23.05.2017

Der Schreibtisch steht im Baumhaus

Am Arbeitsplatz ein Nickerchen machen oder über eine Rutsche in den Stock darunter: Herkömmliche Büroräumlichkeiten haben ausgedient. Das Creative Office eröffnet neue Möglichkeiten im Arbeitsalltag.
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Türkisblau schimmert das Wasser im künstlich angelegten See, mittendrin ein beinahe originalgroßes Piratenschiff. Ein paar Meter weiter, in der Krone eines Plastikbaumes, befindet sich, von Efeu umrankt, ein Baumhaus. In der direkten Nachbarschaft wurde ein weißes Kunststoffschloss errichtet. In allen drei Gebilden stehen Schreibtische. Was zunächst wie eine Art Disneyland für Erwachsene wirkt, ist in Wahrheit der Arbeitsplatz von George Davisons Mitarbeitern. „Inventionland“ nennt er die Bürolandschaft, die sich über eine Fläche von 5.600 Quadratmetern erstreckt – das alles in einer Lagerhalle am Stadtrand von Pittsburgh. Der Geschäftsführer des Produktdesignunternehmens Davison Design & Development ist sicher, seine Mitarbeiter durch diese Office-Gestaltung zu kreativen Höchstleistungen animieren zu können. Alle paar Monate wechseln die Angestellten ihren Arbeitsplatz, müssen also zum Beispiel aus dem Schloss ins  Baumhaus umziehen. Die erste Devise: Es darf nur nicht langweilig werden.

Weg von der Eintönigkeit, hin zu bunten, begrünten Büroräumlichkeiten

Im Kontrast zur grauen, uniformen Bürogestaltung der vergangenen Jahrzehnte in Europa mag Inventionland wie ein Traum wirken; für manche auch wie ein kitschiger Albtraum. Doch obwohl nicht immer gleich künstliche Gewässer angelegt werden, hat auch in diesem Bereich ein neues Zeitalter begonnen: Die Arbeitsumgebung ist immer mehr einem Wandel unterworfen – weg von der Eintönigkeit, hin zu bunten, begrünten Büroräumlichkeiten. Dafür gibt es auch einen passenden Namen: Creative Office heißt der Trend. Am deutlichsten ist diese Veränderung wohl an der immer stärker werdenden Abkehr von einzelnen Räumen für ein bis zwei Mitarbeiter zu erkennen. In vielen Firmen hat sich das Großraumbüro bereits bewährt. Zwar ist die Umstellung für all jene, die die Privatsphäre des eigenen Zimmers genossen haben, meistens hart, doch scheinen die Vorteile einer offenen Atmosphäre am Arbeitsplatz zu überwiegen. Studien zeigen, dass das Abbauen räumlicher Grenzen dazu anregt, spontan Gedanken auszutauschen, und so einfacher neue Ideen entstehen. Informelle Gespräche würden dadurch aber nicht gefördert, meinen Experten. Immerhin weiß ansonsten schnell einmal das ganze Büro vom Liebeskummer der Tochter oder dem Leberleiden des Schwiegervaters.

„Es geht darum, einen Arbeitsplatz zu schaffen, an dem sich Mitarbeiter wohlfühlen. Schließlich sind wir alle Menschen und keine Maschinen.“

