22.08.2025
AUGUST-AUSGABE

„Schubkraft“: Neues brutkasten-Printmagazin erschienen

Die neue Ausgabe des brutkasten-Printmagazins ist erschienen. Am Cover: Dieter Grebner, der mit seinem 2007 gegründeten Industrieunternehmen Peak Technology aus Oberösterreich Bauteile für die Formel 1 und die Raumfahrt liefert.
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Peak-Technology-Gründer Dieter Grebner am Cover des brutkasten-Printmagazins
Peak-Technology-Gründer Dieter Grebner am Cover des brutkasten-Printmagazins | Foto: Viktoria Waba/brutkasten

Das brutkasten-Printmagazin wird exklusiv an die wichtigsten Stakeholder des österreichischen Innnovations-Ecosystems zugestellt.

Daneben ist es auch digital als Download erhältlich – der Link findet sich am Ende des Artikels.


„Wir müssen uns in Europa nicht verstecken“: Dieser Meinung ist Dieter Grebner. Er ist Gründer und CEO von Peak Technology. Die Bauteile des 2007 gegründeten oberösterreichischen Industrieunternehmens müssen unter härtesten Bedingungen bestehen — im Motorsport und in der Raumfahrt. Als Präsident von Austrospace, dem Verband der österreichischen Raumfahrtindustrie, engagiert sich Grebner auch auf politischer Ebene.

Einfach ist es nicht für Europa: Die USA investieren ein Vielfaches in die Raumfahrt. Doch Europa hat andere Stärken, wie Grebner sagt: niedrigere Lohnkosten, eingespielte Strukturen und hohe Mitarbeiterbindung. Was es aber dennoch braucht, ist mehr Tempo bei politischen Entscheidungen — und in der Umsetzung. „In der Raumfahrt gibt es jetzt ein Momentum, das wir nutzen können. Wenn wir warten, ist es weg“, sagt Grebner in unserer Coverstory (Seite 30).

Europa mangelt es an Umsetzung, nicht an Potenzial

Dass es in Europa nicht an Potenzial, sondern an der Umsetzung mangelt, sagt auch Julia Reilinger. Sie leitet B&C Innovation Investments, die Tech-Investmentgesellschaft der B&C-Gruppe, die wiederum ein Großaktionär hinter mehreren österreichischen Industrieunternehmen wie Lenzing, AMAG oder Semperit ist. „Gerade im Startup- und Scaleup-Sektor sind die Herausforderungen und Chancen längst klar benannt, ebenso die Hebel einer funktionierenden Kapitalmarktunion“, sagt Reilinger im Interview auf Seite 8.

Einen kritischeren Blick auf die Lage in Europa hat Sebastian Kurz. Der Ex-Bundeskanzler ist mittlerweile Gründer eines Cybersecurity-Startups mit Sitz in Israel, das von Investorinnen mit über einer Milliarde Dollar bewertet wurde. „Es gibt in Europa zu viel Regulierung für zu wenig Innovation“, sagt Kurz im brutkasten-Interview (Seite 22) — außerdem spricht er über die Herausforderungen, die seine neue Rolle mit sich bringt.

Veränderte Rollen

Um veränderte Rollen geht es auch an anderen Stellen in diesem Heft: Wir haben uns etwa angesehen, wie es Gründerinnen geht, die sich von der CEO-Position zurückziehen (Seite 52). Nicht nur von der Führungsposition, sondern von ihrem gesamten Unternehmen verabschieden musste sich Markta-Gründerin Theresa Imre — im Interview gibt sie Einblicke, wie sie mit der Insolvenz des urbanen Bauernmarkts umging (Seite 58). Die Gründer der für Millionenbeträge verkauften Startups Prescreen und mySugr wiederum haben uns erzählt, wie sie auch nach ihren Exits miteinander verbunden blieben (Seite 14).

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Prewave
Harald Nitschinger, Gründer von Prewave | (c) Prewave

Es nennt sich Quantified Resilience und soll zeigen, was Lieferkettenrisiken tatsächlich kosten. Das neue Portfolio des Wiener Startups adressiert die Risikolandschaft für globale Lieferketten, die sich seit Covid, der Chipknappheit sowie dem Krieg im Iran und in Russland verändert hat. Unternehmen haben in den vergangenen Jahren darauf reagiert und auf mehr Transparenz gesetzt, mehr Lieferanten überwacht und mehr Signale und Warnmeldungen verfolgt. Doch Einkaufsteams wollen nicht mehr Informationen, meint Co-Founder und seit Jänner alleiniger CEO Harald Nitschinger. „Sie wollen eine belastbare Entscheidungsgrundlage“, sagt er und bezieht sich auf eine Gartner-Studie aus 2026 mit dem Titel: „Market Overview for Supplier Risk Management Solutions.“ Teams, die ihre Zeit damit verbringen, schwer fassbare Risiken bei Sub-Tier-Lieferanten zu recherchieren und zu bewerten, hätten kaum Kapazitäten, um langfristige Resilienz aufzubauen.

