie, „das Andere“ zu sehen, hat Zilbershatz aufgebaut, da er als Ausländer eine andere Sichtweise hat, wie er sagt. Der Gründer denkt im Erlebnis-Tourismus den Begriff „customer-service“ anders. Als Angebot eines Außenstehenden für die lokale Bevölkerung. Den Erfolg und Aufbau seiner Firma musste er sich hart erarbeiten und möchte daher anderen Hergereisten Mut machen, nicht aufzugeben: „Es ist möglich, auch ohne der deutschen Sprache mächtig zu sein, etwas aufzubauen und zu schaffen“, sagt er: „Und einer fremden Stadt Geheimnisse zu entlocken.“

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Fawks AI
© LinkedIn/Canva - Neha Agarwal, Co-Founderin Fawks AI.

Eigentlich geht es hier nicht um ein Startup aus Indien, aber dennoch muss es kurz erwähnt werden: über 86 Millionen US-Dollar Umsatz, eine geschätzte Firmenbewertung von 200 Millionen US-Dollar, 500 Mitarbeiter:innen. Und das gebootstrapped. Das ist die Geschichte des indischen Proptech Housiey. Gegründet wurde es 2016 von Neha Agarwal und ihrem Bruder Ankit.

Problem Intransparenz

Der Ausgangspunkt der Geschwister damals war ein Markt, in dem es zwar viele Immobilienportale gab, aber es aufgrund laxer Regulierung immer wieder zu Fällen kam, in denen Makler:innen Objekte zu Preisen anboten, die vom tatsächlichen Endpreis stark abwichen. Auch Angaben zu Steuern, Regulierung und Mindestpreisen fehlten und Käufer:innen zahlten häufig zu viel für Immobilien.

Darin sahen die beiden eine Marktlücke. So bauten sie eine Plattform, auf der Bauträger direkt vertreten sind. Ihr Bruder übernahm als CEO den Vertrieb, Agarwal verantwortete die gesamte Technik. Dazu gehörte die Suchmaschinenoptimierung, die die heute in Wien lebende Gründerin als einen der Eckpunkte für den investorenlosen Erfolg nennt. „Housiey sollte bei Google gut ranken, ohne viel Geld für Werbung auszugeben. Das war noch vor dem KI-Zeitalter“, sagt sie. Außerdem entwickelte Agarwal den Anmeldeprozess für Nutzer:innen und setzte zu Beginn auf YouTube-Kanäle, um Immobilien zu präsentieren.

Der andere zentrale Faktor für Erfolg war die Transparenz: Nutzer:innen sollen alle Informationen zu einer Immobilie in einem durchgängigen Ablauf sehen können, vollständig und korrekt. „Das schafft Vertrauen und sie tappen nicht in eine Falle“, so Agarwal.

Von Indien nach Österreich: Fawks AI entsteht

2012 endete das Kapitel Indien und die Founderin kam für einen Job bei den Vereinten Nationen nach Österreich (IAEA). Eigentlich war ein Aufenthalt von sechs Monaten geplant, doch sie blieb, wechselte danach in einen Job bei einem anderen Unternehmen und kündigte dort schließlich, um gemeinsam mit COO Arun Gaurav Fawks AI in Wien zu gründen.

© zVg – Neha Agarwal und Arun Gaurav.

Das Wiener KI-Startup entwickelt eine eigene Speech-Engine zur Kundenkommunikation: eine KI, die Telefonanrufe im Kundensupport wie ein Mensch führen soll und sich an Unternehmen richtet. Erste Tests mit zahlenden Kund:innen laufen bereits.

aws-Förderung

Dafür erhielt das Startup eine Förderung in Höhe von 300.000 Euro von der Austria Wirtschaftsservice (aws) im Rahmen des Förderprogramms aws Preseed | Deep Tech. Damit soll die Kerntechnologie mit dem Codenamen HIVE vom Konzept zu einem produktionsreifen Prototyp weiterentwickelt werden. Im vergangenen Jahr wurde Fawks AI zudem für den ersten Venture-Cake-Jahrgang von weXelerate, dem Wiener Startup-Accelerator, als eines von acht Startups bei 150 Bewerbungen ausgewählt. Ein möglicher Grund dafür: eine sprachliche Besonderheit von Fawks AI.

„Wir haben festgestellt“, präzisiert Agarwal, „dass es bei der deutschen Sprache auf den Dialekt ankommt, etwa Vorarlbergerisch oder Wienerisch. Im Benchmarking lag die Erkennungsrate nur bei 68 Prozent. Wir haben überall gesucht, aber kein Spracherkennungsmodell gefunden, auch nicht in Europa, sondern nur US-Modelle. Wenn ein Anruf zum Beispiel eine Bankangelegenheit betrifft und eine IBAN genannt wird, wird die Nummer nicht korrekt erkannt, und der nächste Workflow wird nicht ausgelöst. Viele große Unternehmen können KI deshalb nicht richtig einsetzen, weil die Spracherkennung nicht gut genug ist.“

Deswegen deckt Fawks AI Standarddeutsch, Wienerisch und Österreichisch-Bairisch ab, und adressiert auch Menschen, die Deutsch nicht als Muttersprache, sondern in der Schule gelernt haben. Künftig möchte man noch Schweizerdeutsch in die Anwendung implementieren.

Damit ist Fawks AI nicht allein und bewegt sich hierzulande in einem Feld, mit großer Konkurrenz wie fonio, KI-Note oder NeedNect. Doch es gibt einen Grund, warum man sich für Wien entschieden hat.

„Ernst genommen“

„Österreich hat uns ernst genommen, bevor es andere taten“, sagt Agarwal. „Die Förderung ist ein Signal, dass die aws bereit ist, anspruchsvolle Ingenieursprobleme zu unterstützen, nicht nur Anwendungen. Europäische KI-Infrastruktur lässt sich nicht mit amerikanischen Standardwerkzeugen aufbauen. Das hat die aws verstanden, und ihre Jury ebenso. Wir sind dankbar für das Vertrauen.“

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AI Summaries

Secret Vienna: Startup bietet Corona-Tour mit Feuer, Pest und anderen Katastrophen

  • Sagi Zilbershatz ist Isreali und war bevor es ihn auf seiner Reise nach Wien gezogen hat, lange Zeit in Italien und Kanada.
  • Hier startete er 2016 einen Blog, der sich der Geschichte von Straßennamen und Platzbezeichnungen widmete und der Historie hinter prächtigen Gebäuden und Denkmälern nachging.
  • „Ich habe gemerkt, dass der Tourismus hier feststeckte und es nicht viel Raum für Innovation gab“, sagt Zilbershatz: „Es ist eine sehr stark regulierte Industrie.“
  • Dies nahm der Gründer zum Anlass seinen Blog 2017 in eine Company zu transformieren.
  • Drei Jahre später bietet Sercret Vienna bietet Touren in über 10 verschiedenen Sprachen an wie „Die Evolution vom Naschmarkt“, bis zu „Historische Wiener Powerfrauen“, der „Dunklen Seite Wiens“, aber auch „Wien und seine elitären und diskreten Gesellschaften“, oder der „Corona-Tour – Feuer, Pest und andere Katastrophen“.

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