Rüschensofas, U-Boot-Türen und riesige Union Jacks

Während vielen schon beim Gedanken an die Etablierung eines Großraumbüros ein kalter Schauer über den Rücken läuft und ein gedankliches Bild von enormer Lautstärke, gegenseitiger Spionage und genauester Arbeitszeitüberwachung entsteht, sind andere Firmen schon einen Schritt weiter gegangen. So hat etwa in der Londoner Google-Zentrale vor einigen Jahren ein ganz neues Design Einzug gehalten: Rüschensofas, U-Boot-Türen und riesige Union Jacks an den Wänden sind für die britischen Google-Mitarbeiter bereits Alltag. Die weiten Sofalandschaften im Gebäude sowie die von den Angestellten selbst bewirtschaftbaren Gärten sind als Elemente zur Entspannung zwischendurch gedacht – um den Kopf freizubekommen für neue Ideen. Auch in Österreich setzt sich die kreative Bürogestaltung immer häufiger durch. 2011 wurde die Zentrale von Microsoft Österreich einem Komplettumbau unterzogen. Bunte Wände, teilweise von Pflanzen bewachsen, sind dort nun beinahe überall zu sehen. Die Rutsche innerhalb des Gebäudes ist das Highlight jeder Microsoft-Führung und schon jetzt gewissermaßen zum Sinnbild für Creative Offices in Österreich geworden.

Redaktionstipps

Keine festen Arbeitsplätze

Außerdem haben nur noch wenige Mitarbeiter einen festen Arbeitsplatz. Der Rest kann sich immer andere Orte im Gebäude suchen, die den momentanen Arbeitsbedürfnissen am besten entsprechen. Das hat auch Auswirkungen auf die Geschäftsführung: „Wenn plötzlich drei Viertel der Mitarbeiter keinen festen Arbeitsplatz mehr haben, sondern sich je nach Tätigkeit flexibel einen passenden Platz suchen können, dann muss natürlich auch die Führungsebene mit gutem Beispiel vorangehen. Daher hat selbst der General Manager bei Microsoft Österreich kein eigenes Büro“, sagt Susanne Ostertag, Leiterin der Application Services Group bei Microsoft Österreich. Weil der Umbau bei den Mitarbeitern gut ankommen sollte, habe man im Vorfeld Wert darauf gelegt, sie in die Planung miteinzubeziehen. „Eingeteilt in unterschiedliche Arbeitsgruppen haben unsere Mitarbeiter aktiv ihre Ideen für die Umsetzung erarbeitet und eingebracht“, erklärt Ostertag. „Es ging ja auch nicht nur um die Umgestaltung der Räume, sondern um eine umfassende Philosophie, die durch Selbstverantwortung, Zielvereinbarungen und hohe Flexibilität geprägt ist. Die aktive Mitarbeit aller Betroffenen war dabei unerlässlich.“

„Wenn plötzlich drei Viertel der Mitarbeiter keinen festen Arbeitsplatz mehr haben, dann muss natürlich auch die Führungsebene mit gutem Beispiel vorangehen.“

Hohe Akzeptanz fürs Creative Office

Wissenschaftlich begleitet wurde der Umbau der Wiener Microsoft-Zentrale von der FH Krems. Sie führte im Nachhinein auch Befragungen durch, um herauszufinden, wie zufrieden die Mitarbeiter mit der Neugestaltung waren. Das Ergebnis zeigte, dass die Akzeptanz für die Umgestaltung sehr hoch und die Zufriedenheit mit den Veränderungen groß war. 90 Prozent der Befragten gaben an, das neue Büro würde sich positiv auf den Spaß bei der Arbeit auswirken – wohl die Freunde des Rutschens. Und heute, fast sechs Jahre nach dem Umbau? Dass die Mitarbeiter des Unternehmens sich an den bunten Wänden sattgesehen haben und statt der Rutsche doch lieber die Treppe nehmen, ist nicht eingetreten. Im Gegenteil: „Wir lockern unseren Arbeitsalltag mit der einen oder anderen Rutschpartie oder einer Auszeit am Gartenteich immer wieder gerne auf. Diese Möglichkeiten helfen uns auch dabei, „out of the box“ zu denken, und schlagen sich in einer gesteigerten Kreativität der Mitarbeiter nieder“, sagt Ostertag. Tatsächlich gibt das Unternehmen an, sowohl Zufriedenheit als auch Produktivität der Mitarbeiter hätten sich seit dem Umbau der Büroräumlichkeiten merkbar gesteigert.