Prewave: KI-Agenten übernehmen Recherche

Hier soll Quantified Resilience helfen, die globalen Risikodaten von Prewave mit den eigenen Daten eines Unternehmens zu verbinden, darunter Stücklisten, Lagerbestände, alternative Bezugsquellen und Umsatzzahlen. Spezialisierte KI-Agenten würden dann die Recherche übernehmen, Risiken priorisieren und deren mögliche finanzielle Auswirkungen auf das Unternehmen bewerten.

Ein Bestandteil des neuen KI-Portfolios heißt Prewave Respond und beinhaltet KI-Agenten, die Signale aus der gesamten Plattform bündeln und Risikosituationen danach ordnen, wie dringend Handlungsbedarf besteht. Risikomanager würden so auf einen Blick sehen, welche Situationen jetzt Aufmerksamkeit erfordern und welche warten können. Die Agenten lassen sich an die eigenen Prozesse und Prioritäten des jeweiligen Unternehmens anpassen.

Plattform zeigt Betroffenheit

„Die Bewertung einer Störung hat unser Risikoteam früher einen halben Tag gekostet, plus Abstimmung mit den Konzerneinkäufern, um die Auswirkungen auf die Lieferanten zu verifizieren“, erklärt Verena Rausch, Group Risk Manager bei der Vaillant Group, wie Prewave den Aufwand bei der Bewertung einzelner Störungen reduziert. „Beim Erdbeben von Kumamoto hat Prewave rund 50 aufgezeigte Lieferanten auf 11 eingegrenzt, die geprüft werden mussten, und einen unmittelbaren Produktionsstopp aufgezeigt. Das verkürzt den Zeitaufwand für jede Bewertung.“

Der Schlüssel zu dieser Priorisierung liege darin zu verstehen, was eine Störung für das Geschäft bedeutet. Die Prewave-Plattform kombiniert Informationen zu globalen Ereignissen, Lieferantenstandorten, Tier-n-Beziehungen und Rohstoffabhängigkeiten mit den eigenen Lieferketten- und ERP-Daten des Unternehmens. Sie zeige so, welche Lieferanten, Materialien oder Produkte tatsächlich betroffen sind.

Für Nitschinger ist Quantified Resilience der nächste Schritt im Umgang mit zunehmend komplexen Lieferkettenrisiken: „Unseren Kunden fehlt es nicht an Informationen. Im Gegenteil, sie werden mit Warnmeldungen, Ratings und Lieferanten-Updates überflutet. Wir geben ihnen jetzt Werkzeuge an die Hand, die diese Signale in eine konkrete Entscheidungsgrundlage verwandeln: Was verdient meine Aufmerksamkeit? Wo bin ich tatsächlich exponiert? Was steht finanziell auf dem Spiel? Und wo sollten wir Resilienz aufbauen, um die größte Wirkung zu erzielen? Quantified Resilience macht diese Zusammenhänge messbar und damit steuerbar.“

Resilienz von Kostenfaktor soll zur Investitionsentscheidung werden

Über die Priorisierung hinaus berechnet Prewave die finanziellen Auswirkungen einer Störung anhand von Daten wie Lagerbeständen, Stücklisten und Umsatz, heißt es. Damit soll die Resilienz von einem Kostenfaktor zu einer Investitionsentscheidung werden. Unternehmen könnten Ausgaben dorthin lenken, wo sie am meisten bewirken, und sie gegenüber Geschäftsführung und Vorstand mit belastbaren Zahlen untermauern.

Künftig will Prewave diesen Ansatz nutzen, um die Lieferketten seiner Kunden ganzheitlich und proaktiv zu optimieren. Prewave Optimise, ein weiteres Tool aus der „Quantified Resilience“-Strategie, das sich derzeit in der Beta-Phase befindet, soll zeigen, wo Absicherungen über das notwendige Maß hinausgehen und wo gefährliche Lücken bestehen. Ziel ist ein Lieferantennetzwerk, das Kosten und Resilienz entsprechend der individuellen Risikobereitschaft eines Unternehmens ausbalanciert.

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