05.10.2021

Science to Business: Neue Spin-off-Initiative für Niederösterreich präsentiert

Für die nun präsentierte Spin-off-Initiative des Landes Niederösterreich werden bereits vorhandene Einrichtungen weiter verstärkt.
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Präsentation Science to Business
Tecnet-Geschäftsführer Doris Agneter, NÖ-Wirtschaftslandesrat Jochen Danninger und Ensemo-Gründerin Birgit Mitter | (c) Burchhart

„Fast täglich entstehen neue großartige Ideen an unseren Forschungseinrichtungen. Wenn es gelingt, diese in Business-Konzepte umzusetzen, wachsen sie oft stärker und schneller als andere Gründungen“, sagt der niederösterreichische Wirtschaftslandesrat Jochen Danninger bei der Präsentation der neuen Spin-off-Initiative Science to Business. Das Potenzial für Spin-offs sei in Niederösterreich sehr groß. Allein im vergangenen Jahr seien beim Patentamt 232 Erfindungen und 839 Marken aus Niederösterreich angemeldet worden. An den 14 Universitäten und Fachhochschulen in Niederösterreich seien derzeit rund 22.000 Studierende inskribiert. Und an den sechs Forschungszentren und vier Technopolen in Wiener Neustadt, Krems, Wieselburg und in Tulln seien mehr als 1.500 Forscher:innen tätig, zählt Danninger auf.

Science to Business: 250 weitere Spin-offs bis 2030

Und der Landesrat nennt noch eine Zahl: 250 weitere Spin-offs sollen bis 2030 zumindest entstehen. Es ist eine sehr realistische Zielsetzung: In den vergangenen fünf Jahren sind rund 100 Spin-offs in Niederösterreich gegründet worden, wobei sich die Zahl sukzessive steigerte, wie Tecnet Equity-Geschäftsführerin Doris Agneter ausführt. Doch sie räumt ein: „Die Gründung eines Spin-offs ist in vielen Fällen gar nicht im Mindset von Forscherinnen und Forschern enthalten“. Bei der Konzeption von Science to Business haben an daher nochmal sehr intensiv mit Forscher:innen auch über Hindernisse gesprochen.

Um das Ziel zu erreichen, werden großteils bereits vorhandene Einrichtungen und Maßnahmen ausgeweitet. So wird erstens das Programm Creative Pre-Incubator schrittweise auf sämtliche FH- und Uni-Standorte ausgeweitet. Zweitens wolle man das „Exzellenz-Netzwerk“, dem bislang etwa CERN, die ESA und die University of California Berkeley angehören, erweitern, sagt Danninger und verrät: „Konkrete Gespräche gibt es derzeit etwa mit der deutschen Helmholtz-Gemeinschaft“. Drittens sollen mit Hackathons gezielt Themen bearbeitet werden. en Anfang macht hier der Accent Climathon, der im Frühjahr 2022 parallel an sechs Standorten stattfindet. Viertens soll die Finanzierung der Spin-offs mit Venture Capital weiter verbessert werden. Danninger nennt hier neben dem landeseigenen VC Tecnet Equity auch IST cube.

Tullner Agro-Biotech-Startups als Testimonials

Tecnet biete mit SAFE seit einiger Zeit auch ein neues Finanzierungsinstrument für Startups, das besonders früh ansetze, sagt Doris Agneter. „Wir schaffen damit eine Möglichkeit für Spin-offs, die später Venture Capital aufnehmen wollen, schnell erste Schritte zu setzen“, kündigt die Tecnet-Geschäftsführerin an. Generell könne mann in Niederösterreich stolz darauf sein, schon jetzt eine durchgängige Unterstützungskette für Spin-off-Gründer:innen anbieten zu können. Als Testimonials für diese stellten sich bei der Science to Business-Präsentation zwei Spin-offs vor: Ensemo und Agrobiogel. Beide Startups sind im Feld Biotechnologie für die Landwirtschaft tätig und sind am darauf spezialisierten Maker Space in Tulln beheimatet. Ensemo „impft“ Saatgut mit Mikroorganismen, um den Einsatz von Spritzmitteln unnötig zu machen. Agrobiogel hat ein Granulat auf Holzbasis entwickelt, das Wasser im Boden speichert und den Wasserverbrauch in der Landwirtschaft signifikant reduziert.