Nickerchen zwischen Gesetzbüchern

Dass Müdigkeit die Produktivität und Zufriedenheit von Mitarbeitern schwächt, ist vor allem in besonders arbeitsintensiven Branchen bekannt. Doch auch hier kann mit einer angepassten Bürogestaltung gegengesteuert werden. Das hat etwa die Wiener Rechtsanwaltskanzlei Schönherr bemerkt. Sie stellt ihren Juristen und Mitarbeitern sogenannte Napping Areas zur Verfügung. Das sind Bereiche, die Platz und Ruhe für ein kurzes Schläfchen zwischendurch bieten. Wie, die schlafen dort während der Arbeitszeit? Ja. „Mit dem Napping Room wollen wir unseren Juristen und Mitarbeitern die Möglichkeit geben, sich zwischendurch eine kurze Auszeit zu nehmen, zum Beispiel, um das Mittagstief zu überwinden und anschließend gestärkt und entspannt an den Arbeitsplatz zurückzukehren. In vielen Ländern sind Napping Rooms schon seit Langem etabliert“, sagt Birgit Telsnig, Director Business Operations bei Schönherr.

Illusion von Freizeit?

Als der Plan zur Einrichtung der Räume bekannt wurde, reagierten die Mitarbeiter sehr unterschiedlich. Einige freuten sich auf die Möglichkeit zum Power-Nap, andere hingegen hielten das für eine unnötige Neuerung. Schlafen am Arbeitsplatz ist nun einmal nicht jedermanns Sache. Dennoch: Der Bereich wird gut angenommen und genutzt. „Das wissen wir anhand der Decken und Bezüge, die zur Reinigung gehen“, erklärt Telsnig. Genaue Nutzerzahlen gebe es aber nicht, da der Bereich nicht überwacht wird – die Schläfer bleiben dadurch anonym. Bei selbst bewirtschafteten Mitarbeitergärten, Rutschen und Schlafnischen im Büro drängt sich natürlich der Vorwurf auf, die Unternehmen würden mit diesen Zusatzangeboten hauptsächlich darauf abzielen, ihre Angestellten möglichst lange am Arbeitsplatz zu halten. Es entstünde eine Illusion von Freizeit, während man eigentlich nicht richtig abschalten kann, meinen Gegner. Birgit Telsnig von  Schönherr sieht das anders: „Es geht darum, einen Arbeitsplatz zu schaffen, an dem sich die Mitarbeiter wohlfühlen und an dem wir auf ihre Bedürfnisse während der Arbeitszeit eingehen. Schließlich sind wir alle immer noch Menschen und keine Maschinen.“

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© Wiener Börse/Nik Pichler

Österreichische Unternehmen setzten im bisherigen Jahresverlauf 2026 positive Impulse am Kapitalmarkt, auch wenn die Belebung noch nicht alle Marktsegmente erfasste. Wie das aktuelle IPO Barometer der Prüfungs- und Beratungsorganisation EY zeigt, stehen vier Neuzugänge an der Wiener Börse, ein neuer ATX-Rekord sowie zwei Börsengänge österreichischer Unternehmen im Ausland zu Buche.

Die zwei Auslands-Listings waren das Unternehmen Asta Energy, das im Jänner in Frankfurt an die Börse ging, sowie Innio Jenbacher mit dem Börsengang im Juni an der Nasdaq. Parallel dazu entwickelte sich der heimische Aktienmarkt stark: Der ATX inklusive Dividenden erreichte am 28. September mit 17.618,00 Punkten ein neues Allzeithoch und liegt seit Jahresbeginn mehr als 30 Prozent im Plus.

Vier Neuzugänge an der Wiener Börse

Am österreichischen Kapitalmarkt verzeichnete die Wiener Börse im laufenden Jahr vier Neuzugänge. Mit dem Handelsstart der Biogena Good Vibes AG am 10. September im Segment direct market plus kam der vierte Neuzugang an die Börse – brutkasten berichtete. Dem Listing ging eine außerbörsliche Kapitalerhöhung mit öffentlichem Aktienangebot voraus. Laut Unternehmensangaben zeichneten mehr als 2.300 neue Aktionär:innen Aktien, wobei sich der Mittelzufluss auf fast 18 Mio. Euro belief. Zuvor gingen dieses Jahr die Emerald Horizon AG im standard market (brutkasten berichtete), die FIT Group AG im direct market plus und die K2G Holding AG im direct market an den Wiener Markt.

Ein klassischer IPO eines österreichischen Unternehmens im geregelten Markt wurde im dritten Quartal hingegen nicht verzeichnet. Seit Anfang Juli ist der direct market plus zudem als EU-KMU-Wachstumsmarkt registriert, was insbesondere Wachstumsunternehmen und KMU den Zugang zum Kapitalmarkt erleichtern soll.

„Für nachhaltige Belebung des IPO-Markts braucht es gut vorbereitete Pipeline börsenreifer Unternehmen“

„Das dritte Quartal zeigt ein differenziertes Bild: Ein klassischer IPO im geregelten Markt blieb zwar aus, zugleich belegen die Neuzugänge und insbesondere das zusätzliche Listing von Biogena, dass der Kapitalmarkt auch für österreichische Wachstumsunternehmen eine relevante Finanzierungsoption sein kann. Dass mehr als 2.300 neue Aktionärinnen und Aktionäre gewonnen und fast 18 Millionen Euro eingeworben wurden, ist ein positives Signal für die Mobilisierung privaten Kapitals“, analysiert Martina Geisler, Partnerin und Leiterin IPO bei EY Österreich.

„Für eine nachhaltige Belebung des heimischen IPO-Markts braucht es nun eine gut vorbereitete Pipeline börsenreifer Unternehmen. Entscheidend sind eine überzeugende Equity Story, transparente Governance, realistische Bewertungsvorstellungen und die Bereitschaft, den Kapitalmarkt frühzeitig in die Wachstumsstrategie einzubinden. Der EU-KMU-Wachstumsmarkt kann dabei helfen, die Einstiegshürden für kleinere und mittlere Unternehmen zu senken“, so Geisler weiter.

Wer den Kapitalmarkt in Betracht ziehe, müsse daher „frühzeitig Börsenreife herstellen und seine Equity Story klar auf die Bedürfnisse eines internationalen Investorenkreises ausrichten“, heißt es von EY.

Erweiterung im global market

Neben den Neuzugängen erweiterte die Wiener Börse am 9. September den global market – das Handelssegment für bereits an anderen Börsen notierte internationale Aktien – um 45 Titel aus dem Nasdaq 100 und dem S&P 500. Damit sind dort nun erstmals mehr als 1.000 internationale Wertpapiere in Euro, zu Inlandskonditionen und während der Wiener Börsenzeiten handelbar. Bei diesen Einbeziehungen handelt es sich nicht um österreichische IPOs.

Im weltweiten Vergleich blieben die IPO-Märkte im dritten Quartal 2026 mit 367 Börsengängen nahezu stabil (Vorjahresquartal: 374), während das Emissionsvolumen um 79 Prozent auf 93,3 Mrd. US-Dollar stieg. „Die hohen Emissionsvolumina dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Erholung des IPO-Markts noch nicht in der Breite angekommen ist. Das dritte Quartal wurde stark von wenigen sehr großen Transaktionen geprägt“, erläutert Geisler.

Weltweit entfielen im dritten Quartal rund 75 Prozent des Platzierungsvolumens auf die Branchen Advanced Manufacturing und Technology. Getragen werde der Markt laut EY von Equity Stories, die auf kritische Infrastruktur und Energie, KI und Robotik sowie Verteidigung einzahlen.

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