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Christian Mentin, Head of Research Unit System-Level Integration Technologies bei Silicon Austria Labs | (c) Peter Drechsler / SAL

Das österreichische Forschungszentrum Silicon Austria Labs (SAL) hat nach eigenen Angaben das weltweit dünnste bidirektionale 11-Kilowatt-Bordladegerät für Elektroautos entwickelt. Die sogenannte „Tiny Power Box 2.0“ ist nur fünf Zentimeter hoch und soll Autoherstellern neue Möglichkeiten beim Einbau bieten. Entwickelt wurde der Prototyp von Forschungsteams in Villach und Graz gemeinsam mit den Industriepartnern Infineon, AVL, TDK, Fronius und MetaSystem. Das Forschungsprojekt hatte ein Volumen von 7,2 Millionen Euro.

Laden und Strom zurückspeisen

Jedes Elektroauto verfügt über einen sogenannten On-Board-Charger. Dieser wandelt den Wechselstrom aus der Steckdose oder Wallbox in Gleichstrom um, den die Fahrzeugbatterie speichern kann. Die Tiny Power Box 2.0 übernimmt dabei gleich drei Funktionen: Sie lädt die Batterie mit bis zu elf Kilowatt, kann Strom aus dem Fahrzeug zurück ins Haus oder öffentliche Netz speisen und versorgt über einen integrierten Wandler auch das 12-Volt-Bordnetz. Darüber werden unter anderem Beleuchtung, Steuergeräte und Infotainment betrieben. Dafür ist bislang häufig ein separates Bauteil notwendig.

Durch die bidirektionale Funktion könnte ein geparktes Elektroauto künftig auch als Stromspeicher dienen. Beispielsweise ließe sich tagsüber erzeugter Solarstrom in der Fahrzeugbatterie speichern und bei Bedarf wieder im Haushalt nutzen.

Mehr Leistung auf weniger Raum

Die größte Herausforderung bei der Entwicklung sei die Wärme gewesen, die beim Umwandeln des Stroms entsteht, heißt es von SAL. Je kompakter das Ladegerät, desto schwieriger wird es, diese abzuführen.

„Bei 50 Millimetern Bauhöhe liegt die eigentliche Herausforderung in der Wärmeentwicklung, die auf sehr kleinem Raum abgeführt werden muss. Wir haben Kühlung, magnetische Komponenten und Isolation deshalb in kombinierten Designprozessen als ein gemeinsames Gesamtsystem simuliert und entwickelt. Nur so lassen sich 11 Kilowatt bidirektional auf engstem Bauraum umsetzen“, erklärt Christian Mentin, Head of Research Unit System-Level Integration Technologies bei Silicon Austria Labs.

Die Entwicklung baut auf einem Vorgängerprojekt aus dem Jahr 2022 auf. Damals hatte SAL bereits ein kompaktes Ladegerät mit sieben Kilowatt Leistung entwickelt. Die neue Generation erreicht elf Kilowatt und kommt dabei mit einer deutlich geringeren Bauhöhe aus.

Forschungsergebnisse für weitere Anwendungen

Nach dreieinhalb Jahren Forschung liegt die Tiny Power Box 2.0 nun als Prototyp vor. Mit fast allen beteiligten Industriepartnern laufen bereits Folgeprojekte. Dabei sollen die entwickelten Technologien auch in anderen Bereichen zum Einsatz kommen, etwa in der Ladeinfrastruktur für Elektromobilität, in industriellen Gleichstromnetzen oder bei der Stromversorgung von Rechenzentren.

Ob und wann die Tiny Power Box 2.0 selbst in Serienfahrzeugen eingesetzt werden könnte, ist derzeit offen. Interesse gibt es laut SAL aber bereits von europäischen und internationalen Autoherstellern.

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